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Dies ist der erste Artikel in der Kurzreihe „Zweiter Abmarsch“ die sich mit den Fahrzeugkonzepten insbesondere im Katastrophenschutz beschäftigt. Modulkonzepte haben in der Feuerwehrgeschichte Tradition erhöhen sie doch die Flexibilität eines Fahrzeugs und somit seinen Einsatzwert. Eine Münchener Besonderheit ist der „Gerätesatz Unwetter“ genannt G-U der anstelle der Tragkraftspritze in den LF 16-TS der FF mitgeführt wird. Er erhöht durch mitgeführte Gerätschaften beispielsweise Tauchpumpe Kettensäge und Trennschleifer den Einsatzwert dieser Fahrzeuge erheblich.

Fotos von Andreas Gattinger (0815Andi)


Thomas Zawadke Dipl.-Ing. Fahrzeugtechnik Jahrgang 1958 aktiver Feuerwehrmann war an der Entwicklung von Modulkonzepten maßgeblich beteiligt und schob die Einführung des G-U in München mit an. Er ist seit 2004 selbständiger Beratungs- und Entwicklungsingenieur hält einen Lehrauftrag an der Hochschule Ulm für Feuerwehrfahrzeugtechnik und ist Mitglied im DIN des FNFW in den Arbeitssausschüssen „Sonderfahrzeuge“ und „Ausrüstung und Geräte“.

Was ist das Konzept eines Gerätesatzes?

Das Konzept ist denkbar einfach: Früher hatten viele Normfahrzeuge eine TS (der größte tragbare Ausrüstungsgegenstand in einem Löschfahrzeug) und damit auch eine genormte Lagerung.

Die kompakten Fahrzeuge (z.B. TSF LF 8 Heckbeladung LF 8-TSA und LF 16-TS) hatten aber kaum Nutzraum und verfügbare Nutzlast um zusätzliche Ausrüstung aufzunehmen.

Gerade die LF 8 und LF 16-TS hatten neben der FP noch zusätzlich eine TS. Bei gewissen Einsatz-Stichworten konnte also bei diesen Fahrzeugen die TS gegen andere Ausrüstung getauscht werden ohne den Einsatzwert bezüglich der Wasserförderung nennenswert einzuschränken.

Speziell bei Feuerwehren die als erstausrückendes Fahrzeug ein TLF 16 hatten war diese Technik verbreitet denn die LF waren fast durchwegs das zweite Fahrzeug in der Ausrückeordnung.

Sehr früh hatten Hersteller wie Bachert und Ziegler dazu Lösungen entwickelt wie man Ausrüstung auf einem Grundgestell der TS sicher lagern und transportieren könne.

Aufgrund der Norm der Aufnahmevorrichtung des TS-Schlittens war dies eine einfache und zuverlässige Lösung.

Nach der ersten Typenreduzierung in den 90er Jahren sind bis auf die TSF alle Löschfahrzeuge weggefallen die zusätzlich eine TS mitführen.

Aus den LF 8 wurden die LF 8/6 und die LF 16-TS waren in „abgemagerter“ Form (auf 9 t-Chassis anstelle früher 12 t) nur noch für den Katastrophenschutz vorgesehen.

Als junger Konstrukteur bei Iveco-Magirus hatte ich damals den Vorschlag gemacht in allen neuen Fahrzeugen einen „Modulraum“ in der Größe einer Europalette bzw. der TS 8/8  mit Lagerung (also Grundfläche 1200 x 800 mm) einzuführen um die Tragkraftspritzen weiterhin lagern zu können falls dies gefordert würde.

Der G-U passt auf den Tragkraftspritzenschlitten

Ich konnte mir damals nicht vorstellen dass die Feuerwehren den Wegfall der TS so einfach hinnehmen. Die ersten Überlegungen dazu stammten noch aus meiner Zeit in München. Dort hatten wir auch Überlegungen angestellt die LF 16-TS des Bundes KS durch Gerätesätze aufzuwerten.

Herr Eickhoff damals Gesamtentwicklungsleiter bei Magirus ist darauf eingestiegen. Er hat uns also der Entwicklung in Weisweil zur Aufgabe gestellt in den Fahrzeugen die Normbeladung so unterzubringen dass es zu keiner Veränderung des Modulraums kommen würde. Die TS oder zusätzliches Gerät würde dann nach örtlichen Belangen gelagert werden können.

