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Teil 1: Der Besuch 

[Kurzinfo: Dieser Teil beschreibt den Aufenthalt bei der Feuerwehr in Nantes. Einzelne Schwerpunkte werden in den nächsten Tagen in gesonderten Artikeln behandelt: SDIS44 CTA Französisches Feuerwehrwesen Fahrzeuge Erfahrungen St. Herblain]

So nah und doch so weit: Frankreich ist unser Nachbarland und dennoch wissen wir aus Feuerwehrsicht sehr wenig über das Feuerwehrwesen des "Hexagone".  Bisherige Informationen beschränkten sich auf toll aussehende Klamotten eine (zumindest von einigen) wünschenswerte Zentralisierung dass die Pariser Feuerwehrler dem Militär angehören… und schon war's das.

Schon lange hatte ich mir gewünscht nach "drüben" zu fahren und Informationen zu sammeln. Die Chance bot sich an als wir die in Böblingen angereisten Kollegen kennenlernten.


 

Insbesondere kam ich mit Ronan Vinay (im Bild rechts) seines Zeichens Ausbilder an der Feuerwehrschule des Département 44 Loire Atlantique in Nantes ins Gespräch. Ronan ist auch einer der französichen Innovatoren im Bereich Heissausbildung. Die Feuerwehrschule betreibt eine Maison du Feu also Brandhaus welches allerdings im Dezember außer Dienst genommen würde. Wäre es denn nicht möglich eine der letzten Ausbildungen dort mitzumachen?

Nach ein Paar Tagen folgte dann die offizielle Einladung des SDIS44 durch die Pressebeauftragte Sophie Tolmer: Die letzte Ausbildung würde am Freitag den 14. Dezember stattfinden und zwar der aktuelle Grundkurs der Freiwilligen Feuerwehr an dem ich auch teilnehmen könnte. 

Das Resultat waren zwei Tage voller Erlebnisse und vielen vielen Informationen. Besonders hervorheben möchte ich die durchgehende Freundlichkeit – über alle Ränge hinweg – die mir dort entgegengebracht wurde. Schön auch der Pragmatismus – er ist da er kann mitmachen. Wäre hierzulande sicher nicht selbstverständlich!

Die Anreise erfolgte am Mittwoch Abend (Flug München-Lyon-Nantes wen's interessiert) die erste Übernachtung unspektakulär im Hotel. Am Donnerstag vormittag ging es dann am Stadion vorbei (Nantes spielt jetzt in der 2. Liga quelle catastrophe!) zum Verwaltungsgebäude des SDIS44.

Das Verwaltungsgebäude des SDIS44

Empfangen wurde ich von der charmanten Christelle Frechic ihres Zeichens Chargée de communication SDIS44.



Christelle Frechic und Michael Gues Kommunikation SDIS44

In dieser ersten "Lehrstunde" wurde das französische Feuerwehrwesen und ganz spezifisch der SDIS44 (Service Départemental d'Incendie et Secours) vorgestellt. Das Département zählt mit seinen rund 11 Millionen Einwohner zu den am stärksten bevölkerten Frankreichs (insgesamt 100 Départements ) die Feuerwehr dort ist auch in der "Top-Kategorie" vertreten.  

Danach ging es ins nagelneue CTA (Centre de Traitement d'Appels de secours) also der EZ. Notrufe werden zweistufig bearbeitet: der CTA nimmt die Anrufe entgegen Einsätze werden dann nachgelagert vom CODIS (Centre Opérationnel Départemental d’Incendie et de Secours) bearbeitet.

Im CTA werden die Anrufe entgegen genommen Kräfte disponiert und an den CODIS weitergegeben

CTA und CODIS sitzen in den gleichen Räumlichkeiten. Interessante Zusatzinformation: das Gebäude kann mit Überdruck luftdicht verschlossen werden und ist bis zu 10 Tage autark.

Der Fluß Erdre

Nach einem typisch französischem Mittagessen am Ufer der Erdre ging es dann per Auto einmal zum Sightseeing durch die Stadt zur neu renovierten Hauptfeuerwache von Gouzé.


