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Adrian Ridder, Atemschutzunfaelle.eu

Gerade jetzt in den Wintermonaten wird vielerorts die Gelegenheit beim Schopfe ergriffen und die nach FwDV 7 vorgeschriebene jährliche „Unterweisung über den Atemschutz“ durchgeführt.

Bekanntlich ist die Teilnahme an dieser Unterweisung mit eine Grundvoraussetzung dafür, weiterhin als Atemschutzgeräteträger (AGT) eingesetzt werden zu dürfen. Zusätzlich muss noch die Belastungsübung sowie eine „Einsatzübung innerhalb einer taktischen Einheit“ absolviert werden, da die FwDV 7 zu Recht dieses absolute Mindestmaß an Aus- bzw. Fortbildung fordert.

Diese drei Übungen sind damit zwar „Pflicht“… aber muss man sie deswegen auch als solche behandeln, in dem Sinne dass sie „irgendwie“ durchgeführt werden, nur um den Buchstaben der Dienstvorschrift Genüge zu tun?

Oder wäre es nicht viel sinnvoller, interessanter und auch im eigentlichen Sinne dieser Vorschrift, auch die Unterweisung (so wie andere Ausbildungen auch) mit Leben zu füllen und als Chance für eine interessante Weiterbildung aller AGT zu nutzen?

Natürlich sollten wir im Sinne einer qualitativ hochwertigen, interessanten und abwechslungsreichen Ausbildung unserer Atemschutzgeräteträger die zweite Variante vorziehen. Doch dies ist oftmals leichter gesagt als getan, denn wer hat schon die Zeit und Muße, neben diversen anderen Ausbildungen, Verwaltungsarbeit, Beschaffungen, Arbeit und Familie etc. pp. auch noch eine umfangreiche Unterweisung auszuarbeiten? Hier tritt ein häufig anzutreffender Denkfehler zu Tage. Denn eine interessante Unterweisung muss nicht aus einer aufwändigen Powerpoint-Präsentation bestehen, in der z.B. zum x-ten Male die Einsatzgrundsätze für den Atemschutzeinsatz wiederholt werden oder ähnliches mehr („Unterweisungen“, die aus dem reinen Vorlesen aus der FwDV 7 bzw. aus einschlägigen UVVs bestehen, gehören hoffentlich inzwischen überall der Vergangenheit an).

Nein, eine interessante und sinnvolle Unterweisung lässt sich schon mit relativ einfachen Mitteln und verkraftbarem Vorbereitungsaufwand durchführen.

Zum Beispiel können folgende Punkte im Rahmen einer Atemschutz-Unterweisung abgehandelt werden:

  • Vorstellung neuer Ausrüstungsgegenstände, Taktiken, Dienstanweisungen etc.
  • Gruppenarbeit: Bedienung und Kanalwechsel an allen verwendeten Handfunkgeräte-Typen
  • Gemeinschaftliche Erarbeitung des Vorgehens bei der Einsatzkurzprüfung
  • Evtl. kleines „Quiz“ zu über das Jahr hinweg behandelten Themenschwerpunkten

Vorstellung neuer Ausrüstung, Taktiken, Dienstanweisungen u.ä.

Die jährliche Unterweisung ist ein sehr guter Rahmen für solche Vorstellungen, da alle AGT auf einmal erreicht werden können. Es können z.B. neu beschaffte Dinge wie Funkgeräte, Stahlrohre, Notsignalgeber, Fluchthauben oder auch ein Rauchverschluss nochmals vorgestellt werden (natürlich sollte dies auch baldmöglichst immer schon in die laufende Ausbildung integriert werden).

Aber auch neue Vorgehensweisen und Taktiken (z.B. Anleiterbereitschaft, Sicherheitstrupp-Konzept o.ä.) können hier nochmals vorgestellt und erläutert werden. Oder auch recht „profane“ Dinge, die sich im Laufe des Jahres geändert haben (z.B. Verfahrensweisen bei der AGT-Kleidungsausgabe, Öffnungszeiten der Atemschutzwerkstatt u.ä.m.) finden hier einen entsprechenden Rahmen, um allen Betroffenen mitgeteilt zu werden.

Gruppenarbeit: Bedienung und Kanalwechsel an allen verwendeten Handfunkgeräte-Typen

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Hand auf’s Herz: Können alle Ihrer AGT wirklich ALLE Typen an Handfunkgeräten sicher bedienen, die bei Ihnen verwendet werden?

Bei der heutzutage leider üblichen Typenvielfalt ist das keine Selbstverständlichkeit und sollte daher wie auch andere Wissensbereiche entsprechend geübt werden. Dazu bietet es sich an, Gruppen von ca. 3-4 FA zu bilden, die im Wechsel alle FuG-Typen vorgelegt bekommen und sich deren Bedienung (An/Aus, Kanalwechsel, Lautstärkenverstellung, Tastensperre etc.pp.) erarbeiten, sei es durch ausprobieren und Hilfestellung durch den Ausbilder, anhand kurzer schriftlicher Hinweise zur Bedienung oder auch ganz einfach mit Hilfe der jeweiligen Bedienungsanleitung.

