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Im Rahmen meines Besuches beim SDIS44 in Nantes hatte ich die Möglichkeit einen Einblick in das Fahrzeugwesen unseres Nachbarlandes zu bekommen – aus Zeitmangel leider nicht in der gewünschten Tiefe genügend jedoch um einen Überblick bieten zu können.

Kern des Fahrzeugthemas war ein Gespräch mit Capitaine Rousseau seines Zeichens verantwortlich für den Fuhrpark des SDIS44. Darüberhinaus hatte ich die Möglichkeit an unterschiedlichen Wachen Sonderfahrzeuge zu sehen.

Capitaine Rousseau

Fahrzeugphilosophie
Während das deutsche Feuerwehrwesen dazu neigt möglichst universelle Fahrzeuge aufzubieten (HLF RW) haben französische Fahrzeuge eher spezifische Einsatzspektren. Die Liste der Fahrzeuge des SDIS44 ist hier zu sehen .

Das Standardfahrzeug ist der Fourgon Pompe Tonne (FPT) welches ausschließlich für Brandbekämpfung eingesetzt wird. Am ehesten dürfte es unserem TLF16 entsprechen: Staffelbesatzung (Gruppenkabine) Schläuche wasserführende Armaturen. 

Der neueste FPT des SDIS44 mit gelber Bemalung

Eckdaten: 15 oder 16 Tonnen Gewicht 2.700 Liter Wassertank Schaummittel. Die Schläuche werden nach ihrem Durchmesser benannt (45 70 und 110) und sind spürbar robuster gebaut als unsere da auch mit einem höheren Pumpendruck gefahren wird (15 bar).

Es gibt einige Varianten des FPT darunter ein FPTHR (FPT Hors Route mit Allrad) sowie FPTSR (FPT Secours Routier für VU).

FPTHR mit Allrad

Kleinere Einsätze werden mit dem VTU (Véhicule Tout Usage KLaF) abgewickelt diese sind zumeist Kastenwagen auf Sprinter 35t-Fahrgestell.

Drehleitern werden EPA (Echélle Pivotante Automatique) genannt und entsprechen weitestgehend unseren DLK23-12. Im SDIS44 sind die neuen Fahrzeuge vom Modell Metz L32 auf MAN LE.  

Zu Verkehrsunfällen rückt der Véhicule Secours Routier (VSR) aus. Dieser ist ausschließlich für diese Aufgabe ausgelegt und führt VU-Rettungswerkzeug mit (Schere Spreizer Stab Hebekissen) inklusive Leucht- und Löschmittel (PG Schaumlöscher und einen 400l-Wassertank) und ist mit Unfallstellenabsicherungseinrichtungen versehen (Heckblitzer Markierungen aufklappbare Signaltafel).



Der VSR wiegt 75 Tonnen
 

Interessant: der VSM rückt zu einem VU standardmässig mit einem VSAV (Véhicule Secours et d'Assistance aux Victimes RTW) aus – sonst nichts. Wird ein zweiter Rettungssatz benötigt rückt der nächstgelegene VSR aus. Wie oben erwähnt gibt es einen FPT in Kombination mit einem VSR – der FPTSR. Doch wegen der "fokussierungs"-Philosophie wird dieser eher nicht beschafft. Ist dieses Fahrzeug im Einsatz ist man unflexibler als mit zwei Fahrzeugen.

Der VSAV ist Standard auf jeder Wache; die Feuerwehren in Frankreich stellen flächendeckend den Rettungsdienst. Worauf ich leider nicht eingehen kann weil die Materie erstens komplex und zweitens hochpolitisch ist: das Zusammenspiel zwischen der Feuerwehr dem Notärztlichen Dienst (SMUR) und einem weiteren Notdienst dem SAMU ist recht intransparent und je nach Département völlig unterschiedlich. Die Qualität der Kooperation variiert wohl auch erheblich.

VSAV im Einsatz

Somit wäre die Vorstellung der flächendeckenden Standardfahrzeuge abgeschlossen. Darüberhinaus gibt es eine Menge an Spezialfahzeugen. Nachfolgend werden einige vorgestellt: 

Eine französische Besonderheit und aus meiner Sicht eine interessante Variable in der hiesigen Waldbranddiskussion sind die CCF (Camion Citerne feux de Forêt). Sehr wuchtig aussehende singlebereifte Fahrzeuge für Vegetationsbrände mit einer Standardbesatzung von 1/2 oder 1/3. Die neuesten Fahrzeuge verfügen über ausgedehnte Eigenschutzmechanismen beispielsweise Überdruckkabinen oder Sprühdüsen im Schutzkäfig.

