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Moin, Moin,

ES ist am Morgen nach der arbeitsreichen Nacht, in der der Orkan „Kyrill“ über Deutschland hinwegfegte. Genauso wie im Rest Europas und Deutschlands waren auch in Recklinghausen die Hilfsorganisationen THW und Feuerwehr unermüdlich im Einsatz, teilweise die ganze Nacht hindurch ohne eine einzige Pause. Von Baum zu Baum, von abgedeckten Dach zu abgedeckten Dach. Kurz vor Morgengrauen kommt in Recklinghausen auch noch ein Wohnungsbrand hinzu.

Am Morgen dieser „Kyrill-Nacht“ kommt der Kamerad Guido W. zu einer Pause. Doch anstatt sich Erholung zu verschaffen, wird ihm in der Pause übel, auf dem Weg nach draussen bricht er zusammen. Innerhalb von Sekunden ist der RTW und der Notarzt vor Ort. Der Kamerad ist bewusstlos, muss während des Transportes ins Krankenhaus noch auf dem Wachgelände ganze sieben Mal mit dem Defibrillator geschockt werden. Die Diagnose lautet: Herzinfarkt!

Bis ein Jahr nach dem Herzinfarkt ist der Kamerad arbeitsunfähig. efindet sich in Reha-Massnahmen und kann nur mit Mühe seine Arbeitsstelle weiterhin behalten.

Nach dem Unfall will der Kamerad den Herzinfarkt als „Arbeitsunfall“ anerkannt bekommen und die finanziellen Folgern von der FUK NRW tragen lassen. Diese weigert sich und erkennt den Herzinfarkt nicht als Arbeitsunfall an. Begründung: Ein Herzinfarkt hat auch immer eine entsprechende Vorgeschichte, passiert nicht aus heiterem Himmel. Damit hang der Herzinfarkt nicht ursächlich mit der Tätigkeit bei der Feuerwehr zusammen und ist damit kein Arbeitsunfall.

Guido W. widerspricht: Zwar habe ein Herzinfarkt sicherlich eine Vorgeschichte, jedoch sei der Auslöser der stressige und strapaziöse Kyrill-Einsatz gewesen. Damit sei der Kyrill-Einsatz ursächlich mit dem Herzinfarkt in Verbindung, und damit ein Arbeitsunfall.

Der Kamerad entschließt sich, mit Unterstützung der Feuerwehr, vor Gericht zu ziehen und sein Recht einzuklagen. Letztlich geht es nicht nur um seine Absicherung, sondern auch um die Absicherung von 1.000.000 anderer Feuerwehrleute in Deutschland.

Heute kam es dann zu der ersten Verhandlung vor dem Sozialgericht Gelsenkirchen. Hierbei wurde die Klage des Kameraden rigoros abgelehnt. Die Richter folgten der Argumentation der FUK NRW und sahen den Herzinfarkt nicht als Arbeitsunfall.
Guido W. wird zusammen mit seinem Anwalt aller Wahrscheinlichkeit nach in die zweite Instanz gehen und weiterhin versuchen sein Recht einzuklagen.

Für sich und die etlichen anderen Kameraden!

Weitere Berichte hierzu:

Retter in Not – WAZ

Sozialgericht weist Klage des Feuerwehrmannes ab – Recklinghäuser Zeitung

Nun: Was haltet ihr von der Sache? Wie seht ihr die Angelegenheit? Schreibt eure Meinung!

Kommentare

10 Kommentare zu “Kamerad vs. FUK NRW: Herzinfarkt=Arbeitsunfall?!?” (davon )

  1. Christian Lewalter am 17. September 2008 21:56

    In den US of A werden Herzinfarkte bei Einsatzkräfte bis zu 24? Stunden nach einem Einsatz als Arbeittsunfall gewertet. Meiner Meinung nach sinnvoll und richtig.
    Ich finde es eine Frechheit Der Unfallkasse, nicht bezahlen zu wollen. Erinnert mich an den Fall, wo eine Feuerwehrmann beim Aussteigen aus dem Fahrzeug umgeknickt ist und sich verletzt hat. Er sollte auch kein Geld bekommen, weil eine Vorschädigung der Bänder da war.
    Warum fordert die Unfallkasse keine jährliche Untersuchung der Versicherten und sortiert die „untauglichen“ aus? Weils Geld kosten würde.
    *sauer*
    Christian

  2. Der Lars am 17. September 2008 22:15

    Also ich folge den Argumentationen von FUK und Judikative und vertrete die Auffassung dass eben solch ein Herzinfarkt immer eine Vorgeschichte hat. Imho kann man ja auch als Bürokraft bei einem Telefonat eine ICB erleiden. Ist das ein Arbeitsunfall? Wohl eher nein.

    Allerdings muss ich der Argumentation entgegen stellen dass die Kostenträger letztendlich für ihre Versicherten Sorge zu tragen haben (siehe BG) und damit auch dass Gesundheitlich alles iO ist. Es gibt viele Berufe oder Arbeitsplätze wo jähliche Untersuchungen Pflicht sind, warum nciht bei der FW?

    Folgerung: Auch wenn die Ursache hier in der Hauptsache bei der Vorerkrankung zu suchen ist, so muss der Kostenträger wenigstens versuchen die Nebensache, in diesem Fall ein körperlich belastender FW-Einsatz, nicht zum Auslöser werden zu lassen und Vorsorge tragen.

    Desweiteren sollte es unbedingt, falls dem doch nicht genügend Sorge getragen wird, eine Verpflichtung geschaffen werden zu zahlen, ähnlich der BG Vorschriften, die eben gerade bei massiven UVV Verstößen zahlen müssen!

  3. fratzi am 18. September 2008 02:01

    Ohne Witz – auf die FUK geb ich garnichts.

