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Wer von Feuerwehr spricht, meint meistens Fahrzeugtechnik, Taktik oder Ausbildungsinhalte. Es gibt aber auch Interessen, die sich mehr oder weniger in Nischen verstecken. Zweifelsohne gehört die Feuerwehr- Philatelie dazu. Der Arbeitskreis Feuerwehrgeschichte des Stadtfeuerwehrverbandes Stuttgart zeigte in einer Ausstellung im Rahmen des Landesfeuerwehrtages im Foyer des Rathauses in Ravensburg vom 19. bis 22. Juni 2008 Darstellungen außergewöhnlicher Brände auf Postkarten, Briefumschlägen und Postwertzeichen sowie in Sonderstempeln. Außerdem gab der Landesfeuerwehrverband Baden-Württemberg zusammen mit der Deutschen Post AG einen Sonderstempel zum 10. Landesfeuerwehrtag in Ravensburg/Weingarten heraus.

Für die Feuerwehr-Philatelisten ist ein Postdokument dann von Interesse, wenn es Brände auf Briefmarken, Briefen, Stempeln oder Postkarten darstellt, oder es einen Bezug zu Feuer und Feuerwehr besitzt. Dabei kann selbst ein Gebäude, das als Bild nichts zur Feuerwehr aussagt, Gegenstand des Interesses sein, wenn das Gebäude einmal gebrannt hat.

Die Ausstellung zeigte internationale Exponate, so auch aus Russland oder den USA. Sortiert war die Ausstellung thematisch, so gab es eine Schautafel mit Bezug zu Theaterbränden, spektakuläre regionale Brände, Kirchenbrände, Waldbrände, Industriebrände und Stadtbrände.

Schon früh entdeckten findige Fotografen im Katastrophentourismus eine Einnahmequelle. So produzierten geschäftstüchtige Fotografen während der zehn Tage dauernden Löscharbeiten am Stuttgarter Alten Schloss 1931 Postkartenserien, die sie den aus ganz Württemberg herbeigeeilten Schaulustigen verkauften. Ähnlich gingen Fotografen nach einer Brandkatastrophe in Ilsfeld bei Heilbronn am 4. August 1904 vor. Durch fahrlässigen Umgang beim Spiel mit Feuer, fackelten Kinder ein ganzes Dorf ab. Die Neugierigen fielen wie die Heuschrecken über den verheerten Ort her. Die Reichsbahn transportierte annähernd 40.000 Gaffer in das Trümmerfeld – empfangen wurden sie dabei von postkartenverkaufenden Fotografen auf dem Bahnhof.

Am 21. Dezember 1931 brannte das alte Schloss in Stuttgart. Dieser Großbrand zählt noch heute zu den spektakulärsten Bränden in Stuttgart. ...

Am 21. Dezember 1931 brannte das alte Schloss in Stuttgart. Dieser Großbrand zählt noch heute zu den spektakulärsten Bränden in Stuttgart. ...

... Der Brand forderte seinerzeit drei Tote, zwei  Schwerverletzte und 20 rauchgasvergiftete Löschkräfte.

... Der Brand forderte seinerzeit drei Tote, zwei Schwerverletzte und 20 rauchgasvergiftete Löschkräfte.

Ebenfalls Thema einer Tafel waren Theaterbrände, wie der Brand des Hoftheaters in Stuttgart 1902, dargestellt auf einer Postkarte ...

Ebenfalls Thema einer Tafel waren Theaterbrände, wie der Brand des Hoftheaters in Stuttgart 1902, dargestellt auf einer Postkarte ...

... und des Ringtheaters in Wien 1781, zu dessen Jubiläum 1881 eine Postkarte mit dem Zudruck „100 Jahre Ringtheaterbrand“ erschien.

... und des Ringtheaters in Wien 1781, zu dessen Jubiläum 1881 eine Postkarte mit dem Zudruck „100 Jahre Ringtheaterbrand“ erschien.

Die Ausstellung zeigte keineswegs nur „alte“ Postdokumente. Zwischen all den historischen Exponaten fand sich auch eine Erinnerungskarte an den Brand der Kirche St. Josef im saarländischen St. Ingbert vom 17. Juli 2007. Darstellungen fanden sich auch zum Brand des Hmaburger Michel 1906, der Marienkirche in Lübeck, die während eines Bombardements im Zweiten Weltkrieg zerstört wurde, der Dresdner Kreuzkirche und des Doms im französischen Reims, der im Ersten Weltkrieg von deutschen Truppen in Brand geschossen wurde.

Die Potskartenserie zum Brand des Hamburger Michels zeigte die verschiedenen Phasen des Brandverlaufs – bis hin zum Einsturz des Hamburger Wahrzeichens.

