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Back to the roots – Grundlagen für das Verhalten im Innenangriff

 

Adrian Ridder Team Atemschutzunfaelle.eu

In Anbetracht der immer weiteren Spezialisierung Technisierung und Fortschreitung des Standes der Technik wird es zunehmend nötig sich auch auf Grundlagen zu besinnen welche beim Vorgehen im Innenangriff IMMER berücksichtigt werden müssen. Denn ohne Grundlagen sind weitergehende Ambitionen und Verfahrensweisen zum Scheitern verurteilt.

Insofern sind folgende Aspekte immer zu beachten sowohl bei der Aus- und Fortbildung als auch selbstverständlich im Einsatz. Eine trügerische „Routine“ welche sich in einer etwas „nachlässigen“ Handhabung dieser und ähnlicher Tätigkeiten äußert weil es „ja schon immer geklappt hat“ und „noch nie was passiert ist“ kann im schlechtesten Falle verheerende Folgen haben.


Einsatztauglichkeit

Schon vor dem eigentlichen Einsatz werden die Grundlagen für diesen gelegt. So muss man sich fragen: Bin ich überhaupt jetzt im Moment einsatztauglich? Vor allem bei Freiwilligen Feuerwehrleuten die jederzeit aus ihrer Freizeit und ihrem Privatleben gerissen werden stellt sich diese Frage. Es ist kein Problem wenn man beim gemütlichen Grillabend oder auf dem Weihnachtsmarkt etwas trinkt als „Freiwilliger“.

Ein Problem wird es erst dann wenn ich zuviel „intus“ habe und dennoch in den Einsatz gehe. Hier muss die Eigenverantwortlichkeit greifen: Man muss lernen auch mal „nein“ zu sagen einfach festzustellen dass man nicht mehr tauglich ist für einen Einsatz und sich und andere andernfalls gefährden könnte (und das nicht nur aufgrund von Alkohol sondern auch aufgrund von Krankheit Medikamenten u.ä.m.). Dies muss auch von Führungskräften strikt überwacht und ggf. sanktioniert werden; Eigenverantwortlichkeit und Kontrolle durch Führungskräfte ist auch bei den folgenden Aspekten notwendig!


 


Handhabung PA und PSA

Grundsätzlich ist eine vollständige Persönliche Schutzausrüstung zu tragen für den Brandeinsatz bestehend mindestens aus Schutzschuhwerk Fw-Helm Brandbekämpfungshandschuhen Feuerschutzhaube und Brandbekämpfungsbekleidung (Jacke und Hose). Diese ist IMMER vollständig zu tragen und richtig anzulegen. Dies sollte immer von einer zweiten Person kontrolliert werden.

Freiliegende Haut kann im Ernstfall zu bösen Verletzungen führen.
Selbstverständlich sollte auch sein dass man seinen PA kennt wie seine eigene Westentasche. Und zwar alle Typen die von der jeweiligen Feuerwehr verwendet werden. Auch hier sind selbstverständlich alle Verschlüsse zu schließen und der PA ordnungsgemäß aufzusetzen. Eine Kontrolle der Funktionsfähigkeit vor dem Einsatz muss zum Standard gehören.


Befehle beachten auf Befehle warten Befehle geben!

Des Weiteren sollte auch selbstverständlich sein dass NIEMAND ohne entsprechenden Befehl in ein Gebäude vorgeht wo das Tragen von Atemschutz notwendig ist. Hier gilt es immer dem Führer die Gelegenheit zu geben „seinen Entschluss in einem Befehl zum Ausdruck zu bringen“ um zu vermeiden dass einersetis gegenläufige doppelte oder gefährliche Maßnahmen ausgeführt werden anderereits um sicherzustellen dass jederzeit klar ist wer sich im Gefahrenbereich aufhält (Atemschutzüberwachung).

Des Weiteren sind gegebene Befehle auch zu beachten sofern nicht lagebedingt notwendiger Weise der Trupp innerhalb des Gebäudes eigenständig entscheiden muss z.B. aufgrund einer Lageänderung die dem Führer (noch) nicht bekannt ist.

So ist zum Beispiel nicht ohne Grund das Ziel des Trupps im Innenangriff zu ändern (z.B. statt ins 1.OG in den Keller) da dies jeden Versuch einer geordneten Einsatzführung unterminiert.
Dies schließt jedoch auch mit ein dass Führer ihre Verantwortung nachkommen und ihre Aufgabe erfüllen: Sie müssen führen!

Dies schließt mit ein dass klare Befehle gegeben werden und den Kollegen nicht nur „vage Vorschläge“ unterbreitet werden deren Befolgung fast schon beliebig ist.
Nur so kann ein geordneter Einsatzablauf erreicht werden.

Orientiert bleiben
Einmal im Gebäude ist es ein unbedingtes Muss für den Trupp immer orientiert zu bleiben und zumindest grob zu wissen wo er sich gerade aufhält (Geschoss und wenn möglich wo im Geschoss). Dies ist zum einen für Rückmeldungen wichtig („Schnelle Brandausbreitung im 1.OG…oder doch 2.OG?“) zum anderen auch für die Verfolgung des Standorts des Trupps von außen im Rahmen der Atemschutzüberwachung. Nur wenige Dinge können einen anlaufenden Sicherheitstruppeinsatz im Falle eines Falles derart verzögern wie eine falsche oder fehlende Standortangabe bzw. mindestens grobe –vermutung.


