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(iw) Hier nun die Mitschriften der Vorträge in Pfarrkirchen, nach Bestem Gewissen erstellen, für Richtigkeit bzw. Vollständigkeit kann ich keine Garantie übernehmen.

Christian Spielvogel, BF Karlsruhe: Notfalltraining für Atemschutzgeräteträger I

Entscheidende Gefahr für in Not geratenen AGT: Luftvorrat geht aus. Frage an de Führungskräfte:

“ Was haben Sie konkret als Führungskraft unternommen um einen Notfall besser beherrschbar zu machen“? Steht nicht explizit in der FwDV beschrieben.

Frage: mit WEM müssen wir Notfalltraining machen? Mit den Geräteträgern? Mit den Führungskräften? Rettung von Geräteträgern ist Teamarbeit.

Wichtig: Kommunikation. Trupps müssen miteinander reden. Handgriffe: Umgang mit Werkzeug. Wie sorgfältig wird Kurzprüfung durchgeführt? Handlungsalternativen müssen immer gegeben sein. Stressresistenz.

Taktik: Gefährdungsanalyse: wollen und können wir uns und andere den Gefahren aussetzen?

Strukturierung der Einsatzstelle: Art und Anzahl der Zugänge, Entfernung des Brandes vom Zugang

Informationsmanagement: Übergabepunkt, an dem die Trupps sich treffen und Informationen austauschen. Keine abgesetzte Lageskizze, Kenntnis über Aufenthaltsorte. Wenn der Notfall eintritt und ich anfangen muss zu suchen, ist es zu spät.

Methodik / Ausbildung
Es sind keine weiteren Spezialisten nötig, sondern jeder Feuerwehrmann muss die gleichen Kenntnisse haben. Ausbildung umfasst nicht nur Praxis, sondern auch Theorie. Multiplikatorenausbildung

Teilnahme an der Versuchsreihe mit verschiedenen Rettungsmittel, 130 Teilnehmer. Jedes Rettungsmittel ist das Beste, bzw. gibt vor, das Beste zu sein.

genauer angeguckt:

  • Bandschlinge (4/10 erfolgreiche Versuche): Menge von Möglichkeiten, kostet nicht viel, gro√ües Problem wenn man die Ebene wechseln muss (gefahr für Verunfallten, Flaschenventil, Kraftanstrengung) = kein vollwertiges Rettungsmittel.
  • Bergetuch (5/10): „Rettungsmittel der armen Leute“: Funktioniert wunderbar, stellt enorme Kraftantrengung des SiTr voraus.
  • Schleifkorbtrage (7/10): Weit verbreitet, gute Befestigungsmöglichkeit, viele Griffe, Nachteil: an Engstellen problematisch
  • Rettunsmulde (9/10) (Vorbild: Dortmund), mit leichten Modifikationen. Teil der SER ist die Bereitstellung der Rettungsmulde, die mit Einsatzmitteln bestückt ist, u.a. . Einsatzkurzprüfung auch mehrmals pro Woche

Christian Fischer, „6 Jahre Atemschutznotfallausbildung“

Thema kann problemlos umgesetzt werden.

Erste Überlegungen 2000, Versuche. 2001 Suche nach technischen Lösungen, Ausbildungskonzept, Versuchsausbildung mit einer Testgruppe, dann Einführung in die Breite.

(Fast) alle aktiven der FF Wernau sind ausgebildete AGT. Inzwischen ist Notfalltraining jährliches „Muss“ für jeden AGT.

Dokumentation des Übungsverlaufs. Wichtig ist der Standard.

Konzept:
Sicherheitstrupp nach FwDV7 (Wtr erstes LF).
SiTr muss Suchen und qualifizierte Lagemeldung abgeben
Lage sichern und entscheiden: Stabilisieren oder Crashrettung
SiTr ist ausgerüstet wie ein ATr, also inklusive Schläuche

Nachfolgend: Unterstützungstrupp. Ein Trupp alleine reicht nicht.
Unt.trupp führt material nach
Löst den SiTr ab
Führt die Rettungsmulde mit

Logistisches Problem: vier Leute gehen für den restlichen Einsatz ab, muss also vorab eingeplant werden.

Ab Eingang Mayday bzw. Kontaktverlust:

  • Lagebeurteilung durch Führung
  • Bestimmung Notfallort (Trupps müssen stets Lageveränderung mitteilen)
  • Festelgung Angriffs- und Rückzugsweg
  • Festlegung Kräfteeinsatz

Kritischer Zeitfaktor: Suchzeit bis zum auffinden des verunfallten.

