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Vorwort
Ich bin seit 2004 in der Aktiven Wehr der Feuerwehr Püttlingen und habe seit letztem Jahr, genauer gesagt seit letztem November meinen Atemschutzgeräteträgerlehrgang bei der Werkfeuerwehr Saarstahl absolviert. Ich bin also nich sehr frisch auf dem Gebiet Atemschutz.
In der kurzen Zeit hatte ich bisher keine Möglichkeit, großartig Einsatzerfahrung im Innenangriff zu sammeln. Weil dies auf kurzfristiger ebene auch wohl nicht drin war, habe ich mich also für den Lehrgang Verhaltenstraining Brandbekämpfung auf er Landesfeuerwehrschule des Saarlandes eingetragen, der am 1. und 2. September stattfand.

Die Erwartungen
Natürlich ist mir von vorneherein bewusst, dass man in einer Übungsanlage, dazu auch noch Gasbefeuert, nie und nimmer völlig realistische Einsatzbedingungen darstellen kann.
Deshalb habe ich erstmal meine Erwartungen auf die Grundlagen für einen Innenangriff und halbwegs realistische Bedingungen bei Wärmebelastung zurückgefahren. Sprich: Was kann Ich mir zumuten, was kann ich meiner PSA zumuten und was sind die „Standardhandgriffe“ für einen solchen Einsatz?

Der erste Tag
Los gings also Montags, dem 1. September. Wir begannen erstmal im Schulungsraum mit einer kleinen Vorstellungsrunde. Dabei war ich der jüngste, aber die Altersverteilung zog sich durch alle Schichten.
Auf jeden Fall ein sympathischer Haufen Leute, mit denen man gut arbeiten konnte.

Nach der Vorstellungsrunde gings dann auch gleich schon los mit Unterricht. Zuerst wurde auf die „Chemisch Physikalischen Grundlagen“ eingegangen, wann tritt ein Flashover auf, was ist der Unterschied zwischen Flashover und Backdraft, entstehung eines Flashovers, Anzeichen eines bevorstehenden Flashovers (Rauch beobachten, Temperaturanstieg, „Dancing Angels“). Natürlich wurde dabei auch auf die immens wichtige Löschtaktik eingegangen:

  • Abgabe von Löschwasser an die Decke als Impuls
  • Einstellung am HSR: ca. 250 l / min

Besonders gut fand ich insgesamt das Vorgehen der Ausbilder. Es wurde in erster Linie darauf geachtet, dass Standardhandgriffe sitzen und man sich damit auf das Wesentliche um einen herum konzentrieren kann. So wurde auch erstmal in der Theorie das Türöffnungsverfahren erklärt.

  • Tür auf Hitze überprüfen
  • Öffnen aus der Deckung
  • Dreimal Sprühstoß unter die Decke
  • Abwarten und Wasserdampf arbeiten lassen, ca. 10 Sekunden. Im Einsatzstress heißt das: bis 20 zählen.
  • Tür öffnen und in niedrigster Gangart weitere Wasserabgabe und ständige Rückzugsbereitschaft

Nach der Theorie gings dann raus zu hier bereits oft diskutierten und angepriesenen Flashoverbox. Auch hier sei das ganze nochmal wirklich sehr lobend erwähnt. Hier kann man wirklich sehr gut vorführen, was für ein Druck der Brandrauch erzeugen kann und wie der Wasserdampf arbeitet.

Weiter im Programm ging es dann zur Strahlrohrführung. Man hat die Möglichkeit sich mal an allen Arten zu versuchen.
Einmal ein Druckschlauch S mit einem Hohlstrahlrohr mit max. 150 l / min Durchflussmenge. Hier sieht man vorallem, warum ein Druckschlauch S mit 100l Durchflussmenge nicht für den Innenangriff geeignet ist. Ein schwaches Bild beim Sprühstrahl ist das Ergebnis.
Daneben liegt ein Hohlstrahlrohr am C42 mit eingestellten 250 l / min, das „Standardwerkzeug“ im Innenangriff.
Weiterhin griffbereit: CMM Strahlrohr (CM mit Mannschutzbrause) und ein normales CM Strahlrohr. Beide nur ohne Mundstück im Innenangriff zu verwenden, weil dort annähernd die benötigten 250 l / min erreicht werden (200 l/min beim CM). Bei letzterem wird auch gleich gezeigt, wie man damit am besten vorgeht, bei einer Türöffnung. Knie auf den Schlauch, somit lässt er sich leicht zurücknehmen und die Handhabung wird insgesamt erleichtert.

