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rescue_engine(iw) Wenn ich nach dem kurzen Aufenthalt dort das US-Feuerwehrwesen mit unserem vergleichen müsste: Feuer wesentlich fortgeschrittener, THL VU sind wir ein gutes Stück weiter. Natürlich gibt es zig weitere Felder, ob taktisch, technisch, wissentschaftlich, ökonomisch und vieles mehr. Auch die beiden Parameter THL und Feuer sind stark zu relativieren.

Ich möchte hier ein bisschen auf die „Feuer“, bzw. „Wasser“-Philosophie eingehen, die doch sehr stark von unserer abweicht. Schauen wir uns selbst an: bis vor Kurzem hatten wir die immense Auswahl zwischen B- und C-Rohr, dazu Monitore und D-Rohr plus Kübelspritze. Wann das erste mal von Rauchgaskühlung gehört? Stand der Dinge ist, dass wir zumindest im Innenangriff mit HSR (Hohlstrahlrohr) vorgehen und halbwegs vernünftig und vor allem dynamisch das Rohr führen. Natürlich ist das nicht die maximale Ausbaustufe, in den nächsten Jahren kommen sicher weitere Themen hinzu, beispielsweise Arbeit mit dem Vollstrahl im Innenangriff (derzeit noch nicht akzeptabel). Einen Vorteil haben wir: es wird weiterhin einheitlich mit dem HSR vorgegangen werden.

Hier haben die Amerikaner eine  – gelinde gesagt – sehr lebhafte Diskussion um die richtige Art von Strahlrohr. Die einen schwören auf „Fog“-Nozzle (also HSR), die anderen auf Smoothbore oder Solid Stream, ergo mit Vollstrahl. Hier ein Vergleich:

Meistens werden beide Arten mitgeführt. Das Hauptargument der „Vollstrahler“: ich komme von größerer Entfernung gezielter durch die Thermik. Mit Vollstrahl gegen die Decke schlägt mir die Hitzeschicht sofort nieder, es entsteht weniger Wasserdampf, und alle Personen in der Nähe (FA und zu rettende Personen) sind geschützter, es entsteht keine Dampfwalze. Hier ein pro-Smoothbore-Video:

Was ich davon halte: ich denke, hier wird gar nichts bewiesen, die Arbeit mit dem HSR gefällt mir nicht gut. Was allerdings tatsächlich eine Überlegung wert ist: Die Arbeit mit dem Vollstrahl an der Decke  – nur das erreicht man genausogut (siehe erstes Video) mit einem Vollstrahl aus dem HSR. Nur, wie gesagt, das ist schon die höhere Kunst des Löschens und soll hier nicht behandelt werden.

Dem US-Feuerwehrler steht mit seiner Engine oder Pumper (einem TLF im reinsten Sinne) normalerweise eine riesige Variation an Möglichkeiten zur Verfügung. Die Spezifikationen werden in der NFPA 1901: Standard for automotive Apparatus definiert.

Die Pumpe ist meistens Mittschiffs verlastet. Quer zur Fahrtrichtung und über der Pumpe werden die preconnects in sog. crosslays mitgeführt: das sind vorgekuppelte Schnellangriffsleitungen, die einfach runtergezogen und unter Druck gesetzt werden. Die meisten Engines haben 2 oder 3 crosslays, fast immer „Small Diameter Hose“ unter 2 inch (5cm), hauptsächlich 1 1/2″ und 1 3/4″. Hinzu kommt manchmal eine 2 1/2″ / 6,75cm line (Medium Diameter Hose, geht bis zu 3″) um sofort „big water“, also eine Menge Wasser abgeben zu können.Hier eine Pumpe, links oben sieht man die crosslays, darunter in gelb und grün die Druckeinstellung für jede Leitung:

crosslays

Die Leitungen in den Crosslays sind meistens 200′ (fuss = ca. 70m) lang. Ein typischer Schlauch ist 50′ oder 100′ lang.

Längs zur Fahrtrichtung hinten sind dann die Hosebeds (Schlauchbuchten), hauptsächlich um Versorgungsleitungen zu verlegen. Das sind 2 1/2″ und aufwärts, geht bis zu 6″ (15cm, ähnlich F-Schlauch). Hier ist ein Beispiel (jedoch eine Ladder und keine Engine)

hosebed

Und das Ganze als Video (hier auch eine ladder, aber vom Prinzip das Gleiche):

Der Arbeitsdruck ist 100PSi (7 bar) für die HSR und 50PSi (3,5 bar) für die smoothbores, mit einem Wasserdurchfluss von 100 bis 400 Gallonen, also 400 bis 1600 Liter. Letzteres stellt, wie man sich unschwer vorstellen kann, enorme Anforderungen an die Mannschaft.

Kommentare

11 Kommentare zu “USA: Wasserphilosophie” (davon )

  1. jansued am 30. April 2009 23:18

    Das Vergleichsvideo ist echt ne Frechheit. Vollstrahl für 2 Sekunden an die Decke mit Sprühstrahl 8-10 Sekunden in die Glut zu vergleichen, zeigt dass die Jungs nicht wirklich wissen was sie tun.

    Vollstrahl an die Decke ist ne blöde Idee, das es Temperaturmäßig nix bringt und erst recht die Thermal Balance sprengt..

    Aber das ist in den USA ne Debate wie hier ND vs. HD etc….