Die Potskartenserie zum Brand des Hamburger Michels zeigte die verschiedenen Phasen des Brandverlaufs – bis hin zum Einsturz des Hamburger Wahrzeichens.

Am 8.10.1871 brach in der us-amerikanischen Großstadt Chicago ein Feuer aus, das bis zum 10. Oktober wütete. Die Schäden waren verheerend. Das Feuer in Chicago zerstörte ein Gebiet von sechs Kilometern Länge und durchschnittlich einem Kilometer Breite. 120 km Straßen, 190 km Gehwege, 2.000 Laternenmasten, 17.000 Gebäude und 200 Millionen Dollar an Besitz wurden zerstört. Das entsprach einem Drittel des Stadtwerts. Man schätzt, dass es etwa 200 bis 300 Tote gegeben hat, von denen aber nur 125 geborgen werden konnten. Rund 100.000 Einwohner verloren ihr zu Hause.

Die Brandursache geriet zum Politikum: Beschuldigt wurde lange Zeit die Einwanderin Kate O’Learys, in deren Scheune das Feuer ausbrach. In den Augen der vorherrschende Meinung war sie der perfekte Sündenbock: Sie war eine Frau, eine Einwanderin und katholisch. Zu dieser Zeit in Chicago eine gefährliche Kombination.

Heute vermutet man, dass Daniel Sullivan das Feuer legte, als er versuchte, Milch aus O’Learys Scheune zu stehlen. Dazu kamen noch das Feuer begünstigende Umstände. Ein heißer, trockener Sommer mit sehr wenig Regen hatte die Wasserreserven zusammenschmelzen lassen. Zum Zeitpunkt des Feuerausbruchs herrschten außerdem hohe Winde, die die Löschversuche der Bewohner zunichte machten und das Übergreifen des Feuers begünstigten. Selbst der Chicago River war für das Feuer kein Problem. Es übersprang den Fluß. Das Feuer breitete sich wegen der Holzbürgersteige und des Chicago Rivers, der wegen seiner massiven Verschmutzung selbst Feuer fing, extrem schnell aus.

Zum 80. Jubiläum des Stadtbrandes von Chicago erschien 1961 diese Marke.

Zum 80. Jubiläum des Stadtbrandes von Chicago erschien 1961 diese Marke.

Anlässlich des Brands von London 1666 hatte die ehemalige britische Kolonie St. Helena 1967 zum 300. Jubiläum eine Marke herausgebracht. Dem Jubiläum wurde deshalb erst 1967 gedacht, weil 1667 13.000 Londoner Bürger wegen Obdachlosigkeit nach St. Helena ausgewandert waren.

Gedenkmarke zum 300. Jubiläum des Londoner Stadtbrandes.

Gedenkmarke zum 300. Jubiläum des Londoner Stadtbrandes.

In neuerer Zeit erschien bspw. 2001 eine Briefmarke zum Gedenken an die Terroranschläge von New York. Als Motiv der Marke wählte man Feuerwehrleute, die einen Flaggenmast mit dem Sternenbanner aufrichten.

Briefmarke zum Gedenken an den 11. September 2001.

Briefmarke zum Gedenken an den 11. September 2001.

Gleichfalls in Gedenken, aber in personalisierter Form, griff die sowjetische Post, die Postkarten mit den Gesichtern in Tschernobyl „gefallener“ Feuerwehroffiziere publizierte.

Gedenken an in Tschernobyl getötete Feuerwehroffiziere.

Gedenken an in Tschernobyl getötete Feuerwehroffiziere.

Ebenfalls fanden sich Dokumente zu politischen Brände, wie der Reichstagsbrand vom 28. Februar 1933 oder die Brände der Pogromnacht vom 11. November 1938. Neben diesem deutschen Bezug fanden sich auch internationale Ausstellungsstücke, wie eine Briefmarke, die mehrere arabische Staaten nach 1962 in Gedenken an den Brand der Bibliothek von Algier herausbrachten. Die Bibliothek war von einer französischen Untergrundorganisation in Brand gesteckt worden.

Briefmarke anlässlich des Brands der Universitätsbibliothek Algier 1962.

Briefmarke anlässlich des Brands der Universitätsbibliothek Algier 1962.

Aber auch die Brände infolge von Kriegshandlungen rufen das Interesse des Feuerwehr-Philatelisten hervor, wie z.B. das in Brand geschossene Stalingrad oder Warschau, die brennenden französischen Küstenstädte, genauso wie die in Brand gebombte Semperoper in Dresden.

Britischer Briefmarkenblock in Erinnerung an die Luftschlacht um England.

