Team | AGB | Impressum | Datenschutzbestimmungen | Kontakt | Bilder | Facebook | Twitter | Werben im FWnetz

Interessante Diskussion auf feuerwehr.de zum Thema Fotografen an der Einsatzstelle und Maßnahmen der Feuerwehr/Rettungskräfte.

Persönliche Ansicht:

Jedes Unfallopfer (auch die Toten) haben aus Art 1 GG einen Anspruch auf den Schutz der Menschenwürde, lebende Patienten zusätzlich noch Ansprüche aus Art. 2 Abs. 1 GG, der allgemeinen Handlungsfreiheit im Bezug auf die Darstellung der Person in der Öffentlichkeit. Wird der Patient durch das Foto zum bloßen Objekt der Sensationsgier herabgewürdigt so dürfen die Rettungskräfte meiner Ansicht nach Maßnahmen zur Abschirmung des Patienten treffen, da dann für die Pressefreiheit aus Art. 5 GG die sog, verfassungsimmanente Schrankentheorie greifen dürfte.

Eine Freie und unabhängige Presse ist, auch meiner Ansicht nach, eines der höchsten schutzwürdigen Güter eines Staates jedoch ist die Freiheit der Presse nicht grenzenlos. Wie oben schon angedeutet endet die Freiheit der Presse dort wo die Grundrechtsverletzung im Hinblick auf die Menschenwürde beginnt. Grundsätzlich ist bei einer solchen Situation jedoch eine Güterabwägung vorzunehmen, das Recht auf Pressefreiheit aus Art. 5 GG darf nicht zu sehr eingeschränkt, das Recht auf Schutz der Menschenwürde aus Art. 1 GG nicht zu sehr verletzt werden um es mal laienhaft auszudrücken (Ich habe jetzt keine Lust das ganze juristisch korrekt auszuformulieren, es ist heiß…).

Was bedeutet dass in der Praxis? Um es mal mit den Worten meiner Profs aus dem ÖRecht bzw. VerfRecht zu sagen: Es kommt auf den Einzelfall an. Man kann einem Fotografen schlichtweg nicht den Zutritt zur Einsatzstelle mit dem Argument „Opferschutz“ komplett verweigern, das ist überzogen. In meinen Augen unproblematisch ist dagegen der Aufbau eines Sichtschutzes unmittelbar um den Patienten um selbigen, zu schützen. Das ganze ist dann eine rechtmäßige Beschränkung des Art. 5 GG und ist meiner Ansicht nach auch zulässig.

Kommentare

23 Kommentare zu “Opferschutz vs. Pressefreiheit” (davon )

  1. Irakli West am 1. August 2008 13:14

    Das ist die (mögliche) rechtliche Sicht der Dinge. Es gibt auch noch eine GMV-Sicht, und meine ganze persönliche sagt mir, dass der Text, den der Reporter auf seiner Seite abgelassen hat, einfach kindisch ist. Vielleicht sollte ich auch mal anfangen rumzuheulen und über Verschwörungen zu vermuten.

    A) wüsste nicht, wie man damit punktet und b) einfach ignorieren. Ist besser so.

  2. Fabian Funk am 1. August 2008 13:22

    Von dem konkreten Fall und dem Text (weil das tatsächlich lächerlich ist) mal abgesehen, ging es mir eher um die generelle Handhabe dieser Thematik.

  3. Harald am 1. August 2008 14:34

    Die Diskussion auf feuerwehr.de habe ich anfangs verfolgt. Irgendwann waren es für mich zu viele Einträge zum Lesen.

    Der Reporter, wie es Irakli so schön ausgedrückt hat, ist bei den Feuerwehren in NRW gut bekannt. Ein Bekannter ist bei einer Freiwilligen Feuerwehr in diesem Bundesland aktiv. Seine Wehr hat schon selbst Erfahrungen mit dem Reporter gemacht.