Vorstellung des Ausbildungskonzeptes und der wichtigen Kriterien, beispielsweise Funkdisziplin, taktische Reserve usw.

Ausbildung der Stressresistenz (Nullsicht, Lärmkulisse, Flasche zudrehen usw.)

Notfallübungen können auch in den normalen Übungsbetrieb eingebaut werden.

Markus Rüsenberg, BF Karlsruhe: Notfalltraining für Atemschutzgeräteträger

Ziel des Notfalltrainings: aus guten Atemschutzgerätegrägern noch besser machen.

Wenig sinnvoll: Notfälle in Einsatzübungen einzuspielen, weil sich die Mannschaft daran gewöhnt und eine Erwartungshaltung daraus entsteht.

Deshalb ist es ein eigenes Thema.

3 Säulen:

  1. Theoretische Grundlagen
  2. Praktische Module: „langsames“ herantasten an die Situation „AGT in NOt“, Lernen des Handwerks.
  3. Abschlussübung

Training ist Modular – Module können in die Aus- und Fortbildung eingespielt werden. Intensives Training. „Innovatives“ Training: Anpassung an neue Kenntnisse, Technik, Kreativität nötig. Arbeit in kleinen gruppen, 3-4 Ausbilder und 8 Teilnehmer. So kann man eher auf die Schwächen bzw. Bedürfnisse des Einzelnen eingehen. Multiplikatorenausbildung.

Qualifizierunng zum „Notfalltrainer“ (Multiplikator) 3 Jahre Erfahrung als Geräteträger, Erfahrung als Ausbilder.

Seminar dauert 3 Tage (Samstage, da auch FF ausgebildet werden). Praktische √úbungen, theoretische Grundlagen, Didaktik und Methodik. Abschlussübung, Erfahrungsaustausch.

Praktische Module:
Atemschutzüberwachung: Selbständige ASÜ, ASÜ anhand einer Funkverkehr-Audio-CD, aus der die wichtigen Infos herauszuufiltern (15 Minuten). Steigerung der Stresssituation durch Ablenkung etc.
Wechsel PA: Blinder Tausch von Atemschutzgeräten, wird eher „Koordinationsübung“. Lernziel: sicherer Umgang mit dem Gerät bei Nullsicht, Kommunikation zwischen AGT verbessern.
UBoot-Übung: Wechsel des Geräts in der Gruppe. Geräte bleiben liegen, nächstes Gerät auffinden, anschließen – Blind.
Kommunikations- und Informationsmanagement. Beispiel „Baustein“-Übung, zwei Gruppen mit Duplo-Bausteinen. Eine Gruppe erstellt ein Gebilde, die andere Gruppe bekommt über Funk Anweisungen, genau dieses Gebilde nachzubauen. Übung Übergabepunkt: Skizze mit Nachzeichnung des Einsatzortes.

Notfallstrategie: AVS
Auffinden
Versorgen (primär mit Atemluft)
in Sicherheit bringen

Abschlussübung: Abhandlung des gesamten Ablaufs, unter Nullsicht, Auswertung unter Videoanalyse.

Adrian Ridder, Atemschutzunfaelle.eu: Die lehren anderer sind da um aus ihnen zu lernen.

Getötete FA in Deutschland seit 1996: 12, verletzte AGT 190. Es werden die wenigsten Unfälle bekannt, auch beinahe-Unfälle. In Deutschland keine zentrale Meldestelle. Eine unabhängige Untersuchung ist nicht vorhanden. Vorbild: NIOSH in USA als eigenständige Behörde.

Es ist ein Umdenken nötig.

Ein Unfall ist fast immer eine Verkettung von unglücklichen Umständen – deshalb kann ein Unfall nicht auf eine einzige Ursache reduziert werden.

Einsatzbeispiele:
Köln / BM Stampe (verheddert, Luft ging aus): vorbildliche Aufarbeitung, unabhängige Kommission, Veröffentlichung der Ergebnisse.

gefundene Schwachpunkte:

  • Keine ausreichende AS√ú (von ZF durchgeführt)
  • Fehlender Notsignalgeber
  • Fehlende Ausbildung
  • Eigener Funkkanal für Atemschutz nicht sinnvoll
  • Nicht ausreichende Anzahl von 2m-Geräten
  • Formstabilder Schlauch für IA ungeeignet

Schwachpunkte: ua. Leinen, die rausfallen, Angstreaktion, Führungsaufgaben werden nicht wahrgenommen.

