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5 Fragen – 5 Antworten ist eine Serie im FWeblog die „Otto-Normal-Feuerwehrleute“ vorstellt. In fünf Antworten charakterisieren sich die Feuerwehrleute. Dabei sollen Ähnlichkeiten im Denken aber auch Unterschiede gezeigt werden. Im dritten teil stellt sich Thomas Kuhn aus Grevenbroich vor.

Thomas Kuhn (41) ist verheiratet und hat zwei Kinder. Er arbeitet hauptberuflich als Redakteur eines Düsseldorfer Wirtschaftsmagazins. Nach Schule und Bundeswehr hat er in Köln VWL studiert und eine Journalistenausbildung absolviert. In die Jugendfeuerwehr des Löschzugs Bad Godesberg der Freiwilligen Feuerwehr in Bonn ist er 1980 eingetreten. Mit 18 Jahren ist er dann 1984 zu den Aktiven seines Ortslöschzuges in Bonn-Kessenich gewechselt und von dort 1992 in die Freiwillige Feuerwehr der 25.000 Einwohner-Stadt Rheinbach (im Bonner Umland). Kurz nachdem er beruflich nach Düsseldorf kam ist er nach seinem Umzug nach Grevenbroich dort in den örtlichen Löschzug 25 (Kapellen) eingetreten.

Grevenbroich ist eine Mittelstadt im Umland von Düsseldorf gelegen etwas südlich von Neuss mit rund 60.00 Einwohnern und stark von Energieproduktion (Kraftwerke Tagebau) sowie Industrie (Hydro Aluminium) geprägt. Grevenbroich besitzt eine Freiwillige Feuerwehr mit hauptamtlichen Kräften sowie neun Löscheinheiten. Insgesamt hat die Wehr rund 280 Aktive.

1. Wie bist Du zur Feuerwehr gekommen oder anders gefragt was fasziniert Dich an der Feuerwehr?

Zur Feuerwehr kam ich eigentlich mehr zufällig. Ich war mit einem Freund in einer Jugendfreizeit und unser Gruppenleiter war parallel Ausbilder bei der Jugendfeuerwehr. Er lud uns ein nach den Ferien doch mal vorbei zu schauen. Das taten wir dann auch der Funke sprang über und seither – seit mittlerweile gut 27 Jahren – bin ich dabei.

Den einen entscheidenden Aspekt der mich an der Arbeit bei der Feuerwehr fasziniert den gibt es nicht. Sicherlich war und ist es die Faszination der Materie der Umgang mit der Technik aber auch der Kampf mit den Elementen. Daneben ist auch der Wille zu helfen wo das nötig ist. Simpel gesagt funktioniert unsere Gesellschaft nicht ohne das Engagement des Einzelnen – auch und gerade in so existentiellen Fällen wie der Brandbekämpfung oder der technischen Hilfe. Irgend jemand muss den Job machen – also mache (auch) ich ihn. Dann ist da auch dieses enorme Gefühl persönlicher Befriedigung wenn es gelingt Leuten aus Not und (Lebens-) Gefahr herauszuhelfen aber natürlich ist das auch verbunden mit der Depression wenn der Sensenmann mal wieder besser war. Wenn wir aber gewinnen lässt sich dieses Gefühl der Freude und Befriedigung kaum beschreiben aber jeder er im Rettungswesen engagiert ist der wird es kennen. Und schließlich ist der Einsatz bei und für die Feuerwehr für mich auch eine Art Kontrastprogramm zum „normalen“ Berufsleben. Als Redakteur einer renommierten Wochenzeitschrift bewege ich mich recht oft in vergleichsweise noblen Zirkeln bei vornehmen Essen in teuren Lokalen auf Presse-Events in edlen Hotels – schlicht in einer doch recht heilen teils etwas abgehobenen Welt. Zu dieser schönen Scheinwelt bedeutet die Arbeit als Basis-Patsche einer Freiwilligen Feuerwehr doch ein radikales Kontrastprogramm. Und das Leid und die Herausforderungen des Lebens denen man sich dabei stellen muss die sorgen für die notwendige Erdung.

2. Welche Ausbildung und welche Lehrgänge hast Du bei der Feuerwehr gemacht und hast Du die erworbenen Kenntnisse auch einsetzen können bzw. wie hast du das beispielsweise getan?

