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Heute dürften die meisten Feuerwehren mindestens eine Kamera mitführen mit der die eigene Arbeit dokumentiert wird. Ob nun Öffentlichkeitsarbeit Einsazbericht oder Fahrzeuge: ein Paar Grundsätze der Fotografie sollten bekannt sein um zufriedenstellende und vor Allem gewollte Ergebnisse zu erzielen.

Dieser "Sprung" lässt sich auch technisch genau festlegen: er tritt dann ein wenn man den Automatikmodus der Kamera verlässt und sich in die manuellen Programme begibt wo man etwas mehr (oder gänzlich) Einfluss auf die Aufnahme hat. Man überlegt sich also vorher was man erreichen möchte

Manueller Modus
Jetzt wird's interessant: Manueller Modus

Die Fotografie ist ein beliebig tiefes und komplexes Thema; ich möchte hier allerdings nur die Basics wiedergeben mit denen jeder mit jeder Kamera bereits schönere Erlebnisse erzielen kann. Dabei möchte ich an dieser Stelle eines von zwei großen Themen behandeln: Die Kamera (das andere Thema ist das Motiv). 

Jede Kamera funktioniert im Prinzip gleich: Licht (="das Bild") fällt durch die Linse und trifft auf ein "Aufnahmemedium" ergo Chip oder Film. Wir können hier drei Parameter beeinflussen: Die Menge an Licht (=Blende) die Verschlusszeit sowie die Empfindlichkeit des Aufnahmemediums (= ISO-Zahl). Hier gilt es das Zusammenspiel dieser drei Parameter zu verstehen. 

Das Gute: es ist nicht sonderlich schwer erfordert nur viel Übung was im digitalen Zeitalter mehr als einfach ist! 

Grundregeln

Je weniger verfügbares Licht desto größer die notwendige Blende (kleine Blende = große Blendenzahl). Je kleiner die Zahl desto mehr Licht kommt durch. 

Je kleiner die gewählte Blendenzahl desto geringer die Schärfentiefe: das ist der Bereich in Entfernung der Kamera der scharf dargestellt wird. Sieht so aus:

Schärfentiefe
(Wikimedia Commons Creative Commons Attribution ShareAlike 2.5 Frank C. Müller)
Die Aufnahme links wurde mit Blende 8 rechts mit Blende 28 aufgenommen

Je kleiner die Blendel desto weniger Licht kommt durch. Kleinere Blenden benötigen eine entsprechend längere Belichtungszeit. Die Belichtungszeit dürfte selbsterklärend sein: sie bestimmt wie lange das Licht auf das Aufnahmemedium trifft.

Mit der ISO-Zahl die bei Digitalkameras je Bild (im Gegensatz zu einer ganzen Rolle) eingestellt werden kann wird die Empfindlichkeit beeinflusst. Eine höhere ISO-Zahl bedeutet eine höhere Empfindlichkeit somit auch eine geringere Belichtungszeit.

Mehr ist es eigentlich nicht! 

Die Kamera

Ich schätze fast alle Kameras im Feuerwehrbereich dürften inzwischen digitaler Art sein. Das Medium hat eigentlich fast nur Vorteile beispielsweise die geringe Zeitspanne um Einsatzbilder zu veröffentlichen. Im "Consumer"-Bereich unterscheidet man grob zwischen zwei Arten von Kameras: Kompaktkameras und Spiegelreflexkameras. Letztere sind – einfach definiert – die bei denen sich die Objektive wechseln lassen.

Kompaktkameras haben auch unterschiedliche "Geschmacksrichtungen" doch worauf kommt es an? Primär ist es wichtig eine Kamera zu kaufen die mehr bietet als nur Vollautomatik: gerade in feuerwehrtypischen Situationen ist diese schnell überfordert die Resultate folglich katastrophal. Idealerweise sollte man die Einstellungen auch komplett per Hand vornehmen können.

Eine konkrete Empfehlung zum Kamerakauf kann ich nicht aussprechen: erfahrungsgemäß lohnt sich Markenware da die Qualität der internen Bildverarbeitung hier bessere Resultate liefert.  Sehr wichtig sind gute Ergebnisse bei einer höheren ISO-Zahl (800 und mehr) da man wegen Reflexstreifen möglichst ohne Blitz fotografieren sollte. Die Anzahl der Pixel hat nur sehr wenig bedeutung. Eine Marken-4MP-Kamera macht höchstwahrscheinlich viel bessere Bilder als eine billigst-10MP-Kamera. 

 Ans Motiv herangehen

Wenn man an ein Motiv herangeht sollte man wissen welches Bild man erzielen möchte. Daraus leitet sich ab ob man mit Tiefenschärfe oder mit Verschlusszeit arbeiten möchte. Hier zwei Beispiele:

Verschlusszeit: Hier eine Verschlusszeit von 1/25 Sekunde gewählt. Durch die lange Belichtung (und Zoom-Pull) verschwimmen die Lichter. Die Blende wurd von der Kamera automatisch gewählt.

