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Von Adrian Ridder Atemschutzunfaelle.de

Der Sicherheitstrupp stellt für Atemschutzgeräteträger im Einsatz die letzte „Verteidigungslinie“ in einem Notfall dar. Insofern muss er besonders ausgerüstet und trainiert werden um eine Chance zu haben eine solche Extremsituation mit Erfolg zu meistern.

Doch womit haben es Sicherheitstrupps denn eigentlich zu tun wenn sie eingesetzt werden? Ein Versuch diese Frage zu beantworten ist eine Analyse vergangener Sicherheitstrupp (SiTr)- Einsätze die vom Verfasser durchgeführt wurde.

Die gesammelten Daten stammen aus Berichten die auf www.atemschutzunfaelle.eu gefunden werden können. Sie stellen daher nur einen Teil der tatsächlich stattgefundenen Ereignisse dar (leider gibt es wohl eine hohe Dunkelziffer!) und können daher auch keine wissenschaftlich korrekten Ergebnisse liefern. Tendenzen lassen sich jedoch auch an den vorhandenen Daten erkennen.

In die Auswertung wurden nur Berichte einbezogen die ausreichende verwertbare Daten enthielten.

Insgesamt wurden so 101 Ereignisse mit 188 Betroffenen ausgewertet (Europa 55 Ereignisse / 98 Betroffene USA 46 Ereignisse/ 90 Betroffene).

Die Daten wurden getrennt für die USA bzw. Nordamerika und den europäischen Kontinent erhoben. Um größere Fallzahlen zu erhalten die besser Tendenzen erkennen lassen wurden diese Daten dann zusammengeführt (Gesamt).

 

Ursachen

Häufigste Ursache für Notfälle (und damit SiTr-Einsätze) sind Phänomene der Schnellen Brandausbreitung (Flashover Backdraft Rauchgasexplosion etc.) welche die Einsatzkräfte verletzten oder ihnen den Rückweg abschnitten.

Luftmangel und internistische Ursachen (z.B. Kreislaufkollaps Herzinfarkt) machen in den USA und Europa nur einen sehr geringen Anteil aus wobei sie in Europa ähnlich häufig (bzw. selten) sind wie technische Defekte.

Gesamt ergibt sich folgende Rangliste:

  1. Schnelle Brandausbreitung
  2. Absturz und Einsturz
  3. Orientierungsmange
  4. Luftmangel
  5. internistische Ursachen
  6. Technische Defekte am PA

Die Untersuchung der Anzahl der Todesfälle aufgeschlüsselt nach Ursachen zeigt insgesamt betrachtet folgendes Bild:

  1. Orientierungsmangel (23 Tote)
  2. Schnelle Brandausbreitung (19 Tote)
  3. Einsturz (12)
  4. eingeklemmt festhängende (5)
  5. Luftmangel/internistische Ursache (jeweils 3)

Die Untersuchung der prozentualen Todesfälle von den Betroffenen aufgeschlüsselt nach Ursachen ergibt folgendes Bild:

  • Internistische Ursachen: 750 % der Betroffenen verstarben
  • Orientierungsmangel: 675 % der Betroffenen verstarben
  • Einsturz: 387 % der Betroffenen verstarben
  • Luftmangel: 375 % der Betroffenen verstarben
  • Schnelle Brandausbreitung: 226 % der Betroffenen verstarben
  • Eingeklemmt festhängend: 217 % der Betroffenen verstarben
  • technischer Defekt am PA: 00 %  der Betroffenen verstarben

 

Rettungsarten

In Europa trat die Spontane Selbstrettung am häufigsten auf gefolgt von der Rettung durch einen SiTr. Insgesamt ergibt sich folgendes Bild:

  1. Rettung durch einen SiTr
  2. Rettung spontane Selbstrettung (nur knapp dahinter) mit deutlichem Abstand folgen
  3. Rettung durch mehrere SiTr
  4. Rettung durch Nicht-SiTr-Kräfte (2. anwesenden Trupp/“improvisierte“ SiTr-Kräfte) (wieder nur geringer Abstand)

Die Auswertung wie viel Prozent der Betroffenen verstarben aufgeschlüsselt nach Rettungsarten ergibt folgendes Bild (Gesamt):

  • Rettung durch mehrere SiTr: 914 % der Betroffenen verstarben
  • Rettung durch Nicht-SiTr-Kräfte: 346 % der Betroffenen verstarben
  • Rettung durch einen SiTr: 278 % der Betroffenen verstarben
  • Spontane Selbstrettung: 30 % der Betroffenen verstarben


Einsatz mehrerer Sicherheitstrupps

Dabei ist anzumerken dass in Europa 00 % der Betroffenen im Falle einer Selbstrettung verstarben.

Weiterhin kann man vermuten dass der hohe Prozentsatz der Todesopfer bei der Rettung durch mehrere SiTr nicht den Schluss zulässt dass der Einsatz derselben zu diesem Ergebnis geführt hat sondern vielmehr wohl erst zu spät massiv Personal eingesetzt wurde um noch etwas an der eskalierenden Lage ändern zu können und diese dann bereits außer Kontrolle geraten war. Der Einsatz von mehreren SiTr die sich gegenseitig unterstützen ist daher nicht weniger sinnvoll.

