Team | AGB | Impressum | Datenschutzbestimmungen | Kontakt | Bilder | Facebook | Twitter | Werben im FWnetz

Von Adrian Ridder Atemschutzunfaelle.eu


 

Die Verbrennung von Brennstoffen setzt Wärme Licht Kohlendioxid (CO2) und Wasserdampf sowie diverse giftige Gase und Dämpfe frei. Die exakte Zusammensetzung der Gase und Dämpfe hängt von den verwendeten Brennstoffen der Verbrennungstemperatur und dem Ventilationsprofil ab.

Dass das Einatmen dieser Verbrennungsprodukte schädlich ist (sowohl in der akuten Wirkung als auch in langfristiger Betrachtung in Form von chronischen bzw. Langzeitschäden) sollte heutzutage jedem Feuerwehrangehörigen klar sein.


Daher ist beim TVIA genauso wie bei jeder Brandbekämpfung die erste Regel keinen Rauch einzuatmen. PA müssen für jedes TVIA getragen werden bei dem sich die Teilnehmer in einem Container Brandhaus oder sonstigem Bereich aufhalten wo sie eventuell giftige Verbrennungsprodukte einatmen können.

Da die Zusammensetzung von Verbrennungsprodukten vom verwendeten Material abhängt ist der verwendete Brennstoff besonders wichtig. Eine US-Norm welche das TVIA regelt (NFPA 1403) verbietet so z.B. die Verwendung von Plastik und Gummi als Brennstoff für Realbrandausbildungen. Diese Art von Materialien besitzt neben einem hohen Wärmegehalt auch eine erhöhte Toxizität ihrer Verbrennungsprodukte.

Dekontamination
Bei Arbeiten in verrauchten Bereichen können Verbrennungsprodukte die Fasern der Schutzkleidung (Jacke Hose Handschuhe Flammschutzhaube) durchdringen sowie sich an glatten Oberflächen der Ausrüstung (Helm PA) ansammeln. Wenn diese Verbrennungsprodukte nicht durch eine Art von Dekontamination beseitigt werden stellen sie zum einen eine Gesundheitsgefahr bei Berührung dar und zum anderen gasen viele dieser Stoffe über die Zeit aus wodurch sekundäre Atemgifte freigesetzt werden vgl. vfdb-Richtlinie 10/03.

Feuerwehrleute werden genauso wie bei der realen Brandbekämpfung auch beim TVIA kontaminiert. Strenger und anhaltender Geruch nach Rauch ist ein Anzeichen dafür dass Verbrennungsprodukte sich am Körper angelagert haben (d.h. an Haut und Haaren). Ein guter Hinweis hierzu: Wenn Sie etwas riechen können ist zumindest ein Molekül davon bereits in ihrer Nase und auf dem Weg durch ihre Atemwege. Als Merkregel kann gelten: Ein „dreckiger“ Feuerwehrangehöriger ist kontaminiert.

Die folgenden Empfehlungen können obgleich sie v.a. für TVIA gedacht sind auch für reale Brandeinsätze verwendet werden.

  • Falls großflächige grobe Kontamination beim Verlassen der Anlage/Gebäudes vorhanden ist (d.h. große Mengen an Partikeln Russ etc.) sollte diese Kontamination vor Ablegen des Atemanschlusses beseitigt werden. Bei TVIA mag dies nicht sehr häufig vorkommen bei Realeinsätzen jedoch schon.


Wichtig! Seien sie bei der Verwendung von Wasser für diese Dekontamination vorsichtig da durchnässte Einsatz- und Unterkleidung bei folgenden Durchgängen oder erneutem Einsatz zu Verbrühungen führen kann.

  • Nach Abschluss des TVIA sollten die Teilnehmer duschen und saubere Kleidung anlegen. Die Schutzkleidung sollte zeitnah in einer Reinigung gesäubert werden. Falls dies nicht möglich ist sollte sie luftdicht verpackt von der Einsatzstelle zurück transportiert werden und anschließend in einem besonderen Bereich zum Trocknen und Ausgasen aufgehängt werden da sie ebenfalls kontaminiert ist und auch nach einiger Zeit noch Schadstoffe abgeben kann.

