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wed_ceremonyTag der Eindrücke, Tag des Lernens. Eröffnungszeremonie und drei „Classroom Sessions“, also Workshops, mitgemacht: Brandursachenermittlung, Ventilation (NYFD) sowie „Big Rig Rescue“ (LKW auf PKW). Wieder finde ich es absolut schade und eigentlich saublöd, dass wir bei uns keine Messe bzw. Konferenz im gleichen Format aufbieten können. Dies hier ist wesentlich mehr als eine Produktschau, es geht einerseits um Ausbildung in Workshops, Seminaren und vieles mehr, sowie um die größte denkbare Feuerwehrparty. Freitag soll was ganz Großes steigen, und ich hoffe, dabei sein zu können :)

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Im Ernst: Auch hierzulande gibt es die gleichen Probleme mit Traditionalisten und den fortschrittlichen. Tatsache ist, in dieser knappen Woche werden dutzende von Tausenden von Multiplikatoren generiert, die nach Hause fahren und versuchen, das hier Erlernte weiterzugeben.

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0830: Eröffnungszeremonie
Man möge mir einen Affekt vorwerfen, aber es kommt einfach Gänsehaut auf, wenn geschätzte 2.000 US-Feuerwehrler in der Eröffnungszeremonie erzählt bekommen, dass sie einen Job machen, auf den sie stolz sein können.

Wie schon letztes Jahr muss man nicht mit Allem einverstanden sein. Beispielsweise wird erklärt, dass Sachwerte ähnlich wichtig sind wie Menschenleben. Meiner Meinung nach nicht haltbar: ich kann mir keinen dooferen Tod vorstellen, als den um Objekte zu retten, und mögen sie für jemanden sonst wie wichtig sein.

Doch davon abgesehen war das so eine Veranstaltung, nach deren Ende sich jeder Teilnehmer guten Mutes ein bisschen (oder auch sehr viel) auf die Schulter klopfen darf, und das aus gutem Grund. Kaninchenzüchten ist imho halt was anderes als einen Flashover zu blocken. Und ich verstehe nicht, warum man nicht ein wenig Anerkennung akzeptieren darf, ohne gleich größenwahnsinnig zu werden.

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In einer Ansprache ging es um das Feuerwehrfahrzeug als Symbol des Vertrauens. Finde ich angebracht: Bürger in Not haben eine gewisse Erwartung an die Arbeit ihrer Feuerwehr. Wir sollten uns dieses Vertrauens bewusst sein. Ob das gleich eine „heilige Pflicht“ ist („sacred duty“), sei dahin gestellt.

1030: Fireground Investigation
Diese knapp 2-Stündige und leider sehr trockene, aber notwendige Präsentation war quasi der theoretische Rahmen zum Workshop von gestern. Vielleicht sollte man nochzusätzlich erwähnen, dass Brandursachenermittlung hierzulande auch in den polizeilichen Bereich geht: so gilt es nicht nur, das Feuer nach „Origin and Cause“ (Ursprung und Ursache) zu lesen, sondern auch eventuelle andere Parameter.

Dazu gehören auch Motivermittlung und vieles mehr. Feuerwehrermittler haben auch eine Polizeiliche (Grund)ausbildung und sind mit Befugnissen ausgestattet bis hin zur Verhaftung von Verdächtigen. So gesehen war das ein guter Abschluss, oder für mich eher ein Einstieg in das Thema.

1330: Ventilation

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Das war eine ausgesprochen spannende Vorstellung durch einen kürzlich pensionierten Assistant Deputy Fire Chief aus New York. Hier wurde aufgezeigt, wann und wie zu ventilieren ist – und wann nicht. Mit der falschen Taktik lässt sich nämlich viel Schaden anrichten.

Bei einem typischen Wohnungsbrand in NY geht ein Team aufs Dach und schaut, dass er über der Treppe eine Öffnung schafft, also vertikale Ventilation. Diese Öffnung ist meistens eine Lichtkuppel oder Rauchklappe – sollte sich der Brand ausweiten, hat er hier eine Austrittmöglichkeit.

