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(DJ) Habt ihr euch schon mal darüber gewundert, warum Häuser in den USA und Kanada so schnell brennen und warum dort mehr FA’s im IA ums Leben kommen als in Europa? Nun, einer der Gründe ist das verwendete Baumaterial!

Es werden überwiegend  Holz oder Holzähnliche Materialien  verwendet und zwar für alle Teile eines Hauses mit Ausnahme des Fundaments; dort wird Zement verwendet (am weitesten verbreitet sind dabei Type V-Wood Frame Construction) . Wenn man sich solch einen Type V (5) Rohbau anschaut, sieht man sehr gut wieviel Spanplatten dort verwendet werden und kann erahnen, dass selbst mit feuerhemenden Materialien eine schnelle Brandausbreitung geschehen kann, wenn sich ersteinmal genügend Hitze entwickelt hat.

Da man auch hier Kosten sparen will, werden in den letzten Jahren immer mehr sogenannte „engineered floor trusses“ verwendet. Dabei handelt es sich um eine Bodenträgerkonstruktion aus Holzspänen und Leim die sehr leicht sind und dabei aber eine hohe Stabilitat vorweisen. Nachteil dieser Holzkonstruktion ist, dass bei ausreichender Hitzeentwicklung ein Durchbrennen in weniger als 10-15 Minuten erfolgen kann.

Auch Dachkonstruktionen werden immer leichter und bergen eine erhebliche Gefahr fur Rettungskrafte.

Ein Freund von mir hatte vor einiger Zeit mal Bilder von einem mehrgeschossigen Wohnblock im Rohbau gemacht. Man kann hier sehr gut sehen, dass vor allem in der Bauphase keinerlei Brandschutz gegeben ist und wie viel Brandlast vorhanden ist und das ohne den vollendeten Innenausbau.

Das Edmonton Fire Department hatte vor gut zwei Jahren das grösste Feuer in der Geschichte Edmontons zu bekämpfen und der Grund war eben ein solches Bauprojekt, das durch Brandstiftung startete und sich auf angrenzende Häuser ausweitete. Alles in allem wurden  149 Wohnungen (im appartment complex), 18 Hauser zerstort und fast 76 zum Teil schwer beschadigt. Auch die angrenzenden Hauser wurden als „Type V- Wood Frame Construction“ gebaut, wobei die verwendeten Palstik Aussenverkleidungen keinerlei Brandhemmung bieten und zum schnellen Ausbreiten beigetragen hatten.

Wie ihr sehen könnt,  gibt es doch erhebliche Unterschiede zwischen hier und Deutschland bzw. Europa. Das erklärt dann  die  zum Teil unterschiedlichen, für deutsche Verhältnisse aggressiveren, Taktiken. Auch die Unterschiede in Pumpenkapazitaten machen dadurch mehr Sinn, da ja im Schnitt mehr Wasser gefördert werden muss. Die Gefahren im IA und während „Search & Rescue“ Operationen sind da dann unter Umständen auch erheblich höher.

ä ö ü

Kommentare

10 Kommentare zu “Wie funktioniert das?? Kleine Baukunde auf Nordamerikanisch” (davon )

  1. Christian Lewalter am 17. April 2009 06:55

    In unserem Neubaugebiet (direkt gegenüber der Feuerwehr) steht jetzt auch ein Wohnhaus (EFH) dieser Bauweise. Hätte man den Rohbau nicht gesehen, würde man von aussen nicht erkennen, dass es sich um eine Holzständerkonstruktion handelt.
    Auch werden Aufstockungen hier in der Gegend gerne in Holzständerbauweise ausgeführt.

  2. Philipp am 17. April 2009 12:15

    Wobei aber nichts gegen eine Ausführung als Holzbau spricht.

