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Zum zweiten Mal trafen sich am vergangenen Samstag in der Feuerwache Böblingen engagierte Feuerwehrleute aus Deutschland Österreich Frankreich und der Schweiz um interessante und aufschlussreiche Vorträge von internationalen Referenten zu hören.

Auch dieses Mal wurde die gesamte Veranstaltung perfekt durch ein Team der Freiwilligen Feuerwehr Böblingen organisiert. Jede Menge Verpflegung und Informationsmaterial waren genügend vorhanden eine konsequente Einhaltung des straffen Zeitplans sorgte für eine rundum gelungene Veranstaltung. Die größtenteils in Englisch gehaltenen Vorträge wurden von Adrian Ridder aus dem Team von Atemschutzunfaelle.eu ins Deutsche übersetzt.

Fotostrecke auf Flickr

Glücklicherweise sorgte der morgentliche Schneefall für keinerlei
Verspätungen bei den anreisenden Gästen. Lediglich die eingeteilte
Wachmannschaft der Böblinger Feuerwehr hatte einen Einsatz nach einem
Verkehrsunfall zu verzeichnen und konnte deshalb nur mit einer
Unterbrechung der Veranstaltung beiwohnen.weiter…Nach der
Begrüßung durch den Kommandanten der Feuerwehr Böblingen Thomas Frech
referierte John Taylor aus England zum Thema Management von Luftströmen
bei Brandeinsätzen. Hierfür zeigte er ein virtuell nachgestelltes
Szenario eines Zimmerbrandes der sich 1993 in einem Wohnhaus in
Großbritannien ereignet hatte. Dieses Szenario konnten Feuerwehrleute
auf einer Onlineplattform beurteilen. Hierbei ergaben sich die
verschiedensten Varianten der Vorgehensweise.John Taylor
Die damals tatsächlich gewählte Vorgehensweise zeigte dass bei
richtigem Umgang und dem Lesen der Situation in diesem Fall eine
Menschenrettung in einem Geschoß oberhalb des Brandraumes sicher
durchgeführt werden konnte. Der Brandraum konnte abgeschottet werden
hierdurch wurde einerseits das Gebäude nicht weiter verraucht und
andererseits die Luftzufuhr zum Brandraum unterbrochen. Somit bestand
bei diesem Beispiel der Innenangriff nach schließen der Tür zum
Brandraum vorerst nur aus einer sicher durchführbaren Menschenrettung.
Im Anschluss konnte in aller Ruhe der Brand gelöscht werden.

Um eine solche Situation richtig deuten zu können und eine solche
Möglichkeit erkennen zu können bedarf es einer genauen Kenntnis über
Brandrauch. Die im Vortrag vorgestellte Formel „MITCH“ steht für die zu
deutenden Faktoren „Movement Ignitability Temperature Colour
Horizontal Position of the neutral Zone“.

Zu Deutsch: Bewegungsbild des Rauchs Entzündbarkeit der Rauchgase
Temperatur des Rauchs Farbe des Rauchs und die untere
Rauchschichtgrenze. Nur wenn all diese Faktoren von einem
Einsatzleiter aber auch von der Mannschaft erkannt und gedeutet
werden können ist der richtige Umgang mit dem Brandrauch möglich.

Shan Raffel aus Australien referierte im Anschluss zum Thema „Reading
the Fire“ – Einen Brand lesen. Während Raffel zuvor an dem Beispiel
zeigte wie dank genauer Kenntnisse einer Brandsituation Situation
richtig entgegnet werden konnte wurden nun die Voraussetzungen – die
erforderlichen Kenntnisse – genauer erläutert.

Shan Raffel

Nicht nur genaue Kenntnisse zum Brandrauch sind erforderlich! Die
Formel „SAHF“ steht für „Smoke Air Heat Flame“. Der Vortrag bot
einen Überblick über nötige Erkenntnisse zum Brandrauch Luftstrom
Hitze und Flammenbild. Durch die erläuterten Grundkenntnisse in diesen
Bereichen kann ein Brand gelesen werden. „Die Fähigkeit einen Brand zu
lesen ist die Voraussetzung für einen sicheren Feuerwehrmann“ so Raffel.