Berlin (Rettungssprung aus 4. OG)
Gute Aufarbeitung -> Konsequente Anpassung der Ausbildung, Entwicklung von SER.

Fehlinterpretation „Menschenrettung vor Brandbekämpfung“: hätte „Brandbekämpfung zur Menschenrettung“ heissen sollen. SERs stellen die Zusammenarbeit auch von Einheiten sicher, die sich nicht (gut) kennen. Brand wurde fehlinterpretiert. Einsatzstellenfunk war überlastet. Sicherheitstrupp war nicht sofort verfügbar.

Tübingen: 2 FA getötet.
Ungenügende Aufbereitung der Unfallkommission Tübingen. Diskrepanz zwischen Ergebnis UK und des Landgerichts Tübingen.

Probleme: Führungsdurchgriffe (Befehle von fremden GF). Keine effektive Einsatzführung, Lagefeststellung nur am Anfang. Durchzündung wurde nicht nach innen gemeldet. Schlauchplatzer, kein Schlauch für den Sicherungstrupp. ASÜ nicht ausreichend, wusste zu keinem Zeitpunkt wo der Trupp sich befand. Zu keinem Zeitpunkt nachfrage nach Standort.

== wenn wir unsere Unfälle nicht sauber aufarbeiten, machen das die Gerichte.

Wichtig: Führen im Einsatz. Lernen aus Fehler anderer. Ausbildung: gut und gerne härter als der Einsatz.

Jan Südmersen, BF Osnabrück: Die Feuerwehr der Feuerwehr – was können Sicherheitstrupp und Co. wirklich leisten?

Entwicklung im Bereich Atemschutz tut sich zu wenig, insbesondere Wissen, Wissensvermittlung. In den USA ist die Verarbeitung der Konsequenzen wesentlich besser als bei uns.

Geht auf die Umstände des Todes des FA Kyle Wilson in den USA ein: Videosequenzen und Mitschnitte des Funks. Umfassender Untersuchungsbericht, unter Anderem auch Probleme mit den neu eingeührten Digitalfunkgeräten. Kein Rettungstrupp vorhanden bzw. keine Rettungseinheit. 3 Untersuchungskommissionen.

Probleme: Ein FA will nicht gerettet werden: eher versucht man alles selbst alles bevor man um Hilfe ruft. Der Notfall begint viel früher: Bei Verlust der Orientierung, Verlust eines Truppmitglieds, keine Verbindung zum Gruppenührer.

Probleme: ein Trupp reicht aus. In vielen kritischen Fällen ist ein großer Aufwand an Rettungskräften notwendig. Richtiges Konzept notwendig. Mehr Personal vorhalten.

Grundregel: wenn die Grundregeln nicht beachtet werden, ist man Tot. Immer mit Schlauch und Leine in Verbindung bleiben.

Sicherheit fängt bei den Führungskräften an.

Regel: Unfälle geschehen bevorzugt bei „scheiss-„Objekten. Bei besonderen Objekten besonders viele Kräfte vorhalten (entsprechend denken).

Tipps: Ruhe bewahren, Fenster suchen, Notruf absetzen, usw.

Vorstellung einiger Übungszenarien, mit Stressfaktor.

Aussteigen durch Fenster erfordert auch richtige Ausrüstung. Crashrettung im Trupp mit Bandschlingen. Isolieren des Feuers beispielsweise durch zumachen der Tür.

Realistische Übungsszenarien angelehnt an Phoenix. 2 Lagen 1 Mann nach 30 meter orientierungslos, der zweite 5 meter vom Schlauch, bewusstlos.

Erfahrungen:
Suchaktionen dauert zu lange. WBK für SiTr ist notwendig, nicht von der Schlauchleitung trennen.
SiTr muss immer eigene Leine auslegen.
Leine befestigen, Rückmeldung ausgeben, Flasche kontrollieren.
Einer muss das Kommando haben.
SiTr ist immer hochriskant

Grundlagen sollten bekannt sein und gelebt werden.

Jan Ole Unger, Drehleiter.info: Anleiterbereitschaft

Anleiterbereitschaft ist eine Massnahme zur Sicherstellung eines zweiten Rückzugweges. Der zweite Rettungsweg MUSS sichergestellt sein.

Bereiststellung beisspielsweise durch Drehleitern, Tragbare Leitern.