 

  • PA und Atemanschlüsse sind nach Herstellerempfehlung zu reinigen und zu prüfen. Bei manueller Ausführung der Reinigungsarbeiten empfiehlt es sich Schutzhandschuhe aus Gummi o.ä. zu tragen um den Kontakt mit kontaminierter Ausrüstung zu vermeiden.

Nach Einsatz bzw. Übung sollte der Atemanschluss noch einige Minuten nicht abgenommen werden um die Kleidung und evtl. darauf abgelagerte Partikel ausgasen zu lassen.

Einsatzstellenhygiene (Dekon-Stufe I nach FwDV 500) sollte zum Standard bei allen Einsätzen gehören. Darunter fällt z.B. kein Essen und Trinken sowie Rauchen im „nicht-dekontaminierten“ Zustand sowie die Vermeidung einer Aufnahme (Inkorporation) von Schadstoffen jedweder Art  durch simple Maßnahmen wie z.B. Händewaschen.

Die Qualifikation der Ausbilder spielt eine herausragende Rolle in puncto Sicherheit der Teilnehmer. Adäquat geschulte Ausbilder sind der Garant für eine sichere Ausbildungsdurchführung und gewährleisten die Sicherheit der Teilnehmer auch dadurch dass sie diese auf korrektes Verhalten (z.B. Flüssigkeitsaufnahme Pausenzeiten Dekontamination etc.) hinweisen und in jeder Hinsicht vorbildlich sind.

Quellen:

  • Pschyrembel Klinisches Wörterbuch X. Auflage
  • Goltermann Dr. K. Korrespondenz zum Thema (www.feuerwehrarzt.de)
  • Hartin E. – Managing Health Hazards Auszug aus:
  • Grimwood P.; Hartin E.; McDonough J.; Raffel S. – 3D Fire Fighting S. 362 – 371 ISBN 0-87939-258-4

Weiterführende Literatur:

  • Cimolino Ulrich: Einsatzpraxis Atemschutz 4. Auflage dort v.a. Kapitel 6
  • Cimolino Ulrich: Brandrauch – Schadstoffe in: Einsatzleiterhandbuch – Feuerwehr
  • vfdb Richtlinie 10/03
  • vfdb Richtlinie 10/04


Bereits Veröffentlicht:

Kommentare

Keine Kommentare bislang zu “Gesundheitsaspekte im Brandeinsatz und bei Realbrandausbildung (3) Verbrennungsprodukte” (davon )

  1. Philipp am 30. April 2008 10:31

    Jetzt stellt sich für mich nur eine Frage;
    Ich komme jetzt aus dem Real-Brand heraus, dann bin ich ja mehr oder weniger kontaminiert. Wenn ich jetzt von „mehr“ ausgehe, wie genau mache ich da jetzt eine sinnvolle Dekon?
    Wäre evtl. schön gewesen, das da oben gleich mit zu erläutern.

  2. Adrian Ridder am 30. April 2008 22:37

    Siehe letzter Absatz unter dem Bild: PSA ausgasen lassen, dabei Atemschutz noch aufbehalten um keine Schadstoffe zu inkorporieren, anschließend je nach Lage PSA ablegen und gasdicht verpacken bzw. getrennt von der Mannschaft (also nicht im Mannschaftsraum) transportieren und der Reinigung zuführen, Einsatzstellenhygiene (also zumindest mal Hände waschen).

    Oder habe ich die Frage falsch aufgefasst?

  3. maos am 7. Mai 2008 22:21

    Vor einem halben Jahr war ich im Container. Der Ausbilder hat am Schluss mit uns auch noch Dekon gemacht:
    Alles geschieht mit angeschlossenem PA. Zuerst wird die Hose mit den Händen ausgeschüttelt/-geklopft. Dann nimmt man die Flasche vom Rücken ab, zieht die Jacke aus und schüttelt diese ordentlich aus. Das gleiche wird auch mit den Handschuhen und dem Helm gemacht. So werden schädliche Partikel von der PSA entfernt. Das ist alles, was man direkt an der Einsatzstelle machen kann. Ansonsten alles wie oben beschrieben.

    Ich muss zugeben, ich hab bei meinem ersten Atemschutzeinsatz nach dieser Ausbildung keine einzige dieser Methoden angewandt, weil ich schlicht nicht drangedacht habe. Der Bericht ist echt super, da wird man wieder daran erinnert, was man eigentlich schon längst selbst anwenden sollte. ;)

Bottom