Ed Hartin aus den USA stellte sich zunächst dem Fachpublikum vor. Er
blickt auf eine 33-jährige Karriere als Berufsfeuerwehrmann zurück
seinen ersten Einsatz erlebte er allerdings bereits im zarten Alter von
sechs Wochen. Da sein Vater Fire Chief war blieb ihm keine andere Wahl…

Ed Hartin

In seinem Vortrag erläuterte Hartin den aktuellen Stand bei der
Belüftung im Brandeinsatz. Einführend blickte er zurück in die
Feuerwehrgeschichte. Sir Eyre Massey Shaw seinerzeit Oberhaupt der
London Fire Brigade verfasste im Jahr 1876 bereits seine Beobachtungen
zur Ventilation. Damit war er aber längst nicht der Erste der sich
diesem Thema widmete.

In den USA geht man in der Regel mit umfangreichen aber wenig
kontrollierten Ventilationen vor. Dort wird mit sehr viel
Wasserdurchflussmenge am Strahlrohr gearbeitet und der Fokus liegt beim
direkten Angriff des Feuers. In Europa hingegen sind sehr begrenzte
aber dafür kontrollierte Ventilationen die Regel. Die Durchflussmengen
am Strahlrohr sind geringer und es gibt sowohl direkte als auch die
indirekte Löschtaktik mit der Rauchgaskühlung.

Nach diesem etwas überspitzten Vergleich zwischen der Vorgehensweise
bei der Ventilation in den USA auf der einen Seite und in Europa auf
der anderen Seite stellte der Referent fest dass sicherlich beide
Seiten von den Erfahrungen der Anderen lernen können. Ventilation ist
grundsätzlich der Luftaustausch in einem Gebäude. Ventilation findet
immer statt. Im Brandfall beinhaltet dieser Prozess die
Rauchgasabführung und die Versorgung des Brandes mit Sauerstoff.

Es gibt zwei Arten von Bränden: Den brennstoffkontrollierten und den
ventilationskontrollierten Brand. Jeder Brand beginnt
brennstoffkontrolliert das heißt das Brandverhalten hängt in erster
Linie vom brandgut ab. In der Fortentwicklung wird ein Feuer
irgendwann je nach Dimension und Situation des Brandraums zum
ventilationskontrollierten Brand.

Nun ist der Brandverlauf davon abhängig wie die Rauchabführung und die
Sauerstoffzufuhr möglich sind. In den meisten Fällen sind Brände beim
Eintreffen der Feuerwehr schon ventilationskontrolliert. In die
Abhängigkeit des Brandprozesses von der Ventilation kann durch die
Feuerwehr aktiv eingegriffen werden um den Fortlauf des Brandes zu
verändern ihn gar zu steuern. Durch taktische Ventilation können
Rauchgase abgeführt werden. So entsteht eine sicherere Umgebung für
Einsatzkräfte und eine überlebensfähigere Umgebung für im Gebäude
befindliche Opfer.

Dies kann durch Öffnen von vorhandenen Fenstern Türen oder
Rauch-Wärmeabzugsanlagen geschehen oder durch schaffen von zusätzlichen
Öffnungen sowie durch den zusätzlichen Einsatz von Belüftungsgeräten.

Durch die taktische Anti-Ventilation sprich durch Verhindern eines
Luftstroms kann ein Brand an der Ausweitung gehindert werden. In
diesem Fall müssen vorhandene Türen geschlossen und unter Umständen
beispielsweise durch Riegelstellungen gesichert werden.

Bei der Anwendung dieser Taktik muss vorher klar sein was Zweck der
(Anti-)Ventilation sein soll die Richtung eines erzeugten Stroms muss
definiert werden der Ort an dem die Maßname wirken soll muss definiert
sein die dafür richtige Methode ist zu Wählen und die richtige
Reihenfolge der notwendigen Schritte muss festgelegt werden.

Des Weiteren muss die Vorgehensweise immer mit der Brandbekämpfung und
der Menschenrettung abgestimmt sein. So erläuterte Ed seine
Entscheidungsmatrix bei der taktischen (Anti-)Ventilation.

Am Ende seines Vortrags stand eine Warnung: Falsche
Ventilationstaktiken können genau das Gegenteil des erwünschten Effekts
bewirken. Ventilation ist ein Komplizierter Prozess und will gelernt
sein sie besteht nicht einfach daraus unüberlegt ein Belüftungsgerät
zu positionieren.