  4. Geza am 1. August 2008 14:45

    An prominenter Stelle steht geschrieben „Jeder hat das Recht, seine Meinung in Wort, Schrift und Bild frei zu äußern und zu verbreiten und sich aus allgemein zugänglichen Quellen ungehindert zu unterrichten. Die Pressefreiheit und die Freiheit der Berichterstattung durch Rundfunk und Film werden gewährleistet. Eine Zensur findet nicht statt.

    Natürlich ist das keine Generalbevollmächtigung, dass Fotos von Unfallopfern veröffentlicht werden dürfen.
    Dennoch:
    Jeder darf Fotos machen. Die Veröffentlichung ist was anderes.

    Für den Schutz des Opfers ist vielleicht die Polizei zuständig, auf keine Fall die Feuerwehr. Ich als Feuerwehr will auch nicht an der Einsatzstelle entscheiden, ob das Opfer im öffentlichen Interesse steht oder nicht. Kühl auf den Punkt gebracht (und genau so muss man es sehen, wenn es zum Streit kommt) ist das eine Angelegenheit zwischen dem Opfer und dem Veröffentlichenden. Anstand und Respekt haben sich in der Berichterstattung in den meisten Fällen schon vor Jahren verabschiedet.

    Geza

    P.S.: Aus einsatztaktischer Sicht kann es notwendig sein, das Verletzte beim Transport in den RTW von stabil gebauten FA flankiert werden…   ;-)

  5. Sebastian Schubert am 1. August 2008 16:16

    Jeder darf Fotos machen. Die Veröffentlichung ist was anderes.

    stimmt so nicht – es gibt auch noch ein recht am eigenen bild und das kunsturheberrechtsgesetz

    und wenn einer von dir ein foto macht und du willst das nicht dann kannst du die herausgabe der negative/speicherdisk verlangen und ihm sogar dafür eine auf die murmel hauen.

    wenn du als feuerwehrmann jemandem hilfst und der ist grad ned selber in der lage zu entscheiden ob er/sie/es fotografiert werden will – dann kannst du für ihn „bestimmen“ (weiss ned wie das rechtlich genau heisst) und davon ausgehen das er/sie/es nicht fotografiert werden will.

    alles in allem aber eigentlich nicht der rede wert – wiebold stellt öfters mal sehr reisserische kommentare seinerseits auf seine seite und inkludiert auch gern alle (un)möglichen kommentare dazu.

    ich persönlich finds gut wenn jemand fotos macht und unsere arbeit dokumentiert soweit sich dabei an geltende regeln gehalten wird.
    ob man von seriösem journalismus sprechen kann wenn man sich schon blaulichtreporter nennt (für mich ist das befriedigen von niederen sinnen) lass ich mal dahingestellt.

  6. Skippy am 2. August 2008 07:16

    Wir hatten letztes jahr beim Dienst das Thema Verhalten der Feuerwehr gegenüber der Presse.
    Und da ich mir immer alles mitschreibe hab ich mir auch eben 2 Aussagen unseres Wehrleiters die ich dahingehend für wichtig halte notiert.

    -Menschenwürde achten ist unser Oberstes Gebot
    -dagegen steht die Sensationslust die Menschenunwürdig und somit zu verhindern ist

    -Man darf/muss davon ausgehen das Opfer nicht mit Fotos seiner Situation einverstanden ist
    -Optische Abschirmung ist somit im Sinne des Opfers und ist auch im Sinne der Pressefreiheit zulässig
    -Artikel 1 Schutz der Menschenwürde
     
     
    -Wichtig: Auch am Einsatzort bereits Verstorbene haben weiterhin noch ihr Recht auf Menschenwürde
    man darf also auch ruhig davon ausgehen das weder sie noch die Hinterbliebenen möchten das von ihm Fotos gemacht werden
     
     

    hIch für meinen Teil stehe ganz hinter diesen Aussagen. Wobei man sagen muss wir hier haben richtig Glück die zusammenarbeit mit der Presse klappt einwandfrei sie rennen auch nicht einfach irgendwo am Einsatzort rum sondern fragen wo sie hindürfen und fragen teilweise auch nach ob sie davon nen bild machen dürfen.