 

Dazu gehört auch dass immer Kontakt zu einer Rückwegsicherung (Schlauch ODER Leine(nsystem)) gehalten wird. Diese hat zwei Funktionen: Zum einen kann sie dem Trupp den Rückweg weisen zum anderen kann sie einem ggf. notwendigen Sicherheitstrupp den Weg zum verunfallten aufzeigen.

Aber auch wenn dieser Kontakt besteht muss man seine Sinne schärfen um zu wissen wo man ist und wo man herkam. Einer „Rückweg“-Sicherung in die falsche Richtung zu Folgen kann nämlich ebenfalls fatale Auswirkungen haben…

Falls man sich doch einmal nicht mehr sicher ist wo man sich befindet: Mayday absetzen (besser zu früh als zu spät abbestellen kann man immer noch!) dabei den letzten bekannten Standort angeben versuchen sich zu orientieren Notfallsignalgeber auslösen um weiteren Trupps die Möglichkeit zu geben gefunden und wieder auf „die richtige Spur“ gebracht zu werden. Ruhe bewahren.

Auch bei sonstigen beginnenden Notlagen bzw. beim Verdacht auf solche gilt dieses Schema:
Frühzeitig Mayday absetzen (besser als zu spät) Ruhe bewahren versuchen sich selbst zu helfen.
Druck kontrollieren
Der verbleibende Restdruck muss häufig kontrolliert werden und zwar nicht nur auf Anforderung der ASÜ die somit oftmals leider schon ihre ganze „Schuldigkeit getan“ hat sondern wirklich oft.

Nur so bemerkt man übermäßigen Druckverlust (Undichtigkeiten? Probleme mit dem PA?) und kann realistisch abschätzen wann der Rückweg anzutreten ist. Erfahrungszeiten („1 PA = 30 min“ o.ä.) spielen dabei keine Rolle! Allein ausschlaggebend ist der Luftverbrauch der stark variieren kann ganz abgesehen davon dass unter dem Einsatzstress oftmals das Zeitempfinden stark beeinträchtigt sein kann.

Kommunikation innerhalb des Trupps und nach außen
Eigentlich sollte es keiner besonderen Erwähnung bedürfen dennoch ist es scheinbar nötig: Häufige effiziente Kommunikation innerhalb des Trupps ist extrem wichtig! Nur so ist sichergestellt dass alle auf dem gleichen Stand sind überhaupt noch alle Truppmitglieder da sind (und nicht einer unterwegs verloren gegangen ist vgl. Unfallbericht Ibbenbüren) und alle Truppmitglieder wissen „was gespielt wird“ d.h. wie das weitere Vorgehen ist.


 

Dazu gehört bei entsprechenden Sichtverhältnissen auch der physische Kontakt zum Truppkollegen z.B. mittels lose um die Hand getragener Bandschlinge.

Davon ab sind Rückmeldungen zum zuständigen Führer ein wichtiges Instrument um den Informationsfluss sicherzustellen der nötig ist um die Maßnahmen innerhalb und außerhalb des Gebäudes zu koordinieren und auf Lageänderungen angepasst reagieren zu können. Dazu gehört auch dass eine entsprechende Funkdisziplin gewahrt wird und die Grundlagen des Funkens (Funkrufnamen!!!) eingehalten werden.
Kommunikation ist keine Einbahnstraße sie muss bei Bedarf in beide Richtungen ablaufen!

Fazit
Wie man sieht sind es eine ganze Menge an Fähigkeiten und Fertigkeiten die als Grundlagen beherrscht werden müssen. Und dann hat man noch nichts gehört über Fortbewegungsweisen Löschtechniken Taktische Ventilation Personenrettung Sicherheitstruppeinsätze und ähnliche Sachen mehr… 

Ist es also nicht an der Zeit Ihre Atemschutzausbildung dementsprechend etwas auf Vordermann zu bringen? 
             

Kommentare

Keine Kommentare bislang zu “Back to the roots – Grundlagen für das Verhalten im Innenangriff” (davon )

  1. freies_radikal am 16. Januar 2008 13:42

    Vielen Dank für diesen Artikel! An soetwas fehlt es meiner Meinung nach viel zu sehr. Bereits bekanntes Wissen kurz und prägnant wieder aufgefrischt und mal wieder darüber nachgedacht.

    „Und dann hat man noch nichts gehört über Fortbewegungsweisen, Löschtechniken, Taktische Ventilation, Personenrettung, Sicherheitstruppeinsätze und ähnliche Sachen mehr

  2. ro0f am 16. Januar 2008 15:17

    Ich finde den Artikel super. Ich finde vorallem wichtig, dass man in Übungen generell (nicht nur Atemschutz) wirklich auf die Grundlagen eingeht.

  3. elgeka am 17. Januar 2008 09:35

    Dazu gibt es nur eins zu sagen:

    Ausdrucken und jedem AGT in die Hand drücken und das Verhalten trainieren.

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