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In ihrem äußeren Erscheinungsbild hat sich die Drehleiter wenig verändert: Lastwagen-Chassis Drehkranz mit Aufrichtsystem und Leiterpark. Dennoch hat sich unter der „Haube“ viel getan. Vom 14. – 16. März 2008 präsentierte der Landesfeuerwehrverband Baden-Württemberg auf der Retro Classics in Stuttgart die Entwicklung der fahrbaren Feuerwehrleiter von der handgezogenen Leiter bis hin zur computergesteuerten Hightech-Drehleiter. Die Exponate aus den Jahren 1911 bis 1965/2008 zeigten einen Teil der technischen Entwicklungsgeschichte der fahrbaren Leiter.

Drehleiterausstellung auf der Retro Classics

Warum fahr- und drehbare Leitern?
Schon vor 5.000 Jahren setzten die Ägypten Leitern zur Brandbekämpfung ein. Die Idee der fahrbaren Leiter entstand im 15. Jahrhundert aus praktischen Erwägungen heraus: Die Schiebleitern waren einfach zu schwer für den Transport mit der Hand. Deshalb kamen Räder dran. Nun ergaben sich aber andere Probleme. Die fahrbare Leiter war nämlich nur in Wagenlängsachse nutzbar und es erforderte neben viel Platz auch viel Kraft eine ausgefahrene Leiter bei Erfordernis in eine andere Richtung zu drehen. Handelte es sich sogar um einen Pferdezug war das Unterfangen nicht minder komplex. Statt das gesamte Fahrzeug sollte nur die Schiebleiter gedreht werden. Die Idee der Drehleiter war geboren.

Das „Urmodell der Drehleiter“ (Manfred Gihl) entstand 1802 in Paris. Der Franzose Edouard Regnier konstruierte eine 15 Meter hohe fahrbare Leiter die sogar eine Einrichtung besaß die dem heutigen Rettungskorb ähnelte. Offiziell begann die Drehleiterzeitrechnung aber 1904 (Dampf) bzw. 1906 (Benzin) als Otto Magirus – der Sohn von Conrad Dietrich Magirus – eine maschinelle Kraftdrehleiter baute.

Vom Hand- bis zum Pferdezug
Obwohl bereits seit fast 100 Jahren bekannt wurden auch um 1900 herum noch immer fahrbare Leitern mit Auszug nur in Wagenlängsachse gebaut wie die mechanische Leiter L12 der C.D. Magirus AG aus Ulm aus dem Jahr 1895 zeigte. Die Leiterlänge betrug immerhin 18 Meter. Bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts war außerdem jede Drehleiter eine Einzelanfertigung.

Abbildung 00: Mechanische Leiter L12 von Magirus, Bj. 1895. Die Handzugleiter war bis 1960 in der Heil- und Pflegeanstalt (heute: Zentrum für Psychiatrie) bei Emmendingen (14 km nördlich von Freiburg i. Br.) im Einsatz und gehört heute dem Feuerwehrmuseum in Winnenden.

„Mit den großen Rädern ließ sich die Leiter gut ziehen und schieben“ erzählt Harald Pflüger vom Landesfeuerwehrverband. Gezogen wurde sie von der Leitermannschaft die war aber nur für das Rüsten zuständig. „Geklettert ist nur die Steigermannschaft“ ergänzt er und „die waren so etwas wie die Elite. Die halfen auch keiner anderen Einheit. Das waren Handwerksmeister oder die Turner zeigten ihr sportliches Können. Es gab eine strenge Trennung nach Aufgaben keinen Universalfeuerwehrmann wie heute“.

Um die Jahrhundertwende lösten Pferdezugleitern die Handzugleitern ab wie zum Beispiel die Pferdezug-Leiter Konstruktion E IV der C.D. Magirus AG Ulm der Textilwerke Martini Augsburg von 1911 mit einer Leiterlänge von 18 Metern zeigte. Heute ist die Leiter im Besitz der Fahrzeugfreunde der Ulmer Feuerwehr.

Abbildung 01: Pferdezug-Leiter Konstruktion E IV von Magirus, Bj. 1911, der Textilwerke Martini Augsburg.

Obwohl der Verbrennungsmotor schon bekannt war zeigte sich ein uneinheitliches Bild was die Motorisierung der Feuerwehr anging. Es herrschte ein Stadt-Land arm-reich und Nord-Süd-Gefälle: Eine Stadt kaufte eher eine motorisierte Feuerwehr als eine ländliche Gemeinde reiche Gemeinden kauften sie ebenfalls eher als arme und preußische Gemeinden beschafften sie eher als süddeutsche. Für den preußischen Herrschaftsbereich mag das auch an den häufiger anzutreffenden Berufsfeuerwehren gelegen haben denn dem Freiwilligenprinzip konnte man hier aus politischen Gründen nichts abgewinnen. Erst nach dem Großen Krieg (1914-1918) setzte sich die Motorisierung auch auf dem Land durch war aber an die Konjunktur gebunden.

Abbildung 02: Noch 1922 stellte die Feuerwehr Kornwestheim eine Pferdezug-DL der C.D. Magirus AG in Dienst. Schön zu sehen ist, dass die Leiter aus Holz und der Rahmen aus Metall ist.

