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Von Andreas Weich und Ulrich Cimolino
An großen Einsatzstellen kommen verschiedene Einheiten von Feuerwehr Rettungsdienst Hilfsorganisationen und Technischem Hilfswerk zusammen. Die Kennzeichnung von Führungskräften -fahrzeugen und Plätzen ist ein Element des Einsatz-Führungssystems (EFS) vgl. Graeger 2003 um die Struktur der Einsatzstellenorganisation zu visualisieren und somit Führungskräfte/Ansprechpartner und wichtige Plätze schnell identifizierbar zu machen.

Die Problematik rückte in den Blickwinkel der Fachöffentlichkeit als sich am 04.10.1992 ein Flugzeugabsturz auf einen Wohnblock in Amsterdam ereignete. Bei diesem Einsatz kam es zu einer großflächigen Alarmierung in den Niederlanden. Es war eine Vielzahl unterschiedlicher Einheiten im Einsatz die sich v. a. bei den später eintreffenden Unterstützungskräften fast alle fremd waren. Dadurch und wegen der Ausdehnung der Einsatzstelle kam es zu massiven Schwierigkeiten bei der Zuordnung und Erkennung von Führungskräften. Es entstand der Wunsch nach einer klaren Führungskräftekennzeichnung.

Die anschließend von einem der Verfasser in Auftrag gegebene Auswertung der Problematik durch Thielen 1994 und Volkmar 1994 ergab dass bis dahin in Deutschland (und den meisten anderen Ländern) meist nur die Qualifikation einer Einsatzkraft gekennzeichnet wurde beispielsweise mittels Helmkennzeichnung oder Dienstgradabzeichen. In Cimolino 1996 wurden allgemeine Empfehlungen für die Kennzeichnung von Führungskräften veröffentlicht. Anschließend wurden von immer mehr Feuerwehren zunehmend die konkreten Einsatzfunktionen gekennzeichnet um die Erkennbarkeit der Entscheidungsträger zu vereinfachen. Leider war abgesehen von verschiedenen Empfehlungen und einzelnen Ländererlassen bzw. einer Empfehlung des DFV (1999) keine Einigkeit zu erzielen. Zunächst wurde vielerorts der Bedarf zur Vereinheitlichung nicht gesehen bzw. erkannt danach kam es binnen weniger Jahre zu vielen verschiedenen regionalen oder gar nur örtlichen Regelungen. Außerdem ist im föderalen Umfeld Deutschlands auch hier leider eine bundesweite Regelungskompetenz schlicht nicht vorhanden bzw. es werden selbst Regelungen oder Empfehlungen des deutschen Feuerwehrdachverbands des DFV nicht überall akzeptiert.

Mittlerweile hat sich daraus allein für den Bereich „Feuerwehr“ der in Tabelle 1 dargestellte „Fleckenteppich“ an Landesregelungen bzw. Empfehlungen ergeben. Hinzu kommen noch teils konkurrierende bzw. divergierende Empfehlungen für den Rettungsdienst die Hilfsorganisationen einzelne Landkreise oder gar einzelne Feuerwehren.

Tabelle 1: Übersicht über Kennzeichnungsempfehlungen für die Feuerwehren in Deutschland. (Tabelle: Weich)

Tabellen als PDF zum Download (100kb)

(2. Aktualisierung: 27. Mai 2009)

Aktualisierungen mit Änderungen: Saarland, Thüringen, Bremen

(Aktualisierung: 18. Februar 2009)
Jetzt ist zusätzlich für das Bundesland Rheinland-Pfalz die Quelle
„ARBEITSGEMEINSCHAFT HILFSORGANISATIONEN IM KATASTROPHENSCHUTZ RHEINLAND-PFALZ (ASB, DLRG, DRK, JUH, MHD, Ministerium des Inneren und für Sport Rheinland-Pfalz): Katastrophenschutz-Strukturen des Sanitäts-, Betreuungs- und Verpflegungsdienstes in Rheinland-Pfalz. Version 2.0, Konzeption, 06.05.2008“ berücksicht.

