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Diesem Monat halte ich den Unterricht "Standardeinsatzregel Technische Hilfeleistung Verkehrsunfall" dessen Vorbereitung ich hier vorstellen möchte. Ich beanspruche ganz gewiss nicht die Mutter aller Retter zu sein. Ziel ist hier eine durchwegs gute und durchgehende Ausbildungsqualität in der Mannschaft zu haben die auch eine Grundlage für weitere Ausbildung darstellen soll. 

"Erstangreifer" in unserer Wehr ist ein LF16/12 ausgestattet mit einem hydraulischen Rettungssatz (SP30 S150 Rettungszylinder) sowie Grundzubehör (Rüst/ Unterbauholz) medizinische Ersthelferausstattung (O2 Stifneck Defi) und Absperrmaterial. Hinzu kommt eine Plane für Geräteablage sowie eine Tasche für Glasmanagement. Einsätze werden grundsätzlich bei paralleler Alarmierung zusammen mit der Berufsfeuerwehr gefahren es wird also parallel gearbeitet; der letzte VU hat jedoch gezeigt dass es durchaus vorkommen kann dass wir recht lange das erste Fahrzeug sind sollte das nächste HLF anderweitig gebunden sein.


 

Alleine letztes Jahr ereigneten sich im Einsatzgebiet drei schwere VU – somit ist eine fundierte standartisierte Vorgehensweise keine abtrakte Vorstellung sondern eine Einsatzlage die regelmässig auftritt.

Der Ausbildungsstand THL VU ist wie bei den meisten Feuerwehren durchwachsen. Die jüngeren haben als Teil der Grundausbildung THL VU gehabt die Teilnehmer aktueller THL-Kurse sind voll ausgebildet. Die älteren – mein THL-Kurs war 1988 – haben zumeist mit den neuesten Entwicklungen nichts am Hut.

Zur Verfügung stehen uns zwei feste Ausbildungstermine im Monat jeweils der erste Donnerstag (Praxis) und Freitag (Theorie). Hinziu kommen Sondertermine Übungen usw. aber die "geplante" Ausbildung findet an diesen zwei Terminen statt. Wir versuchen jeden Monat Themenblöcke abzuhandeln.

Das Programm für heute Abend und morgen: heute Abend Standardeinsatz an einem Schrottfahrzeug morgen dann Fahrzeugkunde (neueste Entwicklungen im Fahrzeugbau und deren Auswlrkungen auf das Einsatzgeschehen) sowie besondere Lagen.

Termin 1: Praxis

Wenn auch der Praxistermin vor der (vermeintlichen) Theorie kommt ist das bei fast jedem Thema eigentlich kein Problem. Man kann die Grundinfos durchaus auch "am Objekt" verpacken und vermitteln somit kann man am morgigen Theorieabend etwas tiefer in die Materie einsteigend aufbauend auf die Erlebnisse aus der Praxis.

Für die Praxis haben wir uns ein ausrangiertes Auto besorgt dass vor dem Gang in die Presse nochmals einen guten Dienst leisten wird. Wenn auch der Motor und das Getriebe fehlen sollte dies der Realität nicht zu viel nehmen.


 

Von den 44 Aktiven kommen im Schnitt etwas über 30 zu den Übungsterminen. Bei dieser Übung wird nicht jeder arbeiten können das ist klar – somit wird das eher eine moderierte Veranstaltung. Es sollte aber jeder mal die Geräte ausprobieren dürfen.

Vorgestellt wird das Vorgehen bei einer klassischen Lage: dem Frontalaufprall der 51% der Unfallarten darstellt (Quelle: "Ausbildungsfolien Technische Hilfeleistung bei PFW-Unfällen"). Eine Person eingeklemmt. Eingesetzte Fahrzeuge und Personal: LF16/12 (1/5) und TLF6 (1/5).

Wie soll der Einsatz ablaufen?

Nicht zwingend in dieser Reihenfolge aber das sind die wichtigen Punkte bei denen man auch die Tätigkeiten unterbinden und dazu Dinge erklären kann (KEINE Einsatzübung!)

