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Schon am 14.10. thematisiert die Online Ausgabe des Delmenhorster Kreisblattes die Eigenleistungen von Feuerwehrleuten beim Bau und Umbau der Feuerwehrhäuser. Gestern wurden die Räume der Feuerwehr eingeweiht. In den sogenannten „Zeiten knapper Kassen“ seien die Eigenleistungen der Feuerwehrangehörigen die einzige Möglichkeit detaillierte Vorstellungen der Feuerwehrleute in ihrem Arbeitsumfeld umzusetzen. In anderen Meldungen habe ich schon von Feuerwehren gelesen, die der Gemeinde das komplette Feuerwehrhaus hingestellt haben.
Die Kommunen sind verpflichtet, den Feuerwehren ein funktionales Gebäude zur Verfügung zu stellen. Es ist schon die Regel, dass die Investitionen der Gemeinde mit der Erwartung von Eigenleistungen verknüpft werden. Dies kommt von den Erfahrungen mit verschiedenen Vereinen, die sich zu Eigenleistungen verpflichten müssen, um Fördergelder zu erhalten. Die Feuerwehren sind allerdings eine Pflichtaufgabe der Kommune und eine Abteilung der Stadt oder Gemeinde, ähnlich wie der Bauhof oder das Ordnungsamt.

Ich halte es für fraglich, dass man Feuerwehr als Ehrenamt so ernsthaft betreiben kann , dass man zusätzlich zur Ausbildung und den Einsätzen Zeit findet, Häuser zu bauen oder zu renovieren. Ich gehe in meiner Überlegung noch weiter: Neben den Tätigkeiten, die ganz offensichtlich in den Aufgabenbereich der Gerätewarte fallen, sind die allgemeinen Arbeiten, die z. B. am Gebäude anfallen, zu erledigen. Wer ist für die Reinigung des Feuerwehrhauses verantwortlich? Wer macht die Fenster sauber? Wer pflegt die Grünanlagen rund ums Gebäude? In einer Umfrage, die hier bzw. im Feuerwehr – Weblog gestellt wurde, kam raus, dass bei dem deutlich größeren Teil der Antworten diese Arbeiten von den Feuerwehrleuten erledigt wird.
Ich möchte mal den Vergleich zu ehrenamtlichen Politikern ziehen, wie sie sich in politischen Einrichtungen auf kommunaler und Kreisebene für die Gemeinschaft einsetzen. Von diesen Damen und Herren habe ich bisher noch nicht gelesen, dass sie die Grünanlagen rund um das Rathaus gepflegt oder die Sitzungssäle renoviert haben. Bei der letzten Ausschreibung für die Reinigung der städtischen Gebäude waren alle Rathäuser, Verwaltungsstellen und Kindergärten dabei. Die Reinigung der Feuerwehrhäuser wurde nicht ausgeschrieben.

Dem Umfang unserer Aufgaben bewusst, verabschiedet man sich von der Universaleinsatzkraft und in den Wehren entwickeln sich Spezialisten für z. B. allgemeine Hilfe, Atemschutz oder Gefahrgut. Bevor wir Abstriche in der Ausbildung machen, sollten wir uns fragen, was gehört zum Ehrenamt „Feuerwehr“ und welche feuerwehrfremden Arbeiten müssen wir in Zukunft ablehnen?

Wie sind die Leute während dieser Arbeiten, die eindeutig nicht zum Feuerwehrdienst gehören, versichert?

Was sagen die örtlichen Dienstleistungs- und Handwerksbetriebe zu „Eigenleistungen“?

Was ist mit Regressforderungen z. B. wenn Fehler bei ehrenamtlichen (Um-)Bauarbeiten Schäden verursachen?

Meiner Ansicht nach bedeutet die Beschränkung auf eine Kernkompetenz, nämlich „Feuerwehr“, auch ein Imagegewinn. Man stelle sich mal vor, die Mitgliederwerbung greift und es melden sich tatsächlich Interessenten, die Menschen retten und Feuer löschen wollen. Wenn die erklärt bekommen, was sie noch alles machen sollen, ist man diese Freiwilligen vermutlich schnell wieder los.