    Ps.: wer meint das er die Mitschrift gebrauchen kann brauch sich nur bei mir melden is kein Problem

    [edit Irakli: css-code entfernt]

  7. Stefan Cimander am 2. August 2008 10:45

    Wir hatten 2006 im Feuerwehr Weblog doch mal ne ähnliche Diskussion: http://www.feuerwehr-weblog.de/archives/2006/04/feuerwehr_behin.html

  8. Der Lars am 2. August 2008 14:27

    Opferschutz…. Menschenwürde…. Blablabla….

    Wie gut dass ein Hamburger Gericht schon vor Jahren geklärt hat dass es definitiv nicht zulässig ist die Opfer mit Decken zu schützen und damit die Arbeit der Presse zu behindern.

    Wenn ein Einsatzleiter meint das müsste er so halten, dann bekommt er einen auf den Deckel. Punkt.

    Zitat von Geza: >>Anstand und Respekt haben sich in der Berichterstattung in den meisten Fällen schon vor Jahren verabschiedet.<<

    Genau das halte ich für falsch. Denn dass ich fotografiere während da eine abgedeckte LEiche liegt, heißt nicht

    – dass ich diese auch im Sucher habe
    – dass ich das Bild unbearbeitet lasse
    – dass die Redaktion die Bilder so abdruckt

    Es hat mir keiner, egal ob Pol, FW oder RD, an der Einsatzstelle zu sagen was ich zu fotografieren habe und was nicht. Solche Vorschriften lasse ich mir höchstens von einem Richter machen – aber erst nachträglich. Ich lasse mir ja auch im einsatz nicht vom „Einsatzleiter an der Bordsteinkante“ sagen wie ich zu arbeiten habe.

    Und wenn mir dann jemand kommt und meint er will meine Speicherkarten haben, dann sieht er meinen Mittelfinger mit dem Kommentar „Eelative Person der Zeitgeschichte!“.

    So, und jetzt nehmt mich von mir aus auseinander, aber wenn es darum geht dass mit jemand sagen will wie ich meine Arbeit zu machen habe, der in der Hinsicht überhaupt nichts zu melden hat, dann werde ich stinkig. Man kann mir gerne sagen „Hier nicht, da ist was ausgelaufen.“ oder „Bleib aus dem Trümmerschatten!“, das war es dann aber auch. Was ich fotografiere ist mein Bier.

  9. Fabian Funk am 2. August 2008 14:39

    Dann hast du ja sicher auch das passende Aktenzeichen zu dem Urteil?

  10. Der Lars am 2. August 2008 15:12

    Musst du mal im Feuerwehrforum gucken.

  11. Fabian Funk am 2. August 2008 15:53

    In dem Thread wird ebenfalls kein Aktenzeichen genannte, es wird lediglich darauf hingewiesen dass es eine Gerichtsentscheidung gab die eine Behinderung der Pressearbeit als unzulässig erklärt hat. Es ist aber bislang unbekannt wie die Behinderung ausgesehen hat, wurde nur das Opfer verhüllt? Wurde eine Deckenwand aufgebaut? Was denn nun?

    Die relative Person der Zeitgeschichte findet ihre Grenzen allerdings ebenfalls in Art. 1 GG. Der Begriff der relativen Person der Zeitgeschichte bringt dir insofern nur was wenn sich der Fotografierte gegen die Veröffentlichung auf der Grundlage des KunstUrhRG wehrt.

    Die Verhüllung des einzelnen (!) Patienten ist imo weiterhin statthaft, da schon durch das anfertigen bestimmter Motive die Tatbestände des Art. 1GG erfüllt sind und hier nicht erst auf das veröffentlichen abgestellt werden muss.

    Provokativ gefragt:
    Was ist im so schlimm daran wenn auf dem späteren Foto eine fläche von 3×3 Metern durch Decken abgedeckt und das restliche Unfallgeschehen frei einsehbar ist?

