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Von Adrian Ridder Atemschutzunfaelle.eu 


 

Bei Brandeinsätzen und der Realbrandausbildung (auch „Training für das Verhalten im Innenangriff“ TVIA) treten Gefahren auf welche die Gesundheit der Einsatzkräfte gefährden können.

Dies sind im speziellen:

  • Herz-Kreislauf-Erkrankungen
  • Hitzeschäden Störung des Wasser-Elektrolyt-Haushalts
  • Einwirkung von Verbrennungsprodukten


Das Erkennen der Gefahren die beim Innenangriff und TVIA auftreten können ist der erste Schritt zu ihrer Minimierung. Erfahrungen der letzten Jahre (v.a. aus den USA) zeigen dass besonders Herz-Kreislauferkrankungen eine ernstzunehmende Gefährdung darstellen.

Darauf folgen in der Häufigkeit und Schwere der Verletzungen Verbrennungen Muskelzerrungen und Verstauchungen sowie Erkrankungen aufgrund der hohen Umgebungstemperatur. Auch zu beachten ist die Beaufschlagung mit Brandgasen und weiteren Verbrennungsprodukten. Zwar treten dadurch weniger häufig akute Gesundheitsbeeinträchtigungen auf chronische Schädigungen können jedoch die Folge sein.

Die oben genannten Gefährdungen sollen im Weiteren beleuchtet werden.

Herzerkrankungen 

Herzerkrankung ist ein allgemeiner Begriff für eine Vielzahl von krankhaften Erscheinungen die das Herz und seine Funktion betreffen. Die häufigste derartige Erkrankung ist die koronare Herzkrankheit (KHK) die dadurch entsteht dass die Herzkranzgefäße (also die Blutgefäße die das Herz versorgen) verstopft werden. Cholesterin und andere Stoffe lagern sich an den Wänden der Arterien ab wodurch die Versorgung mit Blut eingeschränkt wird und der Herzmuskel weniger Sauerstoff und Nährstoffe erhält. Tückisch an dieser Erkrankung ist vor allem dass diese eingeschränkte Versorgung mit Blut und damit Sauerstoff meist für den „Normalbetrieb“ des Körpers also bei geringer Belastung ausreicht. Kommt es jedoch zu einer stärkeren körperlichen Belastung z.B. durch einen Atemschutzeinsatz treten Mangelerscheinungen auf und es kommt zur Schädigung.

Risikofaktoren 

Zu einem gewissen Maße kann es aufgrund natürlicher Alterungsprozesse zu KHK kommen. Jedoch können auch andere Faktoren die Schwere der KHK sowie das Risiko für einen Herzinfarkt beeinflussen. Einige dieser Risikofaktoren sind vom Geschlecht oder der Vererbung abhängig und können damit nicht beeinflusst werden. Andere Faktoren können verändert bzw. zumindest kontrolliert werden.

Studien aus den USA die untersuchten wie hoch für Feuerwehrleute das Risiko ist einen Herzinfarkt zu erleiden kamen zu folgendem Schluss: Feuerwehrangehörige durchleben relativ lange Perioden stressfreier Aktivität die dann jedoch mehr oder weniger plötzlich von Einsätzen unterbrochen werden was zu verstärkter körperlicher und psychischer Belastung führt. Es kommt zu einem „plötzlichen hohen Energiebedarf und wenn sie nicht in angemessener körperlicher Verfassung sind kann dies tödlich enden.“

Stress und Herzinfarkt können Ursachen für tödliche Dienstunfälle sein. Sowohl jede Feuerwehr als auch jeder einzelne Feuerwehrangehörige sollte Maßnahmen zu ergreifen um beeinflussbare Risikofaktoren für Herzerkrankungen im positiven Sinne zu verändern. Nicht beeinflussbar dagegen sind Faktoren wie die Zugehörigkeit zum männlichen Geschlecht (Männer haben statistisch betrachtet ein etwas erhöhtes Risiko für Herzerkrankungen) oder angeborene Stoffwechselstörungen.

Nicht beeinflussbare Risikofaktoren Beeinflussbare Risikofaktoren


Männliches Geschlecht


Hohes Alter


Familiäre Veranlagung


Stoffwechselstörungen
 


Rauchen


Bluthochdruck


Hoher Cholesterinspiegel


Sitzende Lebensweise Bewegungsmangel


Übergewicht Adipositas


Stress


Übermässiger Alkoholkonsum 

Abb. 1: Risikofaktoren für Herzkrankheiten


Symptome und Sofortreaktionen

Bei TVIA sollte im Bedarfsfall ebenso wie bei realen Einsätzen sofort medizinische Hilfe verfügbar sein. Zu beachten ist dabei auch dass es sowohl auf schlagartige und akute Weise als auch (v.a. im Anfangsstadium einer Schädigung) nur langsam und schleichend zum Herzinfarkt kommen kann. Ebenso wie die Zivilbevölkerung (und wahrscheinlich in noch größerem Maße) missachten Feuerwehrangehörige diese Symptome häufig und warten zu lange bevor sie Hilfe aufsuchen. Die folgenden Symptome weisen auf ein abnormales Verhalten des Herzens hin:

Leichter Schmerz in der Brust: Das häufigste Symptom für einen Herzinfarkt ist Schmerz in der Brust der länger als einige Minuten anhält bzw. ständig wiederholt auftritt. Dieser Schmerz kann sich wie ein unbehaglicher Druck ein einschnürendes Gefühl im Brustkorb Fülle oder gewöhnlicher Schmerz äußern.
 

