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Ludwigshafen (RLP). Zwei Tage nach der Feuerkatastrophe in Ludwigshafen ist die Ursache für den Brand noch immer nicht klar. Aussagen deuten auf Brandstiftung hin. Das Anfang des 20. Jahrhunderts erbaute Haus wurde hauptsächlich von türkischstämmigen Mitbürgern bewohnt. Die Frankfurter Rundschau titelte „Die Angst vor einem zweiten Solingen“. Inzwischen hat sich die türkische Regierung in die Ermittlungen eingeschaltet und übt Kritik an deutschen Behörden.
Am Sonntag starben 9 Menschen bei einem verheerenden Wohnhausbrand. Weit über 60 wurden verletzt. Wie eine Obduktion der Getöteten ergab waren acht Menschen an Rauchgasvergiftungen gestorben. Eine Frau hatte sich tödlich verletzt als sie aus dem Gebäude in die Tiefe gesprungen war um sich vor den Flammen zu retten. Forciert wurde das Feuer offenbar durch die hölzerne Treppe und Holzverkleidung an den Wänden. Die Ursache des Feuers ist noch nicht geklärt. Eine 50-köpfige Sonderkommission ermittelt. Wegen Einsturzgefahr kann das Gebäude jedoch nicht betreten werden.  Brandstiftung wird jedoch nicht ausgeschlossen.
So haben zwei türkische Mädchen beobachtet wie ein Mann mit einem Feuerzeug im Flur des Altbaus gezündelt haben soll. In der türkischsprachigen Presse werden die beiden laut FR Online ausführlich zitiert. Unterdessen schaltete sich die türkische Regierung ein und fordert eine lückenlose Aufklärung. Staatsminister Murat Yazicioglu werde am Dienstagabend zusammen mit Fachleuten der türkischen Polizei nach Deutschland reisen gab Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan in Ankara bekannt. Nach Angaben des Bundesinnenministeriums stimmten die zuständigen Ermittler in Rheinland-Pfalz der Mitarbeit von Brandexperten aus der Türkei zu. Diese dürften Fragen stellen aber keine Vernehmungen führen sagte eine Ministeriumssprecherin. Erdogan selbst will im Rahmen seines geplanten Deutschlandbesuchs am kommenden Donnerstag den Brandort besuchen. „Wir wollen kein neues Solingen“ sagte Erdogan in Anspielung auf den Brandanschlag von 1993 bei dem fünf Türken getötet worden waren.
Das türkische Außenministerium ließ erklären: „Wir fordern eine Untersuchung bei der allen Möglichkeiten nachgegangen wird und die Bestrafung der Verantwortlichen falls es sich um ein Verbrechen handelt“.  Justizminister Mehmet Ali Sahin schloß sich dieser Forderung an. Deutliche Kritik an den deutschen Behörden kam vom türkischen Botschafter in Berlin Mehmet Ali Irtemceli. Er erklärte dass deutsche Politiker bereits erklärt hätten es gebe keinen ausländerfeindlichen Hintergrund der Brandkatastrophe. Dass sich deutsche Politiker in dieser Richtung äußerten bevor die Ursache technisch untersucht worden sei komme ihm „seltsam“ vor.
Eine Sprecherin der Polizei Ludwigshafen bestätigte dem Südwestrundfunk dass im August 2006 durch eine eingeschlagene Scheibe zwei Brandsätze in das Haus geworfen wurden. Damals entstand nur geringer Sachschaden.
Bundesvorsitzende der Türkischen Gemeinde in Deutschland Kenan Kolat bedankte sich sich dagegen für die Solidarität mit den betroffenen Familien die auch von Deutschen komme: „Das ist ein Trost in dieser Tragödie.“ Das Zentrum für Türkeistudien warnte vor voreiligen Schlüssen. „Öffentliche Spekulationen über einen möglichen Anschlag scheinen beim jetzigen Stand der Ermittlungen fehl am Platze ebenso wie Misstrauen gegenüber dem Aufklärungswillen der zuständigen deutschen Behörden“ sagte Zentrums-Direktor Faruk Sen am Dienstag in Essen.

