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Man kennt die Situation: Man sagt etwas von dem man sich später wünscht es nie gesagt zu sagen. Wobei sich später irgendwo zwischen "sofort danach" (z.B. unpassende Äußerung über einen Zeitgenossen der dummerweise direkt hinter einem steht) und "Jahre später" (z.B. frustrierte Ehegatten oder auch Politiker die nicht gerne an Jahre zuvor

getätigte Aussagen erinnert werden wollen) bewegt. Thomas Boone Pickens Jr. der Chairman von BP Capital Management sagte mal:

Vier Dinge kommen nicht wieder zurück und sind nicht zurückzuholen: das gesprochene Wort der abgeschossene Pfeil das vergangene Leben und die verpaßte Gelegenheit.

Beim geschriebenen Wort verhält es sich oftmals anders. Vielleicht ist das ein Grund weshalb manche Zeitgenossen gerne mal Sätze in ihre Tastaturen klopfen die sie bei etwas reiflicherer Überlegung vielleicht doch nicht geschrieben hätten.

Seit einigen Jahren moderiere ich – als einer von rd. einem halben dutzend – im Feuerwehr-Forum auf feuerwehr.de. Und je länger dieses Forum besteht und je mehr Leute dort lesen und schreiben desto öfter kommen die (dringenden) Anfragen doch bitte einen ganz speziellen Beitrag schnellstmöglich wieder zu löschen den der Anfragende offenbar in einem Zustand völliger geistiger Umnachtung verfasst hat (im Einzelfall wird auch schon mal um die Löschung aller Beiträge des Anfragenden gebeten).

Jetzt ist es nicht nur so dass feuerwehr.de nicht groß mit einem gelben Kasten darauf hinweist dass der ungeliebte Dorf-/Stadt-/Kreis-/Weltfeuerwehrkommandant oder die lieben Kameraden möglicherweise im Forum mitlesen könnten. Nein feuerwehr.de weist sogar extra darauf hin dass Beiträge im nachhinein nicht gelöscht werden. Und das auch nicht einmal sondern einmal alle 24 Stunden. Und das hat mehrere Gründe: Zum einen muss jeder Beitrag manuell gelöscht werden was ein absolut vermeidbarer Arbeitsaufwand für Moderatoren bzw. Admin ist zum anderen wird bei einer Löschung nicht selten eine Lücke in den Thread gerisssen der evt. Antworten dann völlig aus dem Zusammenhang reisst. Noch schlimmer wird es wenn in einer Antwort der zu löschende Text zitiert wird hier ist eine Löschung entweder ohnehin sinnlos oder aber es müssen eine oder mehrere Antworten ebenfalls mit gelöscht werden ohne dass deren Verfasser auch nur darum gebeten hätte. Dass gelöschte Beiträge u.U. ohnehin noch über Monate im Google-Cache zu finden sind sei nur am Rande erwähnt.

Im Einzelfall mag der Löschwunsch ja durchaus sinnvoll erscheinen – ganz gleich ob er berechtigt ist oder nicht. Niemand der Moderatoren von feuerwehr.de hat ein Interesse daran die (mögliche) Karriere eines freiwilligen Feuerwehrangehörigen zu gefährden nur weil der mal eine unbedachte Äußerung gemacht hat. Allerdings frage ich mich (nach einigen Jahren Moderatorentätigkeit) wirklich ob einige Leute auch nur einen Funken Gedanken über ihr soeben getipptes verschwenden bevor sie den "Speichern"-Button klicken. Es gibt manchmal Beiträge da wird vorab schon im Moderatorenforum spekuliert wie lange es denn wohl dauern wird bis der betreffende User sich mit einem Löschwunsch meldet. Meistens liegen wir mit unseren Vermutungen richtig und es dauert irgendwo so zwischen einem Tag und einer Woche bis Mr. Großmaul merkt dass er bestimmte Sätze vielleicht doch besser nicht getippt hätte und entweder zutiefst untertänig ("Könntet ihr bitte bitte weil meine Beförderung zum Oberlöschheini ist gerade akut gefährdet…") oder aber gleich durch Drohung mit dem Rechtsanwalt um Selbstzensur bittet.

Da lob ich mir doch das Blog. Man kann den gleichen Mist schreiben wie in jedem Forum mit dem kleinen Unterschied dass man sein eigener Chef ist. Im Vollsuff über den Zugführer abgelästert? Kein Problem ein Mausklick und die kompromittierende Aussage geht irgendwo ins Datennirvana nach /dev/null. Kein Betteln bei Forenadmin / Moderatoren keine zerissenen Threads keine Zitate. Eventuelle Kommentare zum Blogeintrag werden gleich sauber mitentsorgt. Insofern bietet das Blog mit diesem (quasi) Notausgang einen echten Mehrwert zu einem Forenbeitrag.

Alternativ könnte man auch einfach mal das Hirn einschaltet bevor man schreibt…

 

(Ich werde meine Blogeinträge trotzdem nicht löschen. Versprochen.)

Kommentare

Keine Kommentare bislang zu “Der Vorteil von Blogs” (davon )

  1. rakeman am 30. Dezember 2007 13:46

    Schöner Beitrag. Löschkultur ist in der Tat ein heikles Thema. Interessanterweise hat es in den zwei Jahren Feuerwehr Weblog nur sehr wenige Löschanfragen aus Inhaltsgründen gegeben, denen ich allerdings ich in fast allen Fällen nachgekommen bin. Ich denke, auch in so einem Fall dürfte ein Lernerfolg vorliegen, und das ist Hauptsache. Beschwerden über einen plötzlich fehlenden Text hat es iirc nicht gegeben.

    Hier könnte übrigens auch einer der Unterschiede zwischen dem „alle für alle“ (=Forum) und dem „einen für alle für alle“ (=blog / Magazin) liegen. Im zweiten Fall kommt der Erstpost ausschließlich aus kontrollierter Umgebung.

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