Hinweis der Autoren:
Historisch gesehen ist auch die „Führungskräftekennzeichnung“ nichts Neues. Bereits im 19. Jahrhundert befasste sich einer der Mitbegründer des deutschen Feuerwehrwesens Conrad Dietrich Magirus 1877 (!) mit einer Kennzeichnung von Führungskräften aber auch vom Platz der Einsatzleitung. Seine Ausführungen sind auch heute noch wegweisend sie sind daher nachfolgend im Wortlaut wiedergegeben. Hinweise bzw. Kommentare der Autoren finden Sie in [eckigen Klammer]:

„Ebenso sollen die Chargen-Auszeichnungen auf das Nötige beschränkt werden; denn übertriebene Verzierungen werden nie dazu beitragen die Autorität des Kommandierenden [= Einsatzleiter] zu erhöhen oder das Ansehen des Corps der Bevölkerung gegenüber zu steigern.
Man muss bei jeder Auszeichnung den praktischen Zweck ins Auge fassen und dieser ist zunächst dass sowohl die Corpsmitglieder als andere Personen welche etwas zu melden haben den Kommandierenden ohne lange Nachfrage leicht finden können.
Die ist bezüglich der Auszeichnung des Kommandanten in vorzüglicher Weise erreicht durch einen einfachen Rosshaarbusch oben auf dem Helm. Ist der Kommandierende nicht gerade unter der mittleren Größe so wird man den Busch auf dem gesamten Brandplatz sehen und jeden der den Kommandierenden sucht einfach auf den Busch verweisen….

Seit etwa 15 Jahren ist zwar die Standarte mit Laterne aufgekommen um den Standort des Kommandos [die Einsatzleitung] zu bezeichnen; welcher Gebrauch entschieden zweckmäßig ist; der Kommandierende kann aber nicht immer auf demselben Platze stehen bleiben er muss zu seiner Orientierung zeitweise ins brennende Haus oder um dasselbe herumgehen und ist dann der Zweck der Standarte dass man in der Zwischenzeit von dem Standartenträger erfahren kann wo sich der Kommandierende befindet; man wird somit trotz der Standarte immer wieder in die Lage kommen nach dem weißen Busche zu suchen.“

Die Autoren geben auf Basis der Problematik eine sachorientierte übergreifende Empfehlung die soweit möglich auf die Entwicklung seit 1996 und die offensichtlichen Wünsche zur Kennzeichnung verschiedener Führungsebenen etc. Rücksicht nimmt.


Kennzeichnung von Führungskräften

Bei der Kennzeichnung von Führungskräften muss zwischen der Kennzeichnung der Qualifikation und der Kennzeichnung der konkreten Funktion im Einsatz unterschieden werden.
Die Qualifikationskennzeichnung spielt im normalen Einsatzbetrieb so gut wie keine Rolle da sich die Akteure innerhalb der Einheiten i. d. R. persönlich kennen und die Führungsfunktion über die Funktionskennzeichnung gekennzeichnet wird. Die Qualifikationskennzeichnung wird umso wichtiger je größer eine Organisation(seinheit) ist bzw. je länger ein Einsatz dauert und je mehr verschiedene Unterstützungskräfte auch fremder Einheiten ggf. gemischt zusammen arbeiten müssen. Ein Erkennen der Qualifikation von Führungskräften mittels Qualifikationskennzeichnung ist sinnvoll um deren Ausbildungsstufe erkennen zu können. Weiterhin kann diese Kennzeichnung von übergeordneten Führungskräften auch als Kontrollinstrument genutzt werden um zu überprüfen ob eine Führungskraft die eine bestimmte Einsatzfunktion ausfüllt auch die hierfür notwendige Qualifikation aufweist. Bei einheits- und standortübergreifenden Großeinsätzen ist auch die Rekrutierung von geeigneten Führungskräften oder Spezialisten einfacher möglich. Als Qualifikationskennzeichung wird normalerweise die in Deutschland übliche Helmkennzeichnung oder farbige Helme verwendet.

