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Teschow/Selmsdorf (MV). Es fehlten sieben Stimmen dann wäre die Ortsfeuerwehr Teschow gerettet gewesen. Beim Bürgerentscheid für den Erhalt der Ortsfeuerwehr Teschow gaben am Sonnatg in Selmsdorf (Kreis Nordwestmecklenburg) nur 502 Bürger ihre Stimme für den Erhalt ab – 509 wären nötig gewesen. Damit ist das Aus endgültig klar.

Selbst die moralische „Löschhilfe“ vieler Feuerwehrleute aus Lüdersdorf und Boltenhagen half bei dem Bürgerentscheid nicht. Laut Kommunalverfassung müssen mindestens 25 Prozent der 2033 stimmberechtigten Selmsdorfer bei einem Bürgerentscheid erreicht werden wenn dieser erfolgreich sein soll. In Selmsdorf fehlten dazu 031 Prozent. Bei Teschows Bürgern und Feuerwehrleuten rief das Ergebnis am Sonntagabend Bestürzung und Trauer hervor. Selmsdorfs Bürgermeister Detlef Hitzigrat gab den Teschower Feuerwehrleuten nun vier Wochen Zeit zu entscheiden ob sie sich nun der Selmsdorfer Wehr anschließen werden.

Auflösung angeordnet

Im September 2007 beschlossen der von der Wählergemeinschaft Bürger für Selmsdorf (BfS) dominierte Gemeinderat und Bürgermeister Detlef Hitzigrat gegen die Stimmen von SPD und CDU die Auflösung der Ortsfeuerwehr Teschow zum 31. Dezember 2007. Mit der Begründung „die Ortsfeuerwehr Teschow trägt zur Gefahrenabwehr nichts bei“ machte Fraktionschef Karl-Heinz Dube (BfS) seinen Spargedanken publik. Weiter begründet wurde dieser Vorstoß damit dass in Teschow so gut wie nie etwas passiert sei. Die Wehr soll deshalb als Löschgruppe Selmsdorf zugeschlagen werden denn die 28 Mann starke Truppe koste die Gemeinde Selmsdorf 15.000 Euro und mehr im Jahr.

Ausgelöst wurde der Vorstoß der BfS offenbar durch Querelen innerhalb der Feuerwehr. Das in Teschow stationierte LF 8/6 sollte aufgrund der geringen Einsatzbelastung abgezogen werden. Dagegen wehrte sich die Ortsfeuerwehrführung in Teschow und drohte mit Auflösung. Die Teschower Wehr hatte im Schnitt (vier laut eigenen Angaben) Selmsdorf zwishen dreißig bis vierzig Einsätzen pro Jahr. Auch die Tagesalarmsicherheit war in Teschow offenbar nicht gegeben. Außerdem wohnen einige der Teschower Feuerwehrleute selbst im knapp fünf Kilometer entfernten Selmsdorf.

Gegen Auflösung formierte sich Widerstand

Die Entscheidung rief Widerstand hervor der in dem Bürgerentscheid mündete. Denn mit der Auflösung wären einige praktische Probleme verbunden. Was geschieht mit dem durch Spenden errichteten Feuerwehrhaus? Was geschieht mit der Jugendfeuerwehr? Wo soll das Teschower Löschgruppenfahrzeug untergebracht werden?

120.000 Euro spendeten die Bürger um 2003 das Teschower Feuerwehrhaus bauen zu können. Dieses wurde schließlich in 4375 Stunden unentgeltlicher Arbeit durch die Mitglieder der Wehr und vieler Helfer errichtet. Das neue Feuerwehrhaus wurde deshalb gebaut um das neue LF 8/6 unterstellen zu können. Zwar räumt die Gemeinde ein dass die Spenden an die Feuerwehr gebunden gewesen seien jedoch habe die Gemeinde den Spendern nie ein Bleiberecht der Feuerwehr eingeräumt. Das Haus könne so die Gemeinderatsmehrheit für die Kultur- und Jugendarbeit genutzt werden. Dort könne dann auch die Jugendfeuerwehr unterkommen nur eben nicht mehr unter dem Dach der Feuerwehr. Das Gebäude würde aber weiter durch die Gemeinde finanziert.

Nicht minder problematisch scheint das schwierige Verhältnis zwischen den Teschower und Selmsdorfer Kameraden zu sein das in der Presseberichterstattung der örtlichen Medien auf große Resonanz stieß. Die Teschower wollen so die Ortswehrfüherin gegeüber der Presse nicht nach Selmsdorf. Die beiden Wehren konnten sich zuletzt auch nicht auf einen gemeinsamen Gemeindewehrführer verständigen den aber das Brandschutzgesetz vorschreibt. Hinter vorgehaltener Hand heißt es dazu dass der Streit durch Teschows Wehrführerineine eine große persönliche Komponente erhielt. Wie zum Hohn heißt es im Leitbild der Selmsdorfer Wehr „Die Feuerwehr Selmsdorf (incl. Teschow SC) setzt sich zum Ziel durch partnerschaftlichen Umgang miteinander sowie durch Beteiligung der Mitarbeiter an Gestaltungs- und Entscheidungsprozessen eine hohe Arbeitszufriedenheit zu erzeugen“. Die feuerwehrtechnische Arbeit der beiden Wehren lief demgegenüber sehr gut wird berichtet.

Nachdem Teschow 1999 ein neues Löschfgruppenahrzeug LF 8/6 erhielt fühlten sich die Selmsdorfer Feuerwehrleute offenbar zurückgesetzt berichtet Petra Knoop Teschows Wehrführerin. Sie vermutet deshalb eine späte Retourkutsche aus Selmsdorf. Nach der Auflösung würde das LF 8/6 nämlich in Selmsdorf stehen. Dort müsste jedoch ein Stellplatz angebaut werden. Im Moment ist ein Stellplatz in Selmsdorf aufgrund eines defekten Fahrzeuges frei.

