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Das Druckkammerzentrum Wiesbaden ist eines von 15 Zentren in Deutschland für Tauch- und Überdruckmedizin sowie Höhen- und Unterdruckmedizin. Doch dass hier nahezu alle Rauchgasvergiftungen – aber auch schwere Verbrennungen – behandelt werden, wissen die wenigsten. Wir besuchten das Druckkammerzentrum, um mehr über die Behandlung von Rauchgasvergiftungen herauszufinden.

Druckkammerzentrum Wiesbaden

Die Druckkammer wird über ein Computer-Panel gesteuert und verfügt über verschiedene Überwachungseinrichtungen.

Nach einer Explosion in einem Wohnhaus in Wiesbaden Anfang April ist die Rede von drei schwer Verletzten. Zwei Personen werden mit dem Rettungshubschrauber in Spezialkliniken transportiert. Eine Frau, die durch die Feuerwehrkräfte über eine tragbare Leiter gerettet wurde, wird nach Angaben der Rettungskräfte mit einer Rauchgasvergiftung in ein Wiesbadener Krankenhaus eingeliefert. Doch tatsächlich wurde sie direkt vom Einsatzort zum Druckkammerzentrum Wiesbaden gebracht. Dort wurde sie nach dem Prinzip der hyperbaren Oxygenation, kurz HBO genannt, behandelt.

Druckkammerzentrum Wiesbaden

Die Kammer fasst 13 sitzende oder einen liegenden Patient und fünf Sitzende. Das Innere erinnert an ein Flugzeug.

Kohlenmonoxid (CO) ist ein geruch-, farb- und geschmackloses Gas, das unter Anderem bei Bränden entsteht. Das Gas kann erhebliche schädigende Wirkungen im Köper auslösen. Es bindet sich deutlich leichter an die roten Blutkörperchen und verhindert so einen ausreichenden Sauerstofftransport im Körper. Zudem werden im Körper befindliche Stoffwechselprozesse und Enzyme blockiert. Da es keine Schmerzen auslöst, wird es von den Betroffenen nicht bemerkt. Durch die verminderte Sauerstofftransportkapazität entstehen Schäden an Herz, Gehirn und anderen Organen. Kopfschmerzen, Übelkeit und Erbrechen sowie Schwindel, Ohrensausen und Bewusstseinsstörungen können unter Anderem als Symptome auftreten.

Druckkammerzentrum Wiesbaden

Das Wiesbadener Druckkammerzentrum ist im „Asklepios-Gesundheits-Zentrum“ in unmittelbarer Nähe einer Klinik untergebracht.

Bei der HBO atmen Patienten medizinisch reinen Sauerstoff ein. Je nach Krankheitsbild wird der Druck um das 1,5- bis 3-Fache des Normaldrucks angehoben. Dadurch wird zusätzlich zu dem eingeatmeten Sauerstoff mehr Sauerstoff im Blut gelöst. Dieser wird über die Lunge an das Blut weitergegeben. In der Therapiekammer wird bis zum 20-Fachen mehr an Sauerstoff in der Blutflüssigkeit physikalisch gelöst und durch den Blutkreislauf dem ganzen Körper zugeführt. Giftiges Kohlenmonoxid wird so schneller aus dem Körper „ausgewaschen“.

Druckkammerzentrum Wiesbaden

Das Sauerstofflager des Druckkammerzentrums.

Bei einer Rauchgasvergiftung ist höchste Eile geboten. Die HBO-Therapie kann bei akuten Symptomen lebensrettend sein und sollte innerhalb von vier Stunden nach dem Unfall beginnen. Zur Alarmierung der Druckkammerbediener und dessen Spezialärzte ist das Team des Druckkammerzentrums mit eigenen Meldern ausgestattet und wird über die Wiesbadener Leitstelle alarmiert. Nach spätestens 30 Minuten ist die Druckkammer an 365 Tagen im Jahr für eine Behandlung bereit.

Druckkammerzentrum Wiesbaden

Die Kammer kostet rund 1 Millionen Euro und wiegt 19 Tonnen.

Das Druckkammerzentrum verfügt über Notfallmedikamente, die identisch mit einer Notarzt-Ausstattung sind: Zwei Beatmungsgeräte, einen Defibrilator, sieben Perfusoren, Magensonden, Blasenkatheter und alles was für ein komplettes Patientenmonitoring notwendig ist. Die Kammer selbst wiegt neunzehn Tonnen und kostet rund 1 Million Euro. Sie fasst 13 sitzende oder ein liegenden Patient und fünf Sitzende. Notfallpatienten werden immer in Einzelfahrten behandelt. Für den Fall, dass während der Fahrt eine einzelne Person auf- oder abtauchen muss, so verfügt die Druckkammer über eine Vorkammer für bis zu 2 Personen. Die Behandlungen in der Druckkammer werden direkt mit der jeweiligen Krankenkasse abgerechnet und sind grundsätzlich Kassenarztleistungen. Die Berufsgenossenschaften halten eine sofortige Behandlung einer CO-Intoxikation in einer Druckkammer für zwingend erforderlich.

Druckkammerzentrum Wiesbaden

Die medizinische Ausstattung des Zentrums entrspricht dem eines Notarztes.

Weitere Informationen:

Text: (sst)
Fotos: Michael Ehresmann

Kommentare

5 Kommentare zu “Druckkammerzentren: Behandlung von Rauchgasvergiftungen” (davon )

  1. Stefan Cimander am 17. September 2008 11:41

    Sehr interessanter Artiel über ein Thema, das in Feuerwehrkreisen mit der Übergabe an den RD idr nicht weiter von Interesse ist. Danke

  2. Julian R. am 17. September 2008 14:16

    Wie ist dein Kommentar zu verstehen? Meinst du:  „Interessiert hier eh keinen!“ ?  Falls ja, dann sehe ich das anders: ein Grund warum ich seit längerem das weblog und jetzt das fwnetz verfolge ist, dass auf sehr breiter Ebene über das Thema Feuerwehr&Co berichtet wird. Deswegen freue ich mich immer über interessante Artikel wie z.B. diesen hier.

  3. Stefan Cimander am 17. September 2008 14:56

    @Julian R. du verstehst mich falsch: I.d.R. interessiert es Feuerwehr nach Übergabe des Patienten an RD nicht weiter, was dann passiert. Von daher finde ich den Artikel sehr interessant, weil er mir sagt, was nach der Rettung durch die Feuerwehr im KH passiert!!!

  4. Julian R. am 17. September 2008 15:14

    Alles klar! Dann sind wir ja einer Meinung :-)

  5. Andreas Kirchmeyer am 19. November 2009 09:20

    Der Artikel ist zwar schon etwas „älter“, aber dieser Link wäre vieleicht doch Interessant:
    Verband Deutscher Druckkammerzentren e.v.:
    http://www.vdd-hbo.de

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