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Heute ein wenig früher aufgestanden um den Jet Lag ein bisschen zu federn. Ich erlaube mir zu den Tagebucheinträgen einige Ergänzungen und Korrekturen vorzunehmen. Vorteil Internet :)


 

Den Kern der Aussagen von gestern insbesondere über das "Wesen" der Feuerwehren war nicht ganz einfach zu vermitteln. Wenn ich mir das durchlese und die Kommentare angucke dann möchte ich zwei Dinge zurechtrücken:

AÜ wird hier wie Dirk sehr richtig anmerkt sehr wohl durchgeführt. Sie ist allerdings extrem uneinheitlich und bezieht sich in der Tat auf den Einsatzort des jeweiligen Trupps. Druck-Abfragen und Rückmeldungen werden nicht abgegeben. Das System insofern man es überhaupt als "one size fits all"  beschreiben kann ist sehr schnell überfordert. Wächst die Anzahl der eingesetzten Kräfte so geht der Überblick schnell verloren.

Insofern ist die AÜ wesentlich simpler aufgebaut als bei uns was sich auch bei der Messe an entsprechenden Produkten bzw deren Fehlen ausdrück. Klappkoffer mit Whiteboard auf mit Marker die Trupps festhalten.

Sowohl zum Thema AÜ als auch Fitness und Gewicht bzw Body Mass tun sich da Vergleiche mit uns auf – kein Thema. Da ich die Systeme einerseits vergleichen andererseits auch gute Ideen mit nach Hause bringen wollte ist die Gegenfrage mehr als berechtigt.

In der Tat gibt es hier Fitness-Programme und die Rolle des "Safety Officer" – sowohl im Einsatz als auch generell – scheint immer mehr an Gewicht (no pun) zu gewinnen. Ich denke das ist derzeit eher bei den großen BFen und den fortschrittlichen FFen so. Wie gesagt lässt man den Blick über die Teilnehmer schweifen lässt sich die Aussage das viel Optimierungspotenzial besteht locker unterstreichen.

Nun zu den grossen Themen die ich mit nach Hause nehme. Davor noch kurz @Jan: Nomexhaube sticht hatte ich nach einem Aufenthalt bei einer Feuerwehr in Virginia 1990 mit nach Hause gebracht zudem ein Holster mit Tourniquet Körner und Ringschere und Arterienklemme :)

Dass hier viele gute und sinnvolle Ideen Technologien und Taktiken ihren Ursprung haben steht ausser Frage siehe Jans Liste. Hier ist also meine Liste an Mitbringsel:

RIT bzw. "On Deck"
Das Konzept des Sicherheitstrupps ist bei uns seit ganz Langem Bestandteil eines Einsatzes unter Atemschutz. Wer die frischeste Ausgabe der Brandschutz gelesen hat wird auch die Übertragung des Rapid Intervention Teams auf unser System kennen.

Nur ist man hier drauf gekommen dass ein RIT eigentlich gar nicht Rapid ist. Deshalb wir das System nun – mit viel Aufwand Trainings Tests usw – langsam verändert man nennt das "On Deck" und hat die durchschnittliche Rettungszeit im "Standardeinsatz" von 22 auf 12 Minuten gekürzt. Immer noch zu lang aber immerhin.

Trench Rescue – Tiefbauunfälle
Dieses Thema brennt mir schon lange unter den Nägeln. Hier gibt es das übergeordnete Thema "Urban Search & Rescue" das beispielsweise Structural Collapse Confined Spaces Höhenrettung und eben Trench Rescue vereint.

Hier auch – wie bei RIT – sollten die Feuerwehren zumindest in der Lage sein die Frage qualifiziert zu beantworten ob sie sich damit auseinanderesetzen wollen oder nicht. Denn die Antwort auf ein Unfall kann nicht sein unendlich viele Rüstwägen mit völlig inadäquater Ausrüstung und nicht ausgebildeten Kräften zu einem Einsatzort zu schicken. Entweder man lässt anderen (bsp THW Privatfirmen) den Vortritt oder man macht es eben selbst ordentlich und mit minimaler Eigengefährdung.

Taktik im Brandeinsatz
Ich weiss wir haben FwDV und die sind in Stein gemeisselt. Dennoch sollte man sich überlegen ob man nicht davon weggeht dass Fahrzeugbesatzungen von Haus aus vier verschiedene Aufträge bewältigen müssen. Das Konzept 1 Fahrzeug = 1 Aufgabe finde ich nicht schlecht. Darüber hinaus könnte ich mir gut vorstellen das  Feuerwehren mit 2 LF und mehr das zweite (T)LF mit "Sonderaufgaben" betreuen: hierzu zählt beispielsweise "Forcible Entry" also das gewaltsame Eindringen – normalerweise macht das bei uns wenn überhaupt der Angriffstrupp. Das zweite Fahrzeug könnte auch sich hier an "Ladder " orientieren und die Leitern vornehmen (bedient sich beim ersten Fahrzeug) oder stellt den alternativen Rückzugsweg sicher (Anleiterbereitschaft). Ich denke man kann auch im Rahmen der FwDV kreativ vorgehen.