Die Funktionskennzeichnung von Führungskräften mittels farbiger Westen (oder Koller) dient zum Erkennen von vergleichbaren Führungsebenen innerhalb und zwischen verschiedenen nichtpolizeilichen Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben. Dies ist nicht nur für die organisationseigenen Kräfte am Standort und organisations- oder standortübergreifende Unterstützungskräfte sondern auch für Außenstehende wie Pressevertreter politische Entscheidungsträger und ggf. Bürger wichtig. Jedes Kennzeichnungssystem muss für haupt- und ehrenamtliche Kräfte technisch und organisatorisch einheitlich gestaltet sein wenn deren taktischer Einsatz gleich erfolgt. Ebenso muss die Übergabeprozedur geregelt und allen Beteiligten bekannt sein. Sinnvoll ist ein bundesländer- und organisationsübergreifendes System. Jedoch existiert aufgrund nicht aufeinander abgestimmter Vorgaben in den einzelnen Bundesländern der Bundesrepublik Deutschland diese einheitliche Lösung leider nicht. In diesem Fachartikel wird eine Farbsystematik vorgestellt die in allen Bundesländern anwendbar ist und somit eine bundeseinheitliche Lösung darstellen kann.


Grundlagen zur Entwicklung der Kennzeichnung

Zur Unterscheidung der verschiedenen Führungsebenen bietet sich nach Cimolino 1996 die Verwendung von verschiedenen – und am besten in der Systematik bekannten – Farben an. Analog zur Wertigkeit der Metalle Gold Silber und Bronze z. B. im Sport oder für Auszeichnungen und analog deren Verwendung für die Qualifikations- bzw. Dienstgradkennzeichnung in den Bundesländern empfiehlt sich die Farbabstufung gelb weiss rot. Eine eindeutige und gut einprägsame Erkennbarkeit ist somit gewährleistet.

Ein Kennzeichnungssystem muss so gestaltet sein dass es mit sich verändernden Lagen vom Einsatz eines Fahrzeuges bis hin zum Katastropheneinsatz mit aufwachsen kann.
Die Einteilung in vier Führungsebenen gewährleistet dass entsprechend der „2 bis 5-Regel“ bei richtiger Anwendung auch sehr große Einsatzstellen mit mehr als 600 Einsatzkräften erkennbar in Abschnitte gegliedert werden können. Als Führungsebenen ergeben sich:

  • Einsatzleiter – gelbe Kennzeichnung
  • Einsatzabschnittsleiter1
    – weiße Kennzeichnung
  • Unterabschnittsleiter/Zugführer – rote Kennzeichnung
  • Staffel-/Gruppenführer2 – blaue Kennzeichnung

Darüber hinaus sollen auch noch einige wenige Sonderfunktionen mittels Funktionswesten gekennzeichnet werden:

  • Pressesprecher – grüne Kennzeichnung
  • Sicherheit

Tabelle 2: Empfehlung für die Farbsystematik für ein Funktionskennzeichnungssystem mit 4 Führungsebenen und Pressesprecher (Tabelle Weich)


Die Kennzeichnung der Atemschutzüberwachung von Fachberatern Notfallseelsorgern oder Verwaltungsfunktionen zählt nicht zur Funktionskennzeichnung im Sinne der Darstellung vergleichbarer Führungsebenen.

Die beste Lösung für die Funktionskennzeichung ist die Verwendung von Funktionswesten. Die Vorteile dieser Westen gegenüber anderen Lösungsvarianten sind:

  • klare Einsatzstellenorganisation und korrekte Übergabe von Einsatzfunktionen da eine Einsatzkraft immer nur eine Weste tragen kann Doppelfunktionen werden vermieden
  • schnelle Austauschbarkeit
  • gute Sichtbarkeit von allen Seiten
  • Aufnahmemöglichkeiten für Führungsmittel wie Einsatzleiter-Taschenhandbuch Schreibblock Stifte Funkgeräte Mobiltelefon Kamera etc.
  • von Personen mit unterschiedlicher Konfektionsgröße zu verwenden
  • eindeutige Beschriftung vorne und hinten möglich
  • einfach zu erzielende Warnwirkung ähnlich der Einsatzbekleidung

Nur durch eine konsequente Anwendung des Kennzeichnungssystems im Einsatz und bei der Übung verhindert im seltenen Fall einer Großschadenslage vor dem Problem der richtigen Anwendung zu stehen!


