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Für Dirk Janiak gibt es inzwischen nicht schöneres mehr als bei der Edmonton Fire and Rescue (Kanada) zu arbeiten – auch wenn der kanadische Winter Temperaturen von Minus 40 Grad Celsius mit sich bringt. Den 38-Jährigen Deutschen zog es vor einigen Jahren aus dem Ruhrpott in das kanadische Edmonton im Bundesstaat Alberta. Dirk erzählt dem fwnetz.de im Interview von Unterschieden und Gemeinsamkeiten der Feuerwehr hier und jenseits des großen Wassers.

"Mein Kollege und ich (Rechts) waehrend eine "Live fire training" Sommer 2006" erzählt Dirk im Interview.

Dirk Janiak ist Jahrgang 1969 verheiratet und stolzer Vater eines 23 Monate alten Sohnes. Geboren und aufgewachsen ist er in Oberhausen (NRW). Nach einer Ausbildung zum Industriemechaniker Fachrichtung Bertiebstechnik und anschließender Arbeitnehmertätigkeit bei einem ehemaligen großen Stahlbetrieb verschlug es ihn zunächst zur Berufsfeuerwehr in Essen. Und einige Jahre später nach Kanada. Nun arbeitet er seit drei Jahren bei der Edmonton Fire and Rescue.

Vom Ruhrpott zum Gateway to the North

Wie kommt man aber von einer deutschen Feuerwehr nach Kanada? Die Antwort darauf ist eigentlich denkbar einfach. Dirk erzählt „Wo die liebe so hinfällt! Ich habe eine Kanadierin kennen gelernt. Sie hat sieben Jahre in Deutschland studiert und gelebt.“ Geheiratet haben die beiden dann in Kanada. Zugleich war das Dirks erster Besuch dort und dabei passierte es. „Ich habe mich in dieses Land verliebt. Nach ein paar Jahren in Deutschland und einem weiteren Besuch in Kanada habe ich dann meine Frau endlich überreden können nach Kanada (zurück) zu ziehen.“

Edmonton ist die Hauptstadt der kanadischen Provinz Alberta und hat etwa 730.000 Einwohner die zugehörige Metropolregion hat über eine Millionen Einwohner. Edmonton liegt in der geographischen Mitte der Provinz Alberta. Der North Saskatchewan River teilt die Stadt in zwei Hälften. Edmonton ist die zweitgrößte Stadt in Alberta und die sechstgrößte in Kanada. Mit 670 Quadratkilometer Gesamtfläche ist sie der Fläche nach eine der größten Städte Nordamerikas. Edmonton ist die nördlichste Großstadt in Kanada und wir daher auch als „Gateway to the North“ bezeichnet. Die Stadt liegt im Übergangsbereich von kühl gemäßigtem zu kaltem Nadelwaldklima deshalb hat die Stadt ein relativ trockenes Kontinentalklima mit großen Unterschieden zwischen Sommer und Winter. Die Winter sind kalt und schneereich von Anfang November bis durchschnittlich Mitte März herrscht Dauerfrost wobei die Temperaturen immer wieder bis auf unter -30 °C fällt. Die Temperaturextreme bewegen sich zwischen -50 °C und +37 °C.

Diagnose: Feuerwehrvirus eingefangen als es zum Bund ging

Vom Feuerwehrvirus infiziert wurde Dirk 1990 als er zur Freiwilligen Feuerwehr Duisburg Löschgruppe 301 im Stadtteil Hamborn ging. Ganz so freiwillig war es dann aber doch nicht wie er erzählt. „Ich bin zur Feuerwehr um nicht zum Bund zu müssen.“ Zunächst machte er eine gewöhnliche FF-Karriere: Vom Truppmann zum Truppführer danach die Ausbildung zum Maschinisten und schließlich wurde er sogar zum stellvertretenden Gruppenführer gewählt.

All Terrain Pump (Besatzung: 1 Captain 1 Fahrer)

Wie verschlug es ihn dann aber zur Berufsfeuerwehr? „Während meiner Zeit bei der Freiwilligen Feuerwehr habe ich großen Gefallen an der Arbeit eines Feuerwehrmannes gefunden. Ich habe mich dann entschieden es bei verschiedenen Berufsfeuerwehren im Ruhrgebiet zu versuchen. 1997 hat es dann endlich geklappt“ erzählt Dirk..

