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Bernhard Horst ist Mitorganisator der Challenge. Aus 2007 bleiben einigen Leuten aus dem FWNetz-Umfeld noch beste Erinnerungen, leider konnten wir heuer nicht teilnehmen. Das FWNETZ arbeitet gerade an ein Projekt zusammen mit Bernhard.

Von B.Eng. Bernhard Horst

„Ist die Reanimation im 7.OG schon vorbereitet?“

„Nein, wir präparieren noch den Eingeklemmten mit dem Abdominaltrauma an Tor 3“ schallt es aus dem Funkgerät der Übungsleitung am Ausbildungszentrum der Bauindustrie.

Es ist Samstag der 4. Oktober 2008. Während ein Teil der  Teilnehmer noch im Vortagssaal  einen Vortrag über technische Hilfeleistung bei eingeklemmten Personen hört, zerschneiden andere Teilnehmer einen CLK 500 unter fachlicher Anleitung eines Trainers. Bei diesem moderierten Zerschneiden lernen die Teilnehmer aktuelle Schnitt- und Öffnungstechniken im Bezug auf moderne Fahrzeugstrukturen kennen. Diese Techniken werden dann im späteren Training an anderen Neufahrzeugen weiter gefestigt.

Die Crew, bestehend aus ca. 50 Personen, bereitet währenddessen die Szenarien aus den Bereichen Brandbekämpfung, technische Hilfeleistung und ABC-Abwehr vor. Suche von vermissten Personen im Wald, eingeklemmte Personen in Pkw gehörten in diesem Jahr ebenso dazu wie die Bekämpfung von Zimmerbränden, ein Workshop im Bereich Sicherheitstrupp (geleitet von Adrian Ridder),  und die Zusammenarbeit zwischen Feuerwehr und Rettungsdienst bei polytraumatisierten Personen aus Schächten, Tiefbaustellen und die Tätigkeit als Firstresponder.

Retten einer Person aus einem ca. 6 Meter tiefen Schacht gehörte zu den weniger leichten Einsätzen. Enge und sicherer Abstieg unter schwerem Atemschutz verlangte den Einsatz des ganzen Teams. Vor Allem die Zusammenarbeit zwischen Teilnehmern aus unterschiedlichen Ländern wurde als spannend und bereichernd empfunden.

Bevor es in das eigentliche Einsatztraining geht, bekommen alle Teilnehmer ein „Safety briefing“ mit dem sichergestellt wird, dass trotz der Realitätsnähe das Training unfallfrei abläuft und Verantwortlichkeiten klar geregelt sind.

Was steckt hinter dem Begriff ‚Einsatztraining‘ ?
Einsatztraining ist eine praktische Ausbildungsvariante, bei der die äußerst realistischen Einsatzszenarien mit eigener Mannschaft und eigenem Gerät bewältigt werden müssen. Es handelt sich um ein taktisches Training sowohl für Führungskräfte, als auch für die Mannschaft.

Der Leitgedanke dieses Einsatztrainings ist ein ganzheitliches Training für die gesamte nichtpolizeiliche Gefahrenabwehr anzubieten, welches sowohl Führung wie Mannschaft unter typischen, realistischen Einsatzbedingen trainiert. Es werden nicht einzelne Skills trainiert wie das Auslegen von Schläuchen oder das Vorgehen in einem Brandraum. Dies kann mittlerweile mit verschiedenen Trainingsanlagen sehr realitätsnah geübt werden. Es kommt darauf an die trainierten Skills zusammenzuführen und so die Aufgabe im Gesamten und unter Zeitdruck optimal zu bewältigen. Entscheidende Faktoren für eine solche erfolgreiche Teamarbeit sind Koordination, Kommunikation und Kooperation.

Teilnehmer aus vielen verschiedenen Organisationen und Ländern

Diese können nicht einzeln, sondern nur in der Gruppe und unter realistischen Bedingungen trainiert werden. Sobald mehrere Einsatzkräfte ein Ziel haben, entsteht Koordinierungsbedarf. Die Handlungen von Feuerwehr und Rettungsdienst müssen ebenso aufeinander und miteinander abgestimmt werden, wie das gleichzeitige Anheben einer Last. Kommunikation ist aber nicht nur wichtig innerhalb des Teams.  In empirischen Studien (Brehmer & Allrad 1991) konnte nachgewiesen werden, das ein Feedback nicht nur der Gruppe hilft, sondern auch den Einzelnen unterstützt.