Danach wird die Türöffnungsprozedur in 2 Gruppen, die an den beiden Tagen so bestehen bleiben, durchgeführt. Das Programm wird automatisiert. Türabtasten, „Öffnet zu uns!“, Handschuh aus (oder Stulpe umklappen), mit Handrücken ab Türmitte nach oben fühlen. „Kalt!“. Ich befestige den Schlauchhalter an der Klinge, damit mit die Tür nicht abhaut und ich sie wieder schließen kann. „Nachschau, keine Wasserabgabe“. Tür auf, reingeschaut. Der Ausbilder: „Dicker schwarzer Rauch!“. „Dicker schwarzer Rauch! Rauchgaskühlung! Fertig?“. Truppmann: „Fertig!“. „Tür auf!“. Er gibt 3 Sprühstöße ab, die tür geht wieder zu. Ich zähle bis 20.

Nach dem Mittagessen ging es dann zum ersten mal 3 Minuten in die Wärmegewöhnung. Diese findet an der „Universalbrandstelle“ statt, bei der auch ein Flashover simuliert werden kann.
Der erste Durchgang nur mit T-Shirt und ohne Überbekleidung, also Überhosen aus (sofern überhaupt vorhanden) und Baumwolle an. Nach einer Minute sitzt jeder auf dem Boden, weil die wärme oben schon so unerträglich geworden ist. Nach weiteren 30 sekunden fällt bereits in gebückter Haltung die Atmung durch die Nase schwer, man hat wirklich das gefühl, einem verbrennen die Haare in der Nase.
Der Ausbilder fordert uns bei Minute 2 auf, noch weiter in Richtung boden zu kommen, denn auf Augenhöhe hat es bereits die 100°C geknackt. Hier fällt das Atmen wieder deutlich leichter. Beeindruckendes Erlebnis. In gebückter Haltung wird der Raum verlassen.

Bei Durchgang 2 wird die Komplette PSA, jedoch ohne Pressluftatmer angelegt. Das heißt also: Überjacke, Handschuhe, Flammschutzhaube und Helm.
Hier merkt man schon deutlich den Unterschied. Nur im Gesicht ist die Wärme zu spüren, die Überjacken isolieren extrem. Auch hier ist nach 3 Minuten schluss, die Wärme ist zumindest noch durch die Flammschutzhaube gedrungen und hat mir einen Satz warmer Ohren verpasst.

Dann geht es endlich zu den Pressluftatmern. Diesmal dauert der Durchgang ganze 6 Minuten, er werden hier ca. 650°C erreicht. Nun ist man von der Gesamten umgebung isoliert, wenig wärme dringt durch die Kleidung, selbst durch die Baumwollhosen. Die Atmung fällt natürlich deutlich leichter und angenehmer aus. Sinne freimachen um die wärme zu fühlen. Nach 4 1/2 Minuten finden sich wieder alle fast liegend auf dem Boden, die wärme ist leicht durchgeschlagen, aber kommt nichtmal annähernd an das Gefühl ohne PSA heran.

Danach geht es wieder in den Schulungsraum, hier werden die Absuchtechniken durchgesprochen.
Danach geht es wieder runter, bei der Universalbrandstelle werden die Suchtechniken von zwei freiwilligen Teilnehmern vorgeführt.

Danach wieder komplett ausrüsten, diesmal ist für uns das obere Stockwerk vernebelt. Mein Truppmann und ich gehen als dritte, die sicht ist gleich null. Im Raum befindet sich eine Wendeltreppe nach unten, versteift auf die Absturzkannte vergessen wird einen Teil des Raumes. Ansonsten alles abgesucht.