Blende: Eine kleine Blendenzahl (= offene Blende) bedeutet geringe Tiefenschärfe. in Verbindung mit einem Teleobjektiv kann man so einzelne Objekte prima herausstellen. Hier Blende 4 gewählt und der Kamera die Belichtungszeit selbst wählen lassen.

In beiden Beispielen hatte ich eine bestimmte Vorstellung wie das Bild aussehen sollte. Im ersten Fall die Belichtungszeit festgelegt im zweiten die Blende. Die Kamera hat dann von alleine den zweiten Wert automatisch geregelt (Blenden- und Verschlussautomatik) 

Belichtung

Möchte man vollends manuell arbeiten gilt es auch den internen Belichtungsmesser – den jede Kamera eingebaut haben dürfte – zu nutzen. Hierfür hält man die Kamera auf das gewünschte Motiv. Ob das Bild ausreichend belichtet wird sieht man am Zeiger.

Belichtungsmesser
Der Belichtungsmesser rechts am Schirm zeigt an ob korrekt belichtet wurde.

Ist es unterbelichtet kann man entweder die Blende öffnen die Belichtungszeit verlängern oder die ISO-Zahl erhöhen bis eine korrekte Belichtung angezeigt wird. Das hat natürlich auch seine Tücken: wird die Belichtungszeit zu lang (ab ca 1/40 sek) kann das Bild durch Bewegung unscharf werden. Vorsicht! Oft sieht man das in der Vorschau am Kamerabildschirm nicht. Mit Öffnung der Blende wird die Schärfentiefe geringer: entweder man hat dann ganz falsch fokussiert oder das kreative Ergebnis ist ganz anders als man möchte.

Für SLR-User: Nach Möglichkeit mit der Blendenvorschau arbeiten!

Empfehlenswert auch das "Bracketing": vom gleichen Motiv macht man drei Aufnahmen: eine in der als richtig angezeigten Belichtung eine -2/3 unterbelichtete (Blende ein bisschen zumachen) und eine +2/3 überbelichtete (Blende aufmachen). Die Wahrscheinlichkeit das Motiv richtig belichtet zu haben ist so viel größer. Besonders bei Motiven mit starken Kontrasten hat man so eine höhere Chance ein gutes Ergebnis zu erzielen. 

Beispiele: 

Wuppertal Vohwinkel

Dieses Foto aufzunehmen war aus technischer Sicht nicht so einfach: denn ich wollte nicht nur Struktur im Himmel haben (sichtbare Wolkendecke) sondern auch unter dem Dach. Die Tiefenschärfe sollte auch gegeben sein also Blende auf 8 gestellt (Blende 8 und 11 sind übrigens "Universalblenden" wenn es nicht so sehr auf die Tiefenschärfe ankommt) im Himmel Belichtung gemessen und Verschlusszeit entsprechend eingestellt.  

Flughafen München

Dieses Bild war relativ "einfach" da keine großen Kontraste. Blende ebenfalls auf 8 Belichtung am Boden ausmessen (Schatten sollte nicht schwarz sein) und Belichtung einstellen.

Tram München 

Hier wird's interessanter: ich wollte die Fahrgäste in der Tram als Silhouette einfangen: Belichtungsmesser auf Personen gesetzt Belichtungszeit eingestellt Blende zugemacht (= dunkler). Es wäre besser gewesen wenn die Tram schneller gefahren wäre und ich eine längere Belichtungszeit mit einer kleineren Blende (= hätte die Bäume durch Bewegung verwischt) aber so hatte ich den gewünschten Effekt erreicht.

TGM Feldkirchen

Hier wollte ich unbedingt eine große Tiefenschärfe also Blende 8 genommen. Belichtung eingestellt (1/320). Im Nachhinein hätte ich auch eine wesentlich kleinere Blende nehmen können (16 oder 22) dann wäre das Fahrzeug auch viel schärfer gewesen.

Zooms

Bei Objektiven unterscheidet man zwischen solchem mit einer Festbrennweite und Zooms. (fast) alle Kompaktkameras und Objektive arbeiten mit Zoom. Interessanterweise ist die größte Blende bei verschiedenen eingestellten Brennweiten unterschiedlich:

Blenden
Das 10-20 hat eine Blende von 1:4-5.6. Bei 10mm ist die größte Blende 1:4 bei 20 beträgt sie 1:5.6

Beim Fotografieren des Feldkirchener TGM unterlief mir ein Fehler: im Korb hatte ich nur den Weitwinkel dabei. Ich wollte ein Foto des Monitors machen mit unscharfem Hintergrund. Dies bedeutete die Blende so weit aufzumachen wie möglich bei diesem Objektiv 1:5.6 bei 20mm:

5.6
Leider ist mir der Hintergrund zu scharf aber das war das Beste was man aus dieser Situation herausholen konnte.

Bei Kompaktkameras verhält es sich nicht anders: die größtmögliche Blende verändert sich mit der Brennweite also wieviel Zoom man benutzt. 