Kennzeichnung von Führungsfahrzeugen

Für die Kennzeichnung von Führungsfahrzeugen sollen auf Basis eines Entwurfs von Cimolino 2003 entsprechend der Musterempfehlung des Deutschen Feuerwehrverbandes „Kennzeichnung von Führungsmitteln und -plätzen“ vom 06.12.2004 die gleichen Farbcodes verwendet werden wie sich auch für die Kennzeichnung von Führungskräften verwendet werden. Der Standort der Einsatzleitung wird mit einem gelben Schild der Standort der Abschnittsleitungen mit einem weißen Schild gekennzeichnet. Somit ist eine eindeutige und schnell zu erfassende Zuordnung gewährleistet.
Eine feste Beschriftung von Führungsfahrzeugen mit Bezeichnungen wie „EINSATZLEITUNG“ oder „ABSCHNITTSLEITUNG“ ist zu unterlassen da im Vorfeld eines Einsatzes nicht feststeht für welchen Zweck ein Führungsfahrzeug konkret eingesetzt werden wird. Sinnvoll ist daher die Verwendung einer auswechselbaren bzw. ergänzbaren Beschriftung auf der auch noch Freiraum für Bezeichnungen zur Unterscheidungen für die einzelnen Abschnitte vorgesehen ist. Zur Kennzeichnung von Führungsfahrzeugen eignen sich vorzugsweise Magnetschilder aber auch Tafeln oder Dachaufsetzer. Auf jedem in Frage kommenden Führungsfahrzeug sollte ein Satz von je zwei Kennzeichnungs-Magnetschildern pro notwendigen Typen für die Fahrzeugkennzeichnung mitgeführt werden um an der Einsatzstelle die korrekte Beschriftung auf beiden Seiten anbringen zu können.

Für die Kennzeichnung des Standortes der Einsatzleitung in einem Einsatzleitwagen empfiehlt sich gemäß der Musterempfehlung des Deutschen Feuerwehrverbandes „Kennzeichnung von Führungsmitteln und -plätzen“ die Verwendung einer eingeschalteten roten Rundumkennleuchte3. Der Schalter für diese rote Kennleuchte sollte möglichst im Führungs- oder Kommunikationsraum angebracht sein. Besonders vorteilhaft ist die Anbringung dieser Kennleuchte auf einem Licht- oder Funkmast damit sie schon weithin sichtbar ist. Alternativ kann ein roter ggf. beschrifteter Leuchtballon genutzt werden. Nach englischem Vorbild ist auch eine Beklebung/Lackierung von Führungsfahrzeugen mit weis-roten Karos im Dachbereich möglich4 da dies sehr auffällig ist. Wegen der festen Anbringung ist dies aber nur für Führungsfahrzeuge an sich geeignet und nicht für „die Einsatzleitung“.



Kennzeichnung von Plätzen

Die Kennzeichnung von Plätzen Gebäuden Zelten Räumen Wegen etc. erfordert i. d. R. geeignetes Zubehör z. B. Schilderständer mit magnetischer Grundfläche vorbereitete Magnetschilder und -pfeile und/oder die Möglichkeit kurzfristig an der Einsatzstelle laminierte Schilder anzufertigen. Bei vorgeplanten Großereignissen ist auch die Herstellung von Stadtplänen mit eingezeichneten Feuerwachen Bereitstellungsräumen und sonstigen vorgeplanten Plätzen in Zusammenarbeit mit einem Stadtplanverlag in Betracht zu ziehen. Diese Karten werden dann an die Einheiten in den Bereitstellungsräumen am Rande des Einsatzgebietes ausgegeben.