Planung der Aufstellfläche bzw. Aufstellungsort: was kann ich damit erreichen?

Ständig bemannte Leiter notwendig. Anleitern so, dass das Fenster nicht zugestellt ist. Flacher Winkel besser, wenn AGT kopfüber herunterritschen wollen.

Sprungrettungsgeräte auch möglich (siehe Berlin). Wichtig: müssen aufgeblasen und aufgestellt werden.

ALB frühzeitig bereitstellen, muss angeordnet werden, Informationen über Beginn und Ort.

Vorstellung einiger Einsätze, ua. aus Kanada, bei denen eine ALB geholfen hätte.

Was muss ausgebildet werden? Grundausbildung:

  • Wichtigkeit und Prinzip der ALB muss erkannt werden
  • Übungen mit tragbaren Leitern zur ALB
  • Bestandteil der Atemschutzausbildung
  • „Hängen“ – heraushängen aus Fenster reduziert die exponierte Körperoberfläche

Truppführer, Derhleitermaschinisten

  • Maschinist DL verbleibt grundsätzlich auf dem Steuerstand

Ab Gruppenfhrer:

  • Wie baue ich ALB ein, Berücksichtigung während Erkundung, usw.

Aufnahme der ALB in die SER.

Michael Metan, BF Stuttgart, Tiefbauunfälle (Gastthema)

Ulrich Cimolino, BF Düsseldorf: Einsatzstellenkommunikation

Voraussetzungen: Technik muss beherrscht werden. Kommunikationsplan muss vorhanden sein. Sat-Telefonie überlegen. DFÜ wird immer wichtiger.

Begriffsgrundlagen sollten bekannt und auf Deusch verfügbar sein: TMO (Trunked Mode Operation) = Netzbetrieb usw.

Analogfunk: Kanaltrennung (mehrkanalfähige Geräte). Digitalfunk auch problematisch.

Alle Funkgeräte müssen sicher beherrscht werden. Ggf. mehrere Geräte. Neue Vergabe bon Funkrufnamen im Verband. Einheitliches Funkrufnamen bundesweit nicht gegeben.

Der Funkrufname muss unabhängig von der Technik (digital / analog) sein. Fahrzeugfunk digital nicht simpel: überlastetes Netz bei zu vielen Gruppen auf dem Kanal sorgt für den unbemerkten Ausfall.

KFZ-Kennzeichen auf dem Dach für Erkennung als der Luft. Kennzeichen sollte auch im Innenraum zu sehen sein.

Gundlagen 2m:
Fahrzeuge, die in verschiedenen Abschnitten eingesetzt werden, sollten mehrkanalfähige 2m-Geräte mitführen. „Schnittstellen“ (Abshcnittsleiter etc.) mit min. 2 Geräten arbeiten.

Vorgaben aus der FwDV7 zu beachten: ASÜ notwendig, jeder Trupp mit min, 1 FuG. Seit 2002 vorgeschrieben, ältere Fahrzeuge müssen nachgerüstet werden (von 2 auf 4 Geräte)

Konzepte:
– Alles auf ein Kanal (so wie heute)
– Umschaltung vor Ort
– Führungs- Atemschutzkanal separat
– Abschnittsbezogen auf unterschiedlichen Kanälen

Sinnvoll: Kommunikationskinzept.
Löschzug: Führungskanal + Abschnittskanal
– weitere Kanäle entscheidet Einsatzleiter
– au√üerhalb der eigenen Gemeinde schwieriger. Der örtliche Einsatzleiter entscheidet über Funkorganisation
– Bei Einsatz mit anderen BOS Absprache mit betreffenden Einheitsführer

Kommentare

3 Kommentare zu “Fachtagung Atemschutz Pfarrkirchen 2008: Die Vorträge” (davon )

  1. @fwnetz am 15. Oktober 2008 12:23

    Die Vorträge aus Pfarrkirchen: http://tinyurl.com/3ez7nk

  2. Robert Sims am 18. Oktober 2008 13:01

    Sehr gelungene Zusammenfassung. Danke!

  3. Reise-Tagebuch: Bad Reichenhall, Bocholt : FWnetz - Feuerwehr im Netz am 5. November 2008 17:55

    […] nun mal von einem Wirtschaftsunternehmen organisiert, deshalb gibt es hier im Vergleich zu einer Atemschutz-Fachtagung in Pfarrkirchen oder einer Waldbrand-Tagung in Frankfurt natürlich mehr “Werbung”, dennoch waren […]

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