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Rüstwagen der Berliner Feuerwehr

Er hat Staffelbesatzung ist 18 Tonnen schwer und ist über 8,5 Meter lang. Die Rede ist vom neuen Rüstwagen 3 (RW) der Berliner Feuerwehr. Mit Normrüstwagen ist er schwer zu vergleichen da hinter dem RW-Konzept eine Berliner Philosophie steckt oder anders ausgedrückt: Was der Rettungswagen für die normale Feuerwache ist ist der Rüstwagen für den Technischen Dienst (TD). Stationiert ist das Spezialfahrzeug beim TD 1 auf der Hauptfeuerwache in Spandau.

Wenn der ein oder andere Feuerwehrmann RW 3 hört erfolgt sogleich der Einwand dass ein RW 3 seit 1986 in Deutschland nicht mehr in der (Vor)Norm ist. Vielmehr kennt die DIN seit 2002 auch nur noch einen Rüstwagen der allerdings unterschiedlich darstellbar ist. Aber gerade diese neue Norm ermöglicht auch die Beschaffung von de facto RW 3. Rüstwagen können nach DIN 14555 (2002) mit unterschiedlichen Zuladungen versehen und damit örtlichen Gegebenheiten angepasst werden. Als Bundesland hat Berlin außerdem die Möglichkeit sich nicht an die Norm halten zu müssen.

20 Jahre alten Vorgänger ersetzt

In Berlin ersetzte der neu beschaffte Rüstwagen (RW) ein Vorgängerfahrzeug von 1985 auf MAN mit Aufbau von Bachert. Der neue RW wurde von Rosenbauer auf einem MAN TGA 18.350 4×4 BL mit einem geräuschgekapselten Euro 4-Motor aufgebaut. Der Motor leistet 257 KW (350 PS). Als Getriebe dient ein ZF 12 AS mit Tipmatic von MAN. Das automatisierte Getriebe soll dem Fahrer helfen sich mehr auf den Verkehr zu konzentrieren.

Der Radstand beträgt 4.500 mm der Wendekreis 18.200 mm und die Abmessungen 8.630 mm x 2.500 mm x 3.300 mm. Das zulässige Gesamtgewicht beträgt 18.000 Kilogramm. Laut Norm darf das Gewicht für einen RW zwar nur 14 Tonnen betragen aber in der Praxis müssen aufgrund der benötigten – und von der Norm sanktionierten – Zuladungen größere und damit schwerere Fahrgestelle beschafft werden.

Wie schon die neue Berliner LHF-Generation (Lösch- und Hilfeleistungsfahrzeug) wurde der Aufbau des Rüstwagen in Vollaluminium-Spantenbau in Leichtbauweise aus selbsttragenden Aluminiumblechen gefertigt. Dies verringert unter anderem die Kosten die durch Korrosion entstehen. Der Aufbau erfolgte aus Kostengründen außerdem auf ein MAN-Serienfahrgestell. Der Aufbau besteht aus Modulen. Dies bietet bessere Möglichkeiten der Beladung mit Geräten. Platz bietet das Fahrzeug einer Staffel. Alle Sitzplätze befinden sich in Fahrtrichtung.

Der neue Rüstwagen 3 der Berliner Feuerwehr

Rüstwagen der Berliner Feuerwehr

Rüstwagen der Berliner Feuerwehr

Rüstwagen der Berliner Feuerwehr

Im Heck ist u.a. die rettungsbühne verlastet.

‘’“”‘•–—‘’—˜‘•Einstieg in die Mannschaftskabine: Die trittstufe öffnet sich pneumatisch beim Öffnen der Fahrzeugtüre.

Blick in den Mannschaftsraum

Mit dem roten Buzzer wird die Sondersignalanlage eingeschaltet

Rüstwagen-Konzept in Frage gestellt

Gegenüber dem Vorgänger und den in Dienst befindlichen Rüstwagen (Berlin hat insgesamt drei RW 3) wurde das alte RW-Konzept „grundsätzlich in Frage gestellt“ erklärt Hauptbrandmeister Jürgen Dietrich vom Technischen Dienst der maßgeblich an der Entwicklung des neuen Fahrzeuges mitgewirkt hat.

