Team | AGB | Impressum | Datenschutzbestimmungen | Kontakt | Bilder | Facebook | Twitter | Werben im FWnetz

(sc). Was haben der Homo Sapiens Sapiens und der Homo sapiens neanderthalensis gemein? Sie stammen von den gleichen Vorfahren ab entwickelten sich dann parallel wobei einer von ihnen ausstarb. Analog lässt sich das auf das Verhältnis von motorisierter Drehleiter und Abprotzleiter anwenden – zumindest in dem hier vorgestellten konkreten Fall. Betrachtet man die Evolution der Drehleiter von der einfachen tragbaren Leiter über die Schiebleiter der fahrbaren Schiebleiter bis hin zur Drehleiter lässt sich von der fahrbaren Schiebleiter ein zweiter Entwicklungsweg abzweigen den Weg hin zur Abprotzleiter.

Abprotzleiter auf einem Lafettenfahrzeug der Feuerwehr Colmar.

Auf der Drehleiterausstellung auf der Retro Classics 2008 in Stuttgart bemerkte ich die Besonderheit des Renault Galion VTSSP zunächst nicht. Erst Harald Pflüger vom Landesfeuerwehrverband macht mich auf diese Konstruktion aufmerksam. Das Fahrzeug von den Sapier Pompiers aus Colmar (Elsaß Frankreich) war kein Drehleiterfahrzeug sondern ein Lafettenfahrzeug welches auf seiner Ladefläche eine Abprotzleiter verankert hatte.

Abprotzleiter auf einem Lafettenfahrzeug der Feuerwehr Colmar.

Eine Lafette ist ein meist fahrbares Gestell auf dem zum Beispiel eine Waffe montiert werden kann. Die Entwicklung der Lafette ist eng verbunden mit den Fortschritten der Waffentechnologie. Der Begriff Protze kommt ebenfalls aus der Waffentechnologie. Er bezeichnet einen einachsigen Karren der zum Transport zum Beispiel eines Geschützes mit der Lafette verbunden wird. Um das Gerät jedoch einsatzbereit zu machen muss es abgeprotzt werden.

Abprotzleiter auf einem Lafettenfahrzeug der Feuerwehr Colmar.

Das Fahrzeug wurde 1960 durch das SDIS Colmar (Service départemental d’incendie et de secours) konstruiert. Gedacht war es für die engen Gassen der mittelalterlichen Altstadt von Colmar die das Aufstellen und Ausrichten einer Drehleiter fast unmöglich machten. Die über 60 Jahre alte ehemalige Pferdezugleiter von Gugumus aus Nancy war für die Arbeit in den engen Gassen bestens geeignet. Dazu ließ die Feuerwehr die Leiter auf den kleinen Renault-Laster setzen – aufprotzen. Gugumus war ein auf Abprotzleitern spezialisiertes Unternehmen das nur selten Drehleitern baute.

Abprotzleiter auf einem Lafettenfahrzeug der Feuerwehr Colmar.

Das kompakte Fahrzeug war noch bis 2004 im Einsatz. Ein Berufsfeuerwehrmann aus Colmar erzählte dass bis 2005 ein weiteres ähnliches Lafettenfahrzeug in Dienst war auf dem bereits eine Hydraulikleiter aufgeprotzt war. Der Feuerwehrmann erzählte weiter dass die Hydraulikleiter von der Rüstzeit der alten Pferdezugleiter nicht das Wasser reichen konnte. Für das Abprotzen und Aufrichten benötigte letztere sieben die Hydraulikleiter aber 15 Minuten. Ersatz gab es für keine der beiden Leiterfahrzeuge erzählt der Elsässer mit Wehmut.

Auch in Deutschland wurden bis in die 1930er Jahre Lafettenfahrzeuge mit Abprotzleitern gebaut. Die Wehren wollten damit auch ihren Sparwillen demonstrieren denn die Beschaffung von Feuerwehrfahrzeugen war in der Zwischenkriegszeit an die Konjunktur gebunden. Eine andere Möglichkeit eine alte Handzug- oder Pferdezugleiter zu „recyceln“ war das Umsetzen auf ein motorisiertes Fahrgestell wie das zum Beispiel die Stadt Stuttgart 1938 machte.

KL 18 von Magirus Bj. 1928/38 bis 1966 bei verschieden Abteilungen der Feuerwehr Stuttgart im Einsatz.

(Dieser Artikel ist ein bearbeiteter Auszug aus dem Magazinartikel „Von der Handzug- zur Hightech-Leiter“ von Stefan Cimander).

Links (fwnetz)

Links (extern)

Kommentare

Kommentare geschlossen.

Bottom