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Die Berliner Feuerwehr stellt eine neue
Löschfahrzeug-Generation in Dienst

Klein leicht und wendig ist es das neue Lösch- und Hilfeleistungsfahrzeug (LHF) der Berliner Feuerwehr. Es wartet neben einer erweiterten Beladung auch mit einer Anlage zur Erzeugung von Druckluftschaum auf. Im Grunde ist es „ein in allen seinen Bestandteilen völlig neu konzipiertes Fahrzeug“ erklärt Andreas Nawrot von der Serviceeinheit Fahrzeuge und Geräte der Berliner Feuerwehr. „Dieses LHF soll das zukünftige Standardfahrzeug der Berliner Feuerwehr werden.“

Zum ersten Mal steht mit diesem Fahrzeug der Druckluftschaum (DLS)* auf einem Erstangreifer für die Berliner Einsatzkräfte zur Verfügung. Eingebaut ist eine FP 10-2000 nach der neuen DIN EN vom Typ „Rosenbauer N 20“. Sie fördert 2000 Liter pro Minute bei einem Förderdruck von 10 bar. Rosenbauer konzipierte eigens für die Berliner Feuerwehr die eingebaute Druckluftschaumanlage (DLSA). Es handelt sich dabei um eine kleinere Ausführung der Anlage CONTI CAFS 3000 von Rosenbauer. Intern wird sie als CONTI CAFS 1000 bezeichnet. Als Druckzumischsystem kommt DIGIDOS 24 von Rosenbauer zum Einsatz.

Integrierte Fahrzeugpumpe vom Typ Rosenbauer N 20 mit Conti-Cafs 1000

Die Entscheidung für den Druckluftschaum fiel nach positiven Erfahrungen die die Berliner Feuerwehr mit einem TLF 16/24 und einem TLF 24/50 gesammelt hat. Beide Fahrzeuge verfügen über eine DLSA vom Typ CONTI CAFS 3000. „Wir arbeiten nun schon seit sieben Jahren mit Druckluftschaum und wir sind der Meinung dass es eine gute Sache ist. Wir haben damit ausgezeichnete Löscherfolge erreicht“ sagt Nawrot. Die Diskussion über das Für und Wider von Druckluftschaum nach dem Unfall in Tübingen sieht Andreas Nawrot gelassen: „Wer den Bericht gelesen hat weiß dass es nicht am Druckluftschaum gelegen hat sondern an den einsatztaktischen Grundsätzen.“

Ohne eine intensive Ausbildung nützt der Druckluftschaum aber nichts. „Natürlich muss man den Einsatzkräften das entsprechende Fachwissen geben damit sie auch wissen wie und wo Druckluftschaum eingesetzt werden kann“ betont Nawrot. Noch gibt es in Berlin keine Vorschriften die den Einsatz von Druckluftschaum regeln. Bis jetzt entscheiden die Einsatzkräfte auf der Wache Lichtenberg – hier ist das neue LHF stationiert – wann der Einsatz von Druckluftschaum Sinn macht. Die Feuerwehrleute sind bestens mit dem Löschsystem vertraut sind sie doch bisher der zentrale DLS-Standort in Berlin. „Die sind sehr gut ausgebildet“ erzählt Nawrot und „nach deren Meinung hätten wir es sogar viel öfter einsetzen können. Nur durch Unwissenheit sind sie eben bisher nicht öfter angefordert worden sagen sie.“

Das Fahrzeug von verschiedenen Seiten aus gesehen.

Sollte die Anlage zur Erzeugung von Druckluftschaum während eines Einsatzes ausfallen steht der vorgehende Trupp nicht ohne Löschmittel da. Statt Druckluftschaum wird dann sofort Wasser gefördert. „Sie werden letztendlich nie ohne eine Löschmittel dort vorne stehen. Es sei denn der Motor platzt oder der Schlauch ist kaputt“ sagt Nawrot. Diese Sicherheitsvorkehrung war ein zentrales Anliegen in der Beschaffungsphase. Die Bedienung der Pumpe ist außerdem denkbar einfach. Wenig Knöpfe und voreingestellte Funktionen der Elektronik erleichtern die Arbeit des Maschinisten.

Übersichtlich: Bedienfeld für die Cafs-Anlage

Fest in die Berliner Alarm- und Ausrückeordnung eingebunden sind die Fahrzeuge mit DLSA und insbesondere das neue LHF noch nicht. Angefordert hat man das Druckluftschaumsystem bisher eher auf Basis von Mundproganda. „Es hing vom Einsatzleiter ab der sich an das Fahrzeug erinnerte. Aber auch das Wissen über Druckluftschaum spielte eine Rolle“ erzählt Nawrot. Als neues Standardfahrzeug werden die Kenntnisse in diesem Bereich zunehmen.