Insbesondere die Lagerung und Aufteilung der Geräte wurden überdacht und neuen Situationen angepasst. Namentlich die Wende bescherte der Berliner Feuerwehr neue Herausforderungen. In Westberlin gibt es jetzt wieder eine Straßenbahn besser ausgebaute Bahnanlagen und Tunnel für die ICE der Deutschen Bahn. „Mit den einheitlichen DIN-Fahrzeugen könnten wir deshalb unseren Bedarf nicht decken“ erklärt Andreas Nawrot von der Serviceeinheit Fahrzeuge und Geräte (SE FG) der Berliner Feuerwehr. Die Einsatzerfahrungen des Technischen Dienstes bildeten ebenfalls eine wichtige Grundlage für die verbesserte feuerwehrtechnische Beladung.

Besondere Bestrebung legten die Entwickler auf Geräte zur patientenschonenden Rettung bei Verkehrsunfällen. Daneben entschied man sich für einen größeren Rettungssatz. So sind zwei verschiedene hydraulische Spreizer (SP 45-E und SP 30-E) und hydraulische Teleskopzylinder verlastet. Das neuartige Pumpenaggregat von Lukas erlaubt den gleichzeitigen Betrieb von drei hydraulischen Geräten.

Neu eingeführt wurden bei der Berliner Feuerwehr mit der Indienststellung des Fahrzeugs eine Rettungsplattform ein spezielles Abstützsystem und neuartige Minihebekissen. Die im Heck verlastete Rettungsplattform wird zum Beispiel bei LKW-Unfällen eingesetzt. Das Stabilisierungs- und Abstützsystem „Stab-Fast“ ermöglicht die Stabilisierung von umgekippten Unfallfahrzeugen. Die neuen „Super-Minihebekissen“ mit mehrlagigen Aramideinlagen von Vetter beschaffte die Feuerwehr in den Größen 14 x 13 255 x 20 und 295 x 295 Zentimeter. Ihr Vorteil liegt in der geringen Einschubhöhe von etwa 25 Zentimeter. Damit können sie in einem gerade einmal handgroßen Zwischenraum eingesetzt werden.

Auch die Werkzeuge wurden aktualisiert und in 16 Werkzeug- und Funktionskoffern untergebracht. Das sind zum Beispiel Werkzeugkästen mit Gerüstwerkzeug Holzwerkzeug Druckluftwerkzeug Elektrowerkzeug (Bohrmaschinen Stichsäge Trennschleifer Bohrhammer) Pannenhilfswerkzeug Starthilfe Metallwerkzeug und weitere Koffer. Um das Auffinden zu erleichtern sind die Koffer mit selbsterklärenden Piktogrammen versehen. So zeigen diese beispielsweise eine Bohrmaschine einen Maulschlüssels oder eine Säge und geben damit Hinweise auf den Inhalt. Zudem heben sich die Kästen untereinander farblich ab. So sind alle Elektrowerkzeuge in gelben alle Metallwerkzeuge in blauen die Druckluftwerkzeuge in grünen und die Pannenhilfskisten in roten Kisten verstaut. „Das erleichtert das Auffinden der Werkzeuge ungemein“ erzählt ein Mitarbeiter des TD.

Eine umfangreiche Bestückung mit Rundschlingen für die Tragkraft zwischen zehn und 100 kN eine Rettungstrage und ein Notfallrucksack runden die Ausstattung ab. Bisher schon mitgeführt werden unter anderem leichte Chemikalienschutzanzüge Chemikalienschutzanzüge (CSA) Atemschutz und Kettensägen. Die Chemikalienschutzanzüge sind in der Mannschaftskabine verräumt und werden bei Bedarf während der Anfahrt angezogen.