Für Gebäude und Zelte eignet sich die Kennzeichnung mittels davor stehender Führungsfahrzeuge wetterfesten Transparenten/Tafeln mit Klarschrift ergänzten Faltsignalen oder Schilderständer mit magnetischer Grundfläche wie sie aus dem Messebau bekannt sind. Diese Kennzeichnungsmittel sind auf einem Fahrzeug das zur Einrichtung einer solchen Befehlsstelle vorgesehen ist mitzuführen beispielsweise Einsatzleitwagen ELW 2 und ELW 3. Diese Kennzeichnungsmittel können alternativ auch aus einem Alarmgerätelager (AGL) nachgeführt werden.

Sind die Wege zu den Räumlichkeiten oder Plätzen (z. B. Standort der Einsatzleitung Meldeköpfe Bereitstellungsräume Behandlungsplätze Dekon-Plätze [Personen Gerät/Fahrzeuge] Lotsenstellen Sandsack-Ausgabe und/oder -Füllplätze Versorgungspunkte usw.) unübersichtlich und hat man es mit vielen auswärtigen Einheiten zu tun (v. a. bei Großschadenslagen wie Hochwasser) dann sind entsprechend farbige und beschriftete Hinweisschilder mit Pfeilen an augenfälligen Positionen anzubringen. Diese Kennzeichnungsmittel werden nur bei größeren und lang andauernden Einsätzen benötigt. Zur Vorhaltung empfiehlt sich daher die Einlagerung in Rollcontainern oder in Kisten in einem Alarmgerätelager (AGL). Bei Bedarf werden diese Einsatzmittel z. B. mit einem Gerätewagen – Logistik (GW-L) oder einem MTW/MZF zu den benötigten Orten gebracht und dort aufgestellt. Im Zuge der Einsatzvorbereitung muss hierfür Personal eingeplant werden das auch im Umgang mit den Kennzeichnungsmitteln unterwiesen ist.
Die Kennzeichnung des Atemschutzsammelplatzes mittels einer grünen Rundumkennleuchte wie es in Österreich schon länger üblich ist ist nur dann sinnvoll wenn die Unterstellungsverhältnisse der einzelnen Trupps nicht der in der FwDV 7 vorgeschriebenen dezentralen Atemschutzüberwachung entgegenlaufen. Bei immer mehr Freiwilligen Feuerwehren v. a. in Flächenstaaten ist aber die Atemschutzsammelstelle (bei der sich die Atemschutzgeräteträger verschiedener Standorte nach Eintreffen an der Einsatzstelle melden um von da aus an Fahrzeugführer unterstellt und von diesen auch jeweils überwacht werden) der einzig funktionierende Weg die Personalengpässe noch überbrücken zu können. Die Autoren schlagen daher ganz bewusst die Nutzung von gekennzeichneten Atemschutzsammelstellen für die Feuerwehren vor wo nur aus mehreren Standorten genug Atemschutzgeräteträger für einen Einsatz rekrutiert werden können!

(Auf Bild klicken für vollständige Ansicht)


Ausblick

Die Kennzeichnung von Einsatzfunktionen ist nur ein Werkzeug von vielen im Einsatzführungssystem (EFS) vgl. auch Graeger 2003. Sie setzt immer eine fundierte Führungsausbildung und ein hohes Maß an konsequenter Disziplin voraus. Eine konsequente Umsetzung der von den Verfassern beschriebenen Farbzuordnung – oder EINER anderen – ist umso dringender zu empfehlen als die Variantenvielfalt immer mehr zunimmt auch wenn dies bedeutet dass eine Vielzahl von regional eingeführten und sicher dort auch teilweise bewährten Systemen verworfen werden müsste. Doch würde dieser Schritt die Zusammenarbeit der verschiedenen Hilfsorganisationen an der Einsatzstelle sowohl bei gemeindeübergreifenden Einsätzen aber auch gerade bei Großschadenslagen bei denen Einheiten aus dem gesamten Bundesgebiet zusammengezogen werden erheblich vereinfachen.