  12. Der Lars am 2. August 2008 17:55

    Ich denke das Urteil war von vor 2004, denn auf http://lrha.juris.de/cgi-bin/laender_rechtsprechung/ha_frameset.py ist nichts zu finden. Aber soweit ich verstanden habe, wurde das Opfer verhüllt. Da ich nicht im FWF angemeldet bin, kann ich leider nicht nachfragen, aber vll. irgendwer anders? Sollte das Urteil gegen Art. 1 und für die Presse sein, würde das wohl

    a) Einen ganzen schwanz im FWF nach sich ziehen
    b) Den Ruf der Hamburger Richter weiter stärken
    c) Von mir ausgedruckt, gerahmt, mitgeführt.

    Und Provokativ geantwortet:
    Es ist mir (solange ich als Journalist und nciht als Feuerwehrmann bei einem Einsatz bin) ehrlich gesagt recht egal welche Pappnase mir sagen will was ich zu fotografieren habe und was nicht. Woher will die einsatzkraft wissen was ich da gerade fotografiere? Kleines Ratespiel: Ich stehe mit meinem 70-300 gute 15 Meter vor dem PKW. Was fotografiere ich:

    a) Mitte Motorhaube bis Außenspiegel mit dem Verletzten hinter dem Lenkrad um es an die Bild zu verkaufen.
    b) Die Schere wie sie sich in den hochfesten Stahl der A-Säule frisst um es an Weber-Hydraulik zu verkaufen.
    c) Die Arbeiten am Wrack, aber das Blaulicht des KdoW im Hintergrund leuchtet so durch das Fahrzeug dass man nur außen herum etwas erkennt.

    Und?

  13. Fabian Funk am 2. August 2008 18:08

    Nochmal (und das steht eigentlich auch deutlich in meinem Beitrag) ich verbiete niemanden irgendetwas zu fotografieren, noch sperre ich Journalisten von der Einsatzstelle aus.

    Ich spreche als zulässige Maßnahme lediglich davon dem Patienten eine Decke vorzuhalten, mehr nicht.

    Das einzige was ich bislang zu dem Vorfall gefunden habe ist ein Bericht in einer 97er Brandschutz, S. 983 ff. der die Situation bebildert darstellt und ein Beschwerdeschreiben der BILD abdruckt, mehr nicht. Und die Maßnahme die dort dargestellt ist würde ich ohne jegliche Bauchschmerzen an jeder Einsatzstelle durchführen.

  14. Skippy am 2. August 2008 21:16

    so erstmal an Lars gerichtet eindeutig ist hier schonmal gar nichts. In einem Rechtsstaat mag des durchaus der Fall sein aber hier in D entscheidet eh jeder Richter wie er will.
    Du hast da ein Urteil wenn wir nen bissl suchen finden wa auch genug Urteile die unsere Position stärken.
    Aber ich glaube zu wissen von welchem Urteil er redet das war auch damals in dem Feuerwehr Magazin was mein Bruder abboniert hat.
    Un in dem Urteil ging es auch nicht darum der journalie nen Freibrief auszustellen sondern ab wann man die Pressefreiheit unzulässig einschrenkt(was leider in D nicht ausreichend festegelegt ist) um beim aktuellen Fall zu bleiben.
    Autounfall Leiche liegt er kennbar im ausgebrannten auto leiche abdecken oder mit fotografen abklären das er wartet bis leiche entfernt ist und danach kann er nahaufnahmen knipsen währe zulässig ihn aber zu verbieten und daran zu hindern das auto generell zu fotografieren ist unverhältnismäßig und würde gegen die pressefreiheit verstoßen.