Seilwinde im Heck

Seilwind von hinten

Seilwinde nach vorne

Zugeinrichtung nach vorne und hinten

Ebenfalls neu ist eine nach vorne und nach hinten nutzbare hydraulisch betriebene Zugeinrichtung vom Typ Rotzler TR080 nach DIN 14585 T2 Rahmenseilwinde. Nach vorne wird mit 80kN und nach hinten 160 kN gezogen. Die Seillänge beträgt 75 Meter. Gesteuert wird die Einrichtung über Funk- und Kabelfernbedinung aus dem Führerhaus oder dem Fahrzeugheck. Durch die zusätzliche Zugeinrichtung nach hinten entfällt aufwendiges Rangieren beim Abschleppen oder Bergen verunfallter Fahrzeuge.

Auf dem pneumatisch ausfahrbaren und elektrisch um 180 Grad drehbaren Teleskoplichtmast sitzen vier 1000 Watt starke Strahler von Sill. Die Lichtpunkthöhe beträgt 65 Meter. Angeordnet ist die Einrichtung im Aufbau vorne an der Stirnwand. Zur Ausstattung gehört weiterhin ein fest eingebauter über Nebenabtrieb betriebener Generator mit einer Leistung von 20 kVA.

Auch auf dem Dach wurde die Lagerung der Geräte optimiert. Im Boden des Aufbaudaches ist ein Dachkasten mit begehbaren Deckel integriert. Dieser enthält Pallhölzer. Das Fahrzeug verfügt weiterhin über folgende Merkmale: Oberhalb der Hinterachse ist ein gasfederunterstützter Kotflügelauftritt mit integrierten Blinkleuchten installiert. Das erleichtert bei der enormen Fahrzeughöhe die Entnahme aus höher gelegenen Geräteraumfächern. Die Gerätetiefraumklappen sind außerdem mit integrierten Blinkleuchten versehen.

Weiterhin verfügt der RW 3 über eine Zentralverriegelung für die Mannschaftsraumtüren. Der Fahrerhausdachüberbau ist mit integrierten Blitzleuchten versehen. Links und rechts der Fahrzeugseite und im Heck wurde eine Nahumfeldbeleuchtung eingebaut. Dies erleichtert die Entnahme der Geräte im Dunkeln. Eine Rückfahrkamera im Heck mit Farbbildschirm in der Kabine erleichtert dem Fahrer das Rückwärtsfahren. Zur weiteren Ausstattung gehören auch eine Fremdeinspeissteckdose Rettbox 230 V inkl. Gegenstecker eine im Aufbau integrierte WAECO Kühlbox (12/24 V oder 230 V) und ein Navigationssystem.

Gasfederunterstütze Kotflügelauftritt (3 Bilder)

Staffel-RW als Berliner Philosophie

Besonders ins Auge sticht ein Merkmal des RW das ihn in Deutschland nahezu einzigartig macht: eine Staffelkabine. Da der Rüstwagen in Berlin eine eigene taktische Einheit ist agiert er selbstständig und führt dazu auch speziell geschultes Personal mit. Besetzt wird der RW mit 1/3.

Alarmiert wird der RW auf Anforderung oder automatisch bei bestimmten Alarmstichworten. Stoßen die Gerätschaften und das Personal eines LHF an ihre Grenzen wird der Technische Dienst vorrangig mit dem RW tätig. Er bringt größere und speziellere Geräte zur Einsatzstelle. Wird jedoch „Person unter Zug“ oder „Person eingeklemmt“ gemeldet rückt der RW automatisch aus. Bei einem Verkehrsunfall geht der RW nicht automatisch mit. Häufigstes Einsatzgebiet des RW ist deshalb ein Unfall im Bereich von Bahnanlagen Straßenbahnen oder den U-Bahnen. Aber auch bei Großbränden rückt er aus um dort die Beleuchtung sicherzustellen. Der Rüstwagen ist ein reines Sonderfahrzeug oder wie es Nawrot ausdrückt „das LHF rettet Menschen der RW leistet technische Hilfe“. Die Kombination aus LF und RW 2 gab es in Berlin noch nie erklärt Nawrot. „Seit es LHF gibt haben wir in Berlin keine fester Bindung mehr von Rüstwagen an Löschfahrzeuge“.