Beim Einsatztraining werden sowohl Technik, Organisation als auch das Personal gefordert und müssen ihre Tauglichkeit unter Beweis stellen. Der Einsatzleiter wird genauso gefordert wie die Mannschaft und ob die neue Standardeinsatzregel sinnvoll ist, zeigt sich am besten in der Praxis. Die Einsatzkräfte haben keine Kenntnis über den Verlauf der Übung und wissen nicht was sie genau erwartet. Sie werden vor die gleichen Anforderungen gestellt wie bei einem echten Einsatz. Sie werden alarmiert, müssen die Einsatzstelle finden, die Lage erkunden, beurteilen und dann ihre Kräfte und Mittel optimal einsetzen. Die Anforderungen dabei sind vor allem:

  • Schnelle Entscheidungen, basierend auf wenigen Informationen
  • Zusammenarbeit mit anderen Einsatzkräften, auch von anderen Organisationen
  • Sicherer Umgang mit ihren eigenen Geräten
  • Hinzu kommen Stress und unbekanntes Terrain.

Wir nehmen nicht an, dass da ein Verletzter ist oder wir stellen uns nicht vor, dass es brennt und auch der gängige Spruch “Ja im Einsatz hätte ich das ja ganz anders gemacht…“ findet keine Anwendung. Beim Einsatztraining ist ein Verletzter da. Es brennt tatsächlich und man hätte es im Einsatz genauso gemacht, weil man unter Stress immer auf die gleichen Strategien und Denkmuster zurückgreift.

Zum Abschluss jedes Einsatzes erfolgt die erwähnte Nachbesprechung mit allen Einsatzkräften, Beobachtern und Trainern. Die Nachbesprechung dient dazu Fehlerquellen aufzuzeigen und zu beseitigen.  Die Trainer und Dozenten beim Einsatztraining sind alle im Einsatzdienst bei verschiedenen Berufsfeuerwehren, als LNA oder in der Lehre an verschiedenen Landesfeuerwehrschulen tätig. Es werden keine persönlichen Meinungen gelehrt, sondern bewährte Lösungen aus der Praxis vorgestellt. Ob diese dann umgesetzt werden, entscheiden die Teilnehmer selber.

An verschiedenen Einsatzstellen mussten Patienten aus unterschiedlichen Tiefen gerettet werden. Hier wird ein Patient mit Wirbelsäulenverletzung geborgen.

Einsatztraining ist ein auf Erfahrungen basiertes Einsichtslernen. Daher ist die Reflexion des Einsatzes ein entscheidender Punkt das Erfahrene auch in den späteren Einsatzalltag  zu übernehmen. Auf der Ebene des fachlich-technischen Wissens (Also wie zerschneide ich am besten einen Pkw neuerer Bauart?) kommt es zu einer Festigung von Fachwissens und zur Implementierung neuer Erkenntnisse. Auf der Verhaltensebene werden dagegen Strategien des Problemlösens ebenso diskutiert wie soziales Wissen in den Bereichen Führung, Konfliktlösung und Kommunikation.

Die Attraktivität der Veranstaltung haben mittlerweile Teilnehmer und Beobachter aus Österreich, Dänemark, den Niederlanden, der Schweiz und Schweden erfahren können. Um das Training nicht nur attraktiv sondern auch realistisch gestalten zu können, unterstützte die Firma Rosenbauer die Veranstaltung mit einem Löschfahrzeug, die Firma BMW stellte gleich zwei ELW zur Verfügung.

Einsatz der Hundestaffel

Das Ziel, möglichst verschiedene Fachdisziplinen am Training zu beteiligen, hat sich auch in diesem Jahr wieder als richtig und zielführend erwiesen. Die Teilnehmer bekamen nicht nur einen Einblick in die Einsatztaktik von Rettungshunden und die speziellen Fähigkeiten der Trümmerhunde und Flächensuchhunde, sondern es konnte auch die Zusammenarbeit zwischen Feuerwehr und Rettungshunden geübt werden. Hier zeigten sich die vielen kleineren Schwierigkeiten die in der Praxis auftreten, sei es beim „hundgerechten“ Ausleuchten der Einsatzstelle oder in den Folgen von Löschmaßnahmen für die Rettungshunde.

Das THW wirkte nicht nur im Bereich der Organisation des Trainings mit, sondern unterstützte auch bei den nächtlichen Einsätzen mit der Fachgruppe Beleuchtung

An dieser Stelle sei auch den Kollegen des THW der Ortsverbände Köln-Ost und Bergheim gedankt, die mit Ihrer Fachgruppe Räumen und der Fachgruppe Beleuchtung erneut zum Gelingen der Veranstaltung beigetragen haben.

Bestärkt durch das positive Feedback aller Teilnehmer wird  die Crew auch für die kommenden Jahre alles geben um weitere Sponsoren zu gewinnen um ein derart interessantes, abwechslungsreiches und organisationsübergreifendes Trainingserlebnis auf die Beine zu stellen.

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