    Und lars du unterliegst da auch einem Irrtum mit dem recht am eigenen bild is nicht nur gemeint das man verhindern kann das ein Bild veröffentlicht wird sondern auch die existenz des Bildes an sich(auch wenn man natürlich nichts vernichten kann von dem man nichts weiß)

    Wobei ich natürlich die sicht von Lars und anderen reportern in gewissen berecihen teilen kann zum einen verdienen sie damit ihr Geld.
    Das bedeutet sie brauchen auch Bilder wo das aktuelle geschehen erkennbar ist.
    Und leider gibt es auch oft genug Einsatzkräfte egal welcher vereinigung die die Presse unzulässig behindern.
    Ich persönlich finde beiderseitige zusammenarbeit ist hier immens wichtig und vorallem für beiderseitigen vorteil

  15. Geza am 3. August 2008 02:12

    @ Der Lars:
    Wir sind einer Meinung.
    Mit der Zeile, die Du von meinem Kommentar zitierst, meine ich insbesondere „Laienreporter“ die meinen mit einem Schnappschuss mit der Handykamera reich und berühmt zu werden und die Redaktionen, die zu solchen Aktionen aufrufen.

    Mir ist klar, das wir alle hier ein ausgeprägtes Helfersyndrom haben und wir als Retter das Ziel haben, dass dem Opfer schnell und unkompliziert geholfen wird.

    Dennoch:
    Ich lasse mich gerne belehren, aber wo im Kunsturheberrechtsgesetz steht, dass das Erstellen von Fotos verboten ist?

    Das Einschänken von Rechten, insbesondere von Journalisten, überlasse ich der Polizei.
    Jeder Feuerwehrler, der an der Einsatzstelle meint, sich als Richter für eine noch nicht begangene Tat aufzuspielen, überschreitet seine Kompetenzen!
    Genau genommen mischt man sich in Differenzen zwischen dem Journalisten und dem Unfallopfer bzw., sollte dieses verstorben sein, dessen Angehörigen ein. Als Streitwert sind schnell fünfstellige Summen im Gespräch.

    Behinderung der Presse ist die schlechteste Öffentlichkeitsarbeit die man seiner Feuerwehr einbrocken kann.
    Ich halte eine offensive Pressearbeit – auch bei „kleineren“ Einsätzen für äußerst wichtig.  Die seriösen Agenturen und Medien sind ohnehin nicht an Bildern mit Verletzten oder Toten interessiert. Die Fotografen halten sich meistens an den Pressekodex des deutschen Presserates. Sollte man versuchen, Fotografen / Kamerateams an ihrer Arbeit zu hindern, werden sie eben dies dokumentieren.
    Das wäre nich die erste Schlagzeile von wegen „Feuerwehr behindert Presse“ oder ähnlich.

  16. Fabian Funk am 3. August 2008 11:57

    Im Kunsturheberrechtsgesetz steht das nirgendes, das habe ich auch NIE so behauptet.

    Dass allein das erstellen des Fotos rechtwidrig ist ergibt sich in meinen Augen aus der Verletzung des allg. Persönlichkeitsrechtes aus Art. 1 Abs. 1 GG (warum das habe ich bereits oben erläutert), demnach hat der Patient dann auch einen Schutzanspruch. Diesen Schutzanspruch durchzusetzen ist Aufgabe jeder staatlichen Gewalt (Feuerwehr->Gemeinde->Bingo!), hilfsweise kann man jedoch auch annehmen dass der Patient gewollt hätte dass man ihn vor Bildaufnahmen schützt, hier sind dann die Grundsätze der Geschäftsführung ohne Auftag maßgebend.

  17. Geza am 3. August 2008 13:39

    @ Fabian: ich spiele viel mehr auf den Kommentar von Sebastian Schubert weiter oben an.

    Die Feuerwehr ist keine staatliche Gewalt. Das sind die Polizeibehörden. In Hessen darf die Feuerwehr weder einer polizeilichen noch einer militärischen Einheit unterstellt werden.

  18. Fabian Funk am 3. August 2008 13:52

    *grfx* Die Feuerwehr IST staatliche Gewalt, weil die Gemeinde ein Teil des Staates ist und die Feuerwehr ein unselbständiger Teil der Gemeinde.

    Gemeinde = staatliche Gewalt

    Feuerwehr = Gemeinde

    Staatliche Gewalt allein mit den (grün/blauen) Exekutivorganen gleichzusetzen ist falsch!

