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Von Adrian Ridder Atemschutzunfaelle.eu


 

Die in der Überschrift gestellte Frage sollte eigentlich rhetorischer Art sein denn im Grunde ist jedem klar dass AGT eine gewisse körperliche Leistungsfähigkeit besitzen müssen. Warum soll in diesem Artikel nochmals erklärt werden.

Die AGT werden vor allem durch drei Faktoren extrem belastet:

  • Gewicht der Ausrüstung
  • Klima
  • körperliche Arbeit

 

Gewicht der Ausrüstung

Die vollständig getragene PSA (Überjacke und – Hose Helm Handschuhe Stiefel Flammschutzhaube) inklusive Atemschutzgerät in Kombination mit weiterer mitzunehmender Ausrüstung (Schlauchleitungen Beleuchtungsgerät Funkgeräte Wärmebildkamera etc.) belasten den AGT schon recht stark auch wenn er noch gar nicht aktiv Personen retten oder Brände löschen muss.

So werden die AGT mit ca. 30 % ihres eigenen Körpergewichts zusätzlich belastet; in absolutem Gewicht ausgedrückt bedeutet dies dass ca. 25 kg bis hin zu 50 kg Ausrüstung mitgeführt werden müssen.

     
 Vollständig ausgerüstete AGT   Auch die Rettung verunfallter AGT ist eine extreme körperliche Belastung 


Diese für das Mitführen der Ausrüstung aufgewendete Energie steht nicht mehr für andere Tätigkeiten zur Verfügung wodurch mit einer Verminderung der Leistungsfähigkeit um 25 % zu rechnen ist.

Daher ist offensichtlich dass das Gewicht der Ausrüstung in größtmöglichem Maße reduziert werden muss. Die Beschaffung von CFK-Atemluftflaschen leichterer PSA (natürlich mit ausreichender Schutzwirkung!) das Weglassen unnötiger Ausrüstung (z.B. Feuerwehrhaltegurt) würden diesen Teil der Belastung schon erheblich reduzieren.                                                                                                                                                                                         

 

Klima

Des Weiteren arbeiten AGT u.U. längere Zeit bei Umgebungstemperaturen welche mehrere Hundert °C betragen können. Auch durch die körperliche Belastung entsteht Wärme welche nur schlecht abgeführt werden kann.

Versuche haben gezeigt dass während eines Einsatzes/einer Übung die Körperkerntemperatur um durchschnittlich ca. 10 °C ansteigt; Spitzenwerte von 41 °C wurden erreicht was schwerem bis kritischem Fieber entsprechen würde.

Auffällig ist dass schon das alleinige Tragen der Schutzkleidung eine Erhöhung des Ruhepulses um ca. 20 pro Minute zur Folge hat. Diese relativ große Belastung des untätigen (!) AGT ist auf die erhöhte Wärmebelastung durch die notwendige Schutzkleidung zurückzuführen.

Weiterhin werden den AGT durch die belastenden Faktoren in signifikantem Maße Elektrolyte sowie Körperflüssigkeit in Form von Schweiß entzogen. Dadurch kann es zu dem Problem der Dehydration kommen wodurch die Leistungsfähigkeit eingeschränkt wird.

 

Körperliche Arbeit

Den größten Anteil an der Belastung der AGT stellt die zu verrichtende körperliche Arbeit dar. Unter „körperlicher Arbeit“ sind in diesem Fall die Bewältigung des Gewichts der Ausrüstung und Aktivitäten wie z.B. Brandbekämpfung und Menschenrettung zu verstehen.

Diese Arbeit hat vor allem Auswirkungen auf das Herz-Kreislauf-System. So wurden bei einer durchschnittlichen Herzfrequenz (HF) von 186 pro Minute auch Spitzenwerte von über 200 pro Minute gemessen. Das ist eine extreme Belastung des Organismus (vergleichbar mit der Belastung bei sportlicher Höchstleistung). Auch ist es nicht so dass diese Belastung nur kurzzeitig wäre. In Versuchen wurde festgestellt dass während dem gesamten Atemschutzeinsatz die HF über der Dauerleistungsgrenze liegt.

Dauerleistungsgrenze bedeutet dass unterhalb dieser Schwelle der Körper relativ ermüdungsfrei arbeiten und somit eine Leistung über einen längeren Zeitraum konstant erbringen kann. Das Überschreiten der DLG führt zu zunehmender Ermüdung bis schließlich die Belastung abgebrochen werden muss. Dies ist bedingt durch die Umstellung von aerober (im Sauerstoffbereich) auf anaerobe Energiegewinnung (Sauerstoffmangel).

Ziel eines Trainings muss daher sein durch Ausdauertraining den aeroben Bereich zu erweitern so dass ein größerer Prozentsatz des Einsatzes mit ausreichender Sauerstoffversorgung durchgeführt werden kann.

Zusammenfassend lässt sich also sagen dass der AS-Einsatz eine extreme Belastung für den Organismus und insbesondere für das HKL-System darstellt.