In seiner Zeit bei der Berufsfeuerwehr machte Dirk verschiedene weitere Ausbildungen. „Ich musste den Rettungssanitäter machen habe aber auch eine Ausbildung zum Höhenretter genossen.“ Später in Kanada musste Dirk aber erst auf eigene Kosten weitere Lehrgänge und Kurse belegen um sich bei der Feuerwehr bewerben zu können.

Neuanfang bei der kanadischen Feuerwehr

Wer jetzt denkt die deutsche Berufsfeuerwehrausbildung wurde anerkannt der irrt. „Offiziell anerkannt wurde und wird nix. Das einzige was wohl meine Bewerbung positiv beeinflusst hat ist die Anerkennung meiner Feuerwehrerfahrungen. Wobei hier sogar meine Zeit bei der Freiwilligen Feuerwehr als ‚richtige Feuerwehrzeit‘ anerkannt wurde. 12 Jahre hört sich dann doch nach einer Menge an oder?“ erzählt Dirk.

„Unter anderem habe ich einen EMR (Emergency Medical Responder Erweiterte Erste Hilfe) einen EMT-A (Emergency Medical Technician-Ambulance Rettungssanitäter) und verschiedene Industrielehrgänge absolviert.“ Bevor Dirk jedoch auf die Trucks durfte stand noch die Ausbildung zum Fire Fighter an. „Nachdem ich eingestellt wurde habe ich eine 10-wöchige Ausbildung zum Fire Fighter gemacht (inkl. NFPA 1001 das ist anerkannte Ausbildung zum Firefighter für Nordamerika) und nach zwei Jahren durfte ich dann endlich einen Pump Operator (Maschinist) und Fahrer-Lehrgang machen.“ Aber so Dirk „ die Thematik fast immer die selbe war wie in Deutschland. Eigentlich musste ich nur Vokabeln lernen“.

Platform Ladder Truck (Besatzung: 1 Captain 1 Fahrer 2 Firefighter)

Ausbildungsunterschiede in Deutschland und Kanada

Schaut man sich die Ausbildung in Deutschland und Kanada an so gibt es einen sehr großen Unterschied insbesondere was die Dauer der Ausbildung betrifft. „Einfach zusammengefasst: Wenig Theorie und viel viel Praxis“ erklärt Dirk. „Während die Grundausbildung für Berufsfeuerwehren in Deutschland bis zu 18 Monate dauert läuft das alles hier in 10 bis 12 Wochen Grundausbildung mit anschließender neunmonatiger Bewährungszeit ab.“ Dirk erklärt weiter dass „Sonderausbildungen normalerweise in den ersten 4 jahren als Fire Fighter gemacht werden. Nach fünf Jahren kann man sich dann ‚First Class Firef Fghter‘ nennen.“

Und wie sehen die weiteren Pläne von Dirk aus? „Mal schauen ich habe mich gerade letztes Jahr für einen Arbeitskreis ‚Fall Protection‘ gemeldet und bin auch schon gefragt worden ob ich Lust hätte mich in unserer Gewerkschaft mehr zu engagieren. Außerdem muss ich noch meinen Leitermaschinisten machen und eventuell werde ich mich für eine unserer Sondereinheiten (Technical Rescue HazMat) bewerben. Ansonsten genieße ich es einfach den besten Beruf in der Welt bei einer der besten Feuerwehren zu haben.“

HazMat 1 (Besatzung: 1 Captain 1 Fahrer 2-3 Firefighter alle HazMat technicians)

Ungewöhnlicher Tagesablauf

Dirk ist auf der Fire Station 16 in Mill Woods Edmonton zu Hause. Dort fährt er entweder hinten auf dem Pump mit oder er ist Fahrer desselben bzw. des ATP (All Terrain Pump). „Ich habe Mitte letzten Jahres meinen Pump Ops und das Driver Training absolviert und bin seitdem auch ziemlich regelmäßig gefahren.“

Ein normaler Tagesablauf im Frühdienst (offiziell: 8.00 – 18.00 Uhr) beginnt für Dirk um 7.00 Uhr. „Ja ich weiß ist eine Stunde früher als vorher erwähnt aber das scheint wohl eine Feuerwehr Unart zu sein immer eine Stunde früher abzulösen“ ergänzt Dirk. Es geht los mit einem kurzem Übergabegespräch. Nachdem man die Funkbatterien ausgewechselt und die Pressluftatmer überprüft hat – „was meistens schon vom Rookie erledigt wurde“ – sitzen die Feuerwehrmänner zusammen in der Küche trinken Kaffee trinkt und lesen Zeitung.