Auch der Feuerwehr wurde Untätigekeit vorgeworfen da sie weder mit Wasser noch mit Schaum löschte.

Ludwigshafens Feuerwehr-Chef Friedrich wies diesen Vorwurf auf einer Pressekonferenz zurück: „Es macht wenig Sinn mit Wasser oder Schaum zu spritzen weil dies zu erheblichen Verbrühungen und Verletzungen führen kann.“ Vorrang hatte die Menschenrettung.
Zwei türkische Familien bewohnten das alte Backsteinhaus in Ludwigshafen. Insgesamt waren 24 Menschen dort gemeldet. Weil jedoch ein Kindergeburtstag gefeiert wurde und aufgrund des wenige Meter vom Haus entfernt laufenden Karnevalumzugs deutlich mehr Menschen zum Unfallzeitpunkt im Gebäude waren erhöhte sich die Anzahl der Opfer. Das Großfeuer vom Sonntagabend in Ludwigshafen ist die größte Brandkatastrophe in der Stadt seit dem Zweiten Weltkrieg.
Unbekannte drohten unterdessen dem britischen Fernsehsender IBS wenn dieser weitere Berichte und Fernsehinterviews mit türkischen Augenzeugen senden sollte. Die Redaktiion nehme die Drohung ernst und forderte die Bundesregierung dazu auf Sorge zu tragen „dass internationale Journalisten die in Deutschland zu so einer Katastrophe berichten auch frei und sicher arbeiten können. Die Drohungen gegen eine freie Pressearbeit werfen international betrachtet kein gutes Licht auf Deutschland. Drohungen und Bombendrohungen lassen zwangsläufig immer an die Methoden der Gestapo und von Nazis aus der dunklen Vergangenheit von Deutschland denken“ erklärte ein Sprecher der Redaktion. [AFP Reuters Die Zeit 3mnewswire.com NZZ Online FR Online Spiegel Online Spiegel Online linie eins SWR.de Hamburger Abendblatt ZDF.de]
Interessant an diesem Unglück ist für die Feuerwehr zweierlei: Wenn Mitbürger mit Migrationshintergrund betroffen sind müssen die Einsatzkräfte damit rechnen dass ihre Arbeit umso kritischer betrachtet wird oder dass mit Störpotenzial gerechnet werden muss. Gerade der Wohnhausbrand in Berlin vor einigen Jahren zeigte dass in nicht europäischen Ländern ein anderes Hilfeverständnis herrscht. Hilfe heißt dort oftmals Selbsthilfe weil es keine organisierte Feuerwehr gibt. Folglich rennen unbeteiligte ins Feuer weil sie helfen wollen und werden dann selbst zu opfern.

Damit verbunden ist aber dass außenstehende nicht unbedingt die Vorgehensweise der Feuerwehr verstehen. Das bedeutet dass es von der ersten Minute an eine Presse- und vor allem Öffentlichkeitsarbeit vor Ort geben muss die den Angehörigen oder den Schaulustigen erklärt warum – wie in Ludwigshafen – die Feuerwehr trotz Feuer nicht löscht. (galaxyquest)

Kommentare

Keine Kommentare bislang zu “Ludwigshafen: Kleine Presseschau” (davon )

  1. Julian R. am 5. Februar 2008 17:47

    Verständlich, dass nach so einem Unglück die Emotionen hoch kochen, aber: Wer auch immer in Politik, Verwaltung oder den Medien Verantwortung trägt, sollte in der Lage sein von Vorurteilen Abstand zunehmen. Nazi und Gestapo Vergleiche …naja, anscheinend gibts in England sonts eher weniger neues, wenn man darüber berichtet.

  2. Andy112 am 5. Februar 2008 18:46

    Kleiner Hinweis: Der Brand war in Ludwigshafen.