Beginn der Automatisierung
Im Jahr 1922 stellte Magirus eine 25 Meter hohe Pferdezug-Drehleiter mit Kohlensäureauszug für die Feuerwehr Schorndorf her. Der Kohlensäuremotor führte die Leiterausfahrbewegung aus aufgerichtet werden musste die Leiter aber weiterhin von Hand. Gänzlich unproblematisch war der Motor jedoch nicht. Nicht nur war die Kohlensäure schnell verbraucht auch mit der Dichtigkeit hatten die Feuerwehrleute zu kämpfen erzählt Harald Pflüger. „Den Kohlensäuremotor wollte sogar schon das Deutsche Museum in München haben allerdings nur den Motor – ohne Drehleiter. Den haben wir aber nicht hergegeben.“ Der Motor selbst war ein Patent von Magirus. Die erste kohlensäurebetriebene Leiter datiert übrigens aus dem Jahr 1901.

Abbildung 03a: Die Leiter hat noch Speichenräder, doch zu dieser Zeit gab es schon die erste Vollgummibereifung. Die DL wog etwa 3,8 Tonnen und musste von vier Pferden gezogen werden. Die Leiter war bis 1952 im Dienst.

Abbildung 03b: Vorrichtung zum Starrstellen der DL

Abbildung 03c: Kohlensäuremotor

Ungefährlich waren die 25 Meter Steighöhe der Schorndorfer Leiter nicht. Sicherheitseinrichtungen wie ein Abstützsystem gab es nicht die Gefahr dass die Leiter umstürzte war demnach groß. Lediglich ein Hebel am Heck der die Schorndorfer Leiter starr stellte d.h. aus der Feder herausnahm gab ein wenig Sicherheit beim Steigen.

An den Pferdezugleitern zeichnet sich ein grundlegender Wandel der Konstruktionsmaterialien ab der in den 1930er Jahren abgeschlossen ist. Der Übergang von Holz zu Stahl und der Speichenräder aus Holz zur Gummibereifung.

Neu war die Stahlleiter aber dennoch nicht. Bereits 1892 konstruierte Frankfurts Branddirektor Richard Schapler die erste Stahlleiter. Die erste motorisierte Drehleiter konstruierte Justus Christian Braun 1903. Seine elektromobile Balance-Drehleiter erreichte 235 Meter Steighöhe. Magirus folgte 1904 mit einem Dampfautomobilen- und 1906 mit einem Benzinmotorfahrgestell.

Bisher fiel immer der Name Magirus kein Wort zu Metz. Das liegt daran dass Metz erst ab 1912 Drehleitern baute. Geführt wurde die Firma von den Gebrüdern Bachert. Metz stellt die erste eigene vollautomatische Drehleiter auf einem Benzinautomobil erst 1923 vor.

Technischer Umbruch im Drehleiterbau
Es gab zwischen 1900 und 1930 ein großes Nebeneinander von Hand- und Pferdezug Motorisierung und Automatisierung. Der neuen motorisierten Technik standen die Feuerwehren positiv gegenüber. So setzten die Feuerwehrren auf immer schneller Fahrzeuge stärkere Motoren und größere Fahrgestelle. Da mutete es eigenartig ja widersinnig an wenn Feuerwehrfahrzeuge – auch Drehleitern – weiterhin mit Vollbereifung fuhren auch wenn sich die Luftbereifung durchgesetzt hatte Leitern weiterhin aus Holz statt Stahl waren und Feuerwehrleute in offenen Fahrzeugen zum Einsatz ausrückten.

Obwohl die Vollbereifung schlechte Fahreigenschaften aufwies und zudem schlecht zu bremsen war bevorzugten die Feuerwehren die „pannensichere“ Vollbereifung. Das lange Festhalten an der Holzdrehleiter lag an den Wünschen der Feuerwehren. Gegenüber dem „neuen“ Werkstoff Stahl hatte man Vorurteile. Man befürchtete insbesondere Gefahren durch Stromleitungen. Auch das enorme Gewicht der Stahlleitern machte Probleme. Ab 1931 wurden dann nur noch Stahlleitersätze gebaut. Letzteres ermöglichten die Fortschritte beim Schweißen dünnwandiger Stahlprofile.

Bis Ende der 1930er Jahre wurden offene Feuerwehrfahrzeuge gebaut – auch wenn eine geschlossene Kabine technisch möglich war. Diese überkommene Reminiszenz galt trotz benzin-elektrischer Motorisierung als selbstverständlich denn Feuerwehrleute hatten in der chauvinistisch geprägten konservativ-militaristischen Gesellschaft harte Männer zu sein. Auch zeigte sich hier die Nähe zu den alten Gespannen die offen waren. (Anfangs saß der Fahrer folglich auch rechts so wie einst der Kutscher). Das Umdenken und die Umstellung auf geschlossene Kabinen setzte erst ab 1929 ein. Die Weimarer Republik erlebte 1929/30 einen besonders kalten Winter – darunter hatten besonders die in offenen Wagen ausrückenden Feuerwehrleute zu leiden die nicht selten Erfrierungen erlitten.

In der Zwischenkriegszeit erfolgte insgesamt gesehen ein technischer Umbruch im Drehleiterbau bedingt durch die Motorisierung Fortschritte in der Fertigungstechnik und der Einführung von Sicherheitseinrichtungen.

Ab 1930 gab es dann nur noch die ohnehin bereits in den 1920er Jahren dominierenden Firmen Metz und Magirus auf dem Drehleitermarkt die sich infolge mit immer neuen Konstruktionsrekorden überboten. In diese Zeit fiel auch die Bindung von Metz an Fahrgestelle von Daimler-Benz ohne dass es dafür eines expliziten Vertrages bedurfte.

Kostengünstige Drehleiter
Dass auch Feuerwehren sparen mussten zeigte ein „Beispiel schwäbischer Sparsamkeit“ (Harald Pflüger). Als die Motorisierung aufkam setzte man einfach Pferdezugleitern auf ein motorisiertes Fahrgestell um wie die KL 18 der Feuerwehr Stuttgart anschaulich zeigte. Eine andere Variante war der Bau von Lafettenfahrzeugen dazu aber weiter unten mehr.