 

Auffindesituation 

Die Auffindesituation stellt sich folgendermaßen dar (aufgrund der fehlenden Angaben in vielen Unfallberichten liegen hier keine großen Fallzahlen vor weshalb man mit Schlüssen vorsichtig sein muss.)

Am häufigsten werden verunglückte AGT bei Bewusstsein angetroffen. In der Häufigkeit folgt dann das Auffinden ohne Bewusstsein ohne Spontanatmung. Die prozentuale Verteilung stellt sich folgendermaßen dar: 

Die prozentuale Verteilung stellt sich folgendermaßen dar:

  • 65 % bei Bewusstsein
  • 29 % ohne Bewusstsein ohne Spontanatmung
  • 6 % ohne Bewusstsein mit Spontanatmung

 

Auffindesituation: AGT ohne Spontanatmung

Die Verknüpfung der Auffindesituation mit der prozentuellen Zahl an Todesopfern von den in der jeweiligen Form aufgefundenen Betroffenen zeigt folgendes Bild:

  • Von „ohne Bewusstsein ohne Spontanatmung“ Aufgefundenen starben 100 %
  • Von „ohne Bewusstsein mit Spontanatmung“ Aufgefundenen starben 57 %
  • Von „bei Bewusstsein“ Aufgefundenen starben 28 %

 

Zeitaufwand für Rettung

Des Weiteren wurde versucht den Zeitaufwand für die Rettung verunfallter FA zu ermitteln. Insgesamt konnten diese Zeiten bei 25 Ereignissen ermittelt werden; aufgrund der relativ geringen Zahl sind die ermittelten Ergebnisse evtl. nicht sehr aussagekräftig.

Gesamt stellt sich folgendes Bild dar:

  • Durchschnitt für Rettungsoperationen: 428 min
  • Median: 15 min
  • Max: 280 min (nach Einsturz)
  • Min: 1 min (bzw. sofortige Selbstrettung)

 

Beatmung von FA ohne Spontanatmung im Gefahrenbereich

Eine Beatmung von spontanatmungslosen FA im Gefahrenbereich erscheint völlig unmöglich und auch unsinnig.

Eine Sterblichkeit der Spontanatmungslosen von 100% lässt den Schluss zu dass in solchen Fällen sehr aufwändige Versorgung notwendig wäre um überhaupt noch eine Chance zu haben. Dies lässt sich aber nur außerhalb des Gebäudes vom Rettungsdienst durchführen.

Davon abgesehen haben Versuche an der Rettungsassistentenschule der BF Düsseldorf gezeigt dass eine Beatmung mit Atemanschluss unmöglich ist. Der Ausatemwiderstand der Maske ist kleiner als der Einatemwiderstand der Lunge also kommt keine Luft in der Lunge. Hält man das Ventil zu überbläht ggf. die Lunge was evtl. tödlich sein kann.

Demzufolge ist fehlende Spontanatmung definitiv ein Indikator für eine schnelle Crashrettung um das Opfer schnellstmöglich der Versorgung durch den Rettungsdienst zuzuführen.

 

Fehlende Daten

Eine Auswertung was die SiTr vor Ort gemacht haben also insbesondere  die Frage "Crash-Rettung" oder "Versorgung vor Ort" kann leider nicht stattfinden da hierzu fast nie Aussagen in entsprechenden Unfallberichten gemacht wurden. Eine Aussage über die Sinnhaftigkeit bzw. Erfordernis von Zusatzausrüstung im SiTr lässt sich auf dieser Grundlage somit nicht treffen.

Der Einfluss von Maskendefekten/Verlust der Maske lässt sich aufgrund der dünnen Datenlage ebenso nicht abschließend bewerten (vgl. Diskussion um mitgeführte Ersatzmasken oder "Fluchthauben").

Es konnte jedoch die Tendenz festgestellt werden dass es bei diesen Defekten häufig zu spontaner Selbstrettung kam also kein SiTr-Einsatz notwendig wurde.

Auch Aussagen über die durchgeführten Rettungsmaßnahmen mit/ohne Hilfsmittel bzw. wenn mit welche (Tragehilfsmittel: Trage o.ä. Schleif-/Bergungshilfsmittel: Bandschlinge Rettungstuch) lässt sich aufgrund der Datenlage nicht abschließend beurteilen. Zum anderen kann auch eine statistische Auswertung größeren Umfanges hier nur eingeschränkte Aussagen treffen da die SiTr ja immer nur mit dem retten können was sie zur Verfügung haben.

Das Gleiche gilt für das Mitführen und Benutzen eines Reserve-PA. 

Kommentare

Keine Kommentare bislang zu “Einsätze von Sicherheitstrupps – Der Versuch einer Analyse” (davon )

  1. steffen am 7. Dezember 2007 23:54

    testcomment

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