LF 8 als Zankapfel?

Hintergrund der Verlegung des damals neu beschafften LF war das defekte Unimog-TLF in Teschow. Da die Gemeinde nicht über das Geld verfügte ein weiteres neues Fahrzeug zu kaufen versetzte die Gemeindeführung das LF gegen den Widerstand der Feuerwehr  kurzerhand nach Teschow. Andere Fahrzeugeaus Selmsdorf wie zum Beispiel das LF 16 TS kamen nicht in Frage da Selmsdorf die Aufgaben einer Stützpunktfeuerwehr hat. Zwischenzeitlich reifte offenbar in Selmsdorf die Erkenntnis dass das LF 8/6 taktisch in Selmsdorf nicht benötigt würde.

Frank Brinker (SPD) organisierte eine Unterschriftenaktion und setzte den Bürgerentscheid durch. Er hofft jetzt dass sich die Gemeindevertretung am 7. Februar eines Anderen besinnt und den Auflösungsbeschluss zurück nimmt. „Schließlich hat die Abstimmung trotz allem klar ergeben was die übergroße Mehrheit der Selmsdorfer will“ argumentiert Brinker.

Zwischenzeitlich keimte in Teschow die Hoffnung denn ein die Gegner der Feuerwehrauflösung argumentierten dass einzig die Mitglieder von Feuerwehren deren Selbstauflösung beschließen können. Die Kommunalaufsicht des Kreises Nordwestmecklenburg bestätigte diese Auffassung. Erst das Innenministerium in Schwerin stellte klar dass die Gemeindevertretung das nicht übertragbare Recht besitze über die Auflösung einer Freiwilligen Feuerwehr zu entscheiden.

Links:

Infos:

Updates:

Eine nicht genannte Quelle aus der Region Selmsdorf hat mit telefonisch ein wenig Hintergrund zu diesem Konflikt berichtet. Diese Informationen habe ich in den Bericht mitaufgenommen.

Kommentare

9 Kommentare zu “Bürger konnten Feuerwehr nicht retten [update 2]” (davon )

  1. t0bias am 22. Januar 2008 17:32

    0,31 Prozent … das ist schade

  2. mott am 23. Januar 2008 09:01

    Mh, wenn das andere Gerätehaus jetzt erstmal angebaut werden muss und ggf. alle Einsatzkräfte zu der anderen Feuerwehr wechseln, das Fahrzeug behalten wird usw. – wo liegt denn da jetzt genau das Einsparpotential?!?

  3. Henning am 23. Januar 2008 09:36

    Mir drängt sich der Eindruck auf, dass es nicht um ein Einsparpotential sondern eher um einen emotinalen Hintergrund geht. (Z.B. um ein TLF. Das ganze heißt dann wohl Neid :-( )

  4. StefanBruening am 23. Januar 2008 10:23

    Um das ganze vernünftig beurteilen zu können, reicht der Artikel natürlich nicht aus. Der subjektive Eindruck ist für mich auf jeden Fall, dass da auf jeden Fall einiges schief gelaufen ist.

    Dazu gehört die Frage, warum eine Wehr mit angeblich solch geringem Einsatzwert noch vor wenigen Jahren ein Neufahrzeug und ein GH erhält (Spenden hin oder her). Hier kommt in mir auch der Gedanke auf, dass damals der Einsatzwert offenbar anders bewertet wurde.

    Was mir persönlich bei solchen Dingen immer wieder aufstößt, ist dieser Kindergartengehabe der einzelnen Einheiten untereinander. Neid, Provokation, „Rache“ ist immer wieder ein Problem. Und selbst in mir bekannten Wehren, die absolut keinen nachvollziehbaren Grund dazu haben, ist diese Tendenz zu erkennen.

    Traurig.

  5. galaxyquest am 23. Januar 2008 10:39

    @StefanBruening: deshalb habe ich soweit alle Artikel verlinkt, die ich gefunden habe.

    Das interessane an dem Fall ist, dass eine funktionierende Wehr aufgelöst werden soll, hinter der die Bürger stehen. In einem anderen Fall,hunderte Kilometer südlich, wird dagegen eine Wehr zur Pflichtfeuerwehr, weil das personal fehlt und gegen die sich die Bürger wehren. Ich finde, dass diese angeordnete Auflösung trotz Funktionierens eine negative Qualität hat.

  6. galaxyquest am 23. Januar 2008 11:42

    UPDATE: Ich habe gerade von einem Selmsdorfer FA einen Anruf bekommen, der mir ein wenig Hintergrund erzählt hat. Das ganze ist um einiges komplizierter, als in der Presse dargestellt. Die örtliche Presse hat da wohl auch nicht ganz sauber gearbeitet. Ich werde versuchen den mir gegebenen Hintergrund im Laufe des in den Artikel einzuarbeiten.

  7. cma am 23. Januar 2008 23:04

    bitte dann auch so darstellen welche Informationen von wem kommen.

  8. galaxyquest am 24. Januar 2008 08:52

    @CMA: Eine nicht genannte Quelle aus der Region Nordwestmecklenburg hat mir telefonisch ein wenig Hintergrund zu diesem Konflikt berichtet. Diese Informationen habe ich in den Bericht mitaufgenommen. Die Quelle nenne ich aber nicht. Die Infos die ich bekommen habe waren plausibel und ich habe momentan keine Zweifel diesen Infos zu misstrauen. Ich hoffe, du kannst das verstehen.

  9. Teschow nimmt kein Ende : FWnetz - Feuerwehr im Netz am 29. Juli 2008 08:20

    […] Bürger konnten Feuerwehr nicht retten […]

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