Zukünftig sollte bei der Einführung von Einsatzbekleidung verstärkt darauf geachtet werden dass keine Einsatzbekleidung mit großer Ähnlichkeit zu den Kennzeichnungswesten beschafft wird beispielsweise Jacken mit großen farbigen Kollern oder Warnwesten in den Farben für die Kennzeichnung um Verwechslungen auszuschließen.

Die Qualifikationskennzeichnung mittels farbiger Koller oder Jacken(elementen) sollte nur dann gewählt werden wenn die Funktionskennzeichnung mit Westen einheitlich erfolgt. Sonst ist die Verwechslungsgefahr zu groß.

Um trotz der großen Farb- und Variantenvielfalt moderner Einsatzkleidung die Unverwechselbarkeit und Eindeutigkeit der Kennzeichnung zu gewährleisten aber auch in Hinblick auf eine möglichst europaweit einheitliche Systematik greifen die Verfasser einen Vorschlag von Unterhalt 2006 als Ergänzung für die Zukunft auf. Er empfiehlt die Verwendung von retro-reflektierenden Karos da dieses Muster europaweit nur selten als Bestandteil von Warn- und Einsatzbekleidung verwendet wird. Die Sichtbarkeit von Führungskräften ist somit bei allen Lichtverhältnissen gegeben vgl. Abb. 8.

Da dieses eindeutige und auffällige Muster zu wertvoll ist um mit ihm nur die höchste Führungsebene zu kennzeichnen schlagen die Verfasser ein System mit maximal drei5 umlaufenden Streifen großformatiger Karos für die drei höchsten Führungsebenen vor. Aus der Anzahl der Streifen ist nach dem Prinzip „mehr bedeutet höher“ auf die Führungsebene zu schließen vgl. Tab. 2. Dies würde die Nachtsichtbarkeit erhöhen weil nachts die Farben nur relativ schlecht zu unterscheiden sind.


Tabelle 3: Ergänzung der Farbsystematik der Kennzeichnung mit Karomustern (Tabelle Weich)

Die in Deutschland bereits verwendeten Grundfarben gelb weiss rot und blau für die Führungskräftekennzeichnung bleiben hiervon unberührt eine Umgewöhnung der Einsatzkräfte ist nicht notwendig. Die Doppelcodierung vereinfacht die visuelle Aufnahme der Information über die Hierarchiestufe. Ein weiterer Vorteil liegt darin dass für eine grenzüberschreitende Zusammenarbeit die vorhandenen nationalen Farbsysteme nicht geändert werden müssen. Dabei könnten Beschriftungen in Landessprache – und sogar andere Farben – beibehalten werden. Derartige Karos sind auf den meisten bereits im Einsatz befindlichen Westen von jeder Schneiderei einfach nachrüstbar.

Es läge an den Verbänden sich dafür grenzüberschreitend im europäischen Fachdialog einzusetzen.

Andreas Weich
M.Sc. Sicherheit und Gefahrenabwehr
Feuerwehr Magdeburg Freiwillige Feuerwehr Südost

Ulrich Cimolino
Dipl.-Ing. Sicherheitstechnik
Branddirektor
Feuerwehr Düsseldorf
Fussnoten
1 Beschriftet wird im Gegensatz zur Bezeichnung nach FwDV 100 i.d.R. nur „Abschnittsleiter“ weil Einsatzabschnittsleiter schwierig bis gar nicht lesbar anzubringen wäre.
2 Viele Feuerwehren legen Wert auf die Kennzeichnung dieser Führungsebene auch wenn das an sich nicht unbedingt erforderlich wäre. Da bereits einzelne Bundesländer Regelungen getroffen haben wird dies aufgegriffen. Truppführer von Truppfahrzeugen brauchen nur in Ausnahmefällen gekennzeichnet werden. Ausnahmefall wäre z. B.: Führer einer DLK führt dazu noch weitere Trupps.
3 Eine rote Kennleuchte zur Kennzeichnung der Einsatzleitung ist in Rheinland-Pfalz derzeit nicht zulässig. In Bayern wird vom Landesfeuerwehrverband Bayern e. V. eine grüne Kennleuchte empfohlen.
4 Das kann natürlich zu Problemen führen wenn mehrere Führungsfahrzeuge mit dieser Kennzeichnung an einer Einsatzstelle auftauchen das so gekennzeichnete Fahrzeug mehreren Verwendungen dienen soll – oder nach der Nutzung als ELW 1 einer Zweitverwendung (z. B. MTF MZF) zugeführt wird.
5 3 Streifen sind mit einem Blick noch ohne abzuzählen zu erfassen.