Abbildung 04: KL 18 von Magirus, Bj. 1928/38, bis 1966 bei verschieden Abteilungen der Feuerwehr Stuttgart im Einsatz. Nach Angaben des FW-Museum Winnenden ist diese Magirus-Leiter das einzige noch fahrbereite Fahrzeug diesen Typs.

Der Magirus-Holzleiterpark vom Typ DL VI war ursprünglich auf einem Pferdezug aufgebaut und stammte aus dem Jahr 1928. Aus Kostengründen ließ die Stadt Stuttgart 1938 drei Leitern auf Automobilfahrgestelle von Magirus vom Typ M S 88.R umsetzen. Da aber nach 1931 die Leiterparks nur noch aus Stahl gefertigt wurden ist die Stuttgarter Drehleiter eine der wenigen die noch einen Holzleitersatz hatte. Nach Aussagen von Harald Pflüger ist das Fahrzeug eine „Rarität“. Die 18 Meter lange DL verfügte nur über eine Fallspindel am Heck deshalb war sie umsturzgefährdet.
Aus Rot wird Grün: Feuerlöschpolizei
Das Fahrgestell der Stuttgarter Leiter war ursprünglich im Tannengrün (RAL 6009) der Reichspolizei lackiert – wie bei allen Feuerwehrfahrzeugen von 1937 bis 1945. Arbeiteten die Feuerwehren schon nach der Ernennung von Adolf Hitler zum Reichskanzler 1933 auf eine den Zielen des Nationalsozialismus dienenden Organisation hin fand diese Entwicklung mit dem Inkrafttreten des Reichsfeuerlöschgesetztes am 23. November 1938 seine Ende. Die Feuerwehr wurde nun zur „Polizeiexekutive der besonderen Art“ und musste sich unter anderem der polizeilichen Farbgebung anpassen. Die Feuerwehren unterstanden nun dem Reichsführer SS und Chef der deutschen Polizei Heinrich Himmler.
Die Feuerwehr Rottweil stellte 1930 eine DL 18+2 von Lieb in Dienst. Das war insofern bemerkenswert weil an diesem Fahrzeug sowohl eine offene Ausführung als auch eine Holzleiter auf einem motorisierten Fahrgestell aufgebaut waren. Und aus noch einem Grund war dieses Exponat etwas besonderes: Lieb kooperierte nur mit Magirus deshalb war eine Lieb-Daimler-Kombination äußerst selten. Die Firma Lieb erlosch 1927.

Abbildung 05: DL 18+2 von Lieb auf Mercedes-Benz, Bj. 1930, im Einsatz bis 1960.

Abbildung 06: Vorführleiter von Lieb. Der Vertreter von Lieb reiste mit diesem Modell zu möglichen Kunden, um die Funktionsweise der Leiter zu demonstrieren.

Ganz anders als die Rottweiler Leiter kam dagegen die KL 20 von 1938 der Saarstahl AG daher. Sie wurde in offener Bauweise ausgeführt hatte dafür aber einen Leitersatz aus Stahl.

Abbildung 07: KL 20 von Magirus, Bj. 1938, im Einsatz bis 1988 bei der Saarstahl AG Völklingen. Danach kaufte sie die Feuerwehr Nehren.

Gleiches Baujahr gleicher Hersteller – wie das Fahrzeug aus Nehren – und ursprünglich auch in der Farbe Tannengrün aber die KL 24/2 der Feuerwehr Göppingen hatte bereits einen geschlossenen Aufbau. Die Ganzstahl-Drehleiter bot lediglich zwei Fallspindeln am Heck zur Standsicherung. Ein Mitglied der Feuerwehroldtimergruppe Göppingen erzählt dass „von dem Typ nicht viele gebaut worden sind weil sie im Betrieb einfach umgeflogen ist“.

Abbildung 08: KL 24/2 von Magirus, Bj. 1938, im Einsatz bis 1964 bei der Feuerwehr Göppingen und danach noch bis 1988 bei der Werkfeuerwehr Schuler. Bei letzterer wohl hauptsächlich zum Dachrinnen putzen.

Die Magirus-Leiter hatte einen 70 PS starken Motor und brachte es auf 60 km/h Höchstgeschwindigkeit verbrauchte dabei aber rund 30 Liter Sprit auf 100 Kilometer. Als die Feuerwehroldtimergruppe Göppingen das Fahrzeuge 1988 von der Werkfeuerwehr zurück erhielt war es in „absolut desolatem Zustand“ und die DL musste „von Grund auf neu aufgebaut worden“ erinnert sich ein Mitglieder der Oldtimergruppe. Die vier Jahre dauernde Restaurierung lohnte sich denn die DL ist nun wieder voll funktionsfähig.

Abbildung 09: KL 24 von Magirus der Feuerwehr Schwäbisch Hall, Bj. 1933, bis 1962 in Dienst, ist ebenfalls mit einem Leiterzug aus Stahl und einem geschlossen Führerhaus ausgeliefert worden. Die Feuerwehr Schwäbisch Hall besitzt einen kompletten Oldtimer-Löschzug – alles mit den gleichen Fahrgestellen.

Abbildung 10: KL 27 von Metz auf MB LoD 3750 von Daimler-Benz Besitzer, Bj. 1939, bis 1976 bei der Feuerwehr Baden-Baden im Einsatz. Besitzer FF Karlsbad.