  3. p_k am 5. Februar 2008 21:46

    ja es ist ludwigshafen ;)

    ich finde es auch äußerst schade, dass die äußerung becks «keinerlei Hinweis auf eine fremdenfeindliche Tat» ( o-ton soweit ich weiss / hoffe ) einfach mal umgemünzt wird in „kein fremdenfeindliches motiv“ und dann in nationalen schlagzeilen erscheint – kein wunder dass sich der werte herr irtemceli als person der öffentlichkeit echauffieren MUSS ! eine aufklärung seinerseits wird er wohl als relativ aussichtslos bewertet haben. [ ohne unseren türkischstämmigen mitmenschen aktionismus vorwerfen zu wollen :) ]

    stilmittel der distanzierung habe ich sofern ich mich erinnere in der achten klasse gelernt…

  4. galaxyquest am 5. Februar 2008 21:57

    Sorry, dass ich an einigen Stellen aus Ludwigshafen Ludwigsburg gemacht habe. Gemeint war natürlich in jedem Fall Ludwigshafen. Die Verwechslung war ein wenig Unachtsamkeit von mir beim Schreiben. Ich habe die Fehler nun behoben. Danke für die Hinweise!

    SC

  5. Toemmel am 5. Februar 2008 22:29

    @Galaxyquest: Noch ein kleiner Hinweis: Auch der „Zeit-Link“ verweist auf die NZZ. Ungeachtet der Tatsache, dass ich den „Braunen“ alles zutraue (einschließlich übler Drohgebärden), erscheint mir der Betreiber von IBS auch ein etwas schräger Typ zu sein. Aber das rechtfertigt – wohlgemerkt – keinerlei rechtsextreme Hetze oder Agression!

    @P_K: Ohne hier was schön reden zu wollen, aber bei der Übersetzung aus dem Deutschen ins Türkische ins Deutsche gehen schon mal Zwischentöne verloren. Andererseits, und da hast Du Recht, nicht jeder bemüht sich um die notwendigen Feinheiten – allzu oft durchaus mit Absicht.

  6. Philipp am 6. Februar 2008 00:34

    Also ich frag mich gerade, ob hier nicht ein paar Leute frei drehen …

    Die Türken brüllen als erstes, schicken Ermittler her und sonstwas, aber eigene Ermittlungen und Gerichtsverfahren dauern Jahrzehnte (Marco Weiß). Irgendwie finde ich das lachhaft.

    Positiv fällt dann eher der Vorsitzende dieser türkischen Gemeinde auf, der erstmal die Bälle flach halten will.

  7. Basi am 6. Februar 2008 01:39

    Türkische Ermittler in Deutschland – Und welcher Richter soll die Ergebnisse dann durchsetzen? Die haben hier überhaupt kein Recht dazu und auch nichts verloren.
    Zitat: „Wir fordern eine Untersuchung, bei der allen Möglichkeiten nachgegangen wird, und die Bestrafung der Verantwortlichen, falls es sich um ein Verbrechen handelt“.
    Ähm… Ist das in Deutschland nicht immer so?! Was muss man da extra fordern?

    Ich kann über die Türkei (in politischer Hinsicht) leider oft nur den Kopf schütteln.
    Wenigstens dieser Faruk Sen ist nicht so voreilig und anscheinend nicht so misstrauisch.

    Und mal wieder klar dass bei einer Brandstiftung gegen Migranten (ich hoffe das ist so korrekt ausgedrückt) gleich mal wieder auf die Zeit Mitte des letzten Jahrhunderts angespielt wird. Ich bin gespannt wann das aufhört. Ausführungen dazu spar ich mir nun mal.

    Wer hat der Feuerwehr eigentlich Untätigkeit vorgeworfen? Hoffentlich finden die nicht raus, dass (vermutlich) alle Feuerwehrleute dort Deutsche waren…

  8. Julian R. am 6. Februar 2008 13:20

    habe gerade im mittagsmagazin gehört, dass ein feuerwehrmann in der nacht von türkischen jugendlichen in Ludwigshafen zusammen geschlagen worden sein soll. Wenn da was dran ist…naja ich verkneife mir jeden kommentar!

  9. maos am 6. Februar 2008 14:53

    Gibt es eigentlich eine HP der FW Ludwigshafen?