Ganz untätig sitzen die Fire Fighter dann nicht rum. „Viele Kollegen nutzen die ruhigen Morgenstunden um ein wenig zu trainieren bevor es um 9 Uhr ans Putzen geht. Es wird die gesamte Wache geputzt und wenn erforderlich auch die Trucks. Der Fahrer kontrolliert in der Zwischenzeit sein Fahrzeug und die Gerätschaften. Dann fährt eines unserer Fahrzeuge raus um Lebensmittel für das Mittagessen zu besorgen. Gegen 11 Uhr wir dann gemeinsam gekocht und so gegen 12 gegessen.“

Pumper Trucks (Besatzung: 1 Captain 1 Fahrer 2 bis 3 Firefighter)

Am Nachmittag geht es dann etwas ruhiger zu. „Entweder ist der Nachmittag für Training verplant oder wir vertreiben uns die Zeit bis zum nächsten Einsatz mit einem ‚work out‘ oder sehen fern bzw. erledigen kleinere Arbeiten wie zum Beispiel Schnee schippen.“ Die Nachtschicht kommt ab 16.50 Uhr auf die Wache. „Offiziell abgelöst bin ich dann wenn ich meine Klamotten vom Fahrzeug genommen und im Spind aufgehangen habe.“

Während in Deutschland die Berufsfeuerwehleute in vielen Städten tagsüber in der Werkstatt arbeiten „werden wir noch dafür bezahlt auf den nächsten Einsatz zu warten was auf einigen Außenwachen schon mal recht langweilig sein kann“ erläutert Dirk das Tagesprogramm seiner Schicht.

Edmonton praktiziert ein Vier-Schicht-System. Pro Schicht sind 180 Feuerwehrleute in Bereitschaft. Der Schichtplan sieht so aus: Auf zwei Tagschichten folgen zwei Nachtschichten dann folgen 2 freie Tage dann wieder zwei Tagschichten und zwei Nachtschichten gefolgt von sechs freien Tagen.

Die Edmonton Fire Rescue Services hat etwa 950 Firefighter auf 24 aktiven Feuerwachen und fährt zusammen mit dem Rettungsdienst über 100.000 Einsätze pro Jahr. Neben 33 Pumper (grob vergleichbar mit einem Staffel-Tanklöschfahrzeug) und sechs Rescue Trucks (Rüstwagen) verfügt die Feuerwehr über 8 Aerial bzw. Ladder Trucks (vergleichbar mit Drehleiter bzw. Leiterbühne) 4 Tankers (Tanklöschfahrzeug) und 3 All Terrain Pumps (Löschfahrzeuge auf Allrad). An Spezialfahrzeugen stehen unter anderem ein HazMat Truck (Gefahrgutfahrzeug) einen Decon Truck (Dekontamination) Trench Rescue Trailer (Baugrubenrettungsanhänger) Fire Investigator Trucks (Brandermittler) und zwei Boote für unsere River Rescue Einheit.

Beschränkung auf das Wesentliche

Ist der Tagesablauf schon kontrastreich zu deutschen Feuerwehren gilt das auch für die Technik. Als erstes fällt auf dass die Fahrzeuge viel größer sind und die Feuerlöschkreiselpumpen zwischen 4.000 und 6.000 Liter pro Minute fördern. Auch verhält sich die Größe der Fahrzeuge umgekehrt zur Beladung. „Die Beladung der verschiedenen Fahrzeugarten ist weniger umfangreich als in Deutschland bzw. auf mehr Fahrzeuge verteilt“ erzählt Dirk. Insgesamt so erzählt Dirk „ist die Feuerwehr weniger hochgerüstet und mehr auf das Wesentliche beschränkt wenn es um die Technik geht“.

