Team | AGB | Impressum | Datenschutzbestimmungen | Kontakt | Bilder | Facebook | Twitter | Werben im FWnetz

(sc). Vielerorts wird Engagement und Ehrenamt gefordert sei es von den Verbandsvertretern den politisch Verantwortlichen oder von der Wirtschaft. Nur wer dem Aufruf folgt und sich engagiert tut sich selbst und vor allem anderen unbeteiligten damit nicht immer einen Gefallen. Das musste auch die Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DgzRS) in Gießen (Hessen) erfahren als sie ihren Informationsstand wie jedes Jahr in der Innenstadt platzierte. Zuerst wurden die Standbetreuer gebeten den von der Stadt genehmigten Stand ein paar Meter zu verrücken dann stoßen sich andere Einzelhändler an dieser Aktion da sie offenbar um ihr Umsätze bangen weil die DgzRS mtit ihrem Anliegen den Weg versperrt. Kurzum die Polizei wird gerufen und diese äußert kein Verständnis für die Beschwerden. [Gießener Anzeiger]

Sieht man von diesem Ereignis einmal ab lässt sich allgemein beobachten dass Ehrenamt und Engagement ihren positiven Stellenwert im Bewusstsein der Menschen eher einbüßen. Ehrenamt wird nur noch dort geduldet wo es nichts kostet und niemanden stört. Das steht nun aber scheinbar im Widerspruch mit den immer wieder erneuerten Appellen sich zu engagieren. Aber eben nur scheinbar. Jeder dieser Appelle steht in einem Kontext: Die politisch Verantwortlichen sehen im Ehrenamt einen billigen ja kostenlosen Lückenbüßer für die Versäumnisse und den Unwillen des Staates mit allen seinen Subgliederungen die Wirtschaft sieht im Ehrenamt analog der staatlichen Engagements-Propaganda die Möglichkeit Dienstleistungen auszulagern kosten zu sparen und den Idealismus der Mitbürger auszunutzen und die Verbände beweihräuchern mit der permanenten Repetition sich zu engagieren sich selbst bzw. sehen darin ihre Legitimation. Wirkliches Engagement ist also nicht erwünscht und schon gar nicht wenn damit Kritik an den bestehenden politischen wirtschaftlichen oder organisatorischen Verhältnissen verbunden ist.

Kommentare

Keine Kommentare bislang zu “Ehrenamt auf dem Prüfstand – ein Kommentar” (davon )

  1. p_k am 9. Juni 2008 18:37

    schön geschrieben stefan – so schauts 100%ig aus.

    unter anderem rührt auch daher die relevanz der motivation und nachwuchsgewinnung in der ffw – wie ich finde.

    den letzten satz über die tätigkeit der politik spar ich mir mal – wetter is gerade so schön… ;)

  2. DomDom am 9. Juni 2008 21:29

    Leider fördert das Verhalten mancher Ehrenamtlicher nicht gerade das Bild in der Öffentlichkeit. Heisskisten und Wichtigtuer haben nicht viel im Ehrenamt verloren.
    Die Lösung solcher Probleme wie in Gießen ist nur nicht einfach. Als Privatperson kann ich mir erlauben, nicht mit jedem wohlgesonnen zu sein, als gemeinnützige Organisation wäre es jedoch erstrebenswert. Es ist eine Gratwanderung, denn alles gefallen lassen darf man sich auch nicht.

  3. Geza am 9. Juni 2008 22:06

    Wahre Worte.
    Dennoch – und jetzt geht´s dahin wo´s weh tut: wir als freiwillige Feuerwehr müssen uns an die eigene Nase greifen.
    Was machen wir alles, was mit unserem gesetzlichen Auftrag überhaupt nichts zu tun hat?
    Die Stadt / Gemeinde findet bei der Feuerwehr immer wieder ein paar Dumme, die alle möglichen und unmöglichen Arbeiten übernehmen – oft auf Ansage der (Vereins-)führung.
    Immer wieder liest man von Wehren, die Gebäude in Eigeninitiative renovieren oder sogar ganze Häuser bauen (in den meisten Fällen sind diese Leute auf der Baustelle nicht mal versichert!!).
    Oder fangen wir bei alltäglicheren Arbeiten an: wer putzt das Feuerwehrhaus? Bei einer Umfrage auf den Seiten hier, als es noch Feuerwehrweblog hieß, stellte sich raus, dass deutlich in über 50% der Wehren von den Feuerwehrleuten die Gebäudereinigung übernommen wird. Überspitzt kann man davon ausgehen, dass diese Zeit von der Ausbildung der Einsatzkräfte abzuziehen ist. Schaut man sich bei anderen ehrenamtlichen Würdenträgern um – z. B. Politikern wie Kreistagsabgeordnete oder Schöffen bei Gericht – ist ein Reinigungsdienst nicht denkbar.