Leichter Schmerz in anderen Bereichen des Oberkörpers: In einigen Fällen begleiten andere Symptome den Schmerz in der Brust oder treten alleine auf. Dazu zählt u.a. Schmerz oder Unbehagen in einem oder beiden Armen dem Rücken Nacken Kiefer oder Bauch.

Kurzatmigkeit: Dieses Symptom tritt oft zusammen mit Beschwerden in der Brust auf. Atemprobleme können bereits vor Schmerzen in der Brust oder im Oberkörper auftreten.

Andere Symptome: Weitere Symptome sind kalter Schweiß Brechreiz oder Benommenheit.

Falls Sie bei sich oder anderen die o.g. Symptome wahrnehmen ergreifen Sie folgende Maßnahmen:

Benachrichtigen Sie die medizinischen Kräfte vor Ort (Rettungsdienst First Responder o.ä. eigene ausgebildete Kräfte). Das medizinische Personal sollte Zugang zu einem Automatischen Externen Defibrillator (AED) haben.

Bei TVIA-Übungen und Realeinsätzen sollte schon zum Eigenschutz entsprechendes Fachpersonal mit ausreichenden Mitteln (z.B. RTW) zur Verfügung stehen. Sollte kein RTW vor Ort sein sollte unverzüglich einer angefordert werden.

Unterstützen Sie das medizinische Personal soweit Ihnen dies möglich ist.

Beim Erleiden eines Herzstillstands erhöht schnelle medizinische Hilfe die Überlebenschancen des Patienten und seine Chancen auf vollständige Wiederherstellung immens.



Fitness-Programme

Inzwischen ist – auch aufgrund diverser wissenschaftlicher Untersuchungen z.B. STATT-Studie sowie auf Grundlage des gesunden Menschenverstandes – weithin anerkannt dass Feuerwehrangehörige (FA) sich fit halten sollten um die hohen Anforderungen in Einsatz und Übung adäquat erfüllen zu können. Eine Maßnahme dazu kann z.B. sein den FA entsprechende Fitnessprogramme u.ä. anzubieten damit diese ihre körperliche Fitness Leistungsfähigkeit und auch Gesundheit auf dem notwendigen Niveau halten bzw. dieses Niveau erreichen können. Ein derartiges Programm sollte eine physische (Training) physiologische (physiologische Anpassungserscheinungen aufgrund des Trainings) und psychologische (Einstellung zum Sport gesunder Lebensstil und gesunde Ernährung) Komponente enthalten.

Es sollten Möglichkeiten angeboten werden die Gesundheit und Fitness zu verbessern. Beispiele hierzu sind die Einführung/konsequente Durchführung von sinnvollem Dienstsport und Teilnahme an den Fitnessprogrammen die von mehreren Unfallversicherungsträgern mancherorts angeboten werden Kooperation mit kommerziellen Anbietern (z.B. verbilligte Mitgliedschaften in Fitness-Studios etc.) sowie weitere Angebote (z.B. verbilligten Eintritt in kommunale Schwimmbäder u.ä.).

 

Gut eingerichtete Sporträume können auch die Motivation der FA erhöhen


 



Quellen:

  • Pschyrembel Klinisches Wörterbuch X. Auflage
  • Goltermann Dr. K. Korrespondenz zum Thema (www.feuerwehrarzt.de )
  • Hartin E. – Managing Health Hazards Auszug aus:
  • Grimwood P.; Hartin E.; McDonough J.; Raffel S. – 3D Fire Fighting S. 362 – 371 ISBN 0-87939-258-4

 

 

Kommentare

Keine Kommentare bislang zu “Gesundheitsaspekte im Brandeinsatz und bei Realbrandausbildung (01): Herz-Kreislauf-Erkrankungen” (davon )

  1. Carlo am 17. April 2008 20:28

    In der Tabelle zu den „Beeinflussbare Risikofaktoren“ und den „Nicht beeinflussbare Risikofaktoren“ wurden glaube ich die Überschriften vertauscht, weil ich glaube nicht das man sein Geschlecht beeinflussen kann. :D

  2. rakeman am 17. April 2008 21:47

    Getauscht!

  3. diggler am 18. April 2008 05:30

    Bei den Sportraeumen musste ich sofort an unseren Kellerraum in Essen, mit ausgedienten oder selbstangeschaften Geraeten, denken (ist jetzt aber schon eine Weile her)

    In Edmonton haben wir neben jaehrlichen medizinischen Untersuchungen (Blutbild, Krebsvorsorge usw.) und PEER Fitness Trainern, nagelneue Geraete die auf allen Wachen gleich sind. Einziges Problem das wir haben ist, dass die meisten Feuerwachen garnicht genug Raum haben um all das Fitnessgeraet unterzubringen.

  4. firerobs am 23. April 2008 11:58

    Wir haben auch einen Fitnessraum auf der Feuerwache und jeden Donnerstag wird Dienstsport angeboten. Leider wird das noch von zu wenig Leuten genutzt.

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