Der zweite Tag
Hier geht es los mit der ersten von 7 Übungen. Unsere Gruppe wird zum LF 8/6 zugeordnet. Keine Hohlstrahlrohre, nur CM oder CMM.
Die erste Übung geht noch etwas versteift von der Hand, Fehler werden gemacht. Erstmal das Ziel der Ausbilder, denn aus Fehlern lernt man, solange sie in Übungen bleiben. Nach jeder Übung findet eine Nachbesprechung statt, man kann die Brandstelle begutachten. Ständig sitzt einem ein Ausbilder mit der Wärmebildkamera im Nacken und verfolgt alles was man macht.
Bei Übung 2 dringt aus dem Keller plötzlich ein großer Knall. Wieder ein fehler: Gaszählerbrand, der Trupp löscht die Flamme und plötzlich, Rückzündung.
Bei Übung Nummer 4 bin ich dann an der reihe. Der Jüngste darf natürlich wie immer die Aufgabe des Truppführers übernehmen. ;-)
Lage: Küchenbrand im 1. OG. Angriffstrupp mit 1. Rohr zur Brandbekämpfung über Steckleiter zum Angriff vor.
Nachdem wir oben angekommen sind und der ganze krempel oben ist, spielt sich wieder das Standardprogramm ab:
„Tür öffnet von uns weg, anschlag links!“. Ich prüfe auf Hitze und merke, dass die Tür warm ist. Ich gebe meinem Mann erstmal den Befahl, kein Wasser abzugeben. Ich schaue in den Raum rein und sehe keinen Rauch, dafür aber eine offene Flamme, Tür zu. Ich gebe meinem Truppmann bescheid, dass er kein Wasser abgeben soll, da keine Flashovergefahr. Wir gehen direkt in den Raum vor, ich sehe das es die nachgestellte Friteuse ist die brennt. Deckel zu. Rückmeldung an den Gruppenführer: „Brand einer Friteuse, Feuer aus, halten noch nachschau.“. Vom Ausbilder werde ich noch darauf hingewiesen, den Stecker zu ziehen. Übungsende. Keine Kritik, außer dass er „zu wenig zu bemängeln hatte“.

Scheint zuerstmal so, als hätte das, was die Ausbilder als Ziel hatten offensichtlich gefruchtet hatte. Man spult einfach sein Programm ab und hat dann das Auge für das wesentliche.

Nach dem Mittagessen stand für uns alle die letzte Übung an. Wieder ich im Angriffstrupp. Diesmal Kellerbrand. Doch schon am Anfang geschieht der Fehler. Kein Wasser auf dem Schlauch, er verklemmt sich ungefüllt unter dem Treppengeländer, schon nach der ersten Tür ist Schluss für uns. Versuche den Schlauch noch loszubekommen scheitern. Der Ausbilder sagt zu meinem Truppmann, er soll sich hinlegen. Vorher wurde ich bereits eingeweiht, dass einer von uns umkippen soll. Also gebe ich mein Mayday ab. Den guten von der Treppe runterzubekommen gestalltet sich als sehr schwierig, mit dem ganzen Krempel den man an sich hängen hat. Und dazu sieht man nichts.
Wieder um einige Erfahrungen reicher und der Gewissheit, dass ein solcher Fehler einem im Einsatz garantiert nicht passieren wird.

Fazit
Ich denke man kann mit fug und recht sagen, ich habe noch nie auf einem Lehrgang so viel gelernt, wie in diesen beiden Tagen. Ein absolut empfehlenswertes Erlebnis. Wenn man die Möglichkeiten hat, eine solche Anlage zu besuchen, dann sollte man das auch sofort wahrnehmen.
Ich finde es vorallen Dingen wichtig, dass man sich erstmal auf das Grundhandwerk konzentriert hat um dann die Augen frei zu haben, für das wichtige im Einsatz.
ich denke auch, das jeder frische Atemschutzgeräteträger diese Möglichkeiten unmittelbar nach seiner Ausbildung ausschöpft.

Leider hatte ich keine Möglichkeit, um euch hier mit Bildern zu versorgen. Denn das Programm war so vollgepackt, dass ich Bilder machen konnte. Kameras waren außerdem in der WGA aus Sicherheitsgründen verboten.