Die Vereinheitlichung der Fahrzeuge in der Zeit des Nationalsozialismus führte bei den Feuerwehren zu „getypten“ Drehleitern – auch wenn jede Feuerwehr bis Ende der 1930er Jahre nach wie vor bestellte was sie wollte. So gab es die LDL (Leichte Drehleiter) bis etwa 3 Tonnen Gewicht die SDL (Schwere Drehleiter) bis etwa 45 Tonnen Gewicht und die GDL (Große Drehleiter). Ein Beispiel dafür ist die LDL der Werkfeuerwehr „Heinrich Otto & Söhne“ aus Wendlingen/Neckar.

Abbildung 11: LDL 17 von Magirus auf Daimler-Benz L 1500, Bj. 1941. Die LDL war von 1941 bis 1993 bei der WF Heinrich Otto & Söhne in Wendlingen im Einsatz, von 1993 bis 2002 stand sie bei der FF Wendlingen und seit 2002 befindet sich im Besitz des Vereins der Freunde und Förderer der historischen Feuerwehrtechnik Kirchheim/T. Höchstgeschwindigkeit der LDL war 80 km/h. Abmessungen 6.930x1.930x2.640 mm, zGG 3.700 kg.

Die LDL 17 wurde in 3.000 Arbeitsstunden mit einem Kostenaufwand von etwa 23.000 Euro restauriert. Der V.F.F Kircheim/Teck erklärt hierzu dass „diese hohe Investition in Kauf genommen wurde weil wir uns des Seltenheitswertes bewusst sind. Es ist wohl das einzig noch erhaltene von etwa 50 gebauten Fahrzeugen“.

Die LDL gab es baugleich als Opel und war äußerlich von dem Daimler-Produkt zu unterschieden. Der Unterschied bestand nur im eingebauten Motor. Den Aufbau fertigte die Firma Magirus komplett das erklärte das gleiche Aussehen. Magirus baute bis zu Beginn des neuen Jahrtausends äußerst selten auf Fahrgestelle von Mercedes auf. In der Zeit des Nationalsozialismus zwangen die Nationalsozialisten die Feuerwehrgerätehersteller zu kooperieren – Wettbewerb gab es in der sozialistischen (!) Wirtschaftsordnung nicht.

Eine LDL 17 (DL 17) der Feuerwehr Bühl/Baden wurde von Metz 1943 auf einem Daimler Benz L 1500 S aufgebaut. Die Leiter erreichte eine Höhe von 183 Meter bei 63 Meter Ausladung. Ausgeliefert wurde die Drehleiter ursprünglich in Tannengrün. Nach dem Krieg erhielt sie die Farbe RAL 3000. Nach ihrer Aussonderung 1977 wurde sie 1999 restauriert. Danach erst kam es zu der eigentümlichen Farbgebung in RAL 3003. Nach der Restaurierung stand die DL in einer Scheune in die 2000 eingebrochen wurde. Die Vandalen fuhren mit dem Oldtimer durch die Wand und beschädigten dadurch das Fahrzeug erheblich.

Abbildung 12: LDL 17 von Metz auf Daimler Benz L 1500 S, zGG 3.890 kg, Bj. 1943, bis 1977 in Dienst. Das Baulicht ist nicht Original und wurde erst später angebracht.

Magirus und Metz-Drehleitern ließen sich lange Zeit auf einen Blick unterscheiden. Während Metz für das Aufrichten der Leiter eine Schnecke mit zwei Gelenkketten und zum Aufrichten ein Stahlseil einsetzte setze Magirus beim Aufrichten auf eine Schraubenspindel und beim Auszug auf ein Stirnradgetriebe mit Treibkette. Auch anhand des Leiterparks erkannte das geschulte Auge Unterschiede.

Abbildung 13: Metz setzte bis in die 1950er Jahre auf eine Schnecke mit zwei Gelenkketten zum Aufrichten der Leiter, wie an dieser DL 17 der Feuerwehr Sinsheim, Bj. 1954, zu sehen ist.

Abbildung 14: Magirus nutze zum Aufrichten der Leiter eine Schraubenspindel und beim Auszug ein Stirnradgetriebe mit Treibkette, wie hier an der DL18 aus Heubach, Bj. 1962, zu sehen ist.

Drehleitern nach dem Krieg
Nach dem Weltkrieg herrschte zunächst Mangel an geeigneten schweren Fahrgestellen für Drehleitern. Das war ein Grund weshalb Drehleitern aus der Zwischenkriegszeit bis weit in 1980er Jahre in Dienst standen.

Die höchste Normdrehleiter blieb nach nach dem Krieg die DL 30. Sie setzte sich aber erst ab Ende der 1950er Jahre als Standarddrehleiter in Deutschland durch vorher hatte die DL 25 diesen Rang inne. Sicherlich ist der Durchbruch der DL 30 auf Änderungen in der Norm 1957 zurückzuführen. Aber auch zwei andere Aspekte spielten hinein: Zum einen schrieb die deutsche Bauordnung ab 22 Metern Gebäudehöhe einen separaten Fluchtweg vor zum anderen hatten Erfahrungen in der NS-Zeit mit vier KL 46 gezeigt dass der praktische Einsatzwert einer Drehleiter mit wachsender Steighöhe abnahm. Die DL 30 erwies sich in puncto Gewicht und Abmessungen als universell einsetzbar.

Wie schon vor dem Krieg beschafften kleinere Gemeinden nach wie vor kleinere Drehleitern. Aus finanzieller Sicht war das für die Gemeinde oft die wirtschaftlichste Lösung. Magirus baute viele kleinere Leitern auf dem beliebten Opel Blitz auf.