Wie anhand der o.g. Belastungen deutlich gemacht wurde tut (Ausdauer-)Training not.
Durch die üblichen Anpassungserscheinungen von Ausdauertraining (biomechanische Veränderungen in der Muskelzelle Vergrößerung des Blutvolumens und damit einhergehende weitere Veränderungen allgemeine Ökonomisierung der Atmung) wird die körperliche Belastung der AGT verringert.

Nötig ist dafür ein allgemein-dynamisch-aerobes Ausdauertraining wie z.B. Schwimmen oder Joggen. Der Umfang sollte bei zwei bis drei Mal pro Woche liegen bei je mindestens 30 min Dauer. Zur optimalen Gestaltung Aufbau und Verlauf eines entsprechenden Ausdauertrainings sei auf einschlägige Fachliteratur verwiesen.

Auch ein verstärktes Gesundheitsbewusstsein (z.B. auf richtige Ernährung achten Rauchen abgewöhnen u.ä.m.) kann bereits die Leistungsfähigkeit erhöhen. Auch im Alltag kann man bereits etwas für die Gesundheit tun: Treppen steigen statt den Aufzug zu benutzen kurze Strecken zu Fuß gehen statt mit dem Auto fahren u.ä.m. sind nicht aufwändig und zumindest ein Anfang…

Es liegt bei Ihnen tun Sie etwas für sich!

 

Weiterführende Literatur

  • Finteis Thorsten Dr. Med. & Oehler Jan-Christof – Stressbelastung von Atemschutzgeräteträgern. Ergebnisse einer Studie im Feuerwehr-Übungshaus Bruchsal. In: BrandSchutz/Deutsche Feuerwehr-Zeitung 57. (05/2003). S. 367 – 374.
  • Finteis T. & Oehler J.-C. & Genzwürker H. & Hinkelbein J. & Dempfle C.-E. & BEcker H. & Ellinger K. – Stressbelastung von Atemschutzgeräteträgern bei der Einsatzsimulation im Feuerwehr-Übungshaus Bruchsal Landesfeuerwehrschule Baden-Württemberg (STATT-Studie) http://www.fit-for-fire-fighting.com/fileadmin/dokumente/STATT-Studie.pdf
  •  PREUß GERALDINE & SCHÄCKE GUSTAV – Arbeitsmedizinische Vorsorgeuntersuchung für Feuerwehrleute. Eine Leitlinie nach neuen Erkenntnissen In: Zentralblatt für Arbeitsmedizin 54. (2004). S. 379-392.
  • Argo Annette Dr. MEd. – Die Untersuchung G 26.3 aus arbeitsmedizinischer Sicht http://www.atemschutzunfälle.de /download/G263.doc
  •  RIDDER A. – Sport bei der Feuerwehr http://www.atemschutzunfälle.de/download/Sport-bei-der-Feuerwehr.pdf

Kommentare

4 Kommentare zu “Körperliche Leistungsfähigkeit von AGT – Pflicht oder Kür?” (davon )

  1. Firefighter_junior am 6. Dezember 2007 15:41

    Moin, Moin,

    ich kann nur voll und ganz zustimmen….körperliche Fitness ist für Feuerwehrleute und insbesondere für AGT extrem wichtig, doch leider wird das Thema von vielen Feuerwehrleuten immer noch stiefmütterlich behandelt. Wenn man sich nur teilweise die älteren Kameraden ansieht, kommt man schon ins grübeln, denn diese leben oftmals nach dem Motto: „Früher ging es ohne Sport, warum also jetzt nicht mehr?!“.
    Schon erschreckend!

    Deshalb finde ich ist jeder Feuerwehrmann in der Pflicht sich fit zu halten und sich um seinen gesundheitlichen Zustand Gedanken zu machen!
    Ich persönlich halte mich mit ca. 3mal wöchentlich jeweils 1 1/2 – 2 Std. Sport fit, dafür gehe ich ins Fitness-Studio und beschäftige mich dort mit Ausdauergeräten.

    Meiner Meinung nach, sollten Feuerwehrleute mehr für das Thema sensibilisiert werden..z.B. auch mit Sportabenden im Löschzug!

    Bis dann und GUT WEHR
    Christian

  2. Rettungsingenieur am 8. Dezember 2007 10:29

    Die FUK-Nord bietet den Freiwilligen Feuerwehren in Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein die Durchführung von Fitnesstrainings an. Ziel ist es nicht den Supersportler zu schaffen, sondern die Einstellung gegenüber Sport zu verbessern, um nachhaltige Erfolge sicherstellen zu können.

  3. JohnnyKnoxville am 12. Dezember 2007 12:58

    Bitte korrigiert mal die Links, da werden noch Sonderzeichen eingebaut..

  4. Gerald198326 am 23. März 2010 12:26

    Moin, Moin
    ich kann das auch nur bestätigen was der Christian schriebt bin seit ca. 5 Monaten AGT und gehe 3 mal die Woche ins Fitness-Studio fahre viel MTB, bin sehr fit und doch habe ich schon unter Atemschutz leicht zu kämpfen!
    Wer mir erzählen will das er kein Sport machen braucht der ist in meinen Augen ein Narr!
    Also haltet euch fit, macht mehr Sport, vor allem bleibt Gesund und heil als AGT!
    Alle anderen Kameraden auch!
    Bis dann und ein dreifaches GUT WEHR!
    Gerald

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