Safety Man / Safety Officer
Bei uns hat der "UVV-Beauftragte" den Arschkartenjob. Ob in Holland oder in USA der "Safety Man" hat einen anderen Stellenwert und ist auch im Einsatz vorgesehen. Darüberhinaus ist er auch "strukturell" eingebunden das geht bis hin zur Überwachung bzw Einführung von Fitnessprogrammen. Die Rolle des UVV Beauftragten sollte dringend überdacht werden.

Selbstretten / Bailout
Wird in USA groß geschrieben und es gibt zig verschiedene Systeme. Die Anleiterbereitschaft (DL Steckleiter Sprungpolster) ist schon ein guter Schritt nach vorne .

Tatsache ist jedoch dass sich diese Bail Outs dann ereignen wenn die Situation schlagartig umschlägt. Es bleibt also wenig Zeit einen ordentlichen ausstieg vorzubereiten. So sollte geübt werden kopfüber Leitern herunterzurutschen und sich überlegen mit welchem Mitteln man sich in maximal 10 Sekunden aus dem Fenster hängen kann.

Auch hier sollten Feuerwehren zumindest eine qualifizierte Antwort geben können warum sie sich NICHT damit auseinandersetzen wollen bzw. warum die eigenen Prozeduren ausreichend sind.

Booth Babes 
Ja warum nicht? (Die Damenwelt möge mir verzeihen).

Das waren die wichtigsten Themen denke ich. Evtl. kommt da noch was dazu. Ein Element bzgl. geistigem Unterschied habe ich noch vergessen zu erwähnen: der ungebremste Optimismus. Grundsätzlich herrscht eine "Can Do" Mentalität die sich eben im entsprechenden Selbstverständnis äußert.

*******

Sponsoring durch:

 

Günzburger Steigtechnik

 

Unterm Strich sollte man einfach das Beste aus hier und drüben kombinieren. Mein größter Wunsch: die Qualität einer Feuerwehr definiert sich über den Ausbildungsstand und nicht über die Anzahl der Fahrzeuge. Da haben wir noch einen weiten Weg vor uns aber machbar ist es. Can Do eben :) 

 

Kommentare

Keine Kommentare bislang zu “USA-Tagebuch (08) Ergänzungen und Korrekturen” (davon )

  1. jansued am 13. April 2008 16:42

    Hallo!

    Nur zum Ondeck:

    Den Vortrag von Kreis gibt es hier:

    http://www.bcftoa.com/private/docs/training/Rapid Intervention B & W.ppt#1

    Den Artikel hier:

    http://www.fireengineering.com/articles/article_display.html?id=197897

    So wie ich „On Deck“ verstanden habe bezieht sich dies auf eine proportionale Steigerung der Sicherungskräfte biz zu dem Zustand, ein ganzens Battalion da stehen zu haben.

    Haupterkenntnisse:

    1. Wenn du die Regeln nicht einhältst, kann niemand dich retten.
    2. Tödliche Unfälle passieren in Sch….Feuern in Sch…objekten.

    Grüße, Jan

  2. Cimolino am 14. April 2008 08:11

    3. Schwere bzw. tödliche Unfälle passieren auch bei relativ kleinen Feuern – das wird zwar hinterher zum Sch…F. in Sch…O., aber sieht anfangs halt nicht so aus…

  3. Cimolino am 14. April 2008 08:20

    Qualifizierte Antworten, warum man (wurscht ob hier oder drüben) sich nicht mit etwas auseinander setzt:
    1. Es gibt wichtigeres. (Das kann auch die nächste Fahnenweihe sein…)
    2. Das haben wir noch nie so gemacht.
    3. Da könnte ja jeder kommen.
    4. Wenn das eine gute Idee wäre, hätte … sie schon vor langem gehabt.

    Einige Dinge sind allerdings bereits durchaus genauer hinterfragt – und das sind:
    Grundsatztaktik:
    Bei uns kann jedes Fahrzeug mehrere Jobs machen (_H_LF!). Das ganze ohne 37 Klappen auf 5 Ebenen einzeln aufmachen zu müssen.
    Bei uns sind die Schläuche für den IA leichter, dafür haben wir dickere Zuführungsschläuche.
    Bei uns passt die Wasserabgabemenge der Pumpe, der Schläuche und der Strahlrohre i.d.R. zusammen (ich weiß auch, dass einige da an den Stellschrauben drehen und halte das NICHT für sinnvoll!)
    Bei uns ist truppweises Vorgehen seit ?? Jahren Standard (in den USA diskutieren die m.W. da heute immer noch drüber, wo ich 98 dachte, sie hättens kapiert…)
    Eine Drehleiter ist in erster Linie ein Rettungsgerät für den Brandeinsatz. Wird die Besatzung für andere Aufgaben herangezogen ist zu prüfen, ob das sinnvoll überhaupt geht, ohne den Hauptjob (Retten, auch aus Bereitstellung => ALB) zu gefährden!
    Wir haben völlig andere Gebäude – die ermöglichen bzw. erfordern dann auch schon mal anderes Vorgehen!

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