Trotz all der Jahre die ich „meinem Verein“ inzwischen angehöre habe ich es dienstgradtechnisch nicht über den Hauptfeuerwehrmann hinaus gebracht. Neben Journalistenausbildung VWL-Studium Familiengründung und Berufstätigkeit (weit außerhalb einer 40-Stunden-Woche) blieb mir nie viel Zeit für längere Lehrgänge speziell fern der Heimat. Insofern habe ich zwar alle notwendigen Qualifikationen für den Alltagseinsatz in der Wehr erworben vom Grundlehrgang bis zum Atemschutz von der Technischen Hilfe bis zum GSG-Einsatz und dank „learning-by-doing“ kommen inzwischen (jedenfalls im Notfall) auch Fahrzeugpumpen und ich recht gut miteinander aus. Aber das war’s dann auch. Wobei ich damit auch kein Problem habe. Es gibt Kompetenzen die haben andere auf die verlasse ich mich dann. Und ein anderes Mal da zählt wieder mehr die Erfahrung da bauen dann Kollegen auf mich. Das klappt – zum Glück – schon all die Jahre sehr gut.

3. Was hat Dich in Deiner Zeit bei der Feuerwehr besonders geprägt oder ist Dir in besonderer Erinnerung geblieben?

Was prägt sind die dramatischen Momente die Augenblicke in denen klar wird dass man nicht (mehr) gewinnen kann. Aber eben auch die in denen man gewinnt. Was prägt sind Erlebnisse in denen man erlebt dass man sich blind auf den Kollegen/die Kollegin verlassen kann wenn der Team-Geist wirkt und das Vertrauen trägt. Leider bleibt eben auch in Erinnerung wenn man mit Leuten über Kreuz gerät auf die man sich eigentlich verlassen wollte. Was mir auch in Erinnerung geblieben ist ist die unselige Debatte die ich vor schon fast 20 Jahren bei meiner damaligen Feuerwehr geführt habe ob Frauen nun in die Feuerwehr eintreten sollten/dürften oder nicht. Dass es da Leute gab die Frauen aus den Wehren fernhalten wollten hat mich damals schon brutal genervt. Und dass das heute stellenweise noch immer so ist nervt mich noch viel mehr.

4. Gibt es etwas was Dich besonders nervt oder in Rage bringt wenn Du an „Feuerwehr“ im Allgemeinen wie im Besonderen denkst und warum?

Einen der internen Anlässe für Missmut wenn ich an die Feuerwehr denke habe ich ja unter 3. schon genannt. Ein mehr externer Anlass für Ärger ist dass es uns (vorwiegend Freiwilligen) noch immer nicht gelungen ist das Image eines primär dem Löschen des eigenen Durstes verpflichteten Haufens los zu werden. Und wenn ich – wie zuletzt ja auch im FWN wieder einmal diskutiert – erlebe dass auch heute noch Wehren zum Mai-Besäufnis laden dann geht mir die Hutschnur aber so was von hoch. Derlei Fehlverhalten ist umso gravierender weil uns Ehrenamtlichen ja ohnedies eher mehr als weniger der engagierte Nachwuchs fehlt. Und die Kompetenzen die in Zukunft gefragt sein werden werden immer mehr andere sein als die beispielsweise Frage ob eine(r) nun vier acht oder sechzehn Glas Bier verträgt ohne aus den Latschen zu kippen. Ich weiß nur nicht ob das bereits jeder mitbekommen hat.

5. Wenn Du noch einmal vor der Wahl stehen würdest zur Feuerwehr zu gehen oder nicht wie würdest Du Dich entscheiden und warum?

Wie gesagt es war ein Zufall der mich auf die Idee gebracht hat zur Feuerwehr zu gehen. Hätte ich damals geahnt was ich in all den Jahren Einsätzen erleben würde und auch an Leid verdauen müsste ich glaube ich würde mich dennoch wieder dafür entscheiden. Vielleicht wäre es auch ein Engagement im Rettungsdienst geworden. Aber irgendwas in der Richtung brauche ich wie es scheint im Leben. Ist wohl ’ne Art „Helferkomplex“.

Vielen Dank Thomas Kuhn für das Interview. Thomas ist auch im fwnetz aktiv.

Bei „5 Fragen – 5 Antworten“ darf jeder Mitmachen. Einfach Email an mich schicken und ich leite die fünf Fragen umgehend weiter. Ich freue – und auch die Leser – freue mich über jede Zuschrift. (sc)

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