Kommentare

15 Kommentare zu “Erlebnisbericht Brandhaus an der LFS Saarland” (davon )

  1. Erlebnisbericht Brandhaus : FWnetz - Feuerwehr im Netz am 10. September 2008 13:54

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  2. Maximilian Martin am 10. September 2008 13:59

    hey
    schöner bericht aus dem brandhaus.
    habe das ding leider bisher nur aus der „ferne“ beim th-lehrgang betrachten können.

  3. Julian R. am 10. September 2008 14:19

    Nicht schlecht! Ich war letztes Jahr an der LFS Hessen (Kassel) in der Brandsimulationsanlage. War auch 2-tägig aber bei weitem nicht so viel Inhalt wie bei euch. Strahlrohrtraining wurde gar nicht explizit behandelt, Türöffnungsprozedur nur ansatzweise.
    Dort im Brandhaus habe ich mir beim Wendeltreppe hochgehen die Flasche zu gedreht. Das war ein beschissenes Gefühl^^. Aber ich habe daraus meine Lehren gezogen.

  4. haupi am 10. September 2008 14:24

    klasse bericht, hatte vor ein paar wochen auch das vergnügen die ankage zu besuchen und zu erleben. habe auch erst im märz meinen atemschutzgerätelehrgang abgeschlossen.
    finde auch, das es für jeden geräteträger ein muss sein sollte den lehrgang mitzumachen, am besten in unmittelbarer nähe nach der ausbildung bevor man den „neuling“in den einsatz schickt.

  5. @fwnetz am 10. September 2008 13:51

    erlebnisbericht Brandhaus LFS Saarland http://tinyurl.com/6a5wue

  6. Tobias am 10. September 2008 15:00

    den Lehrgang hab ich auch besucht. War auch ziemlich begeistert

  7. Florian Körblein am 10. September 2008 15:04

    Guter Bericht! Ich konnte in Würzburg an der SFS den Lehrgang besuchen. Analog wie Kassel, weniger Schulung wie Strahlrohrführung, etc. dafür für jeden an den 2 Tagen 4 Übungen die in Schwierigkeit und Intensität zunehmen.

  8. @ro0f am 10. September 2008 14:06

    Retweet @fwnetz ,wie man sieht hatte ich endlich mal Zeit meinen Erlebnisbericht Brandhaus zu verfassen. http://tinyurl.com/6a5wue

  9. p_k am 10. September 2008 15:58

    wie wurde das finanziert wenn man fragen darf?

  10. Eric Eifler am 10. September 2008 17:24

    Aus Steuergeldern. ;-)
    Ist ein normaler Lehrgang der für alle FA im Saarland angeboten wird.

    Infos zum Gebäude übrigens hier:
    http://www.lfws.saarland.de/10837_11037.htm

  11. p_k am 10. September 2008 22:21

    das ist natürlich nicht schlecht – wieviele plätze gibts denn da für die saarländer feuerwehrs?
    in nrw wird das wohl nicht so leicht :/

  12. Eric Eifler am 10. September 2008 23:48

    Hallo!
    Pro Kreis werden pro Lehrgang jeweils 16 Mann durchgeschleußt. Auch recht wenig. Ich bin froh einen Platz ergattert zu haben. Ich glaube die Lehrgänge finden dann alle 2 Wochen statt, die Landkreise wechseln sich ab.

    Planmäßig soll das jeder AGT im Saarland mal durchlaufen, aber da die Anlage noch nicht so lange besteht, kann das noch sehr lange dauern.

  13. Tobias am 11. September 2008 08:06
  14. Eric Eifler am 11. September 2008 13:30

    Atemschutzgeräte muss man übrigens keine eigenen mehr mitbringen. Es werden eigene vorgehalten extra fürs Brandhaus. Übrigens angenehme Tragegestelle, viel besser als die BD96. Keine Ahnung wie die genau heißen, sind aber auch von Auer MSA. :p

  15. Tobias am 11. September 2008 14:58

    @eric: ist die Airmaxx – Serie

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