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Moin Moin

Sonntag morgen 9:09 Uhr. Ein angenehm sonniger und schöner Sonntag morgen langsam stehen die Menschen auf die ersten Vögel fliegen umher. Alles ist ruhig…Sonntagsruhe.

9:10 Uhr: PIEP PIEP PIEP ACHTUNG EINSATZ LÖSCHZUG!

Laut zereist der Melder in 60 Recklinghäuser Familienhaushalten die sonntägliche Ruhe. Einsatz für die Feuerwehr.
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Nein es ist kein realer Einsatz heute ist es "nur" die Osterübung des Löschzuges Süd der Feuerwehr Recklinghausen. Die eigentlich geheime Alarmübung des Löschzuges…naja so geheim war sie jetzt auch nicht die in der Regel besser informierten [;-)] hatten sich schon vorher an der Wache getroffen und in aller Ruhe gefrühstückt. Undichte Stellen gibt es halt überall auch in der Feuerwehr speziell dann wenn Kameraden in der Hauptwache und andere in der Leitstelle sitzen.^^

Aber in einer Hinsicht wurden sie alle aufs Glatteis geführt: Das Gerücht einer GSG-Übung mit dem Stichwort "Ammoniak-Austritt" bewahrheitete sich dann doch nicht.

Tatsächliche angenommene Lage: Kellerbrand in Supermarkt-Keller mit 4 vermissten Personen.

9:14 Uhr: Das LF16/12 und die DLK 23/12 rücken im ersten Abmarsch voll besetzt aus das LF 16-TS und der KdoW rücken im zweiten Abmarsch ebenfalls nach.

9:20 Uhr: Der Löschzug trifft am Übungsobjekt ein. Rauch aus dem Kellereingang 4 Reinigungskräfte werden im Keller vermisst.

Der Gruppenführer gibt erste Befehle: Angriffstrupp sofort unter PA mit C-Rohr zur Menschenrettung vor. Keller linksseitig durchsuchen. Wassertrupp legt die Wasserversorgung bis zum Fzg. und rüstet sich dann ebenfalls unter PA aus. Menschenrettung Keller rechtsseitig durchsuchen.

Ich übernehme die Position des Wassertruppführers. Die Befehle meines Trupps sind klar definiert. Also ein Mann Haspel ein Mann Hydrantenschlüssel und Standrohr.

Schnell ist der Hydrant gefunden und die Wasserversorgung zum LF 16/12 gelegt. Also zurück und ausrüsten.

In Windeseile werden Atemschutzgerät Maske Flammschutzhaube Fangleine Axt Fluchthaube und Lampe angelegt und an der Ausrüstung untergebracht. Am Eingang liegt bereits die C-Leitung mit 6 Längen. Flott noch zur Atemschutzüberwachung und Plaketten wegbringen….und los gehts!

Am Kellereingang noch eben gefunkt: "Süd 1 von Süd 12 kommen. Haben angeschlossen und gehen jetzt rechter Hand vor. Druck 200 bar" – "Süd 1 verstanden"

Also runter in den Krebsgang "atemschutzgang" (Wie heißt der nochmal???? Ich komme nicht auf den Namen…) Keller total vernebelt man sieht (fast) nix. Rechts rum immer an der Wand lang tasten…Mit dem Fuss bzw. der Axt als Armverlängerung immer im Halbkreis den Raum abgesucht.

Da! Eine Tür unverschlossen. "Süd 1 von Süd 12 kommen haben eine Tür entdeckt gehen in diesen raum jetzt weiter vor weiterhin Vorgehen rechter Hand."

Türcheck Tür kalt! Rein in den Raum immer weiter…STOP da ist was. Ja ein "lebloser" Körper! Fluchthaube drüber (natürlich nur so getan…) Körper im Rautek gegriffen und raus nebenbei noch versucht eine Rückmeldung abzugeben. "Süd 1 von Süd 12 kommen eine Person gefunden nicht ansprechbar Fluchthaube eingesetzt kommen raus RTW zur Tür!"

Person raus- wir wieder rein eine Person noch vermisst. Die anderen beiden wurden bereits vom Angriffstrupp gerettet der ist ebenfalls noch drin am suchen.

Also wieder am Schlauch zurückgeführt und weiter rechter Hand vor.

Was ist das? – Leise Rufe irgendwo. Undeutliches Hilfe. Also zurückgerufen: "Hier ist die Feuerwehr wo sind sie?" – "Hier!". WO ist "hier"??? Egal weitersuchen dem Gehör nach ist die Person irgendwo rechts im Raum. Weiter rechter Hand vor nach einiger Zeit eine kleine Abzweigung eine Wandnische da liegt die Person noch ansprechbar.

Rückmeldung abgeben: "Süd 1 von Süd 12 kommen Person ansprechbar vorgefunden kommen jetzt raus." – Fluchthaube! Mist die haben wir ja schon bei der ersten Person verbraucht!! Fu***!

Person gegriffen ich vor Person in der Mitte Truppmann hinterher. Die Person an der Hand rausgeführt an der Tür an den RD übergeben.

Kurz danach kam über Funk dann auch die Meldung vom ersten Trupp "Feuer aus".

9:40 Uhr: "An alle eingesetzten Kräfte: Einsatzende! Übung ist beendet Feuer aus!"

Erschöpft streife ich mein PA vom Rücken die Maske vom nassgeschwitzten Gesicht….bin ich fertig.

Fazit der Übung:

Die Ausrückezeiten waren für einen Sonntag morgen realistisch gehalten die Übung im Großen und Ganzen erfolgreich.

