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Tjaaaa und nun kommt die Fazitzeit. Die gesammelten Eindrücke und Informationen muss ich erstmal so richtig verdauen. Im Video (siehe unten) ist mir ein Spruch entglitten: "Es ist nicht alles gold was chromig daherkommt". Viele Dinge haben mir sehr gut gefallen und ich denke ich kann einige Ideen mit nach Hause bringen und hoffentlich die eine oder andere Feuerwehr dazu bringen diese einzuführen. Andererseits gibt es hier fast unfassbare Defizite: nicht zeitgemässe Fahrzeuge – was die haben lässt sich sicher auch in der halben Größe abbilden – sind eine Sache aber nonexistente AÜ ist schon recht heftig.

Ich habe heute gezielt einige Informationen gesucht: darunter war ein Gespräch mit dem Fahrgestell-hersteller Spartan bezüglich dem US-Fahrzeugmarkt (und Typen). Im Prinzip besteht der US-Markt aus drei Fahrgestellherstellern wovon einer in finanziellen Nöten steckt.

Die Fahrgestelle (der Fahrzeuge nicht der Booth Babes oben)  sind – anders als bei uns – spezifisch für Feuerwehren gebaut und entsprechen den NFPA-Standards. Interessant die Tatsache dass der Motor sich quasi in der Kabine zwischen Fahrer und Grupppenführer befindet – ergo ist der Arbeitsplatz von beiden ganz schön eng. Dafür müssen geräte manövriert werden die jenseits von 35 Tonnen wiegen und locker 15 Meter Länge aufbringen. Zum vergleich: unsere LF sind so 7-8 meter lang (glaube ich).

Dann habe ich ein längeres Gespräch mit den Vertretern der FDSOA gehabt (Fire Departement Safety Officers Association). Denn das hatte mich schon seit ein Paar Tagen interessiert: hier wird bei bestimmten Einsatzstichworten bzw. Einsatzarten ein "Safety Officer" eingesetzt der autark agiert und durchaus in das Einsatzgeschehen eingreifen kann. Erkennt er beispielsweise eine Einsturzgefährdung kann er den Rückzug befehlen ohne Rücksprache mit dem jeweiligen Abschnittsleiter zu halten.
Zwar beschwichtigen alle Seiten aber ich vernehme dass es deswegen hier und dort zu Unstimmigkeiten kommen kann.

Uninteressant ist das Konzept eines "Safety man" jedoch nicht beispielsweise habe ich das bei den Holländern erlebt: schon bei einem VU in Staffelstärke ist einer als "safety man" ausgewiesen und achtet beispielsweise auf Patientensicherung scharfe Kanten usw.

Im Laufe der gesamten Woche hatte ich allerdings einen roten Faden der sich im Laufe der Tage ein wenig gelichtet hat: ich wollte das US-feuerwehrwesen verstehen. Insbesondere den Stellenwert den er in der Gesellschaft einnimmt.

Auch bei uns steht die Feuerwehr auf Platz 1 der respektierten Berufe aber auf einer anderen Weise. Niemand würde darauf kommen uns als "heroes" zu bezeichnen wir am allerwenigsten. Und: ist das überhaupt wünschenswert? Ist das überhaupt vergleichbar?

Den goldenen Mittelweg zu finden ist schwierig. Fangen wir bei den Feuerwehrlern an: schaut man sich die 28000 (!) Besucher der FDIC an scheinen die ganz normal zu sein. Ich meine jetzt als Typen nicht vom Körperbau her. Wer der Meinung ist wir hätten inherent strukturell und gesellschaftlich Gewichtsprobleme der schaue mal hier vorbei. Ich finde das ziemlich krass und muss befürchten das ich hier einen Durchschnitt gesehen habe. Viele waren sicher sehr fit und voll OK sehr viele aber überhaupt nicht und einige trotzen den Regeln der Physik.


Vielleicht ist es dann so dass es hier "Aufhängerfeuerwehren" gibt wie das FDNY oder Boston oder LAFD die dann auch körperliche Ansprüche an ihre Mitglieder stellen und eben Imagemässig die anderen mitreissen.