ISO / Empfindlichkeit

Mit der Kamera stellt man die Blende die Verschlusszeit sowie die Lichtempfindlichkeit ein (ISO-Zahl). Letztere sollte man nach Möglichkeit gering halten idealerweise 100 oder 200. 400 ist bei den meisten Kompaktkameras noch akzeptabel darüber werden die Bilder sehr körnig und unansehlich. Spiegelreflexkameras liefern sogar bei ISO 1600 fast rauschfreie Bilder: dies ist unter Anderem (aber nicht nur) mit einem wesentlich größeren Chip zu erklären.

Fazit

Bilder im manuellen Modus aufnehmen ist nicht schwer und man hat im Gegensatz zu Automatikprogrammen die volle kreative Kontrolle. Es bedarf jedoch viel Übung um "seine" Kamera kennen zu lernen. Auch bei einer Feuerwehr ist es empfehlenswert sich die Pool- oder Öfkakamera zu schnappen und damit zu experimentieren.

Beispielsweise kann man sich eine Aufgabe setzen (bsp. "geringe Tiefenschärfe") und versuchen möglichst viele Motive aufzunehmen. Einfach ausprobieren!

Tipps:

  • Kameras speichern mit den Bildern auch erweiterte Daten (sog EXIF) beispielsweise Brennweite Belichtungszeit ISO-Zahl usw. Bei Diensten wie Flickr können diese Daten meistens aufgerufen werden. Hier schöne Bilder aussuchen und unbedingt in die EXIF-Daten gucken hier kann man viel lernen
  • Mein Lieblingsbuch zu diesem Thema: Understanding Exposure    

Kommentare

Keine Kommentare bislang zu “Fotografie-Basics: die Kamera verstehen” (davon )

  1. p_k am 18. Januar 2008 16:24

    sehr schöne sache – wirklich hilfreich.

    aber wie siehts bei langen verschlusszeiten mit dem verwackeln ( stativ ) aus??

    is mir noch net so klar inwiefern sich das lohnen könnte – besonders natürlich bei nächtlichen einsatzfotos – oder innerhalb von dunklen gebäuden.

  2. AKirchmeyer am 18. Januar 2008 19:14

    Super! Bin derzeit ein wenig am Üben. Bislang hatte ich die Nikon D70 (bzw. gelegentlich D80) im Automatikmodus verwendet. Manuell bringt man schon mehr aus den Bildern heraus…

  3. ro0f am 18. Januar 2008 22:50

    Ahja, der Belichtungsmesser. Nette Sache, doch also nicht nur Deko die mal den Zeiger nach oben und nach unten bewegt. :O
    Schöner Artikel. :D

  4. Meister_Martin am 19. Januar 2008 00:07

    Absolut super Arktikel!

  5. Meister_Martin am 24. Januar 2008 14:08

    Einmal schreibst du, dass Blende 8 und 11 Universalblenden sind, wenn es nicht so auf Tiefenschärfe ankommt, dann schreibst du beim Korb der DLK, dass du große Tiefenschärfe haben wolltest und deshalb Blende 8 gewählt hast. Ist das nicht unlogisch oder kapier ich da was nicht?

  6. rakeman am 24. Januar 2008 14:59

    @Meister_martin Da steht Blende 5.6 (Maximale Öffnung bei 20mm) und ausserdem ist das ein TGM :)

  7. Meister_Martin am 25. Januar 2008 18:03

    @ Rakeman Ich mein das Bild wo du den Korb des TGM von vorne fotografiert hast. Da steht Blende acht, da du eine große Tiefenschärfe haben wolltest, weiter oben steht, dass Blende 8 und 11 Standartblenden sind, wenn es nicht auf Tiefenschärfe ankommt.

  8. Sven Callender am 27. Januar 2008 00:41

    @meister_martin
    „wenn es nicht auf die Tiefenschaerfe ankommt“ => wenn die schaerfe des Hintergrundes im Bild nicht stoert
    Mit Blende 8 bekommt er das Fahrgestell des TGM noch relativ scharf drauf und es macht das Bild nicht kaputt (in diesem Fall, laut Kommentar beim Bild, sogar gewuenscht), haette er eine kleinere Blendenzahl genommen waere der Korb scharf und das Fahrgestell unscharf.
    Das sieht man gut bei dem Bild der Sandsteinfigur oben, waere hier Blende 8 genommen worden („Standartblende“) waere das Haus im Hintergrund scharf und das Bild einiges weniger Effektvoll

  9. Meister_Martin am 29. Januar 2008 17:40

    ok danke jetzt ist es klar!

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