Die Menschenrettung dauerte von Eingang der Meldung bis zum Retten der letzten Person ca. 20 Minuten zu lange insgesamt aber bei einem so komplexen und großen Gebäude zudem der Menge der vermissten Personen fast schon unvermeidlich.

Die Rückmeldungen der einzelnen Trupps nach draußen kamen auch regelmäßig dagegen hat die Kommunikation von draußen nach innen sprich z.B. ASÜ -> Trupps nicht so geklappt. Allerdings auch ein Fehler der Trupps selber schließlich sind sie in erster Linie immer noch für sich selbst eigenverantwortlich! Auch das funkkonzept wurde in Großen eingehalten.

Auch außen lief die Übung recht gut die Wasserversorgung lag recht schnell auch die Schlauchleitungen der einzelnen Trupps waren recht schnell verlegt.

Manko draußen: Der Sicherungstrupp brauchte zu lange! Aufgehalten wurde er durch die (unnötige) Suche nach den Fluchthauben auf dem TS und der Trage! Unnötig deshalb weil ein Sicherungstrupp i.d.R. keine Fluchthauben braucht…^^

Das was ich mir jetzt noch wünschen würde wär eine genaue Detailbesprechung der Übung. Welche Eindrücke hatte der GF? Welche Befehle gab er warum? Wie ging der AT vor? Wie der WT? wer hat was wieso gemacht? Was war gut? Was war beschissen? etc. pp……so könnte jeder die Übung nachvollziehen und reflektieren. Naja wahrscheinlich Wunschdenken….oder wird das irgendwo wirklich so gemacht??^^

Hoffe der Erlebnisbericht hat euch nicht zu sehr gelangweilt….sollte ich an Bilder kommen werde ich die hier selbstverständlich noch einfügen.

Kommentare

Keine Kommentare bislang zu “Kellerbrand, 4 Personen vermisst: Ein Erlebnisbericht” (davon )

  1. fratzi am 30. März 2008 16:52

    Bzgl. reflektieren – das würde ich mir bei uns des öfteren auch wünschen!

  2. Firefighter_junior am 30. März 2008 20:33

    Ja, vor allem finde ich das detaillierte Nachbesprechen wichtig, weil man ansonsten die Fehler immer wieder macht!

    Man kann so viel üben wie man will, meinetwegen 50 Übungen im Jahr, aber wenn man keine Lehren aus den Übungen zieht, und verbessert, bringen auch diese 50 Übungen genauso viel wie gar keine Übungen!!

  3. Seppstadt am 31. März 2008 08:02

    Wie sagt unser Chef immer: „Man kann mit der Feurerwehr alles machen, nur nichts geheim halten“ *lach*

  4. t0bias am 31. März 2008 08:21

    Kellerbrand mit 4 vermissten Personen = Horror²

    Hi. Einige Fragen hab ich noch, nimm sie bitte nicht als Kritik a la „Was-macht-ihr-für-nen-Scheiß“ auf, wirklich nur Fragen zum besseren Verständnis:
    – Hattet ihr Wasser auf den 6 C-Längen?
    – Warum gibt der Gruppenführer zuerst den Befehl zum Aufbau der Wasserversorgung bei 4 vermissten Personen? Denke gerade Sonntags kann man doch fast zu 99% davon ausgehen, dass solche Aufgaben von nachrückenden Kräften erledigt worden sind bis meine eigenen 1200 Liter aufgebraucht sind.
    – Wer wurde gerettet? Puppen (#4 wohl nicht ;-)), JugendFwler, etc?
    – Nachbesprechungen sind wirklich sehr wichtig !!! Kostet nichts außer etwas Zeit und bringt jedem was.

    Weiter so.
    Gruß t0bias

  5. Firefighter_junior am 31. März 2008 14:19

    @Tobias:

    Nein, ich nehme dein Feedback nicht als negative Kritik. Bin ein Mensch, der offen ist für konstruktive Kritik und Rückmeldungen….nur so kann man was verändern. Außerdem sind Übungen ja für Kritik da…^^

    Aber zu deinen Fragen:
    Zuerst bin ich ja ich selber, und war Truppführer. Deshalb kann ich nicht genau wissen aus welchen Überlegungen der GF oder sonst wer seine Entscheidungen traf. Auch spreche ich hier für mich und nicht für meinen LZ, nur so aus Prophylaxe… ;-)

    -I.d.R. üben wir alle Übungen mit Wasser auf den Rohren. In dieser Hinsicht war die gestrige Übung leider eine Ausnahme! Der Besitzer des Supermarktes hatte ausdrücklich „gewünscht“ kein Wasser zu verwenden, er hatte Sorgen um die Waren, die im keller lagerten! Alle Überredungskunst der Übungsleiter war da ohne Erfolg! Leider!

    -Mhm, gute Frage, die ich nicht abschlie0end beantworten kann! Mögliche Erklärungen: Der Hydrant war nur eine B-Länge vom LF entfernt….^^, also kaum Zeitverlust. Ansonsten hast du durchaus recht!

    -Gerettet wurden vier Jugendliche, alle im Alter von 16-17 Jahren, die auch alle nicht allzu leicht waren.

    -Naja, eine kleine Besprechung der Übung fand ja statt, aber halt nicht allzu intensiv! Das war ja mein Kritikpunkt. Mag aber auch am anwesenden (Ehren-)Publikum gelegen haben…vor der Presse und der Politik äußert man halt ungern Kritik an den eigenen Reihen.

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