  19. Der Lars am 3. August 2008 14:08

    @ Fabian: Das abdecken einer Leiche oder das direkte abdecken einer Person -> Okay, kann auch notwendig sein um vor weiteren Verletzungen zu schützen.

    Aber: Deckenwände hoch halten -> Nicht okay, da werde ich stinkig. Mit einer Ausnahme: Es stehen Menschentrauben drum herum ohne Ende, wobei es dafür je die Absperrung gibt, mit der man die Presse ihre Arbeit machen lassen kann und die Gaffer aussperrt.

    @ Skippy: Wieso? Recht ist, was der Richter spricht und niederschreibt. Wird das mindestens einmal bestätigt, ist das für mich eindeutig.

    @ Geza: „Leserreporter“ gehören auch hinter die Absperrung.

    Relative Personen der Zeitgeschichte

    Im Unterschied zu den absoluten stehen die relativen Personen der Zeitgeschichte nur eine begrenzte Zeit im Blickpunkt der Öffentlichkeit. Dies kann aufgrund eines relevanten Ereignisses, kraft ihrer Abstammung oder kraft ihres Amtes vorliegen. Teilnehmer an einem spektakulären Unfall zählen genauso zu dieser Personengruppe wie Schauspieler, Sportler, Showgrößen, Beteiligte an einem interessanten Prozeß, usw. Die Wiedergabe und Abbildung dieser Personen ist grundsätzlich nur in dem Rahmen zulässig, insoweit sie durch die in Rede stehenden Ereignisse im öffentlichen Interesse stehen.
    Vgl. Hartlieb, Horst: Handbuch des Film-, Fernseh- und Videorechts. 3., neubearbeitete und wesentlich erweiterte Auflage. C. H. Beck’sche Verlagsbuchhandlung, München 1995, 94

    Einschränkungen der Abbildungsfreiheit ergeben sich bei den relativen Personen der Zeitgeschichte aus dem Ereignisbezug und der Aktualität. Demzufolge sind solche Abbildungen unzulässig, die thematisch und zeitlich nicht im Zusammenhang mit dem zeitgeschichtlichen Ereignis stehen, durch das die entsprechende Person öffentlich bekannt geworden ist. Dieser Zusammenhang muß jedoch nicht notwendigerweise unmittelbar aus dem Bild selbst hervorgehen. Vielmehr genügt es, wenn ein zum Bild gehöriger Text diese Klammerfunktion erfüllt und dadurch der Bezug zum zeitgeschichtlichen Vorgang deutlich wird. Wichtig ist diese Differenzierung für die Veröffentlichung von Portraitfotos. Sind auf dem Bildnis jedoch weitergehende Zusammenhänge dargestellt, müssen auch diese einen zeitgeschichtlichen Ereignisbezug aufweisen.
    Vgl. Hartlieb, 95
    Da die relative Person der Zeitgeschichte erst durch ein zeitgeschichtlich relevantes Ereignis zu einer solchen wird, ist an die damit zusammenhängende Abbildungsfreiheit ein enger Aktualitätsmaßstab anzulegen. So muß die Person zum Zeitpunkt der Bildnisveröffentlichung dem tatsächlichen Zeitgeschehen angehören; das in Rede stehende Ereignis muß noch im Bewußtsein der Öffentlichkeit sein. So können die Beteiligten Personen an einem Finanzskandal relative Personen der Zeitgeschichte sein, bereits ein halbes Jahr danach aber keine Rolle mehr im Bewußtsein der Öffentlichkeit spielen, so daß die Abbildungsfreiheit entfällt. Weiterhin muß die Abbildung die Person zur Zeit des maßgeblichen Ereignisses zeigen. Fotos die aus der Zeit vor oder nach dem zeitgeschichtlichen Ereignis datieren, fallen nicht mehr unter die Abbildungsfreiheit.
    Vgl. Helle, 148