Erstmals vorgestellt wurde dieses Konzept auf dem Deutschen Feuerwehrtag in Friedrichshafen 1990 und zwar in einem TSF-W. Es war damals ein Fahrzeug mit zwei(!) TS: eine im Heck verbunden mit dem Tank und eine auf der Seite. Letztere konnte bei Bedarf gegen einen Gerätesatz getauscht werden konnte.

Bei diesem Fahrzeug wurde dieses Konzept heftig diskutiert unter Anderem sah man bei diesen kleinen Fahrzeugen zu große Probleme mit dem Gewicht und UNvereinbarkeit mit dem taktischen Konzept.

Doch bei den LF 8/6 und LF 16/12 hat sich diese Bauweise sehr bewährt denn man hatte lange Zeit einen gewissen Serieneffekt im Lagerungseinbau. Fünf von sechs Geräterräumen waren immer gleich bestückt (nur im G5 war noch ein Freiraum für einen zusätzlichen Schnellangriff für den Export oder zusätzliche Schläuche) und im G2 hatte man über dem Rahmen ein „großes Loch“ in dem die Feuerwehren beispielsweise 250 kg Pulveranlagen TS mit Zubehör Ölumfülltechnik samt 400 l Tank Lüfter zweiter Rettungsatz usw. alles lagern konnten was sie zusätzlich zur ohnehin umfangreichen Norm-Beladung sonst noch brauchten.

Manche hatten sogar eine Wechselvorrichtung zum schnellen Umbau verschiedener Module und die pneumatischen Entnahmehilfen wurden daraufhin auch entwickelt da die Entnahmehöhen aufgrund der höheren Fahrgestellrahmen zu hoch waren. Andere Hersteller haben dieses Prinzip später übernommen.

Mit welcher Ausrüstung ist ein Gerätesatz bestückt?

Speziell bei Unwettereinsätzen wurde die TS selten benötigt und bei diesen weniger zeitkritischen Einsätzen konnte diese dann gegen einen GS (=Gerätesatz) getauscht werden.

Je nach Region war oft ein Stromerzeuger mit Beleuchtungsgerät Trennschleifer und/oder einer Tauchpumpe untergrebracht also die Geräte die bei Unwettertypischen Einsätzen wie Keller auspumpen und Bäumeentfernen benötigt wurden.

Alternativ gab es Geräte zum Ziehen und Heben wenn es darum ging bei seltenen Baustellenunfällen oder bei einfacher technischer Hilfeleistung zusätzliches Gerät mitzubringen. Schließlich auch Geräte zur Ölwehr oder einfach nur als Transportbox für schmutzige Ausrüstung.

Der Münchner G-U ist auf Unwetter ausgelegt: Kettensäge Trennschleifer und Tauchpumpe sind die wichtigsten Gegenstände. Zusammen mit auf dem Fahrzeug geführten Holzstangen sowie Plastikplane sind auch größerflächige Abdichtarbeiten möglich.

Was ist der historische Hintergrund des Münchner G-U?

Ich war damals Leiter der Ausbildung für Technische Hilfe der Freiwilligen Feuerwehr in München. Wir hatten sehr viele LF16-TS und SKW des Bundes aber nur wenige LF und TLF.

Die Fahrzeuge hatten damals eine vergleichsweise geringe Ausstattung für technische Hilfe (u.a. Mehrzweckzug und eine Zahnstangenwinde) und kaum Gerät für die klassischen Unwettereinsätze (Motorsägen Tauchpumpen usw.).

An Bundfahrzeugen durfte grundsätzlich nichts verändert werden. So waren Nachrüstungen oder Umbauten nicht möglich und aufgrund der Tatsache dass die Fahrzeuge auch mal schnell durchgetauscht wurden war dies auch nicht besonders ratsam.

Dem damaligen Kommandanten der FF München Hans Metz und dem Ausbildungsleiter Wolfgang Beck hatte ich daher eine Variante vorgeschlagen: Auf alten TS-Schlitten einen Gerätesatz mit der entsprechenden Ausrüstung vorzuhalten der dann bei Bedarf gegen eine TS getauscht werden konnte.

Ich war bevor ich mein Studium begonnen hatte als Kfz.-Handwerker in der Katastrophenschutz-Zentralwerkstatt in Hohenbrunn tätig und hatte dorthin noch sehr gute Kontakte. Wir hätten sogar den Prototyp selbst gebaut.

Ein Gespräch mit Herrn Maier(16) damals Leiter der Kfz-Werkstatt und Herrn Falke Leiter der Abteilung Technik der BF hat uns dann alle Illusionen geraubt.