Nach dem schwäbischen Mittagessen trug Jan Südmersen aus Osnabrück

einige Gedanken zum Thema Waldbrandbekämpfung vor. Die Brandbekämpfung
und somit natürlich auch die Bekämpfung von Waldbränden zählt zu den
Kernkompetenzen der Feuerwehr.

Jan Südmersen

Hier kann sie auf keine Spezialkräfte von anderen Hilfsorganisationen
zurückgreifen. Vorteilhaft wirken sich in Deutschland die
flächendeckende Präsenz der Feuerwehren und ein sehr gutes
Überwachungssystem aus. Entstehungsbrände können sehr schnell entdeckt
und gelöscht werden.

Allerdings fehlt in Deutschland die Erfahrung im Umgang mit großen
Waldbränden. Oftmals ist beispielsweise nicht klar was bei Waldbränden
eine adäquate Schutzkleidung ist. Südmersen warnt davor spezielle für
Waldbrände beschaffte und dafür bestens ausgelegte Fahrzeuge nicht zu
ersetzen oder anstelle dieser andere Fahrzeuge zu beschaffen die nicht
mehr für den Einsatz bei Waldbränden geeignet sind.

Große schwere weniger geländegängige Tanklöschfahrzeuge können
lediglich als „Zubringerfahrzeuge“ für den Wassertransport eingesetzt
werden. Allerdings besteht das Fahrzeugkonzept für Waldbrandeinsätze
zusätzlich zu den Zubringerfahrzeugen noch aus den kompakten wendigen
und geländegängigen Angriffs-Tanklöschfahrzeugen die im Wald direkt zur
Brandbekämpfung eingesetzt werden können. Solche Fahrzeuge sollten auch
gleichzeitig fahren und Wasser abgeben können.

Konzepte und Taktiken zur Waldbrandbekämpfung wie sie mit den in
Deutschland vorgehaltenen Einsatzmitteln sinnvoll sind sind vorhanden
im Vortrag wurden einige Vorgehensweisen beispielhaft gezeigt.
Allerdings bemängelte der Referent dass diese Taktiken in die
Ausbildung der Feuerwehrleute kaum einfließen. Südmersen rief dazu auf
diese Thema nicht zu vernachlässigen.
Des Weiteren rief Südmersen dazu auf weiterhin mit den Forstbehörden auch bei der Vorbeugung eng zusammenzuarbeiten.

Das fliegerische Personal von Bundeswehr und Polizei könne leiste der
Brandbekämpfung mit Hubschraubern gute Arbeit allerdings könne der
Hubschraubereinsatz so Südmersen durch die Einbindung von
Fachpersonen der Feuerwehr noch optimiert werden.

Kritisch merkte Südmersen an dass der Waldbrandeinsatz im Ausland
teilweise von den Bedingungen her eine ganz andere Herausforderung
darstellt. Als in Deutschland ausgebildeter Feuerwehrmann kann hier
oft kaum geholfen werden. Oftmals würde man sich sogar mangels
Erfahrung und Spezialausbildung in Lebensgefahr begeben.

Der Verein @fire beschäftigt sich mit diesem Thema intensiv und hat
eine Einheit aufgestellt die mit ihrer Technik und Ausbildungsstand in
der Lage ist im Ausland in den Einsatz zu gehen. Kürzlich wurde eine
weitere @fire-Einheit mit Standort im Böblingen gegründet.

Für heitere Stimmung sorgte Holger de Vries aus Hamburg der einen Vortrag zum Thema Druckluftschaum hielt.

Holger de Vries

Jan Ole Unger ebenfalls aus Hamburg Mitblogger des Feuerwehr-Weblogs
drehleiter.informant stellte eine gemeinsame Initiative von
drehleiter.info atemschutz.org und atemschutzunfaelle.eu vor:
Anleiterbereitschaft – A Stairway to Safety!

Jan Ole Unger

Anleiterbereitschaft ist eine einsatztaktische Maßname zur
Sicherstellung eines zweiten Rettungswegs für im Innenangriff
befindliche Atemschutzgeräteträger.

Je nach Situation soll hiefür die Drehleiter tragbare Leitern und/oder
Sprungrettungsgeräte an der Einsatzstelle profilaktisch in Stellung
gebracht werden. Unger erläuterte hierzu die Vorgehensweise an
Beispielen. Die Anleiterbereitschaft sollte schon bei der Ausbildung
angewendet werden. So sollte bei der Atemschutzausbildung das
Selbstretten über bereitstehende Leitern gelehrt werden in der
Grundausbildung das automatische Bereitstellen von Leitern und in den
Führungsausbildungen die taktischen Grundsätze.