  • Generellen Ablauf erklären (auch "Golden Hour")
  • Fahrzeugaufstellung (vor oder nach Unfallstelle?)
  • Erkundung GF (hier auch Babypuppe in den Fußraum hinten legen alternativ in 5 Metern Entfernung vom Fahrzeug) "Spuren lesen": Hinweise auf Verletzungen der Insassen Unfallhergang (bsp. innere Verletzungen möglich?)
  • Rückmeldung und Befehlsgebung
  • Zusammenarbeit mit dem RD
  • Raumaufteilung: Geräteablage medizinische Geräteablage Schrottablage Aufstellung weitere Fahrzeuge (TLF evtl HLF RW RTW etc..) An- und Abfahrwege
  • Kommunikation und Arbeiten an der Einsatzstelle
  • Sicherheits- und Arbeitsbereich Aufenthalt
  • Geräte für die Ablage
  • 3-Fach Brandschutz kurzer Wasserstoss aus dem Strahlrohr (= Wasser am Rohr)
  • Handgriffe Maschinist (Eigensicherung Ausleuchtung Geräte Funk)
  • Definitionen am Fahrzeug (A- B- C-Säulen) Gefahrenpunkte: Airbags Teleskopstäbe fahrzeugstabilität Betriebstoffe
  • "Safety": scharfe kanten Airbags Batterie Glassplitter und -staub (!) Patientenschutz
  • Batterie(n) finden
  • Glasmanagement (auch Augenschutz Staubschutz)
  • Auffinden der Gaseneratoren für Airbag setzen von Schnittmarkierungen
  • Versorgungszugang schaffen "kreative" Lösungen (Kofferraumentriegelung usw.)
  • Türen und Dach entfernen
  • Armaturenbrett wegschieben Entlastungsschnitte
  • Fußraumzugang
  • "Dritte Tür" (heute nur ein Hinweis da Fünftürer)

Das sind die groben Informationen die aus meiner Sicht am Objekt für einen guten Grundstock sorgen dürften: wenn jeder zumindest weiss welche Geräte wie eingesetzt werden wie der Einsatz abgehandelt wird worauf es ankommt dann ist schon sehr viel gewonnen.

Teil 2: Theorie

Zuerst sollen Grundinformationen an Fahrzeugen vermittelt werden: worauf ist zu achten? Welche Teile sind verstärkt? Wo muss man Airbags erwarten? Und was muss man bei ganz neuen Fahrzeugen beachten? Beispiele sind Rohre in den Türen verstärkte B-Säule das Gewicht des Dachs Elektrik in den Sitzlehnen oder zweitbatterien im Fußraum des Beifahrers. 


 

Dazu geeignet sind die Videos vom moderierten Zerschneiden einer R-Klasse:

youtubegtGz-MnCxsc/youtube 

youtubeTfalEl9zwXI/youtube 

Wesentlich unterhaltsamer – und nicht minder lehrreich – sind da Videos von denen es auf YouTube nur so wimmelt. Ich habe mich dort bei Crashtests genauer umgeguckt und zwei Themen herausgesucht. 

1: Wo sind die Airbags?

Seitenairbags in der Tür

youtubeLnqdT2Mr53U/youtube

Seitenairbags in der Tür und in der Decke über den Türen:

youtubept7Q1Ki1Ps8/youtube

2: Fahrgastzelle

Bei hochwertigen Neuwagen bleibt die Fahrgastzelle intakt

youtubet33OEWzCJik/youtube

Bei älteren Modellen: Deformation der Fahrgastzelle

 youtubeVp2N0gce0-k/youtube

Bei alten Modellen und "Billig"fabrikaten: Todeszelle

youtubeg5SRyG6UR2A/youtube 

Ganz eindrucksvoll finde ich.

Der nächste Teil ist eher an die Gruppenführer gerichtet aber natürlich interessant für alle: "besondere" Lagen. Unfälle können mehr als einen beteiligten PKW haben und / oder dieser befindet sich in einer verzwickten Lage: Baum auf PKW PKW auf der Seite PKW auf Dach Beispiele gibt es viele. Die Abhandlung des Einsatzes ist zwar die gleiche doch hier kann sich die Sicherung sowie die Rettung schwierig gestalten.


 

Zuletzt gehe ich kurz auf LKW und Transporter ein von denen leider (fast) keine geeigneten Videos zu finden sind. Eher atypisch aber ein "netter" Abschluß ist dann folgendes Video:

youtubeUkq-UUQAcZs/youtube

Wie oben erwähnt sollte man mit diesen 3 Stunden (2 praxis eine Theorie) auf ein akzeptables Grundniveau kommen inklusive Umgang mit den Geräten. Für die Führungskräfte / aktiven Kräfte empfiehlt sich als logische Fortführung dann unbedingt ein Besuch auf eine Großveranstaltung wie die Challenge oder den Rescue Days.


 

Sehr geeignetes Material ist übrigens die CD mit "Ausbildungsfolien Technische Hilfeleistung bei PKW-Unfällen" (Südmersen / Springer / Heck) Ecomed Verlag 2003. 

Kommentare

Keine Kommentare bislang zu “Unterricht SER THL VU” (davon )

  1. Cimolino am 6. März 2008 20:45

    Hallo,

    ergänzend zu den Hinweisen zur Folie:
    SER THL, Reihe Standardeinsatzregel
    Einsatzpraxis THL PKW (gestern druckfrisch die 2. Auflage erhalten)

    Grüße
    UC

  2. Philipp am 11. März 2008 18:33

    Die Frage meinerseits kommt zwar etwas spät; aber ist dir klar, dass die „Golden Hour“ von Unfallereignis bis Eintreffen Schockraum läuft?

    Lehrbuchmeinung hierzu ist, dass ein kritischer Patient nach 10 Minuten im RTW und auf der Fahrt Richtung Krankenhaus ist. (siehe auch ITLS/PHTLS)

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