Literatur

Cimolino Ulrich: Führungskräftekennzeichnung. in: 112 Magazin der Feuerwehr 5/96 efb-Verlag Köln

Cimolino Ulrich: Vorschläge zur Kennzeichnung von Fahrzeugen Räumen Wegen usw. Düsseldorf 2003; vgl. auch GRAEGER 2003

Cimolino Ulrich; Zawadke Thomas.: Einsatzfahrzeuge für Feuerwehr und Rettungsdienst Technik.. 1. Auflage ecomed Verlag Landsberg 2005

Deutscher Feuerwehrverband: Empfehlung zur Führungskräftekennzeichnung.
in: 112-Magazin der Feuerwehr in: 112 10/99 efb-Verlag Köln 1999

Deutscher Feuerwehrverband (Cimolino Ulrich; Donner Hans-Joachim.; Ziebs Hartmut.): Kennzeichnung von Führungsmitteln und -plätzen (Musterempfehlung des
DFV). Empfehlung 06.12.2004

Graeger Arvid: Einsatz- und Abschnittsleitung Landsberg ecomed-Verlag 2003

Magirus Conrad-Dietrich: Das Feuerlöschwesen in seinen Theilen 1877

Thielen Valentin: Vergleichen Sie kritisch die einzelnen Systeme zur Kennzeichnung der Funktion und Qualifikation von FM (SB) in der BRD. Abschnittsarbeit für den gehobenen Dienst Feuerwehr Berufsfeuerwehr Düsseldorf 1994

Volkmar Guido: Kennzeichnungssysteme von Funktion und Qualifikation von FM (SB) außerhalb der BRD. Abschnittsarbeit für den gehobenen Dienst Feuerwehr Berufsfeuerwehr Düsseldorf 1994

Unterhalt Michael: Hinweise an die Verfasser Arbeiten seit 2000 11/2006

Die Thematik Kennzeichnung von „Führungskräften -fahrzeugen und Plätzen“ wird umfassend behandelt in:

Cimolino U.; Weich A.: Standard-Einsatz-Regeln: Kennzeichnung von Führungskräften -fahrzeugen und Plätzen Landsberg ecomed-Verlag 2007


Bilder

alle Grafiken: Andreas Weich Foto Abbildung 2: Arvid Graeger
Update 26.05.08
Tabelle 1 korrigiert: Feuerwehr Hamburg
Update 18.02.2009
Tabelle „Kennzeichnung“ (PDF) aktualisiert.

Kommentare

4 Kommentare zu “Kennzeichnung von Führungskräften, -fahrzeugen und Plätzen” (davon )

  1. firerobs am 29. Mai 2008 00:06

    Guter Artikel! Bitte mehr.

  2. FFWBE1 am 26. Mai 2009 09:29

    Ja, wirklich eine gute, umfassende Ausarbeitung von deren bundesdeutscher Flächendeckung wir alle so gerne träumen.