Meiner Ansicht nach ist es für die öffentliche Wirkung, die Werbung um Einsatzkräfte, das kompetente Auftreten vor der Politik und den Steuerzahlern und nicht zuletzt für den Dienst an unseren „Kunden“ äußerst wichtig, Arbeiten die nicht zum Feuerwehrdienst gehören, strickt abzulehnen!

Beim Umkehrschluss des Gedankenganges wird klar, dass wir diese Aufgaben nur am Bein haben, weil die Kommune irgendwann mal einen Dummen gefunden hat, der zugesagt hat, diese zu übernehmen.
Leider wird das wohl in den meisten Fällen eine Führungskraft gewesen sein.

Kommentare

3 Kommentare zu “Einsatzfreude hat bei Eigenleistungen Grenzen” (davon )

  1. Irakli West am 27. Oktober 2008 08:33

    Super geschrieben. Man müsste das neueste Feuerwehr-Magazin mal aufschlagen und nachgucken, wieviele Tausend Stunden Eigenleistung allein in den letzten Monat fertig gestellten Gerätehäuser gesteckt wurde. Und sich dann überlegen, wieviel Ausbildung in der gleichen Zeit hätte gemacht werden können.

    Doch undifferenziert betrachten ist so einfach nicht. Theoretisch wäre eine Garage aus Fertig-Betonteilen mit einem Sozialcontainer als Wache auch ausreichend?

    Eine (Freiwillige) Feuerwehr definiert sich auch über den Dienst hinaus, ergo über Tätigkeiten und Kontakte, dessen Rahmen das Gerätehaus darstellt. Fällt dieser Rahmen weg, würde die Feuerwehr rein auf den Dienst reduziert, dabei ist sie deutlich mehr als das.

    Ich weiss zwar nicht, wie sehr sich Gemeinderäte mit dem Rathausgebäude identifizieren, bei uns ist das schon was anderes – allein deshalb trägt eine Eigenleistung zur Selbstdefinition eine Feuerwehr bei.

    Richtig ist, dass diese Eigenleistung nicht zur Voraussetzung eines Baus werden darf, aber ein wenig Hand anlegen ist okay.

    Dabei reden wir von Einmalleistungen. Was den Erhalt des Baus betrifft, ist das aus meiner Sicht tatsächlich zu 100% Gemeindesache.

  2. Irakli West am 27. Oktober 2008 08:47

    Eines fällt mir noch ein :)

    Um eine gewisse Eigenleistung kommt man nicht herum, habe ich in meinem Umfeld bei diversen Neu- und Umbauten mitbekommen.

    Wenn man sich nicht einbringt, nicht ständig aufpasst und nicht mitdenkt, kriegt man ein Stück baufälligen Schrott hingestellt, der zwar architektonisch wertvoll ist (solange er hält), aber dem Dienstbetrieb nichts Gutes zuträgt.

    Diese „Eigenleistung“ bleibt allerdings meistens bei einer oder zwei Personen hängen (Wehrführung…) die danach a) mit den Nerven am Ende ist und b) sich erstmal ein Jahr lang zur Erholung abmelden kann

  3. Carlo Schepers am 27. Oktober 2008 10:00

    Ich finde das was Geza geschrieben hat kann man so stehen lassen.

    Eine Anmerkung hätte ich jedoch noch zum Punkt das seitens der Führungskräfte zu vielem „ja“ gesagt wird.
    Für mich ist dieser Karakter ganz klar teil der Seele eines Feuerwehrmannes und auch teil der Seele einer Freiwilligen Feuerwehr und das Problem ist das dieser Faktor in der Verwaltung und bei den zuständigen Personen sehr wohl bekannt ist.

    Also so sehe ich das, stehe ich damit alleine?

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