Aktiv wird der Rüstwagen jedoch selten alleine. Meist rückt er im Zug zum Beispiel zusammen mit dem Feuerwehrkran (Rüstgruppe) dem AB-Gefahrgut (Gefahrgutgruppe) oder weiteren Spezial-Abrollbehältern aus. Zugleich ist er auch das Führungsfahrzeug des technischen Zuges da der Zugführer auf dem RW mitfährt. Der Zugführer bestimmt auch ob der RW alleine vorausfährt. Deshalb dauert das Ausrücken beim TD seine Zeit je nachdem welche und wie viele Abrollbehälter aufgesattelt werden müssen. Die Idee dahinter ist einfach: Man möchte die Einsatzmittel zusammen halten und gleichzeitig an den Einsatzort bringen. Zeitliche Vorgaben im Sinne einer Hilfsfrist hat der TD jedoch nicht. „Die Rüstgruppe hat keine Hilfsfrist diese gelten in erster Linie für den Rettungsdienst und die Löschfahrzeuge“ erklärt Nawrot. Jürgen Dietrich ergänzt dass „wenn der RW eintrifft ist Menschenrettung meist schon abgeschlossen“.

Kritik an der in Internetforen geäußerten angeblich mangelnden Fähigkeit der LHF zur Hilfe bei Verkehrsunfällen weist Nawrot zurück. „Die LHF sind so ausgestattet dass der Rüstwagen nicht kommen muss“ stellt er klar. Dietrich ergänzt dass „das LHF für einen Standrad-VU bestens gerüstet ist“. Außerdem ist die Berliner Feuerwehr nicht in dem Ausmaß mit Verkehrsunfällen konfrontiert wie dies andere Städte sind da der Berliner Autobahnring größtenteils durch Brandenburg führt. Damit liegt dieser nicht in der Berliner Zuständigkeit.

Auch auf die Frage warum Berlin nur drei Rüstwagen davon zwei fest besetzt vorhält antwortet Nawrot dass in den letzten Jahren kein Mehrbedarf festgestellt wurde da der RW ein reines Sonderfahrzeug ist. Die meisten Einsätze erledigen die Feuerwachen mit den LHF. Außerdem verweist er auf die inzwischen gut aufgestellten Feuerwehren in Brandenburg und das THW das in Berlin eine große Rüstgruppe besitzt die notfalls zu Hilfe gerufen werden. „Albrecht Broemme wird uns sicherlich alles schicken was er hat wenn wir Hilfe vom THW brauchen“ scherzt Nawrot. Private Spezialfirmen werden im Notfall ebenfalls in Anspruch genommen wie zum Beispiel Kranfirmen. „Die Feuerwehr Berlin darf nicht autark gesehen werden“ betont der Leiter der SE FG. Dabei erinnert er sich an die Zeit vor 1990. „Das mit den Reserven hätten Sie mich fragen müssen als es noch die Mauer gab. Wir hatten damals Reserven bis zu 100 Prozent“ ergänzte er.

Berliner Spezialtruppe: Der TD

Berlin besitzt als einzige Feuerwehr in Deutschland eine Spezialabteilung für alle Formen der technischen Hilfeleistung den Technischen Dienst (TD). Er hat im Grunde drei Aufgaben: Abarbeitung von Einsätzen der technischen Hilfeleistung die Wahrnehmung einer Art Unfallpolizei innerhalb der Berliner Feuerwehr und Betrieb des Gerätelagers bzw. der Störungsbeseitigung außerhalb des regulären Werkstattbetriebes der Berliner Feuerwehr.

Während THL-Einsätze nicht weiter erklärt werden müssen bedürfen die beiden anderen Funktionen einer genaueren Erklärung. Die zweite Aufgabe des TD ist es nach einem Unfall mit Beteiligung eines Feuerwehrfahrzeuges als Vertreter des Landes Berlin die Daten der Unfallgegner zu sichern und Beweise an der Unfallstelle durch Fotos und Zeugenbefragung zu erlangen. Die dritte Funktion liegt schließlich in der organisatorischen Nähe zur SE FG begründet.