    So und nun wieder zurück zur Realität:
    Gerade eben (auch auf Grund der aktualisierten BRD-Überblicks-Tabelle von UC) gibts bei uns erneut Endlos-Diskussionen über die entsprechende Kompatibilität mit dem BRK.
    In dieser nachfolgend gelinkten Richtlinie (unter Punkt 12.3. ) kommt beim BRK abweichend GRÜN auf der AL-Ebene ins Spiel.  Gilt das nun AUCH noch, oder nicht, oder wie oder was…   
    Habe nichts gefunden, das DIESE Richtlinie aus 2004 wieder außer Kraft setzen würde.
    Helft mir doch mal mit guten Argumentations-Vorschlägen für die nächste unausweichliche Diskussion auf örtlicher Führungsebene zwischen FW und BRK, da wäre ich dankbar. ;-))

    http://www.wissenskraft.de/sanzug/download/richtlinien_seg.pdf

    Übrigens, sonst haben wir uns hier vor Ort
    zwischen den HiOrgs alle immer ganz lieb !

     

  3. bnow am 12. Januar 2010 15:12

    Beim BRK (und den anderen HiOrgs in Bayern) gilt nach wie vor „Grün = Abschnittleiter“.

    Begründung:
    – die Farben der HiOrgs sind mit dem Innenministerium so abgestimmt
    – das BRK war mit seiner Farbwahl weit früher dran als die Feuerwehr (erste Festlegung in der SEG-Richtlinie des BRK von 1998, die von Dir verlinkt wurde)

    So wie ich das sehe, hat hier der bay. Landesfeuerwehrverband den Schwarzen Peter, die Farben nicht abgestimmt zu haben – sonst wären alle in Bayern gleich (aber das soll wohl nicht so sein).

    Ein anderer Grund, der auch immer wieder in Diskussionen auftaucht, besteht in der weißen Oberbekleidung des Sanitätspersonals, von der sich eine weiße Weste nicht wirklich gut abhebt.

    Aus der Praxis-Erfahrung ist die Farbe aber vernachlässigbar. Viel wichtiger ist, dass die Funktion im Klartext (!) auf Rücken und (!) Brust nochmal deutlich (!) lesbar draufsteht. Noch wichtiger ist freilich, dass die Person, die die Funktion ausfüllt, weiß, was sie tut und das notfalls auch ohne Weste kann.

    Immerhin sind bis auf die grüne sonst alle anderen Farben in Bayern ident (die Zugführer-Weste im BRK allerdings noch ohne Regelung, aber dort wo sie verwendet wird, rot). Einsatzorganisationsübergreifend und Landesweit – das ist nicht mal so übel, wenn man sich andere Länder ansieht. :)

    Servus,

    Bernhard

    PS: innerhalb des BRK ist mittlerweile diesbezüglich die BRK-DV100 in der aktuellen Fassung vom Januar 2009 einschlägig (Anlage 8, „Farbliche Kennzeichnung der Führungskräfte“), die Farben sind aber weiterhin so, wie in der alten Richtlinie (die mittlerweile als solche von der „Richtlinie für denSanitäts- und Betreuungsdienst des Katastrophenschutzes der Hilfsorganisationen in Bayern“ in der Fassung vom 28.8.2009 abgelöst wurde, siehe auch Rundschreiben des bay.Innenministeriums vom Dezember 2009).

    PPS: es gibt in Bayern weitere Westen, die sich mittlerweile etabliert haben:
    – „Sichtung“ als Sonderfunktion: „gelbe Weste/rotes Schachbrettmuster“ (BF/BRK München)
    – Verbandsführer ÜMANV-Einheiten: „“gelbe Weste/weiß-blaues Schachbrettmuster“

  4. Ulrich Wolf am 12. Januar 2010 16:01

    Das ist alles eine ganz prima Sache, solange diese Vorschläge nicht kontra der geltenen Erlasse der Länder wären!
    In Hessen z.B. ist lt Erlass http://www.nassauischer-feuerwehrverband.de/Dienstgraderlass_Hessen_20060401.pdf die Helmkennzeichnung KEINE Qualifikationskennzeichnung, sondern Funktionskennzeichnung. Vgl. Tabelle 8.
    Es würde Sinn machen, auf jegliche Helmkennzeichnung zu verzichten (außer AGT u. Sanitäter/RS/RA), also bei Führungskräften, und stattdessen Führungskräfte mit farbigen Westen gemäß der jeweiligen Ländererlasse zu kennzeichnen.
    Ulli

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