Abbildung 15: DL 17 von Metz auf Opel Blitz der Feuerwehr Sinsheim, Bj. 1954, im Einsatz bis 1985.

Abbildung 16: DL 18 von Magirus auf Opel Blitz der Feuerwehr Heubach DL 18, Bj. 1962, im Einsatz bis 1998.

Der Feuerwehrklassiker
Magirus entwickelte zu Beginn der 1950er Jahre den Feuerwehrklassiker schlechthin: Den Rundhauber. Der 1951 vorgestellte Magirus Rundhauber gilt seitdem als das „geborene Feuerwehrfahrzeug“. Am häufigsten kam für die Drehleiter der Magirus Mercur F 125 (FS 6500) in Frage. Neben der charakteristischen aus einem Blechteil gefertigten runden Motorhaube war das dem Ulmer-Münster nachempfundene Magirus-Emblem am Kühler ein Hingucker. Ebenso unverwechselbar war der Sound des luftgekühlten Deutz-Dieselmotors.

Die Fallspindel wurde erst um 1960 abgelöst dabei setzen Metz und Magirus auf zwei unterschiedliche Systeme. Beide Firmen bauten zunächst auf Wunsch die Schrägabstützung ein. Dadurch wurde die Standfläche vergrößert und es fand eine Erhöhung der Sicherheit statt. Ab 1970 baute Metz nur noch die Waagrecht-Senkrecht-Abstützung ein Magirus entwickelte die Schrägabstützung weiter.

Die Fahrgestellhöhe der Drehleiter wurde erst in den späten 1970er Jahren problematisiert war aber auch schon in den 1950er Jahren Gegenstand von Beschaffungen. So bekam die Feuerwehr Esslingen 1955 eine Sonderanfertigung ausgeliefert. Für die enge Esslinger Altstadt musste eine Art frühe Niederflur-Leiter entwickelt werden. Als Fahrgestell für die DL 30 diente ein Daimler-Benz Lko 315/46 (Lko=Lastwagen-Kommunal-Fahrgestell 315=Motortyp OM 315 46= Radstand von 4600mm) das verglichen mit den gängigen Feuerwehrfahrgestellen nicht so hoch war. Metz baute auf dem 14.600 Kilogramm schweren Fahrzeug die Drehleiter auf. Die DL war damit die schwerste ihrer Zeit und äußerst selten. Nur die Feuerwehr Pforzheim besaß eine ähnliche DL.

Abbildung 17: DL 30 von Metz auf Daimler-Benz Lko 315/46, Bj. 1955, der Feuerwehr Esslingen. Der 6-Zylinder-Diesel Motor leistete 145 PS. Die Leiter ist auch nach 50 Jahren noch voll funktionsfähig. Im Einsatz war die von 1955- 1971 in Esslingen- Stadtmitte und von 1971- 1988 in Esslingen-Sulzgries. Die DL ist nach Angaben der Oldtimergruppe ein Einzelstück.

Zu der Esslinger Leiter gab es auch eine Anekdote erzählt ein Mitglieder der Oldtimergruppe. 40 von 60 Feuerwehrangehörigen drohten vor der Beschaffung der Drehleiter mit Austritt wenn statt einer Magirus eine Metz-Leiter kommen sollte. Zu dieser Zeit bestand der Fahrzeugpark der Esslinger Wehr nur aus Magirus-Fabrikaten. Letztlich setzte sich der Gemeinderat durch und die Drehleiter wurde zum Liebling der Esslinger Feuerwehrleute. Nach ihrer Aussonderung gab die Stadt Esslingen die DL bei Daimler in Zahlung. 1999 kam die Leiter wieder zurück an den Neckar allerdings hatte der Konzern den Oldtimer verrotten lassen sodass die Oldtimergruppe etwa ein Jahr für die Restauration benötigte. Besonderen wert legen die Esslinger auf die Tatsache dass an dem Fahrzeug bis auf den Lack noch alles Original ist.

Abbildung 18a: DL 25 von Magirus auf KHD S 6500 der Feuerwehr Schorndorf, Bj. 1956.

Baute Metz zwar ab 1961 die Drehleitern so dass sich das untere Leiterteil auch als Kran nutzen ließ war der Einsatz einer DL für die technische Hilfeleistung keineswegs neu. 1956 erhielt die Feuerwehr Schorndorf eine DL 25 von Magirus mit einer besonderen Zusatzfunktion. An der verchromten Hinterachse ließ sich eine Seilwinde der Fa. Marso Sulzbach / Murr aufsetzen die über den Hinterachsantrieb angetrieben wurde. Dazu ließen sich Antrieb und Narbe auf Knopfdruck trennen.

Abbildung 18b: Auf die verchromte Hinterachse der DL 25 aus Schorndorf ließ sich eine Seilwinde der Fa. Marso Sulzbach / Murr aufsetzen.

Abbildung 19: DL 25 von Metz auf Mercedes-Benz LF 311 der Feuerwehr Schwäbisch Gmünd, Bj. 1959, im Einsatz bis 1987.

Magirus bot ab 1956 die hydraulische Drehleiter an. Die Ölhydraulik gilt als der „zweite Innovationsschub“ im Drehleiterbau. Der Hersteller kennzeichnete die hydraulische Leiter mit dem „h“ in DL 30 h was aber keine normgerechte Bezeichnung war. Die Hydraulik ermöglichte eine feinfühlige und stufenlose Steuerung im Vergleich zur mechanischen Leiter.

