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Eine griechische Gemeinde will eine
Freiwillige Feuerwehr nach deutschem Vorbild

Löschhubschrauber im Einsatz in der Nähe des Dorfes Auch 2007 brannte es in der Region um Neos Voutzas

Ein alter Feuerwehr-Deutz wenig feuerwehrtechnische Ausrüstung und viel Motivation und Engagement das ist die Freiwillige Feuerwehr Neos Voutzas i.G. in Griechenland. Freiwillige Feuerwehren gibt es in Griechenland kaum. Diesen Sommer ergriffen einige Bürger aus Neos Voutzas die Initiative zur Gründung einer Freiwilligen Feuerwehr nach deutschem Vorbild. Insbesondere Konstantin Papadopoulos ein in Österreich studierender Grieche nahm sich des Problems nun an. Doch ohne Hilfe von außen geht das nicht. Die Realisierung der Idee gleicht einem Marathon gegen das Feuer und gegen die Verwaltung.

Griechenland kennt keine Tradition Freiwilliger Feuerwehren. Der Brandschutz wird von etwa 8.000 Berufsfeuerwehrleuten sichergestellt. Für 11 Millionen Einwohner auf 131.957 Quadratkilometer Fläche nicht gerade viel. Kleinere Gemeinden die sich eine Berufsfeuerwehr nicht leisten können müssen bei einem Unglück oft Stunden auf das Eintreffen der nächsten Berufsfeuerwehr warten – oder sich selbst helfen. 1999 begann die von Nikos Sachinidis gegründete ESEPA (Körperschaft der Griechischen Freiwilligen Feuerwehr und Aufforstung) – der Dachverband der freiwilligen Feuerwehren in Griechenland – mit der Hilfestellung bei Gründungen von Feuerwehren. Ziel ist es den Freiwilligengedanken in Griechenland zu verbreiten. Die ESEPA agiert unter dem Dach des griechischen Zivilschutzes „Politki Prostasia“. Inzwischen gibt es 26 Freiwillige Feuerwehren jedoch bei weitem noch nicht genug wie das Beispiel Neos Voutzas zeigt das vor den Toren von Athen liegt.

Warten bis alles verbrannt ist

Im 1.800-Seelen-Dorf Neos Voutzas führte die stundenlange Warterei auf die Berufsfeuerwehr der Gemeinde Nea Marki 2005 zu einer Brandtragödie die große Teile des Waldes vor Athen sowie zahlreiche Häuser und Autos vernichtete. Normalerweise benötigt die Berufsfeuerwehr etwa 20 Minuten. Nicht zum ersten Mal sah Konstantin Papadopoulos (23) das Haus seiner Eltern sein Heimatdorf und die mit Pinienbäumen bewaldeten Hügel brennen. Für die Bürger des zwischen den Rafina und Marathon gelegenen Dorfes und allen voran Konstantin Papadopoulos war der Brand die Initialzündung sich stärker im Brandschutz zu engagieren. 2007 blieb die Gemeinde glücklicherweise von größeren Bränden verschont.

Nichts als verbrannte Erde lies der letzte große Waldbrand 2005 in der Region Nea Marki zurück.

Auch 2007 brannte es in der Region um Verbrannte Erde lies der letzte große Waldbrand 2005 in der Gemeinde Neos Voutzas wenngleich nicht in den schrecklichen Ausmaßen von 2005.

Löschhubschrauber im Einsatz während eines Waldbrandes 2007.

Bürger engagieren sich schon seit Jahren

Bereits vor einigen Jahren gründeten die Bewohner der feuergeplagten Region die so genannte „Feuerwache“. Das sind zwei durch Spenden finanzierte Hochstände die zwischen Mai und Oktober den ganzen Tag von Freiwilligen besetzt werden. Wenn die Wache einen Brand entdeckt alarmiert sie die Berufsfeuerwehr. „Beim großen Brand 2005 erkannte die Feuerwache den entstehenden Brand rechtzeitig doch die Berufsfeuerwehr aus Nea Marki kam zu spät“ erzählt Papadopoulos.