Zu diesen Zeiten wurde immer alles für sämtliche Fahrzeuge in gleicher Ausführung angeschafft. Bundfahrzeuge waren tabu die Gelder fast grundsätzlich nicht vorhanden ausserdem würden sieben RW3 der BF für die Technische Hilfe in der Landeshauptstadt völlig ausreichen und überhaupt wäre das Anschaffen der Technik nicht Aufgabe der Ausbildungsabteilung und der FF!

So war das eben früher. Erst viele Unwettereinsätze und Großereignisse wie der berühmte „Münchener Hagelschlag“ von 1984 haben ein gewisses Umdenken bewirkt. Unter dem leitenden Branddirektor Herrn Hölzl wurden solche Veränderungen viel unbürokratischer möglich zumal die Bund-Fahrzeuge auch der Stadt überschrieben wurden.

Können Sie etwas zum Projekt also zwischen der Planung und der Auslieferung des G-U erzählen?

Das geschah nach meiner Zeit in München: ich habe das nur am Rande mitbekommen. Ich kann mich nur noch erinnern dass ich mit Wolfgang Beck verschiedene Versionen der Beladung diskutiert hatte bis hin zu provisorischen Löschanlagen auf TS-Schlitten. Das war eben eine Zeit in der zu wenige wasserführende Fahrzeuge bei der FF in Dienst waren.

Ich hatte damals ein paar Vorschläge aus der Projektabteilung von Magirus gesandt.

Gibt es sonst ähnliche Konzepte?

Dieses „modulare Denken“ in Bezug auf die Ausrüstung setzt sich eigentlich erst in den letzten Jahren bei den Feuerwehren so richtig durch.

Früher hatte man Transportkisten im Einheitsmaß 700×400 mm Grundfläche – entwickelt für die Einheitslöschfahrzeuge im Zweiten Weltkrieg – heute sind diese angepasst an das Maß der Europalette oder Teilflächen daraus (600 x 400 oder 800 x 400).

Diese passen jetzt wiederum auf die Rollcontainer der Logistikfahrzeuge die ja seit 2005 genormt sind. Die Schweizer Feuerwehren sind hier die „Urheber“. Aber das ist eine eigene Geschichte.

Nicht unproblematisch aus Sicht der Taktiker ist der Einsatzwert eines Fahrzeugs. Das war damals sicher auch eines der wichtigsten Argumente der Branddirektion gegen die beschaffung der Gerätesätze: wenn ein Einsatzleiter davon ausgeht dass das anrückende LF 16-TS eine TS mitführt plant er dieses an einer schwer zugänglichen offenen Wasserentnahmestelle ein.

Das tatsächlich anrückende Fahrzeug hat dann gar keine TS dabei sondern einen Gerätesatz. Sie sehen es gilt einiges zu bedenken.

Wegen der taktik planen viele Chefs von Feuerwehren nicht mit einer „flexiblen“ Beladung obwohl beispielsweise Hamburg bei der Ersatzbeschaffung der alten KatSchutzfahrzeuge auch ähnliche Konzepte verfolgt hat und ein Modul als Wasserversorgung oder technische Hilfe vorsieht.

Eine spezielle Form von Gerätesätzen haben die GKW des THW. Hier sind es Schubladen die in einer Einheitsgröße (ähnlich ener Krankentrage) zusammengehörige Ausrüstungsgegenstände aufnehmen und vom Fahrzeug aus bedient werden können oder durch die Mannschaft an den Einsatzort getragen werden.

Bilderstrecke in voller Auflösung hier bei Flickr

Kommentare

Keine Kommentare bislang zu “Gerätesatze: Interview mit Thomas Zawadke” (davon )

  1. FireFighter_247 am 2. Februar 2008 20:27

    Also ich finde die Idee super. Bei uns in der Wehr sind wir an einer ähnlichen Sache dran.

  2. Troyhahn am 4. Februar 2008 14:08

    Wir haben bei uns in der Abteilung auch 2 GS-U. Wir sind echt sehr zufrieden damit. Bei Unwetteralarmen sind die schnell auf den Fahrzeugen verlastet. Alles was man braucht ist dann schnell aufgeladen.

  3. SchlotterT am 5. Februar 2008 13:57

    Gibt es eigentlich die Untergestelle einzeln zu kaufen?

  4. rakeman am 5. Februar 2008 13:58

    @schlottert das sind einzelanfertigungen wenn ich mit entsinne

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