Hallenwache Gouzé

Dort gab es den ersten "richtigen" Geschmack von Feuerwehr. Von besonderem Interesse war für mich der VSR (Véhicule Secours Routier) ein Spezial-Rüstwagen für Verkehrsunfälle.

VSR

Etwas abstrakter jedoch nicht minder interessant war das darauf folgende knapp zweistündige Gespräch mit Commandant Gil Ranou: wir sprachen über die von der Risikobereitschaft abgeleiteten Sicherheitsinfrastruktur kritische Risiken aber auch über die Unterschiede und Gemeinsamkeiten unserer jeweiligen Systeme.

Commandant Gil Ranou

Zur Nachtschicht ging es dann schließlich zur Wache von Saint Herblain einer "gemischten" Wache: hauptsächlich Berufsfeuerwehrleute mit zusätzlichen freiwilligen kräften. Berufsfeuerwehrleute arbeiten in einer 24-Stunden-Schicht die freiwilligen sind für 12 Stunden in der Wache getrennt nach Nacht- und Tagschicht. 

In Frankreich stellt die Feuerwehr mit ihren RTW – genannt VSAV (véhicule de secours et d'assistance aux victimes) – die flächendeckende Versorgung mit medizinischer Ersthilfe. In St.-Herblain sind drei VSAV stationiert ich wurde dem ersten zugeteilt. In dieser Nacht wurde zweimal ausgerückt.

Der VSAV im Einsatz

Am nächsten Vormittag traf ich Capitaine Jean-Claude Rousseau Chef der Fahrzeuginstandsetzung und -Verwaltung des SDIS44. Wir unterhielten uns über Fahrzeugarten -konzepte Beschaffung und vieles mehr.


Capitaine Jean-Claude Rousseau

Den Rest vom Tag ging's dann zu richtiger "Action" über – dem Brandhaus. Hier hatte der aktuelle Lehrgang der freiwilligen Feuerwehr des SDIS eine Abschlußübung. Zuerst schaute ich ein Paar Durchgängen zu später konnte ich dann selbst hinein (hier vielen Dank an S-Gard für die Leihgabe einer PSA). 

Im Brandhaus

Eine Übernachtung in Saint Herblain stand noch an: diesmal auf dem FMoGP – Fourgon Mousse Grande Puissance – TLF mit grosser Pumpe und grossem Schaummitteltank. Dieser wurde als Reserve zum ersten FPT eingesetzt. Üblicherweise stehen in St. Herblain 2 FPT (Fourgon Pompe-Tonne: TLF) der erste war allerdings in Reparatur.

PKW-Brand

Ein Einsatz wurde auch gefahren: PKW-Brand in einem Problemviertel; allerdings war dieser bereits vom örtlichen Sicherheitsdienst mit dem Pulverlöscher gelöscht worden.

Kaum zu glauben dass in so wenig Zeit ein solches Programm reingepackt werden konnte. Zu einzelnen Punkten oben folgen über die nächsten Tage entsprechende Artikel.

An dieser Stelle nochmal mille mercis a l'équipe de communication du SDIS 44 et a Ronan pour deux jours inoubliables! 


Bilderstrecke bei Flickr 

 

Kommentare

4 Kommentare zu “Zweieinhalb Tage SDIS44 (Teil 1)” (davon )

  1. Jan Ole Unger am 6. Januar 2008 23:16

    Merci beaucoup, Irakli.

  2. Oberbrandmeister am 6. Januar 2008 23:27

    Sehr schöne Eindrücke, die du da vermittelst. Ich kann die freundliche Aufnahme bei französischen Kollegen nur bestätigen.
    Mich würde auch mal interessieren ob der jährliche „Ehrensold“ für die Altersabteilung eine nationale Lösung ist oder ob das von Departement zu Departement verschieden geregelt wird.

  3. rakeman am 7. Januar 2008 09:37

    @oberbrandmeister: zu Ehrensold kann ich leider nichts sagen

  4. Funkieman am 8. Januar 2008 06:15

    Klasse Artikel.

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