Britischer Briefmarkenblock in Erinnerung an die Luftschlacht um England.

Britischer Briefmarkenblock in Erinnerung an die Luftschlacht um England.

Britischer Briefmarkenblock in Erinnerung an die Luftschlacht um England.

Zwischen diesen ernsten Anlässen fanden sich jedoch auch Postkarten zur Anschauung der Einsatztätigkeit der Feuerwehr oder humoristische Darstellungen.

Beispiel für eine Postkarte, die die Einsatztätigkeit der Feuerwehr darstellt.

Beispiel für eine Postkarte, die die Einsatztätigkeit der Feuerwehr darstellt.

Eher humoristische Darstellung der Feuerwehr.

Eher humoristische Darstellung der Feuerwehr.

Ein weiteres sehr großes Thema waren die Darstellung von Waldbränden.

Weniger von Interesse ist die Briefmarke oder der Stempel, sondern der Zudruck auf diesem argentinischen Dokument. Aus dem spanischen übersetzt steht dort“Verhütet Waldbrände“.

Weniger von Interesse ist die Briefmarke oder der Stempel, sondern der Zudruck auf diesem argentinischen Dokument. Aus dem spanischen übersetzt steht dort“Verhütet Waldbrände“.

Die Bundesrepublik brachte 1958 zwei Versionen dieser Briefmarke heraus, die ebenfalls zur Verhütung von Waldbränden auffordert. Zwei Versionen deshalb, weil das Saarland zu dieser Zeit noch unter französischer Verwaltung stand und damit Franc das offizielle Zahlungsmittel war.

Die Bundesrepublik brachte 1958 zwei Versionen dieser Briefmarke heraus, die ebenfalls zur Verhütung von Waldbränden auffordert. Zwei Versionen deshalb, weil das Saarland zu dieser Zeit noch unter französischer Verwaltung stand und damit Franc das offizielle Zahlungsmittel war.

Darstellung der Waldbrandbekämpfung als ganzer Block.

Darstellung der Waldbrandbekämpfung als ganzer Block.

Auch auf Interesse stieß die in den 1970er Jahren herausgebrachte Briefmarkenserie zur Unfallverhütung. Sie zeigte Unfallszenarien und deren Verhütung aus verschiedenen beruflichen wie privaten Bereichen.

Serie zur Unfallverhütung aus den 1979er Jahren.

Serie zur Unfallverhütung aus den 1979er Jahren.

Das Bild zeigt die erste nach dem Krieg erschiene Feuerwehrmarke. Sie war Teil der Sonderwertpostzeichenserie „Freiwillige Hilfsdienste“. Sammler meinen, dass die Grafik nicht schön sei, aber es dem damaligen Kunstverständnis entsprach. ...

Das Bild zeigt die erste nach dem Krieg erschiene Feuerwehrmarke. Sie war Teil der Sonderwertpostzeichenserie „Freiwillige Hilfsdienste“. Sammler meinen, dass die Grafik nicht schön sei, aber es dem damaligen Kunstverständnis entsprach. ...

... Dagegen wird die 2002 erschienen neueste Feuerwehrmarke, die inzwischen bei der Post nicht mehr erhältlich ist, als besonders gelungen bezeichnet. Das Motiv zeigt eine „Live-Aufnahme“ von einem tatsächlich stattgefundenen Brand und Einsatz einer freiwilligen Feuerwehr. Zu sehen sind neben Feuerwehrleuten unter Atemschutz, auch Rauchschwaden. Der Rande des Briefmarkenblocks war mit Feuerwehrfahrzeugen bedruckt.

... Dagegen wird die 2002 erschienen neueste Feuerwehrmarke, die inzwischen bei der Post nicht mehr erhältlich ist, als besonders gelungen bezeichnet. Das Motiv zeigt eine „Live-Aufnahme“ von einem tatsächlich stattgefundenen Brand und Einsatz einer freiwilligen Feuerwehr. Zu sehen sind neben Feuerwehrleuten unter Atemschutz, auch Rauchschwaden. Der Rande des Briefmarkenblocks war mit Feuerwehrfahrzeugen bedruckt.

Kommentare

2 Kommentare zu “Feuer und Feuerwehr in und auf Postdokumenten” (davon )

  1. Jan Ole Unger am 31. Juli 2008 20:50

    Toller Exkurs!

    SInd das alles Deine Stücke?

  2. Stefan Cimander am 1. August 2008 08:16

    @Jan Ole Unger Nein! Alles Ausstelungsstücke auf dem LFT. Die Zeit der Briefmarkensammelei ist bei mir seit mind. 15 Jahren vorbei. ;-)

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