Die mechanische Leiter lies sich ähnlich wie die Schiebleiter immer nur bis zum nächsten Fallhaken ausziehen. Mit der Hydraulik entfiel dies. Dennoch schrieb die Norm noch bis in die 1960er Jahre den Fallhaken als Sicherheitseinrichtung vor. Für viele Hydraulikleitern gab es deshalb Ausnahmegenehmigungen. Mechanische DL 30 wurden von Magirus als DL 30+2 angeboten. Da durch die Fallhaken die Leiter immer etwas zurückfiel baute Magirus eine zwei Meter lange Handauszugsleiter an der Leiterspitze an die im Einsatz der Überbrückung bis zu einem Fenster diente. Das „+2“ in DL 30+2 bezog sich auf auf eben diese zwei Meter lange Auszugsleiter.

Abbildung 20: DL 30+2 von Magirus auf KHD FS 6500 der BF Stuttgart, Bj. 1954, hatte trotz 32 Metern Steighöhe noch immer Fallspindel und Fallhaken zu Sicherung. Die Stadt Stuttgart beschaffte zwischen 1952 bis 1955 drei dieser Drehleitern mit mechanischem Auszug. Zwei weitere Leitern in dem Beschaffungszeitraum stammten von Metz auf Daimler-Fahrgestell.

Abbildung 21: DL 30h von Magirus auf KHD Mercur 125 der Feuerwehr Göppingen, Bj. 1960, im Einsatz bis 1996. Beispiel für eine hydraulische betätigte Leiter.

Dass mit Einführung der Hydraulik noch lange nicht jede Feuerwehr auf diese neue Technologie setzte zeigte zum Beispiel die DL der Feuerwehr Eschwege. In den 1960er Jahren gab es ein Nebeneinander von hydraulischer und mechanischer Leiter – neben den Normbestimmungen immerhin auch eine Kostenfrage.

Abbildung 22: DL 25+2 von Magirus auf KHD Mercur 125, Bj. 1960, der Feuerwehr Eschwege (1960-1978) und Feuerwehr Sontra (1978-1991).

Abbildung 23: DL 25h von Magirus auf KHD F Mercur 125, Bj. 1961, der Feuerwehr Kirchheim unter Teck bzw. ab 1984 der Abt. Jesingen, im Einsatz bis 2002. Das Fahrzeug verfügt über einen Motor vom Typ F 6 L 613. Das Fahrzeug hatte eine Höchstgeschwindigkeit von 87 km/h. Abmessungen 7.600x2.200x2.700 mm. Das Fahrzeug ist im Originalzustand, nur die Kotlfügel wurden später weiß lackiert. Eine Truppkabine bei Drehleitern war zu dieser Zeit unüblich.

Abbildung 24: DL 25h von Magirus auf KHD F Mercur 125, Bj. 1962, der Feuerwehr Ulm, im einsatz bis 1994.

Abbildung 25: DL 25h von Magirus auf KHD Mercur 125, Bj. 1963, der Feuerwehr Gingen an der Brenz, in Dienst bis 1988. Das Fahrzeug ist im Besitz des Oldtimerclub Magirus Iveco Ulm.

Ein ganz seltenes Stück war die DL 25+2 der Feuerwehr Ottweiler. Als nur eine von zwei Magirus-DL wurde das Fahrzeug mit einer Frontpumpe ausgestattet. Harald Pflüger kommentiert diese Konstruktion als „Paradox ein Menschenrettungsfahrzeug an den Bach zu stellen. Entweder sauge ich Wasser oder ich mache Menschenrettung“. Nach Angaben des Besitzers Paul Ernst Stähle war die Frontpumpe ein Sonderwunsch der Feuerwehr. „Alles ist Original. Bei Magirus wurde das auf Kundenwunsch so gebaut. Eine zweit DL ging zu einer Werkfeuerwehr“ erzählt Stähle. Hinter dem Führerhaus befand sich gegen Fahrtrichtung eine Sitzbank für weiteres Personal. In den Kästen im Aufbau war die feuerwehrtechnische Ausstattung für den Löscheinsatz gelagert.

Abbildung 26a: DL 25+2 von Magirus auf KHD Mercur 125, Bj. 1962, der Feuerwehr Ottweiler, vermutlich im Einsatz bis 1991. Das Fahrzeug befindet sich im Privatbesitz von Paul Ernst Stähle aus Schorndorf.

Abbildung 26b: Frontpumpe an der DL 25+2 von Magirus.

Vor dem Krieg war es nicht unüblich Leiterfahrzeuge mit Pumpe und dem dazugehörigen feuerwehrtechnischen Gerät auszustatten. 1912 hatte Frankfurts Branddirektor Johannes Schänker eine Kombination aus Drehleiter und Motorspritze konstruiert. Auch wenn sich diese Kombination nicht ganz so durchsetzte gab es vereinzelt ähnliche Anschaffungen wie 1934 für die Feuerwehr Dresden oder die Feuerwehr Landau. In neuerer Zeit ist wieder eine Annäherung von Lösch- und Hubrettungsfahrzeug zu beobachten. So stellte Magirus den Multistar vor und Metz entwickelte das Multitalent L20 FA (DLAK 12/9 LF).

Abbildung 27: Der Magirus Multistar ist ein (Hilfeleistungs-) Löschfahrzeug, das um eine Hubarbeitskomponente ergänzt wurde. Das Fahrzeug wiegt bis zu 18.000 kg.