Gemeinschaftliche Erarbeitung des Vorgehens bei der Einsatzkurzprüfung

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Im Plenum (oder, wenn das zu viele Feuerwehrangehörige sind, auch hier in Gruppen) könnte dann herausgearbeitet werden, was Sinn und Zweck einer Einsatzkurzprüfung ist, wann sie durchzuführen ist und aus welchen Einzelschritten und Handgriffen sie besteht. Denn auf eine ordentlich durchgeführte Kurzprüfung vor jeder PA-Benutzung sollte großer Wert gelegt werden, da sie einen enormen Sicherheitsgewinn darstellt und daher zum Einmaleins eines jeden AGT gehören sollte.

Diese Erarbeitung der Kurzprüfung könnt in lockerem Frage-Antwort-Spiel oder im Lehrgespräch durchgeführt werden (und bitte nicht anhand  eines „Powerpoint-Films“ aus vielen Folien mit entsprechenden Abbildungen, sondern am besten an einem PA direkt vorgeführt werden).

Evtl. kleines „Quiz“ zu über das Jahr hinweg behandelten Themenschwerpunkten

Unter Umständen wäre auch ein kleines Quiz interessant, in dem „abgeprüft“ wird, ob denn von den verschiedenen Themen, die über das Jahr verteilt behandelt wurden, auch wirklich etwas hängen geblieben ist. Dazu könnten kurze Fragebögen ausgeteilt werd en, auf denen entsprechende Fragen vorgegeben sind, mit zugehörigem Freiraum für die Antworten. D

ass die Fragebögen danach nicht wirklich eingesammelt und bewertet werden, muss ja im Vorfeld nicht unbedingt angekündigt werden… ggf. führt ein eher „ernüchterndes“ Ergebnis dem ein oder anderen aber auch ohne externe Bewertung vor Augen, dass etwas mehr Übungsbeteiligung oder Interesse am Thema ein guter Vorsatz für das kommende Jahr wäre.

Beispielfragen könnten z.B. Folgende sein (natürlich vorausgesetzt, dass diese Themen auch wirklich behandelt wurden):

  • Was ist ein Flashover, was ist ein Backdraft, und was ist der Unterschied?
  • Wie wird Strahlformverst eller und Literleistung beim Block einer Durchzündung eingestellt?
  • Was sind typische Anzeichen für eine Rauchdurchzündung?
  • Wie berechnet sich der Rückzugsdruck?
  • Welche drei Arten gibt es, um die Luftversorgung eines verunfallten AGT sicherzustellen? Welche Vor- und Nachteile haben diese?
  • Wie sieht die typische Brandverlaufskurve (Temperatur über Zeit) aus und welche Rückschlüsse lassen sich daraus schließen?
  • Welche Persönliche Schutzausrüstung muss jeder AGT im Brandeinsatz immer anziehen?
  • Wer führt im Einsatz die Atemschutzüberwachung durch?
  • Welche wichtigen Angaben müssen AGT regelmäßig nach draußen melden, um eine saubere Atemschutzüberwachung zu ermöglichen?
  • etc. pp.

Wie Sie an o.g. Beispielvorschlägen sehen, lässt sich auch eine eher „ungeliebte“ Angelegenheit wie die jährliche Atemschutz-Unterweisung mit etwas Kreativität und gar nicht allzu viel Arbeit interessant und sinnvoll darstellen. Natürlich sind o.g. Beispiele nicht abschließend zu verstehen, sondern sollen nur Anregung für eigene Gedankengänge sein!

Adrian Ridder, Atemschutzunfaelle.eu

Kommentare

3 Kommentare zu “Jährliche Atemschutz-Unterweisung: Lästige Pflicht oder Chance?” (davon )

  1. Max60 am 27. Dezember 2008 14:36

    Guter Text. Leider sieht die Realität vielerorts anders aus, und die Unterweisung ist eher eine lästige Pflichtveranstaltung statt aufschlussreich und informativ.

    Das Thema mit den Funkgeräten halte ich für ganz besonders wichtig. Wir haben *grübel* mind. 4 verschiedene 2m-FuG-Typen bei uns. Bei den „alten“ ging die Kanalwahl etc. ja noch relativ intuitiv, bei den neuen muss man einfach wissen wies geht, sonst klappts nicht, erst recht nicht Dienstag morgens 3:30 während der Einsatzfahrt.

    So saß ich letztens als AGT in einem unserer LFs, und wollte den Kanal verstellen. Keiner der anwesenden wusste, wie das geht. Schon irgendwie doof. (War zum Glück auf dem Weg zu einer Übung.)

  2. maos am 27. Dezember 2008 22:12

    Aus diesem Grund haben wir auf einen einzigen Typ (Moto 360 11b) umgestellt. Kann ich nur weiter empfehlen.
    @Max60: Wieso denn überhaupt umstellen? Atemschutzkanal? Dafür haben wir schon seperate FuGs.

  3. Max60 am 28. Dezember 2008 15:49

    Ja, AS-Kanal. Ist aber nen anderes Thema. :-)

    Nur ein FuG-Typ ist sicher optimal, nur leider nicht so leicht realisierbar.. (Mit jedem neuen Auto kommen andere neue FuG etc.)

    Das mit der FuG-Einweisung werde ich für unsere AS-Unterweisung aber mal vorschlagen.

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