    Jede Feuerwehrfrau, jeder Feuerwehrmann sollte den Sinn seines Engagements überlegen, wenn sie oder er städtische Gebäude reinigt, Nachwuchswerbung übernimmt, Hydranten prüft, die Ausschreibung von Fahrzeugen plant, für Veranstaltungen die Straße sperrt, Parkplätze zuweist, Faschingszüge absichert usw.
    Besonders das Auftreten als „Einweiser“ oder „Absperrer“ ist für das Image der Feuerwehr kontraproduktiv und wird leider oft als „Öffentlichkeitsarbeit“ missverstanden.

    Der Overkill der Vereinsmeierei gipfelt in immer kleiner werdenden Haushaltsposten für den abwehrenden Brandschutz. Eher kurz- als mittelfristig sind die gefeierten „Ehrenamtlichen“ die Dummen.
    Für jede Aufgabe, für die sich bei der Feuerwehr ein Depp findet, wird die Stadt / Gemeinde dankbar sein und die Gelder kürzen.
    Und unsere Nachfolger werden sich fassungslos fragen, wie wir so dumm sein konnten…

  4. galaxyquest am 9. Juni 2008 23:50

    @all … die Feuerwehr ist ein Verein, die auf dem Ehrenamt aufbaut, es gibt aber auch andere. Mein kommentar zielt sowohl auf das Allgemeine, wie das Spezielle (=FW). Der Einwand mit den Tätiekiten des FW-Vereins ist mehr als berechtigt und stimmen tut es auch!!!

  5. Geza am 10. Juni 2008 00:31

    Primär ist die Feuerwehr eine Abteilung der Stadt oder Gemeinde. Hätten die Gemeinden ausreichend finanzielle Mittel, würde es vermutlich keine Feuerwehrvereine geben. Die ursprüngliche Idee der Vereine war die Förderung des aktiven Brandschutzes sprich der Feuerwehr.

  6. hansdampf am 10. Juni 2008 23:05

    @ GEZA:
    zum reinigen der Städtischen Gebäude: jeder Verein der von der Gemeinde oder Stadt ein Gebäude zur verfügung gestellt bekommt, ist natürlich für die Unterhaltung des Gebäudes Verantwortlich.

    Zur Nachwuchsgewinnung: Wer Nachwuchs will, der muss sich um diesen bemühen.

    Zur Ausschreibung von Fahrzeugen: Wer weiß denn genauer bescheid über die Bedürfnisse der Feuerwehr bescheid als die Führung der selbigen?

    Für Veranstaltungen die Straße sperrt, Parkplätze zuweist, Faschingszüge absichert usw.: Bei uns normal, da jeder Verein bei solchen Veranstaltungen seine festen Aufgaben hat. Z.B.: Musikkapelle: musikalische begleitung des Festumzuges, Faschingsverein: bereitstellung der Festörtlichkeit, Kirchenchor: umrahmung des Festgottesdienstes, Sport und Wanderverein: übernahme der Bewirtschaftung des Festes.

    Also von meiner Sicht aus keine wirklichen Argumente am Ehrenamt Feuewehr und Mitglied im Feuerwehrverein zu zweifeln.

    MfG

    Daniel

  7. LarsR am 11. Juni 2008 09:36

    Nur ist die Feuerwehr (und damit das Feuerwehrhaus) eben kein Verein, der von der Gemeinde irgendetwas zur Verfügung gestellt bekommt, sondern eine Einrichtung der Gemeinde wie das Rathaus, der Bauhof oder die Schulen. Ich denke nicht, dass die Verwaltungsmitarbeiter, Bauhofsangestellten und Lehrere diese Gebäude selbst reinigen. Ich persönlich stecke meine ehrenamtliche Arbeit auch lieber in andere Bereiche.