Aerial Truck (Besatzung: 1 Captain 1 Fahrer)

Der größte Unterschied ist wie eingangs erwähnt die Pumpengröße. „Da hier überwiegend mit Holz gebaut wird und die Gefahr der Brandausbreitung und deren Geschwindigkeit erheblich höher liegt werden auch größere Mengen an Löschwasser benötigt. Große Wasserfördermengen haben vor allem auch im Winter den Vorteil dass Leitungen nicht ganz so schnell einfrieren obwohl das bei Temperaturen von bis zu Minus 40 Grad Celsius auch nicht immer zutrifft.“

Besonders gut findet Dirk die Beschränkung auf das Wesentliche. „Man schafft hier mit weniger Einsatzmitteln genauso Menschenleben zu retten und Feuer zu bekämpfen wie in Deutschland.“ Noch etwas anderes ist in Kanada besser: „Erfahrung in Dienstjahren wird hier höher angesehen als erlerntes Wissen. Quereinsteiger gibt es bei uns nicht.“

Es fehlt die Kameradschaft

Vieles ist in Deutschland und Kanada auch gleich. „Was Feuerwehrpolitik angeht habe ich leider keine Unterschiede feststellen können. Es wird hier genauso ge(miss)managed wie in Deutschland und die Gerüchteküche schweigt auch nur selten.“

Auch wenn sich sein Heimweh in Grenzen hält gibt es eine Sache die Dirk ein wenig vermisst. „Eine Sache die ich hier wirklich ein wenig Vermisse ist die Kameradschaft. Ob das am Schichtsystem hier liegt oder an der Tatsache dass man im Schnitt alle 2 bis 4 Jahre die Wache wechselt oder sogar die Schicht weiß ich nicht aber auf alle Fälle kam es mir in Deutschland besser vor. Kann aber auch daran liegen dass ich 3 Jahre gebraucht habe um wieder meinen Traumberuf auszuüben. Da ‚verblümt‘ sich einem die Erinnerung schon mal ein wenig“.

Rescue Truck (Besatzung: 1 Captain 1 Fahrer 2 Firefighter)

Retour?
Last but not Least würdest du wieder nach Deutschland zurück wollen? „Niemals! Ich musste ich hier viel zu hart für alles kämpfen und dann das alles wieder aufgeben und erneut von vorne beginnen?“ Andererseits so Dirk haben andere Länder doch ihren Reiz. „Eventuell in einem anderen Land in dem es auch im Winter angenehm warm ist … aber da warte ich dann doch lieber auf meine Rente!“ (Autor: Stefan Cimander, www.fwnetz.de)

Vielen dank für das Interview Dirk Janiak. Dirk ist auch im fwnetz.de aktiv

Kommentare

4 Kommentare zu “Löschen und Retten bei Minus 40 Grad Celcius” (davon )

  1. p_k am 10. März 2008 12:17

    inwiefern „weniger hochgezüchtet“ bzw. „eine beschränkung wesentliche“ ??

    aus den bildern und sonstigen informationen rund um die thematik der rettung / feuerbekämpfung erschliesse ich mir eigentlich eine enorme qualität in den usa / kanada.
    und die sichtbare ausrüstung für den innenangriff schaut auch keineswegs weniger aus als hier.

    äußerst positiv schätze ich die gewichtung der praktischen erfahrung und des lernens ein. „ohne theoretische grundlage geht nichts“ – mag stimmen. aber für mich persönlich kommt die praxis zumindest bei meiner feuerwehr [ kann das ja bei anderen nicht einschätzen – bräuchte dafür input von anderen fwnetzlern ;) ] VIEL ZU KURZ. die bilder der trainingsanlage in edmonton sind absolut beeindruckend – bei uns kommt vielleicht mal alle paar jahre eine mobile gasbefeuerte anlage auf den hof. ( ja – edmonton ist eine millionenstadt mit großer BF – aber es entsteht eben der eindruck das dort viel mehr wert auf die praktische ausbildung gelegt wird als hier )

    aber das thema qualität der ausbildung soll ja sowieso bestandteil des fwnetz werden – bin also mal gespannt :)

  2. Edmonton Fire Radio Twittert nun auch : FWnetz - Feuerwehr im Netz am 7. April 2009 00:06

    […] mehr ueber EFRS wissen moechte, kann sich ja gerne (nochmal) den Bericht aus dem Magazin durchlesen. Kategorie: KurznachrichtenTags: Edmonton, EFRS, Kanada, […]

  3. diggler am 7. April 2009 05:47

    Habe gerade ein Video auf YouTube von einem unserer neuseelandischen „Exchange“ Kollegen gefunden. Er war fuer ein Jahr auf Station 1 in Downtown Edmonton stationiert.
    Viel Spass beim Anschauen.

  4. Firefighter BLN am 28. September 2010 11:50

    Cool!!!
    da werd ich auch bissl neidisch!
    würde ich auch gerne machen
    mein Traum wäre ja New York aber da musst du amerikanischer Staatsbürger sein
     
    Hut ab!!!

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