Außerhalb der Werkstattzeiten ist es Aufgabe des TD den Fahrzeugpark der Berliner Feuerwehr am laufen zu halten. Dazu zählen neben Kleinreparaturen an liegen gebliebenen Feuerwehrfahrzeugen (zum Beispiel Reifenwechsel oder Starthilfe) auch das Abschleppen von verunfallten oder defekten Feuerwehrfahrzeugen. Ebenfalls führen die Mitarbeiter des TD Kleinreparaturen auf der Wache in Charlottenburg durch. Dazu zählen zum Beispiel klemmende Türen oder eine ausgefallene Lichtanlage. Reparaturen an Bremsen oder der Lenkung werden vom TD jedoch nicht durchgeführt. Bei diesen Werkstattaufgaben macht sich die Vielzahl an ehemaligen KFZ Mechanikern bezahlt die beim TD arbeiten.

Auch der Betrieb des Gerätelagers außerhalb der normalen Bürozeit gehört zu den Aufgaben des TD. Die Spannweite reicht dabei vom Austausch defekter Feuerwehrgeräte über die Ausgabe von Schaummittel an die Löschfahrzeuge der Berliner Feuerwehr bis hin zum Betrieb von zwei Atemluftfüllstationen um den Einsatzbedarf der Feuerwachen zu decken. Das zentrale Schaummittellager der Berliner Feuerwehr ist beim TD 2 auf der Wache Marzahn angesiedelt.

WLF mit AB Gefahrgut des TD der Berliner Feuerwehr

WLF mit AB Generator des TD der Berliner Feuerwehr

WLF mit AB Rüst Wasser des TD der Berliner Feuerwehr

Saugwagen des TD der Berliner Feuerwehr

Ein Teil der WLF-Flotte des TD

Technik als Bindeglied

Vorgehalten wird der TD an zwei Standorten: Auf der Feuerwache Charlottenburg-Nord (Hauptfeuerwache) und der Wache Marzahn. Die personelle Sollstärke des TD I beträgt gegenwärtig 141 Mann die des TD II 45. allein beim TD I gibt es 30 Feuerwehrtaucher. Beim TD I sind 22 beim TD II 11 Beamte täglich auf Schicht.

Organisatorisch ist der TD der Serviceeinheit Fahrzeuge und Geräte angegliedert. Die SE FG ist zuständig für die bedarfsgerechte Planung und Beschaffung von Fahrzeugen Geräten und Ausrüstungen für deren Instandhaltung Reparatur und Bevorratung sowie für die Angelegenheiten der öffentlichen Wasserversorgung. Aufgrund dieser technischen Ausrichtung ist der TD dort angesiedelt.

Der TD ist historisch gewachsen. Seine Geburtsstunde liegt im Jahre 1907 als der erste Gerätewagen angeschafft wurde. 1927 wurden dann alle Sonderfahrzeuge der Berliner Feuerwehr zentralisiert. Die derzeitigen Standorte in Spandau und Marzahn sind teilweise auch das Ergebnis von Pragmatismus. Zwar liegen beide nur relativ zentral (bezogen auf West- und Ostberlin) aber der enorme Platzbedarf lies für die über 40 Sonderfahrzeuge nur wenige Standorte in Frage kommen.

Zentralisierung erhöhte die Schlagkraft

Nicht nur der Spargedanke sprach gegen die Dezentralisierung sondern auch das für die Sonderfahrzeuge benötigte spezielle Wissen. „Es gab mal die Überlegung den TD zu dezentralisieren. Das hat man aber verworfen um die Schlagkraft des TD zu erhalten“ erzählt Jürgen Dietrich. Eine Dezentralisierung wäre deshalb teuer geworden da mehr Trägerfahrzeuge hätten beschafft werden müssen. Das hätte den Spargedanken der hinter dem Abrollbehältersystem steckt ad absurdum geführt.