CCF Léger mit 2.000l Wasser

CCF werden klassifiziert in Léger (bis 75t) Moyen (14t) sowie Super (über 14t).  

In Frankreich weit verbreitet sind Wechselaufbauten-Systeme. In Nantes konnte ich AB mit Schaummittel sehen "F-Schlauchaufwickel" Großpumpen mit F-Schlauch Dekon sowie Umwelt.

Beschaffung Normung

Genauso wie hier sind Standard-Feuerwehrfahrzeuge in Frankreich genormt. Sie werden auf Département-Ebene vom jeweiligen SDIS beschafft. So erreicht man zumindest auf dieser Ebene eine gewisse Standardisierung sowie Skaleneffekte beim Einkauf – bis zum bestimmten Grad denn viele Fahrzeuge sind auch in Frankreich Einzelbeschaffungen.

Auch beinhalten die Normen Mindestanforderungen deren Erfüllung eine Bezuschussung vom Bund ermöglicht. Über diese Mindestandorderungen hinaus habe die einzelnen Départements je nach finanziellen Möglichkeiten einiges an Spielraum. Beispielsweise sieht die Norm für FPT folgendes vor:

  • Besatzung: 8 Personen 
  • 8 PA
  • Tank: 2.700 Liter minimal
  • Pumpenleistung: 120 Kubikmeter Wasser pro Stunde (2.000 l/min)
  • 600m Schlauch "70"
  • 200m Schlauch "45"

Der SDIS44 als einer der finanzkräftigeren Départements hat auf den neuen FPT noch folgende zusätzliche Austattungsmerkmale:

  • Einmannhaspeln pneumatisch / hydraulisch absenkbar
  • elektrische Leiterentnahme
  • Automatischer Druckregler an der FP
  • Automatische Schaumzumischung (Class A)

Sämtliche FPT (und viele weitere Fahrzeuge) in ganz Frankreich sind also größtenteils gleich. Insbesondere Führungsdienstgrade der SPP (Sapeurs Pompiers Professionels Berufsfeuerwehr) schätzen dies denn ein beruflicher Aufstieg ist oft mit Standortwechsel verbunden und man arbeitet mit vertrautem Material.

In Frankreich als EU-Land sind die Beschaffungsrichtlinien die gleichen wie hier; allein aus Kostengründen – ein FPT dürfte im Schnitt gut €100.000 weniger kosten als ein deutsches HLF – findet man fast nur französisches Material. Die Probleme bei den Nachbarn sind jedoch ähnlich wie hier: enormer Kostendruck bedeutet oft Einbußen bei der Qualität. Die fortschreitende Technisierung macht auch eine gewünschte Haltbarkeit von mehr als 20 Jahren unwahrscheinlich der Erhaltungsaufwand steigt stets.  

Noch eine interessante Anmerkung: die Fahrzeugbeklebung bzw. -markierung ist auf nationaler Ebene vorgegeben und zwingend vorgeschrieben. Die Vorgaben sind in diesem PDF-Dokument nachzulesen.


Video Rundgang FPT:

youtubeGzC2IEsvWv4/youtube


Bilderstrecke Fahrzeuge SDIS44

 


Links:

 

 

Kommentare

Keine Kommentare bislang zu “Zweieinhalb Tage SDIS44 (Teil4): Fahrzeuge” (davon )

  1. Wieländer am 2. Februar 2008 18:37

    Ich hab grad mal eine Bilderstrecke bei Flickr gemacht, darin sind auch nochmals Fahrzeug Fotos der Berufsfeuerwehr St. Louis / Elsass in Frankreich hochgeladen. Da die Feuerwehr im Dreiländereck Frankreich, Deutschland Schweiz liegt, sind auch noch ein Fahrzeug aus Basel / Schweiz und Breisach / Deutschland dabei. Auch der Rettungshubachrauber der REGA / Schweiz, der auf dem Euroairport in Frankreich stationiert ist und sehr oft in Deutschland zum Einsatz kommt, ist auf den Bilder zu finden:
    http://www.flickr.com/photos/23406961@N04/2236419069/

  2. JupiterJones am 2. Februar 2008 20:08

    Handelte es sich bei allen DLs um DLA oder gabs auch DLS dabei?

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