In den 1960er Jahren gesellte sich zur Einführung der Hydraulik und der Abstützsysteme noch eine weitere einschneidende Neuerung: Der Rettungskorb. 1965 baute Magirus die erste DL mit einem schwerkraftgesteuerten Korb Metz zog 1967 mit einem stehenden zwangsgesteuerten Korb nach. Noch bis 1988 dauerte es bis es auf dem deutschen Markt einen festinstallierten Stülpkorb gab. Bis dahin musste der Korb von Hand eingehängt werden. Der Grund für das lange Zögern die DL mit einem Korb auszustatten war dass die DL ursprünglich zur Menschenrettung entwickelt sie aber mehr und mehr zur Brandbekämpfung eingesetzt wurde. Eine Brandbekämpfung aus dem Korb heraus war aber einfacher. Mit der Einführung eines Rettungskorbes wurde aus einer DL 30 eine DL(K) 23-12. Aus der Steighöhe wurde nun die Rettungshöhe da durch den vorhandenen Korb nicht mehr gestiegen werden musste. Die Norm berücksichtige das ab 1980.

Abbildung 28: DLK 30 von Magirus auf Magirus 150 D 11 mit Korb. Quelle: Iveco Magirus.

Elektronik erhält Einzug
1972 kam es schließlich durch die Einführung der Elektronik für die Sicherheitseinrichtungen zum „dritten Innovationsschub“ im Drehleiterbau. Magirus präsentierte die DL 30 U. Das U stand für Unterflurbetrieb. Die Bezeichnung setzte sich nicht durch. Die Elektronik wurde weiterentwickelt sodass Magirus und Metz 1988 vollständig elektronisch gesteuerte Drehleitern vorstellten (Magirus – CC = Computer Controlled Metz – PLC = Programm Logic Control).

Weitere wichtige Entwicklungen waren die Entwicklung der Drehleiter niedriger Bauart durch Magirus ab 1976. Angeregt durch Münchens Branddirektor OBD Karl Seeger stellte die Berufsfeuerwehr München 1979 zwei Prototypen von Magirus in Dienst. Mit 285 Meter gegenüber 325 Metern bei den Standardleitern wird die Reduzierung deutlich. Zum Vergleich: die KL 24 der Feuerwehr Schwäbisch Hall von 1933 hatte eine Höhe von 285 Meter. Metz immerhin auf eine fahrgestellunabhängige Lösung angewiesen entwickelte 1980 die DLK 23-12 SE (SE = Soforteinstieg). Der Drehkranz wurde dazu hinter dem Fahrerhaus angeordnet. Eine andere Lösung kam von MAN auf die Metz aufbaute und die hauptsächlich für die Feuerwehr Berlin realisiert wurde. Die Fahrerkabine wurde dabei vor den Motorblock montiert sozusagen tiefergelegt und es entstand der „Berliner Dackel“.

Abbildung 29: DLK 23-12 n.B. von Magirus auf Iveco 120-25 AN der FF Stuttgart-Weilimdorf, Bj. 1994.

Abbildung 30: DLK 23-12 von Magirus auf Iveco 140-25 A der BF Berlin, ausgeführt in einer Alternativform der niedrigen Bauweise.

Auf der Interschutz stellte Magirus 1994 unter größter Geheimhaltung eine DLK 23-12 CC GL aus. GL stand für „Gelenkleiter“. Im obersten Leiterteil war ein Gelenk eingebaut dass es erlaubte ein 350 Meter langes Leiterteil mitsamt Korb um bis zu 75° nach unten abzuwinkeln. Somit ließen sich Beispielsweise zurückgesetzte Dachgauben erreichen. Metz stellte erst 2007 ein vergleichbares Produkt vor.

Abbildung 31: 250. Gelenkdrehleiter von Magirus: DLK 23-12 GL CS von Magirus auf Iveco 150 E 28, Bj. 2005, der Feuerwehr Gosheim/ Landkreis Tuttlingen (BW) . Quelle: Iveco Magirus.

Abbildung 32: Metz - L32 A (DLAK 23/12) Drehleiter mit absenkbarem Korbsegment von Metz auf Mercedes Benz Atego 1529F, Radstand 4.760 mm, zGG 15.000 kg, 3.265x2.500x8.660 mm, Wendekreis 18,9 m. Quelle: Rosenbauer.

Abbildung 33: DLA (K) 23-12 Vario CS von Magirus auf Iveco FF 160 E 30, Vorführfahrzeug der Iveco Magirus Brandschutztechnik, Bj. 2008, Abmessungen 2.460x9.700x3.300 mm, Radstand 4.815 mm, zGG 15.000 kg.

Abbildung 34: DLA (K) 23-12 von Metz auf Mercedes-Benz Atego 1529F mit 32m Einsatzhöhe, Vorführfahrzeug der Metz Aerials Brandschutztechnik. Radstand 4.460 mm.

War das Problem der Höhe im Fahrzustand durch die Entwicklung von Drehleitern niedriger Bauart gelöst kam in den 1990er der Wendekreis in den Fokus der Kritik. Auch hier wurde das Argument enger Altstadtgassen angeführt. Also Lösungen kamen dazu ein fünfteiliger Leiterpark der eine Verkürzung des Fahrzeuglänge bewirkte eine mitlenkende Nachlaufachse oder eine Hinterzusatzlenkung in Frage.

Abbildung 35: DLA (K) 23-12 n.B. GL-T CS HZL von Magirus auf Iveco 150 E 28, Bj. 2006, der Berufsfeuerwehr Freiburg. Die Leiter verfügt damit über alle Kombinationen die Magirus anbietet. Der Gelenkarm ist von 3,5 auf 4,7 Meter teleskopierbar. Die Arbeitshöhe beträgt 32 Meter gegenüber 30,50 bei einer nicht-GL-T, die Rettungshöhe beträgt 30,75 Meter. Abmessungen 10.000 x 2.400 x 3.040 mm, zGG 15.600 kg, Radstand 4.185 mm.