Viele Fahrzeuge und Aufgaben des Technischen Dienstes erfordern außerdem eine spezielle Ausbildung wie einen GGVS Personenbeförderungsschein oder eine spezielle Schulung wie für den Feuerwehrkran den Radlader den Gabelstapler den Schneidbrenner oder den Bahnerder der Deutschen Bahn. Aber auch innerhalb des TD gibt es Spezialisierungen wie die Tauchergruppe und die Messtechnik.

Die genannten Aufgaben können von den normalen Feuerwachen nicht wahrgenommen werden da ihre Einsatzbelastung im täglichen Alltagsgeschäft Spezialisierungen und Sonderausbildungen nicht zulassen. „Die Kollegen im Regelbetrieb wären überfordert und die Qualität der Hilfeleistung würde massiv absinken“ erklärt Jürgen Dietrich. Insofern entlastet der TD die normalen Feuerwachen. Durch die Zentralisierung vermeidet man nicht nur Kosten sondern verhindert auch Fehlbedienungen an der Einsatzstelle.

Die personelle Komponente ist der Berliner Feuerwehr sehr wichtig. Die Fahrzeuge haben eine feste Besatzung. Der TD teilt sich nämlich in zwei Gruppen ein: Einmal die Tauchergruppe und die Rüstgruppe. Nur die Mitarbeiter die die entsprechende Ausbildung haben dürfen auf den jeweiligen Fahrzeuge fahren. Es darf also nicht jeder Beamte des TD auf dem Rüstwagen oder dem GW-Wasserrettung mitfahren. Die Kollegen kennen sich damit und sind eingespielt. Auch das „hat für die Hilfeleistung gravierende Vorteile“ erzählt Jürgen Dietrich. Bei der Auswahl der Mitarbeiter des TD wird darauf geachtet dass diese eine für den TD geeignete Berufsausbildung mitbringen. So sind Kraftfahrzeugmechaniker Metallarbeiter oder Elektroinstallateure gerne gesehen. Die Ausbildung neuer Mitarbeiter erfolgt sowohl beim TD aber auch beim TÜV oder der Deutsche Bahn.

Fahrgestell

MAN TGA 18.350 4×4 BL

Motorleistung 257 KW (350 PS)
Länge 8.630 mm
Breite 2.500 mm
Höhe 3.300 mm
Radstand 4.500 mm
Wendekreis 18.200 mm
Zugeinrichtung Rotzler TR 080 mit 80 (hinten) und 160 kN (vorne) Zugkraft
Aufbau Rosenbauer
Besatzung 1/3

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Infos:

Quellen:

  • Interview mit BOAR Andreas Nawrot Berliner Feuerwehr SE FG
  • Interview mit HBM Jürgen Dietrich Berliner Feuerwehr TD I

Literatur:

  • Ulrich Cimolino: Einsatzfahrzeuge für Feuerwehr und Rettungsdienst.

P.S. Beim Import dieses Artikel von FWNetz 1.0 auf FWNetz 2.0 sind leider die Kommas verloren gegangen!

Kommentare

Keine Kommentare bislang zu “Der Rettungswagen des Technischen Dienstes” (davon )

  1. Creaser am 20. Januar 2008 14:24

    Sehr schöner Artikel. Geht auch sehr gut auf die Eigenheiten in Berlin und vor allem auch auf das Konzept des Technisches Dienstes ein. Eine Frage stellt sich mir jedoch, wenn der RW mit der Gefahrgutgruppe ausrückt und die Mannschaft sich während der Fahrt mit CSA ausrüsten soll, wie macht man das mit den PA? In der Kabine sind keine vorhanden, nur im G1.

  2. maos am 20. Januar 2008 20:03

    Noch eine Frage: Wie ist das mit der heckseitigen Seilwinde? Auf dem Bild ist kein Seil zu sehen. Wir dann die vordere Seilwinde umgerüstet oder sind das zwei einzelne?

  3. Creaser am 20. Januar 2008 20:44

    @MAOS: Glaube das wird mit Umlenkrollen gemacht, bin mir jetzt aber nicht sicher.