  8. Niklas am 12. Juni 2008 16:36

    Intressant ist in dem Hinblick auch was alles als Ehrenamt verkauft wird. Meine ehemalige Nachbarin war Cheffin irgendeiner Kammer (IHK, Handwerkskammer oder sowas, weiß ich nicht mehr genau). Bei jedem öffentlichen Anlass hat sie darauf bestanden, dass sie ein Ehrenamt ausübt, morgens stand dann jedoch der Chauffeur vor dem Haus und ich vermute angesichts der „Aufwandsentschädigung“ wären die meisten von uns grün vor Neid geworden.
    Wurde nicht auch seitens der Politik der Freibetrag für Ehrenamtler erhöht (oder das zumindest gefordert)? Irgendwie ein Wiederspruch in sich, wenn Ehrenämter nicht nur für die „Ehre“ gemacht werden. BTW: Ich hätte überhaupt nichts gegen Bezahlung für FF-Angehörige…

  9. jfb am 12. Juni 2008 17:35

    Bei Bezahlung nennt man das ganze Berufsfeuerwehr, die ja laut DFV-Zukunftsforum angeblich ausstirbt zugunsten/zulasten der „Ehrenamtlichen“.

    Der Kritik am Ehrenamt und den dargestellten Verhältnissen möchte ich aber widersprechen. Gefordert wird die aktive Bürgergesellschaft, in der jeder Einzelne seinen Lebensbereich gestaltet und sich zuerst vor Ort mit anderen zusammenen einbringt. Das ist das Idealbild von Freiheit und Verantwortung. Die Gemeinschaft entscheidet dann mehrheitlich darüber, was dann über die Leistungskraft einzelner sowie auch freiwilliger Gruppen hinausgeht und aus gemeinsamen Geldern besser von der Gemeinde/Staat organisiert werden sollte. Subjektive Kernbereiche wären Bildung, Sicherheit, Infrastruktur, Ärmstenunterstützung.

    Nun ist es in der Realität aber so, dass der Staat und auch viele Gemeinden sich zig andere Aufgaben erwählt haben, die knappen Finanzen längst nicht mehr ausreichen sowie Schwerpunkte anders gesetzt werden (Entwicklungshilfe für China, Subventionen für Unternehmen zur Ansiedelung, etc.). Gleichzeitig waren viele Kernaufgaben zunächst aus Bürgerinitiativen in der Historie entstanden und werden angesichts der derzeitigen Mängel wieder stärker herangezogen oder werden selber aktiv: im Bildungsbereich kirchliche und private Schulen, Kindertagesstätten, etc., bei der Sicherheit Freiwillige Feuerwehren, Bürgerwehren, Nachbarschaftsschutz, etc.; bei der Infrastruktur privat gebaute Straßen, privater Betrieb von Schienenverkehr, eigenes Verlegen von DSL-Leitungen, etc.; bei der Ärmstenunterstützung Wohlfahrtsverbände, Kirchen, Hilfsorganisationen, etc.

    Eigentlich super, gleichzeitig erschreckend. Diskussion sollte darüber geführt werden, was die Bürgergesellschaft selber leisten kann und für welche Kernaufgaben dann doch der Staat benötigt wird und Verantwortung tragen soll. Kosten daraus ableiten, Einnahmen kalkulieren. In die Debatte einbringen mit eigenem Standpunkt, um Unterstützer werben und Mehrheiten gewinnen.

    Ein Idealbild. Harte Politik-Wirklichkeit ist dann aber in der Tat etwas abweichend. Leider.

  10. Cimolino am 12. Juni 2008 17:38

    Hallo,

    >Bei Bezahlung nennt man das ganze Berufsfeuerwehr, die ja laut DFV-Zukunftsforum angeblich ausstirbt zugunsten/zulasten der „Ehrenamtlichen“.

    das Gegenteil wird eintreten… immer mehr Haupt-/Teilzeit-amtliche gegenüber immer weniger Ehrenamtlichen.

  11. Geza am 12. Juni 2008 23:44

    Auch wenn die Feuerwehren wie andere Organisationen aus Interessen- und Aktionsgemeinschaften entstanden sind, haben wir – ohne Unterschiede zwischen den freiwilligen und den Berufsfeuerwehren – einen gesetzlichen Auftrag. Meiner Ansicht nach ein wichtiger Part in der zivilisierten westlichen Welt.
    Leider muss immer wieder feststellen, dass sich viele Freiwillige bei den Feuerwehren dessen nicht bewusst sind. Wie man auch hier sieht, halten manche die Feuerwehr für einen fröhlichen Verein, bei dem man mal Würstchen grillt und mal Verkehrsunfälle abarbeitet (die Analogie mit „löschen“ ist inzwischen schon zu abgegriffen).
    Eben dieses fehlende Bewusstsein bei der Feuerwehr und der Bevölkerung führt zu dem was CIMOLINO voraussagt.
    Das Verhalten der Feuerwehrleute in der Öffentlichkeit und dass man sich für Feuerwehr – fremde Arbeiten missbrauchen lässt, führt zu ein Bild, das nichts mehr mit der Ehre, die einen in diesem Amt ereilen sollte, zu tun hat.

Bottom