Horizontale Ventilation ist dafür da, um eine Ausbreitung des Feuers zu verhindern und es da einzugrenzen, wo es gerade wütet. In New York werden Halligans an einer Schnur gebunden und im großen Bogen vom Dach geworfen, wo sie das Fenster in der Brandwohnung zerschmettern.

Logischerweise ist eine Koordination zwischen Trupp im Innenangriff und Ventilation extrem wichtig. Man unterscheidet übrigens zwischen „venting for fire“ und „venting for life“. Bei letzterem ist die Koordination schwierig, und man sollte sich im Klaren sein, wie die Ausbreitung nach schaffen der Ventilationsöffnung aussehen könnte.

Norman ging dann auf ein bestimmtes Szenario etwas genauer ein: „Wind-driven fire“. Dies sind insbesondere Brände in höheren Stockwerke, wo der Wind das Feuer in die Wohnung hineindrückt. Der Effekt, der vielen New Yorker, und weltweit vermutlich vielen anderen, das Leben gekostet hat, ist mit einer Acetylenflamme vergleichbar: macht man die Tür zum Gang auf, wird dieser zum Brennofen mit sehr hohen Temperaturen – und zur Todesfalle für FA.

Ein weitere großer Teil der Präsentation befasste sich mit Ventilation auf dem Dach, die nur dann stattfinden sollte, wenn das oberste Geschoss, oder die Zwischendecke zwischen Dach und Decke des obersten OG brennt. Zu diesem und dem letzten Vortrag schreibe ich noch einen Artikel für das Videomagazin.

1530: Big Rig Rescue, oder LKW auf PKW
Dieser Vortrag ging auf ein eigentlich sehr präsentes, und stark vernachlässigtes Szenario ein: Wie vorgehen, wenn ein LKW auf PKW liegt, oder sich ein PKW unter ein LKW eingeschoben hat und Personen eingeklemmt sind? Zu diesem Thema habe ich auch bei uns fast nichts gehört.

Genau damit befasst sich jedoch Billy Leach aus North Carolina. LKW auf PKW ist „low probability, high risk“, also eher unwahrscheinlich, aber sehr gefährlich.

Wie sollte eine Feuerwehr – weil nunmal sie gerufen wird – eine solche Situation meistern? Einerseits hilft die Kenntnis über Gewicht und dessen Verteilung, und andererseits wird ein Vorgehen in 5 Stufen vorgeschlagen:

1. Ladung identifizieren
2. Stabilisieren des schweren Fahrzeugs
3. Absenken des kleineren Fahrzeugs
4. Anheben des größeren Fahrzeugs
5. Befreien der Insassen

Auf die einzelnen Punkte einzugehen, würde hier den Rahmen sprengen. Doch eine kleine Hausaufgabe kann hier mitgegeben werden. Sehr Euch mal das Bild an: Unter diesem LKW ist ein PKW begraben.

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Zwei Aufgaben: Was muss ich wo anheben, und wieviel wiegt das? Und welche Mittel stehen eurer Wehr (vorausgesetzt ihr fahrt auf VU) zur Verfügung? Viel Spaß! beim lösen.

Morgen geht es hier vormittags erstmal mit einer weiteren Classroom Session weiter, und am Nachmittag macht der Ausstellungsteil der Messe auf. Immerhin wird das Wetter besser, heute war trocken, aber Pulli war angesagt. Die nächsten Tage sollen besser werden.

Zuletzt noch ein Paar Eindrücke von heute, wie schon gestern von meiner ganz miesen Kamera eingefangen:

FDIC09-Bilderstrecke

Bisher im Indy-Tagebuch:

  1. ready to go
  2. Zwischenstopp
  3. Brandursachenermittlung

Kommentare

3 Kommentare zu “Indy-Tagebuch (4): Eröffnung und Unterricht” (davon )

  1. Henning Wanke am 23. April 2009 12:27

    Ein paar Bilder von der FDIC2009 bei flickr:

  2. Adrian Ridder am 23. April 2009 19:53

    Natürlich haben wir auch zum Thema Ventilation was bei ASU.eu ;-)

  3. Indy-Tagebuch (5): erster Ausstellungstag : FWnetz - Feuerwehr im Netz am 24. April 2009 07:02

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