Doch das nur am Rande. Um die US-Feuerwehren zu verstehen muss man aus unterschliedlichen Ecken herangehen:

Einsatztaktisch denke ich lässt sich FAST ALLES auf die Struktur der Gebäude zurückführen. Diese sind größtenteils aus Holz. Deshalb ist es zwingend geboten möglichst schnell an das Feuer heranzukommen und es auszubekommen. Man hat von Haus aus eine "aggressive" Sichtweite und so wird das gelehrt. Der Standard-Innenangriff wird "aggressiv" und "offensiv" vorgenommen. So ergibt sich eine Gesamttaktik die eine feine Grenze zwischen "offensiv" und "leichtsinnig" bildet – aus meiner Sicht. Der US-Feuerwehrmann möchte ran und das System unterstützt ihn

Und so ist es auch OK und es wird honoriert wenn man dabei draufgeht. Dann ist man eben ein "Hero".

Der andere "angle" also Blickwinkel ist die Community. Ich bin der Meinung der US-Amerikaner ist wesentlich stärker in seine Community – ob Kirche Sport Schule oder eben Feuerwehr – eingebunden. Dieser Gemeinschaftsgedanken überträgt sich auch auf die Feuerwehr und so ist man eben "brothers" und man tut "stay safe" bleiben. Gerade dieser Punkt lässt sich sehr schwer erklären man kann ihn hier aber regelrecht fühlen. Weil der Staat nicht so präsent ist (siehe renten- oder krankenversicherung) ersetzt der Mensch das was bei uns der Staat ist.

So lässt sich kein sauberes Fazit ziehen. Ich bin der Meinung uns in Deutschland könnte eine solide Prise Selbstbewusstseins überhaupt nicht schaden.

Es gab in der Woche hier kleine Momente wo es zwar fast schon ins Hollywoodhafte überglitt und man sich mitreissen ließ. Denn man bekommt auch von seinesgleichen eingetrichtert dass man was Besonderes ist.

youtubeMO-GqkmJMBk/youtube


Soll ich ehrlich sein? Gefällt mir. Denn es ist in der Tat nicht natürlich dass Menschen Zeit und Gesundheit für ein Hobby opfern der so stark der Gesellschaft dient. Oder sollte man sich mit Modellfliegern oder Karnickelzüchtern vergleichen?

Ich konnte die gesamte Woche mit Stolz als "German Firefighter" durch die Veranstaltung laufen. Die Anerkennung kam nicht aus "Dummheit" sondern weil man eben ein "firefighter" ist.

Und das alles ist voll OK solange man einen "hero" nicht dadurch definiert dass er völlig planlos durchs Dach ins Feuer gefallen ist beim Brand eines Hauses das eh ein Totalschaden war. Hier gilt es also eine feine Grenze zu ziehen.

Und so könnte ich ewig weitermachen mit dem erzählen. Ziel wird es sein und ich denke da dürften einige bei uns ähnlich denken dieses Selbstbewusstein etwas besonderes zu sein voranzubringen. Auch wenn man da über den eigenen Schatten springen muss denn unsere (West- oder Nord-Europäische) Gesellschaft verbietet das mehr oder weniger. Warum eigentlich?

Heute Nachmittag hatte ich übrigens noch ein wenig Zeit und habe einmal den Indianapolis Racetrack umrundet – im Touristenbus :)

Somit schließt das Tagebuch für jetzt.  Morgen geht es schon um 8 Uhr in der Früh los Mietauto abliefern dann zum Flughafen Flug um 12 nach Charlotte. Von dort 17 Uhr Ortszeit nach München Ankunft um 8 Uhr früh am Montag. Nächste Woche ist Jetlagbekämpfung angesagt.

Heute wollte ich mir noch freinehmen und ein wenig ins Umland fahren leider hat das aus Zeitgründen nicht geklappt. insgesamt eine sehr kurzweilige Woche und der Aufenthalt hier kommt mir schon wie eine Ewigkeit vor. Ich habe mich an Indy gewöhnt aber ich freue mich doch sehr wieder auf zuhause – und knackiges Brot.

Es gibt noch so viel das ich erzählen möchte – beispielsweise eine kleine Überlebensfibel für die FDIC:


 

Das alte München-Shirt hatte ich für einen eventuellen Tausch mitgenommen. Am Dienstag (in Ausgehuniform) hatte ich allerdings festgestellt dass man sofort als das erkannt werden muss was man ist – der Gegenüber "scannt" und entscheidet. Ein "firefighter from Germany" ist immer ein Türöffner" So habe ich das München-Polo nicht getauscht sondern zwei Tage hintereinander angezogen. Heute dann im zufällig mitgeführten "Flashover-Training Croatia" T-Shirt. Macht vieles einfacher!  