    Man muss halt nur schauen, dass die Anforderungen der jeweiligen Bauordnungen eingehalten werden. Dort werden ja entsprechende Anforderungen z.B. an tragende Bauteile gestellt. Diese sind für EFH noch recht simpel, ein Bauobjekt wie oben von Diggler gezeigt, dürfte allerdings mit einer Deutschen Bauordnung nur schwer durchzuführen sein.

    Ich persönlich würde allerdings nach wie vor versuchen, tragende Elemente aus Stahlbeton herzustellen.

    Und Holzhaus ist wohl nicht gleich Holzhaus.
    http://www.osthessen-news.de/beitrag_C.php?id=1144310
    Denn hier ist klar zu erkennen, auch nach einer recht langen Branddauer ist das Haus noch stabil und nur mit einem Bagger klein zu bekommen.

    Die amerikanische Bauweise erschließt sich mir aber nicht so ganz. Während hier ja eher die 1. Generation das Haus baut, die 2. es teilweise noch abbezahlt kann dann die 3. drin wohnen, macht das in den USA ja jede Generation für sich.
    Und auch in Tornado-gefährdeten Gebieten frage ich mich nicht, ob ein Haus in Betonbauweise mit aufgesetztem Holzdach nicht sinnvoller wäre. Da muss ich vermutlich nur ein neues Dach drauf setzen, nicht das ganze Haus neu zusammenpuzzeln.

  3. diggler am 18. April 2009 19:07

    @Philipp:
    Auch hier muessen Bauvorschriften eingehalten werden, aber diese sind z.T. Jahrzehnte hinterher was den Brandschutz angeht und Aenderungen werden von den Bauunternehmen gerne als zu „Kostentreibend“ kommentiert. Nach dem MacEwan Feuer in Edmonton wurden uebrigens eine ganze Reihe von Verbesserungen der Bauvorschriften in Bezug auf Brandschutz vorgenommen, und das in Rekordzeit (weniger als 2 Jahre).
    Was das Haeuslebauen im Allgemeinen angeht, wird hier  nicht fuer Generationen gebaut. Das liegt zum Teil daran, dass ein Haus nicht so ein Statussymbol ist wie in Deutschland und zum anderen, sind die Baupreise im direkten Vergleich viel guenstiger (zumindest vor der Grossspekulationsaktion diverser US Banken).
    Man kauft normalerweise ein sogenanntes „Starter Home“ um nach ein paar Jahren ein Groesseres zu kaufen ( wegen Kinder oder so), dann verkleinert man wieder (Kinder gross) um dann letztendlich wieder ein kleines Haus oder ein sogenanntes Condo (Eigentumswohnung) zu beziehen. Mit dem Geld, dass man hoffentlich dabei gemacht hat, wird entweder die Rente aufgestockt oder man kauft sich ein Wohnmobil und verbringt den Winter in waermeren Gefilden.

  4. MatthiasM am 19. April 2009 14:46

    Laienfragen: Wie sieht denn brandmäßig die klassische Blockhausbauweise aus? Das ist ja absolut massives Holz, auch langfristig tragfähig je nach Restquerschnitt.
    Interessant wären generell Bauweisen, die nicht zwingend zum Totalverlust führen. Das könnte neben Blockhaus auch ein Fachwerkhaus sein. Immer vorausgesetzt, sämtliche Isolierungen sind nicht brennbar (Mineralwolle), die Holzkonstruktion kann pflegeleicht freigelegt werden (also klasisches Fachwerkhaus OHNE dicke Isolierung, die alles versteckt) und es sind sonst keine Gemeinheiten eingebaut, die wie eine Lunte das Feuer weiterverteilen. Alles das war wohl der Hauptgrund, warum das Haus in Hessen zum Schluß mit Abbruchbagger gelöscht werden mußte.