  20. Ulrich Wolf am 4. August 2008 01:45

    Wieso hat „die Presse“ immer nur dann ein Problem, wenn sie nicht das gut bezahlte „Foto vom Gehackten“ bekommt, bzw. ihr das durch hochgehaltene Decken nicht möglich ist? Wenn sie doch nur bei anderen Themen auch so energisch auf „ihr Recht“ bestehen würde, und mit Zoom  Fotos machen würde….
    Es gab Zeiten, da hat  es gereicht, Fotos aus der Totalen zu machen, und jeder konnte sich die Situation vorstellen… Heute muß es die Nahaufnahme der Verletzung sein. 
    Man, was nehmen sich bestimmte Leute raus. Echt zum schlecht werden!

  21. Eric Eifler am 4. August 2008 11:00

    @Der Lars:
    Du kannst nicht sagen, dass ein Urteil das in diesem speziellen Fall gefällt wurde, für alle Zeiten und für jeden Rechtskräftig ist, es seie denn es ist in einem Gesetz verankert. Es kann sein das sich bei einem anderen Verfahren der Richter auf dieses Urteil beruft, aber das ist für keinen hier eine Freifahrtskarte um irgendwelche Rechte, im speziellen im Grundgesetz in irgendeiner Weise außer Kraft zu setzen.

    Des weiteren vertrete ich auch den Standpunkt, das Bilder von Opfern höchst moralisch in Frage gestellt sind und berufe mich hiermit auf §1 GG.

    Für mich steht es außer Frage, dass in extremen Fällen wo die Presse wirklich aufdringlich wird, das Recht des einzelnen Geschützt werden sollte. Aber glücklicherweise gibt es ja nicht nur die eine Sorte von Fotografen, sondern auch die Andere, die weder aufdringlich wird, noch moralisch bedenkliche Bilder veröffentlicht. Warum das wohl nicht jeder so machen kann?

  22. vectisfire am 4. August 2008 12:19

    1. Die Darstellung der Rechtslage ist von Lars im Großen und Ganzen korrekt dargestellt worden. Insbesondere muss ich ihm in zwei Punkten grundsätzlich Recht geben:
    a) Wenn ein Fotograf/Kameramann Aufnahmen machen will, dann darf er nicht bei seiner Arbeit behindert werden (klar ist, dass er beim Einsatz nicht im Wege stehen darf). Sichtschutz zu errichten ist zwar im Sinne der Opfer einerseits lobenswert, darf aber nicht ‚gegen die Presse‘ gerichtet sein, sondern gegen die Gaffer.
    b) Es steht nicht im Ermessen einer Einsatzkraft zu beurteilen, ob die ‚Abbildung‘ korrekt ist oder nicht (siehe Erläuterungen von Lars).
    Wer kann denn beurteilen, was später tatsächlich an Bildmaterial verwertet wird bzw. was in welcher Deutlichkeit veröffentlicht wird.

    Weiterhin gibt es z.B. Pressefotografen, die auch an Ort und Stelle Fotos machen, die für die Polizei gemacht werden, also quasi in Doppelfunktion ihre Tätigkeit ausüben.

    Andererseits gibt es Situationen, die uns Feuerwehrleuten gar nicht behagen.
    Beispiel: der Kameramann, der schon genügend Material im Kasten hat, versucht Aufnahmen des Verletzten zu machen, obwohl dieser bereits im RTW liegt. Da muss man einfach hoffen, dass er oder seine Kollegen in der Redaktion dieses Material nicht verwenden. Wenn doch, muss er mit den rechtlichen Konsequenzen rechnen. Aber solange er kein ‚unrechtes Produkt‘ veröffentlicht, ist es bedenklich ihn durch Maßnahmen am Einsatzort ‚zu bestrafen‘ bzw. vorweg zu verurteilen. Die Feuerwehr ist nicht in der Position sich als verlängerter Arm der Justiz zu betätigen, bevor überhaupt eine Tat als solche im rechtlichen Sinne zu bewerten ist. 

  23. Der Lars am 5. August 2008 19:18

    Danke!

Bottom