Verglichen mit den vorherigen LHF 16/12-Generationen ist das neue Fahrzeug zwar größer schwerer und hat einen größeren Wendekreis seine Ausmaße liegen aber noch immer weit unter denen eines vergleichbaren HLF 2 bei „nahezu identischem einsatztaktischen Wert.“ Gründe für die kompakte Bauweise der Berliner LHF sind einerseits finanzielle Beschränkungen andererseits taktische Erwägungen. Kleinere Fahrgestelle kosten nämlich deutlich weniger Geld. Die Bebauung der Stadt stellt die Feuerwehr außerdem vor große Probleme. „Es gibt Stadtgebiete in denen wir mit großen Fahrzeugen gar keinen Zugang bekommen oder wo wir von Wendigkeit her nicht mehr zurecht kommen“ erklärt Nawrot.

Türramme hinter den BGs. Die Ramme dient zum Öffnen von Türen und wird von einer Person eingesetzt. Ergänzt wird das Gerät durch ein umfangreiches Türöffnungset.

Die Berliner Feuerwehr war mit der ursprünglichen Konzeption eines 105 Tonnen LHF an der Grenze des Möglichen. Immer mehr und modernere Geräte benötigen Platz. Allein der Türöffnungssatz „ist schon voluminös“. Aber auch hinsichtlich des Katastrophenschutzes gab es Vorstellungen. Hier vor allem die auf 14 B und 15 C erhöhte Anzahl an Schläuchen die z.B. im Rahmen der ABC-Dekontamination benötigt werden. Auch musste ein zusätzliche flachwassergeeignete Tauchpumpe verlastet werden. Mitgeführt wird trotzdem nur das was auch wirklich benötigt wird. Trotz Kompaktheit erfüllt das Fahrzeug mühelos die Norm für das (H)LF 2. „Es ist eine Kunst ein Fahrzeug in der Größenordnung darzustellen. Wir haben es aber geschafft“ sagt Nawrot.

Um das neue Atemschutzkonzept der Berliner Feuerwehr umsetzen zu können verfügen alle neuen LHF in Zukunft über sechs Behältergeräte. Zwei davon werden als Zweiflaschengerät (Langzeit-Atemschutzgeräte) mitgeführt. Benutzt werden sie vom Rettungstrupp. Damit hat er im Notfall mehr Atemluft zur Verfügung und kann seine Rettungsaktion länger ausführen.

Pressluftatmer für das neue Berliner Atemschutzkonzept auf dem LHF

Das LHF 20/12 CAFS wird in der Berliner Feuerwehr als „Prototyp“ bezeichnet. Denn es ist von Grund auf neu konstruiert: Ein neues Fahrgestell eine neue Mannschaftskabine eine Pumpe nach neuer Norm und erstmals Tipmatic bei einem Berliner LHF. Im Gegensatz zur Automobiltechnik ist damit aber nicht ein vereinfachtes Versuchsmodell gemeint sondern bezeichnet hier das erste voll funktionsfähige Fahrzeug einer neuen Generation. Test-LHF gibt es in Berlin schon lange nicht mehr. Die finanzielle Situation der Stadt und das EU-Recht setzten hier Grenzen. „Wir müssen ins kalte Wasser springen und möglichst schon im ersten Zug etwas ordentliches bauen“ sagt Nawrot.

Bemängelten einige Feuerwehrleute die Enge der vorherigen LHF-Generation konnte dieser Kritikpunkt mit dem Fahrzeug behoben werden. Die Mannschaftskabine ist nun in den Aufbau integriert. Der Wegfall des Spaltes zwischen Aufbau und Kabine schuf den benötigten Platz. Realisiert wurde der Aufbau durch die AT2-Technologie von Rosenbauer. Diese Bauweise spart auch Kosten im Unterhalt. Denn der korrosionsfreie und belastbare Aluminiumaufbau verringert teure Reparaturen. Das Fahrzeug bietet insgesamt neun Einsatzkräften Platz.

Werfer und Belüftungsgerät. Ganz links ist das Bedienteil für die elektrische Schiebleiterentnahme.

Rückfahrkamera

Der Maschinist wird beim Fahren durch ein automatisiertes Schaltgetriebe (Tipmatic) und durch eine Rückfahrkamera unterstützt. Die Entnahme der Schiebleiter ist ebenfalls vereinfacht worden: Ein elektrischer Antrieb unterstützt die Feuerwehrleute. Außerdem wurde darauf geachtet die Geräte in den Geräteräumen nicht durch komplizierte und leicht zerstörbare Vorrichtungen zu fixieren.