Anschließend referierte Unger über die bei vielen Lesern sicherlich
bereits bekannte HAUS-Regel die einen Leitfaden für das Aufstellen von
Drehleitern bietet.

Sinisa Jembrih Feuerwehr Zagreb begann seinen Vortrag mit
einführenden Worten zu Kroatien und der Stadt Zagreb. Dank der
österreichischen Geschichte des Landes weist das Feuerwehrwesen in
Kroatien viel Ähnlichkeiten mit den deutschen Feuerwehren auf. Als
typischstes Merkmal neben den Berufsfeuerwehrleuten eine beachtliche
Anzahl freiwilliger Kräfte bei den kommunalen Feuerwehren.

Sinisa Jembrih

Der Unabhängigkeitskrieg von 1992 bis 1995 forderte auch im Kreise der
Feuerwehr viele Todesopfer. Aber auch zerstörte Feuerwehrgebäude und
–Technik warf die Kroatische Feuerwehr weit zurück. Das Land hat ein
Förderprogramm ins Leben gerufen und beschafft sehr viele der
Feuerwehrfahrzeuge zentral die führt zu einer großen Einheitlichkeit
in der Technik. Da es keine eigene Normung im Brandschutz gibt greift
man auf die DIN-Normen oder jetzt auch auf die einheitlichen
europäischen Normen zurück.

Für die häufig Auftretenden Waldbrände stehen so genannte
Eingreifgruppen zur Verfügung. Sie sind speziell ausgebildet und
rekrutieren sich aus den kommunalen Feuerwehren. Mit Hubschraubern
können sie schnell in ihre Einsatzgebiete auch im benachbarten
Ausland gebracht werden. Auch vier Löschflugzeuge des Typ Canadair
sind vorhanden zwei weitere werden in den nächsten Jahren in Dienst
gestellt.

Für die Ausbildung der Gebäudebrandbekämpfung wurde jetzt eine
holzbefeuerte Ausbildungsanlage errichtet um auch hier auf dem
neuesten Stand der Ausbildung zu sein. In Deutschland wurden 22
Ausbilder für das „Training für das Verhalten im Innenangriff“
ausgebildet die nun ihr Wissen an die Feuerwehrleute in Kroatien
weitergeben können.

An der Landesfeuerwehrschule wurden auch bereits Lehrgänge in einer gasbefeuerten Übungsanlage durchgeführt.

Bei einem schlimmen Unglück sind kürzlich zwölf kroatische
Feuerwehrleute bei der Waldbrandbekämpfung ums leben gekommen. Ein
unvorstellbarer Verlust für die kroatische Feuerwehr. Jembrih wünschte
den Seminarteilnehmern dass sie weiterhin viel lernen und umsichtig
sein mögen so dass solche Unglücke möglichst vermieden werden können.

Abschliessend stellte der Hauptorganisator Jürgen Ernst von der
Feuerwehr Böblingen nochmals fest dass die Brandbekämpfung – die
Kernkompetenz der Feuerwehr – wohl die Anspruchsvollste Aufgabe ist.
Brandbekämpfung ist sehr Komplex und muss sehr schnell gehen. Im
Einsatz bleibt kaum Zeit zur Vorbereitung und um zu Überlegen.

Jürgen Ernst

Weiterhin kann nur in der Aus- und Fortbildung intensiv gearbeitet werden um dieser komplexen Aufgabe sicher gewachsen zu sein.

Die Resonanz der Veranstaltung deren Ziel es ist die Weiterbildung in
der Brandbekämpfung mit spannenden Themen zu bereichern war durchwegs
positiv.

bb_alle.jpg

Ein drittes Böblinger Brandbekämpfungsseminar ist in Aussicht…

Kommentare

Keine Kommentare bislang zu “Seminar in Böblingen” (davon )

  1. rakeman am 17. November 2007 21:18

    Das wäre mal ein Testkommentar

  2. Ulrich Wolf am 20. November 2007 22:20

    Und hier mal die Testantwort.
    Jetzt gefällt mir die Seite (Magazin) schon viel besser!
    Ulli

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