Lafettenfahrzeuge und Abprotzleitern
Neben den inländischen Leitern gab es auch ein altes Leiterfahrzeug der Sapier Pompiers Colmar (Frankreich) zu sehen. Für die engen Gassen der Altstadt von Colmar konstruierte die Feuerwehr 1960 ein kleines Lafettenfahrzeug auf Basis eines Renault Galion VTSSP auf dem eine jetzt über 60 Jahre alte Pferdezugleiter von Gugumus aus Nancy als Abprotzleiter verlastet war. Gugumus war ein auf Abprotzleitern spezialisiertes Unternehmen das nur selten Drehleitern baute. Das kompakte Fahrzeug war bis 2004 im Einsatz. Ein Berufsfeuerwehrmann aus Colmar erzählte dass bis 2005 ein weiteres ähnliches Lafettenfahrzeug in Dienst war das aber bereits eine Hydraulikleiter besaß. Mit Wehmut erzählte der Feuerwehrmann dass die Hydraulikleiter von der Rüstzeit der alten Pferdezugleiter nicht das Wasser reichen konnte. Für das Abprotzen und Aufrichten benötigte letztere sieben die Hydraulikleiter aber 15 Minuten. Ersatz gab es für keine der beiden Leiterfahrzeuge. Auch in Deutschland wurden bis in die 1930er Jahre Lafettenfahrzeuge mit Abprotzleitern gebaut. Die Wehren wollten damit auch ihren Sparwillen demonstrieren.

Abbildung 36: Abprotzleiter auf einem Lafettenfahrzeug der Feuerwehr Colmar.

Abbildung 37: Die Leiter rutschte nach Auslösen des Auslösemechanismus über die Bügel nach unten.

Abbildung 38: Abprotzleiter auf einem Lafettenfahrzeug der CIS Colmar

Abbildung 39: Abprotzleiter auf einem Lafettenfahrzeug der CIS Colmar

Links (fwnetz)

Links (extern)

Literatur:

  • Engelsing Tobias : Im Verein mit dem Feuer
  • Gihl Manfred : 40 Jahre Drehleiter-Normung in: drehleiter.info http://www.drehleiter.info/php/viewpage.php?page_id=58
  • Gihl Manfred : Geschichte des deutschen Feuerwehrfahrzeugbaus: Geschichte des deutschen Feuerwehrfahrzeugbaus Bd.1 Von den Anfängen bis 1940
  • Gihl Manfred : Geschichte des deutschen Feuerwehrfahrzeugbaus: Geschichte des deutschen Feuerwehrfahrzeugbaus Bd.2 Von 1940 bis heute
  • Haselmann Dieter : Feuerwehr Legenden
  • Hornung Wolfgang : Feuerwehrgeschichte
  • Iveco Magirus Brandschutztechnik GmbH: 100 Jahre Magirus Kraftfahrdrehleitern in: kohlhammer.de http://www.kohlhammer.de/brandschutz-zeitschrift.de/artikel/artikel_weiterleiten.cfm?id=2406
  • Linhardt Andreas : Feuerwehr im Luftschutz 1926 – 1945
  • Paulitz Udo : Alte Feuerwehrfahrzeuge in Deutschland. 60 Jahre Baugeschichte in Wort und Bild
  • Preuschoff Olaf : Happy Birthday Drehleiter – 100 Jahre Drehleiter in Feuerwehr-Magazin 11/2004
  • Rotter Wolfgang : DLK 23-12 n.B. – eine Erfolgsstory feiert Jubiläum in: BRANDSchutz 12/2005

Weitere Informationen stammten von:

  • Berufsfeuerwehr Colmar
  • Feuerwehr Schwäbisch Hall
  • Feuerwehroldtimerfreunde Esslingen
  • Harald Pflüger Fachgebietsleiter Brandschutzgeschichte beim LFV BW
  • Herr Haase vom Feuerwehrverein Stuttgart
  • Iveco Magirus Brandschutztechnik
  • Karl Stolz Presse- und Öffentlichkeitsarbeit Feuerwehr Kirchheim unter Teck
  • Metz Aerials Brandschutztechnik
  • Oldtimer-Club-Magirus
  • Oldtimerfreunde Schorndorf
  • Oldtimergruppe Göppingen
  • Paul Ernst Stähle

Kommentare

3 Kommentare zu “Von der Handzug- zur Hightechleiter” (davon )

  1. Firefighter_junior am 19. April 2008 14:20

    Moin, Moin,

    erstmal guter Artikel…schön gemacht!

    Bei der FW Recklinghausen gibt es auch eine alte, historische Drehleiter…Details sind mir leider imho entfallen, aber die kann ich bei Bedarf raus finden.
    erst im letzten Jahr wurde diese Drehleiter von einer Gruppe engagierter Kameraden wieder restauriert, nun fährt sie wieder (schluckt aber einen halben Tankzug pro KM) und auch der Leiterpark ist wieder nutzbar….

    Bilder hierzu:
    http://www.janbeba.de/gallery/main.php?g2_itemId=2649
    http://www.janbeba.de/gallery/main.php?g2_itemId=2541

  2. Besuch auf der Retro Classics 2009 : FWnetz - Feuerwehr im Netz am 19. März 2009 22:34

    […] Baden-Württemberg. Drehte sich die Ausstellung im letzten Jahr um fahrbare Feuerwehrleitern (das FWNetz berichtete), stand der Name bzw. das Produkt Magirus im Mittelpunkt der diesjährigen Schau, die wie immer von […]

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