Als erste Maßnahme sind die freiwilligen „Feuerpatrouillen“ nun konsequenter im Unterholz unterwegs. Sie patrouillieren zwischen Mai und Oktober rund um die Uhr. Zwei Dutzend Freiwillige fahren zu zweit mit ihren privaten Geländefahrzeugen durch das Unterholz um Brände noch schneller zu entdecken und um die Brandstifter an ihrem Werk zu hindern. Die Patrouillen wechseln sich alle zwei Stunden ab. Der enorme Personalaufwand stellt die Organisatoren aber vor große Probleme.

„Die Patrouillen verhinderten diesen Sommer drei mutmaßliche Brandstiftungen“ erzählt Papadopoulos. Sie sahen die Täter und verjagten diese durch die heran eilenden Fahrzeuge. Ausgestattet sind die Fahrzeuge mit einem durch den Bürgermeister genehmigten Einsatzlicht und einfachem privat beschafften Löschwerkzeug. „Ich habe zum Beispiel 150 Meter Schlauch zwei Feuerlöscher eine Hacke eine Schaufel ein langes Seil ein Notfallkoffer mit Reanimationsset und Taschenlampen in meinem Geländewagen dabei“ erzählt der 23-Jährige Grieche.

Hochstand zur Beobachtung der Vegetation nahe des Dorfes Neos Voutzas.

Mit ihren privaten Geländefahrzeugen patroullieren die Bürger von Hochstand zur Beobachtung der Vegetation nahe des Dorfes Neos Voutzas im Unterholz.

Gründung einer Feuerwehr beschlossen

Da die Berufsfeuerwehr in diesem Sommer erneut zu lange nach Neos Voutzas benötigte entschlossen sich die Bürger nun eine Freiwillige Feuerwehr nach deutschem Vorbild aufzubauen. „Die Idee der Freiwilligen Feuerwehr ist von mir und Giannis Damianoglou initiiert worden. Und wir setzten die Idee jetzt auch um“ erklärt der Student entschlossen. Eine Feuerwehr würde sowohl den bisherigen Personalaufwand reduzieren als auch die zeitliche Verfügbarkeit von ausgestatteten Löschtrupps erhöhen.

Bis jetzt gibt es 20 bis 30 Freiwillige weitere 30 Bürger stehen als Hilfskräfte Wachposten und Patrouillen zur Verfügung. Da rechtliche Aspekte der Vereinsgründung noch nicht geklärt sind besteht offiziell noch keine Feuerwehr. Die ESEPA – die über das Internet auf das Vorhaben aufmerksam wurde – steht hier beratend zur Seite. „Momentan laufen Gespräche dass hier zusammen etwas unter dem Dach der ESEPA aufgebaut wird“ erklärt Lutz Obermann von der ESEPA.

Organisatoren ohne Feuerwehrhintergrund

Organisiert wird der Aufbau der Feuerwehr durch Giannis Damianoglou und Konstantin Papadopoulos – beide haben keinen Feuerwehrhintergrund. Damianoglou bringt Erfahrungen aus dem Pfadfinderwesen mit während Papadopoulos seit Jahren Sanitäter beim Österreichischen Roten Kreuz ist. Unterstützt werden sie dabei durch den den gemeinnützigen Verein „Proodos“ das bedeutet Fortschritt. Proodos vertritt die Gemeindebürger in verschiedenen Belangen vor der Gemeinde oder dem Land.

Fast nichts an Geräten vorhanden

„Uns ist es wichtig eine solide Basis bis Mai 2008 aufgebaut zu haben“ erzählt Papadopoulos. Bisher wurden durch Spenden eine Feuerwehrgarage errichtet eine Homepage erstellt Plakate gedruckt und verteilt. Die Feuerwehr Hannover spendete Hosen Jacken Mäntel und Handschuhe. „Darunter waren sogar noch neue in Folie eingeschweißte Sachen“ erzählt er stolz weiter. Die Spedition Schenker Logistics transportierte die dreißig Kleidersäcke kostenlos von Hannover bis nach Salzburg zur Sammelstelle. „Das reicht aber noch nicht aus“ erzählt Papadopoulos „denn es fehlt noch an allem: Fahrzeuge Uniformen Helme Funkgeräte eine Sirene Schläuche Pumpen und noch vieles mehr. Aus diesem Grund sind wir auf der Suche nach Hilfe von außerhalb.“ Das wenige was außerdem angeschafft wurde ist „fast alles privat bezahlt“.

