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smoke„Auflösung“ der kleinen Aufgabe strikt nach Dodson inklusive Taktikvorschlag.

Grundlagen (stark vereinfacht)

Rauch lesen geschieht draussen, bei der Ankunft. Rauchlesen besteht darin, verschiedene Rauchaustritte zu vergleichen. Je mehr Seiten von einem betroffenen Objekt ich gleichzeitig einsehen kann, desto besser.

Rauch lesen ist ein Prozess in drei Stufen: zuerst die vier Attribute (Geschwindigkeit, Farbe, Volumen und Dichte) analysieren, dann externe Faktoren (Wetter, Gebäude) und schließlich die „Veränderungsrate“, also die Entwicklung.

In diesem Fall wollen wir uns auf die erste Stufe beschränken, denn mit einem Bewegtbild könnten wir sehen ob sich die Situation verschlimmert oder verbessert. Für diese Übung soll’s reichen.

Es sei noch kurz erwähnt, dass wir *Rauch* lesen wollen und nicht etwaige sichtbare Flammen. Hierfür ist dieses Bild absolut ideal.

Sehen wir uns die einzelnen Attribute an:

Volumen: schon mit wenig Rauch haben wir ein kleines Gebäude schnell mit Rauch gefüllt. Kommt aus einem großen Gebäude viel Rauch heraus, muss man von einem großen Feuer ausgehen. Ist ein Abschnitt, beispielsweise ein Raum gefüllt, entsteht dann Überdruck, der den Rauch weiter nach Außen drückt.

Geschwindigkeit:
die Geschwindigkeit des Rauchs, der aus einer Öffnung austritt, sagt etwas über Volumen oder Hitze aus. Rauch, der nach Austritt schnell an Fahrt verliert, ist Volumengetrieben. Rauch, der seine Geschwindigkeit beibehält, ist hitzegetrieben, das Feuer ist also nah. Es sollten Öffnungen mit vergleichbaren Größen verglichen werden.

Ganz wichtig ist hier auch die „Form“ des Rauchs – je turbulenter, desto näher ist er am Flashover. Sehr turbulenter Rauch sollte ein Warnzeichen für die Einsatzkräfte bedeuten.

Die Dichte des Rauchs gibt uns einen Hinweis auf die Menge an Sauerstoff, die das Feuer bekommt. Wird wenig Luft zugeführt (man spricht von ventilationskontrolliertem Feuer), bekommt man ein fettes Gemisch, welches Das Feuer sehr schnell ausbreiten lassen kann, wenn die Mischung wieder stimmt.

Ganz einfache Gleichung: Rauch ist Brennstoff. Je dichter, desto mehr Brennstoff. Mit PA in dichtem Rauch eintauchen ist wie in Diesel schwimmen.

Die Farbe des Brennstoffs kann uns einen Hinweis auf den Ort des Feuers geben. „Frischer“ Rauch eines soliden Brennstoffs wird zuerst weiss sein, da zuerst das Wasser verdampft. Rauch von unbehandeltem Holz wird braun, Kunststoffe eher grau. Schließlich werden die meisten Brennstoffe schwarz.

„Auflösung“ (Vorschlag)

Sehen wir uns mal das Foto oben an, und gehen die einzelnen Punkte durch.

Volumen: das ganze Gebäude ist mit Rauch gefüllt – zumindest kein kleines Feuer.

Geschwindigkeit: weil Foto schwer zu sagen. Wenn wir genau hingucken, gibt es jedoch einen unterschied zwischen linker und rechter Seite. Links ist der Rauch etwas gleichmässiger, rechts wesentlich mehr verwirbelt. Vermutlich wird er dort auch schneller fliessen.

Dichte: das Feuer ist überall recht dicht, also Fett. Ausbreitungsgefahr durch Flashover bzw. Rauchgasentzündung ist gegeben.

Farbe: (vorausgesetzt, der Weissabgleich ist halbwegs zutreffend). Brauner Rauch könnte (muss nicht) auf unbehandeltes Holz hinweise.

Resulat:
Das Feuer ist mit großer Wahrscheinlichkeit rechts, die Temperatur und Fließgeschwingkeit (bzw. Verwirbelung) ist etwas höher. Das Gemisch ist sehr fett, es besteht also die Gefahr einer Durchzündung. Wahrscheinlich hat ein Teil der Dachkonstruktion Feuer gefangen, welches auch die Ausbreitung in der Zwischendecke erklären würde.

Taktik:
Dieser Teil rein subjektiv von mir. Insofern man hier nicht von Menschenrettung ausgehen muss, ist dieses Wirtschaftsgebäude mit hoher Wahrscheinlichkeit ein Totalverlust. Um ein Vorgehen zu beschliessen, müsste ich allerdings wissen wie es sich gerade entwickelt, dazu sind zu wenige Informationen verfügbar.

Ist es gerade dabei, sich rasant zu verschlechtern, würde ich defensiv vorgehen. Ist es gleichbleibend, würde ich natürlich ventilieren (zumindest horizontal) und gleichzeitig mit „Big Water“ (400er C) mit dem Rauch arbeiten um die Temperatur schnell runterzubringen und ein brennstoffkontrolliertes Feuer daraus machen. Möglicherweise muss man sich hier sogar durch die Wände arbeiten, aber das ist rein spekulativ. Eine WBK ist auf jeden Fall angebracht.

Auf gar keinen Fall würde ich hier einen Überdrucklüfter einsetzen – der zündet mir das Gemisch garantiert, und zwar mit unvorhersehbaren Folgen.

Wie gesagt – meine Meinung.

Kommentare

Ein Kommentar bisher zu “Lösungsvorschlag „Size Up: Rauchlesen“” (davon )

  1. diggler am 16. April 2009 19:39

    Mein Vorschlag: Evakuierung aller IA Trupps und „surroun’n drown“.
    Mein alter Fire Chief hatte das Motto:
    „We don’t trade firefighter for building that get bulldozed the next day“

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