Schiebleiterentnahme auf Knopfdruck. “Statt der elektrischen Entnahme hätten sie besser eine Klimaanlage einbauen sollen” bemerkt ein Feuerwehrmann kritisch.

Als Fahrgestell dient ein MAN TGL 12.240. Mit einem schadstoffarmen Motor nach Euro 4 mit einer Motorleistung von 177 KW. Die TGL-Baureihe bezeichnet leichte LKW. Damit liegen sowohl die alte wie auch neue LHF-Generation im Bereich zwischen dem jetzigen (H)LF 1 und dem alten LF 16/12.

Ab Mitte Mai sind bei der Berliner Feuerwehr insgesamt vier Fahrzeuge der neuen Generation in Dienst. Sie unterscheiden sich zwar in planungsbedingten Feinheiten ihre Beladung und ihr taktischer Wert sind jedoch identisch. Stationiert sind die neuen LHF CAFS bisher auf der Feuerwehrschule und der Wache Lichtenberg (6400). Das nächste Fahrzeug geht vermutlich auf die Wache Ranke (3500). Das dritte folgt im Laufe des Jahres. Im nächsten Jahr folgen weitere vier Fahrzeuge. Zunächst wird in jeder der  drei Berliner Direktionen ein LHF mit CAFS stationiert.

Von links nach rechts: Vorgänger-Generation: LHF 16/12 Baujahr 2002 Aufbau: Rosenbauer; Erste Generation der City-LHF (LHF 16/12) der Berliner Feuerwehr; LHF 16/16 der Berliner Feuerwehr auf MAN 14.232 F mit Aufbau: Ziegler Baujahr um 1990.

Berlin kannte schon Anfang der neunziger Jahre den Ausdruck „LHF“. Die Norm sprach damals noch nicht einmal von einem HLF. Als letzteres dann genormt wurde drehte man die Buchstaben einfach um. Das Gremium war der Ansicht dass das Fahrzeug mehr zur Hilfeleistung eingesetzt wird und symbolisierte dies durch das vorangestellte „H“. Berlin blieb bei der Bezeichnung LHF.

Welches Fahrzeug zu welcher Wache gehört steht an einem Schild das am Aufbau angebracht ist. Lichtenberg hat etwa 1000 Einsätze pro Monat. Davon entfallen die meisten auf die in Lichtenberg stationierten Rettungsdienstfahrzeuge. Das neue LHF hat bisher etwa 60 Einsätze pro Monat davon sind die meisten technische Hilfeleistungen. Außer dem LHF besetzen die 65 Feuerwehrleute (14 Funktionen pro Schicht) noch ein LHF-B eine DLK 3 RTW einen NAW und einen ELW 1.

Fahrzeugdaten in der Übersicht

  • Fahrgestell MAN TGL 12.240
  • Zul. Gesamtgewicht 11.990 kg
  • Radstand 3.900 mm
  • Wendekreis 14.900 mm
  • Motorleistung 177 KW / 240 PS
  • Aufbau Fa. Rosenbauer
  • Länge 8030 mm über Haspel
  • Breite 2320 mm
  • Höhe 2920 mm
  • Besatzung 1:8

Zum Vergleich die Fahrzeugdaten der Vorgänger LHF-Generationen.

City-LHF 16/12 seit 1991

  • Zul. Gesamtgewicht 10.500 kg
  • Radstand 3.650 mm
  • Wendekreis 13.200 mm
  • Motorleistung 220 PS
  • Länge 6.640 – 7.570 mm
  • Breite 2.300 mm
  • Höhe 3.000 mm

LHF 16/16 – “Dackel-LHF” Mitte 1980er bis Mitte 1990er

  • Zul. Gesamtgewicht 13.300 – 13.600 kg
  • Radstand 3.600 – 4.200 mm
  • Wendekreis 14.500 mm
  • Motorleistung 163 – 232 PS
  • Länge 8.850 mm
  • Breite 2.500 mm
  • Höhe 3.150 mm

* Druckluftschaum (DLS) ist das deutsche Wort für das englische Compressed Air Foam (CAF).

Weiterführende Links

Dieser Artikel erschien bereits am 3. juni 2007 im Feuerwehr Weblog. Der Artikel ist unter der URL im Feuerwehr Weblog weiterhin frei zugänglich.

Kommentare

Ein Kommentar bisher zu “Hohe Schlagkraft in kompakter Form” (davon )

  1. Der Rettungswagen des Technischen Dienstes : FWnetz - Feuerwehr im Netz am 1. August 2008 09:26

    […] Hohe Schlagkraft in kompakter Form. Die Berliner Feuerwehr stellt eine neue LHF-Generation in Dienst […]

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