    Zu den Vorwürfen gegen die Feuerwehr steht heute in der Augsburger Allgemeinen (Zusammenfassung):
    In der türkischen Heimatstadt der meisten Todesopfer gab es Vorwürfe, warum noch 24 Std nach dem Brand Rauch aus dem Gebäude kam. Weiter wurde behauptet, die Feuerwehr sei erst nach Stunden eingetroffen und dazu noch mit unzureichendem Gerät. Ich glaube wir wissen alle, das dem NICHT so war!
    In den ganzen Vorwürfen geht dabei fast unter, dass türkische Zeitungen immer wieder Fotos von dem Baby zeigten, dass von einem Polizisten sicher aufgefangen wurde, und dabei von einer „großene Tat“ schreiben. Und auch ein Verwandter mehrerer Opfer sagte: „Wir sind dankbar“.

  10. Basi am 6. Februar 2008 15:16

    „Hintergrund dieses Appells ist eine Attacke auf einen Feuerwehrmann, der an dem Einsatz beteiligt war. Er wurde Böhmer zufolge in der Nacht zu Mittwoch von türkischen Jugendlichen in Ludwigshafen zusammengeschlagen.“ ( http://www.linie1-magazin.de/linie1/index.php?rubrik=news&ressort=&id=10304 )

    Wahnsinn!
    Julian R. anscheinend ist was dran.

  11. p_k am 6. Februar 2008 16:56

    da würde es mich doch einmal sehr interessieren, wie diese ominösen „türkischen jugendlichen“ auf diesen feuerwehr-angehörigen aufmerksam wurden???

    und ich kann in sachen pressespiegel eigentlich 2 fronten erkennen: zum einen die türkische gemeinde in deutschland, die sehr besonnen reagiert. aber zum anderen die türkischen medien und direkten „volksvertreter“. wenn da mal nicht solch ein unglücksfall instrumentalisiert wird um seinen unmut gegenüber unserer bundesregierung auszudrücken – eu beitritt etc….

    leider haben wir keinen türkischstämmigen kameraden bei uns in der feuerwehr – vielleicht gibts ja hier leser die uns ein wenig über die sichtweise aufklären können :)

  12. galaxyquest am 6. Februar 2008 18:46

    Zur türkischen Presse: Wie hat denn das selbsternannte Leit(d)medium Deutschlands aus einer großen Stadt im Norden Deutschlands getitelt, als es um denFall Marco W. ging? Eben! Die haben genauso gehetzt. Grundregel des politischen Lebens ist sußerdem von inneren Problemen abzulenken, indem man Außenpolitik zu einem innenpolitischen Thema macht. Nichts anderes geschieht in der Türkei.

    Einem souveränen Land – wie Deutschland – durch die Entsendung eigener Ermittler zu unterstellen, es können selbst nicht ermitteln, finde ich sehr bedenkenswert. Zumal in den Medien nichts darüber berichtet wurde, ob es sich um türkische Staatsbürger oder Türken mit deutschem Pass gehandelt hat. Aber, wie ich schon sagte, hier wird Innenpolitik gemacht – nichts anderes.

    Zur Ergänzung noch das hier: http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,533424,00.html und hier ein ganz passender Kommentar: http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,533487,00.html oder besser gleich diesen hier: http://www.zeit.de/online/2008/06/ludwigshafen-emotionen

    P.S. So, nach dem Durchlesen der englischen Presse – und dortiger Kommentare, bin ich schockiert, dass es offenbar überall in der Welt schon feststeht, dass Deutsche Rechtsradikale den Brand gelegt haben – nur in Deutschland selbst, steht das noch nicht fest.

  13. Firefighter_junior am 6. Februar 2008 22:59

    Hierzu auch bitte beachten…..

    Pressemitteilung

  14. Firefighter_junior am 6. Februar 2008 23:00

    Mist der Link kam nicht mit…

    also nochmal:

    http://www.fwnetz.de/index.php?option=com_myblog&show=Die-Feuerwehr-hilft—Allen!.html&Itemid=124

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