    Ist nicht der erste Vorfall in NRW, der wegen angeblichen „Vorgeschichten“ nicht bezahlt wird.

    FUK NRW = Profitgeil?
    Gut, das wir den scheiss Job ehrenamtlich  machen. Könnt ich kotzen.

    Wenn ich mir mal den Knöchel breche, heißt es vermutlich ich bin als Kind mit 3 Jahren mal gestürzt und trage seit dem Folgeschäden mit mir rum…

  4. fratzi am 18. September 2008 02:05

    (Irgendwie funktioniert die EDIT Funktion nicht?)

    PS:
    Der „Richter“ sollte mal gewisse Studien über die körperliche Belastung im Feuerwehreinsatz lesen und am besten selbst mal unter Atemschutz durch die Strecke gehen.
    Vielleicht kommt er dann auf andere Gedanken.

  5. ffsto1 am 18. September 2008 07:18

    Da frag ich mich wofür es eine Unfallkasse gibt wenn man quasi unversichert ist.

    Das ganze gibt es bei uns in BW aber auch, bei uns hatte sich jemand mal das Kreuz verrengt im Einsatz aber natürloich erst zwei Tage später richtig gemerkt das was nicht stimmt. Auch hier hat die Unfallkasse sich „rausgeredet“ und gemeint das es entweder eine Vorschädigung sei oder eben gar nichts mit dem Einsatz zu tun hatte.

    Seit diesem Zeitpunkt gilt bei uns die Devise auch jede noch so kleine Verletzung im Einsatzbericht zu vermerken und entsprechend zu protokollieren.
    Und natürlich durfte man dann nicht mit vorsatz um 1:00 Uhr AM (also Nachts) die dringend benötigte TS8 entladen, die einem gerade auf dem Fuss gefallen ist ;-)

  6. GFzbV am 18. September 2008 09:50

    Eine Vorgeschichte hat so ein Fall sicher. Aber hat das nicht fast jede (innere) Verletzung/Erkrankung? Es steht aber doch wohl außer Frage, dass wenn diese Nacht nicht so körperlich belastend gewesen wäre nichts passiert wäre, oder?

  7. Adrian Ridder am 18. September 2008 11:50

    Nun ja, natürlich ist es für den Einzelnen nicht gut, in so einem Fall nicht entschädigt zu werden…das liegt aber nicht an der FUK (die inzwichen UK NRW heißt), sondern ganz einfach an der derzeitigen Rechtssetzung. Nach SGB VII ist ein ARbeitsunfall nun mal ein zeitlich begrenztes (innerhalb einer Arbeitsschicht), von außen auf den Körper einwirkendes Ereignis, das zu einem Gesundheitsschaden oder zum Tod führt, und dies alles bei einem Versicherten während einer versicherten Tätigkeit. Und ein HI ist nunmal kein von außen einwirkendes Ereignis…
    Insofern schimpfen ja gerne, dann aber auf den Gesetzgeber…und für den Fall dass diese Regelung geändert wird nicht wundern, dass die Kosten für alle (v.a. Unternehmen) steigen, denn o.g. Regelung gilt genauso für die Beschäftigten in der Industrie (nicht nur für Feuerwehrs)…

  8. Christian Lewalter am 18. September 2008 12:11
  9. schlumpf am 18. September 2008 14:14

    Kommt auf den Einsatz an.  Ich denke die Frage ist, ob der Herzinfarkt zeitnah auch im Privatleben ausgelöst hätte werden können.  Bei Kyrill würde ich das mal bejahen. Anders wäre es z.B. bei Herzinfarkt unter Atemschutz. Da schraubt man sich ja gerne mal in Pulsregionen, die man sich sonst ohne triftigen Grund eher nicht antut.

  10. LarsR am 19. September 2008 21:23

    Die Aufregung liegt mal wieder daran, dass die meisten FA keine Ahnung haben, wie weit der Versicherungsschutz durch die Unfallversicherung geht und wo er eben nicht mehr hinreicht.
    Ein Herzinfarkt ist i.d.R. eben nunmal kein Unfall und gehört damit auch nicht zu den Aufgaben der gesetzlichen Unfallversicherung. Deswegen ist man ja noch lange nicht unversichert, da greift dann eben die gesetzliche Krankenversicherung. Die Leistungen sind nicht so umfassend wie bei der Unfallversicherung, aber Sterben muss deswegen niemand.
    Andererseits würden, wie Adrian schon richtig sagt, die Beiträge zur Unfallversicherung steigen – für Leistungen, die mit der Arbeit nicht in einem Zusammenhang stehen. Die Leistungen der gesetzlichen Unfallversicherung sind nunmal durch ein Gesetz bestimmt und nicht durch das, was die Feuerwehrleute (oder der Arbeitgnehmer) meint oder gerne hätte.
    Insofern kann ich fratzis Unterstellung, die FUK NRW wäre profitgeil, nicht nachvollziehen. Im Gegenteil habe ich bei echten Dienst- und Wegeunfällen bisher immer eine sehr gute Arbeit der FUK erlebt. Aber die handhaben nunmal auch nur das Geld, dass sie von anderen bekommen haben und muss dementsprechend gewissenhaft damit umgehen. Wenn ich mich nicht täusche, gibt es z. B. auch den Fall, indem der Herzinfarkt direkt und wesentlich auf eine Tätigkeit im Feuerwehreinsatz zurückzuführen war (das Ankurbeln einer Tragkraftspritze), was dann durchaus auch als Dienstunfall gewertet wurde.
    Wer aber auf dem Rückweg von der Kaffeepause einen HI erleidet, wird das als persönliches Lebensrisiko verbuchen müssen. Die Sache ist doch schon x-mal (gerichtlich) durchgekaut, kein Grund, sich wieder so aufzuregen.

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