Mit Spenden wurde das Feuerwehrdepot errichtet

Alter Schatz im Depot

Außer einem Magirus-Deutz von 1965 besitzen die Feuerwehrleute buchstäblich nichts. „Der Deutz war 1999 eine Spende aus Deutschland und hat nicht viel mehr als vier Räder und einen 1.500 Liter kleinen Wassertank der außerdem noch leckt.“ Zur Zeit ist der Magirus auch nicht einsatzbereit. Erst müssen größere Reparaturen erledigt werden. Auch ein Dorn im Auge ist den Neufeuerwehrmännern der hohe Spritverbrauch des Oldtimers.

Konstantin Papadopoulos und Giannis Damianoglou präsentieren das einzige Fahrzeug der FF Neos Voutzas: Einen Magirus Deutz von 1965.

Helfer sind willkommen

Neben Sachspenden sind auch Helfer aus Deutschland willkommen. „Wir sind immer auf der Suche nach Leuten die gerne Brandwache halten oder Patrouillen fahren wollen“ sagt Papadopoulos. „Für Unterkunft Essen und Trinken kann gesorgt werden doch Flug und sonstige Ausgaben können wir leider nicht übernehmen.“

Besonders erfreulich Nachrichten bekam Papadopoulos vor einigen Wochen aus Salzburg: Drei Leute aus Neos Voutzas wurden auf Initiative des Feuerwehrkommandanten des Salzburger Landes zu einer zweimonatigen Ausbildung in Österreich eingeladen. Sie sollen ihr Wissen als Multiplikatoren an die örtlichen Kräfte vermitteln und diese ausbilden.

Nur eine Sache bereitet dem engagierten Griechen ein wenig Kopfzerbrechen: „Der Zuspruch von Behörden Mitbürgern und der Bevölkerung hält sich in Grenzen. Auch jetzt noch glaubt keiner außer uns dass Freiwillige schnell und effizient reagieren können. Selbst der Bürgermeister der es gerne glauben möchte glaubt nicht daran“ erzählt Papadopoulos.

Den letzten noch nicht durch das Feuer zerstörten Wald will Konstantin Papadopoulos erhalten.

Den letzten noch nicht durch das Feuer zerstörten Wald will Konstantin Papadopoulos erhalten.

Den letzten noch nicht durch das Feuer zerstörten Wald will Konstantin Papadopoulos erhalten.

Infos:

Kommentare

Keine Kommentare bislang zu “Marathon mit dem Feuer” (davon )

  1. theflame am 13. Januar 2008 16:20

    Sehr interessanter Bericht! Weiter so ;)
    …aber in ein paar Bildunterschriften haben sich noch Fehler eingeschlichen ;-)

    „patroullieren die Bürger von Hochstand zur Beobachtung der Vegetation nahe des Dorfes“ von Hochstand?

    „Auch 2007 brannte es in der Region um Verbrannte Erde lies der letzte große Waldbrand 2005 in der Gemeinde Neos Voutzas, wenngleich nicht in den schrecklichen Ausmaßen von 2005.“ irgendwie komisch der Satz :P

  2. Toemmel am 14. Januar 2008 00:24

    Interessante Reportage aus einem FW-technisch SEHR fernen Land. Aber warum finde ich keine Autorenangabe? Gruß
    Thomas

  3. Creaser am 17. Januar 2008 21:52

    Eine wirklich sehr interessante Reportage über ein Feuerwehrwesen, dass eigentlich noch gar keines ist.

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