  5. maos am 19. April 2009 17:32

    @MatthiasM

    Blockhaus: Richtig, das hält dem Feuer richtig lange stand. Bei Vollholz-Bauteilen kannst du i.d.R. immer davon ausgehen, dass diese überdimensioniert sind. Das heißt, das Bauteil könnte auch mit kleineren Querschnitten die Anforderungen erfüllen. Darum kann ein Vollholzbauteil ruhig etwas abgebrannt sein, durch die Rußschicht (=Dämmschicht) ist die darunter liegende Schicht geschützt.

    Beim Fachwerkhaus würde ich mich mit dem Löschen etwas mehr beeilen (ich weiss, blöd ausgedrückt…). Hier ist m. M. nach das Problem dass die aussteifenden Teile (Streben, Büge, …) nachgeben und das Gebäude einstürzt.
    Bei Neubauten wirst du Fachwerke aber i.d.R. nicht mehr antreffen, eher bei landw. Anwesen.

  6. Christian Lewalter am 19. April 2009 18:55

    @maos Nicht nur bei landwirtschaftlichen Anwesen findet man Fachwerk. Einfache in den Dorfkernen und Altstädten rumschauen: http://www.flickr.com/photos/free-skier/3171109975
    Hier ist das größte Problem die alten Lehm/Holzdecken, die Wasser nichts entgegenzusetzen haben

  7. lolliwarnke am 20. April 2009 16:32

    Darum kann ein Vollholzbauteil ruhig etwas abgebrannt sein, durch die Rußschicht (=Dämmschicht) ist die darunter liegende Schicht geschützt.

    Finde ich gerade mal interessant, hast du da Infos wie diese  „Dämmung“ im physikalischen Sinne funktioniert ?

  8. maos am 20. April 2009 17:26

    @Christian Lewalter
    Schon klar, aber ich hab das eher auf Neubauten bezogen.

    @lolliwarnke
    Wenn ein Stück Holz brennt bildet sich eine Rußschicht (sieht dann so aus wie Holzkohle) die ca. 1 – 3cm dick ist. Aus dieser Schicht sind alle brennbaren Stoffe ausgebrannt, man kann also grob behaupten, sie ist nicht brennbar. Diese Schicht schützt das darunterliegende Holz vor 3 Dingen (annährend):
    direkte Flammenbeaufschlagung, Sauerstoff und direkte Hitze.
    Dadurch wird das durchbrennen des Balkens zwar nicht verhindert, allerdings verzögert.
    Am besten beim nächsten Lagerfeuer mal mit einem Stock die Rußschicht wegkratzen. An dieser Stelle wird das Holz sofort wieder viel besser brennen.

    Ein angebrannter Balken hat also i.d.R. immer noch gute Tragfähigkeit, da er ja normalerweise überdimensioniert ist.
    Bei den Trägern die man oben im Standbild des Videos sieht hat man diesen Effekt nicht, da sie im horizontalen Querschnitt auf das Minimum beschränkt sind.

  9. MatthiasM am 20. April 2009 17:31

    Mein Wissensstand ist vor allem, daß der unverbrannte Anteil am Holz noch die seinem Querschnitt entsprechende Ursprungstragfähigkeit hat.
    Ganz im Gegensatz zu un- oder schlecht verkleideten Stahtträgern, die ratzfatz gut durchgewärmt sind und dann wie Butter wegknicken, und wenn ich mich recht erinnere, auch im Gegensatz zu Betonsäulen, die unter Brandbeaufschlagung mürbe werden und dann wie im Rohrofen vom Zementwerk zerbröseln.

  10. maos am 20. April 2009 19:48

    @MatthiasM
    Richtig, bei unverbranntem Holz muss man sich keine Sorgen wegen der Hitzebeaufschlagung machen.
    Bei Beton musst du dir noch weniger Sorgen machen. Die Bewehrung ist durch den Beton durch die vorgeschriebene Überdeckung gut geschützt und gibt wenn überhaupt im Randbereich des Bauteils nach, nicht aber im inneren Bereich.

    Ich hab mal auf die Schnelle was zusammengesucht:
    KLICK KLICK

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