  4. galaxyquest am 20. Januar 2008 22:31

    Das mit den CSA war ein Missverständnis von mir. Es handelt sich um 4 leichte Chemikalienschutzanzüge. ;-) Sorry.

  5. Firefighter_junior am 20. Januar 2008 22:40

    „Berlin besitzt als einzige Feuerwehr in Deutschland eine Spezialabteilung für alle Formen der technischen Hilfeleistung, den Technischen Dienst (TD)“

    Was ist den mit der Umweltwache in Düsseldorf? Die deckt doch auch den TH-bereich mit ab, oder?

  6. sebastian.rak am 20. Januar 2008 23:46

    Mal eine kurze Frage:
    Kennen die Kollegen vom TD bzw. die Pressestelle diesen Bericht?

  7. galaxyquest am 21. Januar 2008 08:01

    @sebastian.rak: Habe meinen Gesprächspartnern eine kurze Mitteilung geschickt, dass der Text hier drin steht. Warum? Gibt es einen inhaltlichen Grund für diese Frage?

  8. JohnnyKnoxville am 21. Januar 2008 08:24

    Hehe..haben das Fahrzeug bei ner Rosenbauer Werksbesichtigung im „Rohzustand“ gesehen.
    Spannend, jetzt den Bericht drüber zu lesen ;-) Wie kann ich hier Bilder einfügen?

  9. galaxyquest am 22. Januar 2008 08:34

    Ich war hochoffiziell bei der Pressestelle und dem TD angemeldet. Welche Infos ich nicht weitergeben durfte, wurde mir gesagt, daran halte ich mich. Also schreibe ich über alle die Aspekte, die keinen Sperrvermerk bekommen haben ;-)

  10. Meister_Martin am 22. Januar 2008 19:19

    Ist das beabsichtigt, dass in der Überschrift Rettungswagen steht?

  11. galaxyquest am 23. Januar 2008 10:03

    @Meister_martini: Ist so beabsichtigt, weil der RW für den TD das ist, was der RTW für die normalen feuerwehren ist.

  12. Meister_Martin am 23. Januar 2008 14:26

    ach so… ok dann ist es klar :-)

  13. freeskier am 24. Januar 2008 07:31

    Bei der BF Frankfurt/Main gibt es auch einen technischen Dienst. Ist das nur eine Namensgleichheit oder haben die auch gleiche Aufgaben. Die Fz., die ich vom TD in FfM kenne, sind allerdings weitaus kleiner… Ansonsten Top-Artikel

  14. galaxyquest am 24. Januar 2008 09:17

    @freeskier: Ich hab mal kurz geschaut, bin aber beri der BF FFM nur auf die Sondereinheit „Rüstwagen-Schiene“ gestoßen. Auf der Website steht nirgends, dass es nur für die technischen Sachen eine eigene Abteilung – wie sie der TD ist – gibt. So wie ich das verstehe, sind vile Sonderfahrzeuge auf der Feuerwache Sachsenhausen stationiert, ohne dass das eine spezielle Wache für Technik und Umwelt ist. Soweit das, was ich herausgefunden habe.

    Zu DD: Also die Umweltwache scheint der Tätigkeit des TD nahe zu kommen. In DD ist der RW jedoch kein Sonderfahrzeug wie in Berlin. RW stehen ja auf der FRW10 und 6. Man müsste das mal genau vergleichen.

  15. Firefighter_junior am 24. Januar 2008 19:40

    @ Galaxayquest:

    ja, müsste man mal vergleichen bzw. die Umweltwache in DD mal genauer vorstellen.
    Ich sehe da potenzial für einen Artikel, ihr habt ja schließlich vorbildliche Beziehungen nach DD :-) ;-)

  16. Stefan Hirsch am 24. Januar 2008 21:56

    Kann mich dem Lob nur anschschließen, ein toller Artikel mit vielen Infos

  17. freies_radikal am 30. Januar 2008 23:45

    „Der rote Buzzer dient zum Einschalten der Sondersignalanlage.“

    Funktioniert wie? Licht und Sound?

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