Oder wie man hier Bezin tankt oder wie man mit der Mentalität zurecht kommt. Letzten Montag erst wurde ich in Charlotte am Flughafen vom Verkäufer gefragt: "How are you today?". Als britisch-orientierten Europäer hatte mich das völlig aus der Bahn geworfen und wollte schon zur Lebensgeschichte ausholen. Inzwischen geht mir das "and how are you?" locker von den Lippen. Darf allerdings nicht vergessen das vor der Ankunft abzustellen die Gattin ist ja Britin und würde mich etwas schräg angucken. 

youtubeH6b3ME2VXno/youtube 

Und zuallerallerletzt wollte ich noch erwähnen dass ich 5 Meter Luflinie von einem Autokonvoi war in dem Hillary Clinton saß. Unbestätigt aber immerhin.

*******

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Kommentare

Keine Kommentare bislang zu “USA-Tagebuch (07) Ende!” (davon )

  1. diggler am 13. April 2008 07:26

    Oh ja und die Fahrgestelle der Booth babes sind sehr wohl auf die „spezifischen Beduerfnisse“ von Feuerwehrmaennern zugeschnitten und entsprechen auch meinem Standart *LOL*

  2. jansued am 13. April 2008 09:11

    Hallo!

    Man wird nicht ein ganzes Feuerwehrsystem in ein paar Tagen Messe verstehen lernen, aber es wird genug Anregungen geben. Wenn ich kurz überlege, was ich mir/uns seit 1992 aus den USA mitgebracht habe:

    Bandschlingen als PSA (die ersten in D!)
    Totmannmelder (gab es 92 in D gar nicht…)
    Seitenkriechgang (im Original Crab Crawl)
    „Loop“
    Suchtechniken (lefthand/righthand search)
    PBI Anzug (dürfte 1991 der erste in D gewesen sein)
    Suchtakik (getrennte Suche)
    Anleiterbereitschaft
    Ausbildungsideen noch und nöcher (thanx, Wild Bill)
    die Feuerwehr eben nicht nur immer supernüchtern zu sehen
    Extrication Competitions

    und vieles mehr , was mir jetzt nicht einfällt. Wichtig ist eben nur der Abgleich mit deutscher Taktik/Technik (der eben einiges an Know-How über beide System voraussetzt) und eben nicht komplett dem Charme der bunten Abzeichen, coolen Lederhelme, des Chroms und den selbsternannten besten Feuerwehren der Welt zu erliegen…

    Bist du die Busfahrerklamotten noch losgeworden? Oder hat dich die Erkenntnis getroffen, dass selbst die Busfahrer in den USA coolere Sachen haben?

    Warum mutet und Lion eigentlich in D Models wie CP zu und macht das in den USas ganz anders (eben richtig)..

    Jan

  3. Christian am 13. April 2008 22:06

    Hallo!

    [quote]Warum mutet und Lion eigentlich in D Models wie CP zu und macht das in den USas ganz anders (eben richtig)..[/quote]

    Schnauze, Jan…
    Bitte, bitte, bitte… laß eine der beiden Hayley sein, die uns nächste Woche besuchen kommt :-)

  4. rakeman am 13. April 2008 22:12

    @christian sie hat die ganz Zeit nach Dir gefragt, ich habe sie kaum dazu gebracht still zu halten!

  5. jansued am 13. April 2008 23:24

    Nicht der erste Prominente, der über jugendsünderische Fotos stolpert.

    Ich will jetzt NICHT, warum und wobei Irakli Hayley dazu bringen wollte still zu halten.

    Wenn Hayley kommt, will ich auc Werksbesichtigung machen…

    ;-)

    Jan

  6. diggler am 14. April 2008 02:11

    Also wenn es um Preise fuer Fahrzeuge geht, dann muss man schon unterscheiden zwischen „von der Stange“ und „Custom Made“. Wenn man sein Fahrzeug den Wuenschen der Feuerwehr entsprechend bauen laesst, dann sind die Trucks auch hier sehr teuer. Unsere Smeal Ladder kostete z.B. $1.2 Million und unsere Pumps kosteten ca. $700.000,-
    Aber wenn man mit den „Standart“ Fahrzeugen zufrieden ist, dann kann man da schon mal einen guten Preis bekommen ;-)

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