    Jan

  2. diggler am 1. Mai 2009 05:47

    Nicht zu vergessen, dass die Pumpenleistungen zwischen 3000 und 7000 Liter/ Minute liegen. Auch die Hydranten (99% Ueberflur) liefern zwischen 2000 und ueber 7000 Liter / Minute.

    Bei uns werden ausschliesslich HSR verwendet (44mm und 65mm) mit Literleistungen von 500 l/min. mit 500 KPa (5 Bar) und 900l/ min. mit 500 KPa. Die Durchflussmenge ist nicht einstellbar.

  3. Philipp am 1. Mai 2009 12:38

    Diggler, die Strahlrohre im ersten Video, die da in den See gehen, die werden von einem FA geführt? Also vom Handling her vergleichbar mit einem C-Rohr?

  4. JohnnyKnoxville am 1. Mai 2009 13:38

    Hochinteressant Irakli! Danke für die interessanten Infos! Es ist immer gut einen Blick über den Tellerrand zu werfen.

  5. tr am 1. Mai 2009 19:29

    </klugscheissermodus ein> …ich habe da so meine Probleme mit der Diskussion. Zum einen unterscheidet sich die Bausubstanz, Infrastuktur und Philosophie in Nordamerika signifikant von der mitteleuropäischen – zum anderen gibt es viele „Weisheiten“ der Löschtechnik auf beiden Seiten, die sich kaum mit der Branddynamik vereinbaren lässt. So ist die Unterscheidung zwischen Rauchgasdurchzündung mit den entsprechend entsprechenden Randbedingungen und die eines Flashover (und da sollte man wirklich bei der Definition der ISO bleiben!) vielen Feuerwehrleuten schleierhaft. Sicherlich dadurch gefördert, das in „Flashover-Simulationen“ suggeriert wird, wie einfach doch eine „Rauchgaskühlung“ von statten geht (wobei das nur ein poppeliger Rollover ist). Da ist noch viel Aufklärungsarbeit zu machen. 
    Würde man sich da mal die Mühe machen, einen Brandverlauf mit der entsprechenden Wärmefreisetzung genauer zu betrachten; sich dann die ändernde Wärmestromdichte hin zum Fashovers zu Gemüte führt – dann würden wir hier vielleicht klarer sehen. Eines sollte man hierbei noch erwähnen: Wer glaubt, dass man einen drohenden Flashover mit ein paar Liter Wasser in Form einer Deckenabkühlung zu verhindern, der irrt.
    </klugscheissermodus aus>
    Sorry, dass musste mal sein. Leider findet man selbst in Lehrunterlagen der hiesigen Feuerwehrschulen ungenaue Definitionen. 
    Bei ernsthaftem Interesse kann ich den Drysdale (an Introduction to Fire Dynamics) oder ein Blick ins SFPE Handbook of Fire Protection Engineering empfehlen. Ist aber nur was für Hardcore-Fans. :-)

  6. jansued am 1. Mai 2009 21:12

    Deswegen bilden das viele ja auch nicht mehr aus. Wobie der Drysdale auch „nur“ die US-Definitionen etc. liefert.

    Wenn man versucht, mit Sprühstößen eine Rollover/Rauchdutchzündung zu stoppen, ist das übrigens keine Rauchgaskühlung, das nennen viele F/O blocken und wird von mir nicht gelehrt. Rauchgaskühlung macht aber nach wie vor Sinn, aber eben nicht mit 1000 l/min und 5 Sekunden lang wie im Video zu sehen.

  7. tr am 1. Mai 2009 22:20

    „Deswegen bilden das viele ja auch nicht mehr aus. Wobie der Drysdale auch “nur” die US-Definitionen etc. liefert.“ 

    Schonmal reingeschaut? Für Definitionen sollte man die ISO heranziehen. Um überhaupt mal zu verstehen empfiehlt sich der Drysdale oder halt den Karlsson/Quintiere. Das mit „Definitionen etc.“ abzuhandeln empfinde ich ein wenig befremdlich.
    BTW: Drysdale lehrt(e) in Edinburgh, UK und ist sowas von ein Schotte, nix US.

    „Wenn man versucht, mit Sprühstößen eine Rollover/Rauchdutchzündung zu stoppen, ist das übrigens keine Rauchgaskühlung…“

    Sprühstösse gegen den Ceiling Jet wird wohl genau gegen eben diesen gerichtet sein, das unterstelle ich hier mal den Praktizierenden. Prinzipiell wird ein wie immer gearteter Wassereintrag zu einem Rückgang der Temperatur im Innenraum führen, das besagt der th.-dyn.- Kreisprozess. Was aber effektiv ist, steht auf einem anderem Blatt. Das Verhindern eines Flashovers sollte ein anderes Thema sein, dazu müsste man weiter ausholen.  

  8. jansued am 1. Mai 2009 22:56

    a) ja.

    b) egal wo er herkommt, er gibt eine Interpretation der Thermodynamik bie Bränden in geschlossenen Räumen wieder.  Gibt aber noch mehr, Karlsson hast du schon genannt.

    c) Nicht nur Giselson/Rosander sondern auch Südmersen können dir sagen, das in die Rauchschicht eingebrachter Sprühnebel die Raumtemperatur massiv  senkt, und durch das Versetzen derselben mit Wasserdampf die Durchzündungsgefahr senkt. Das ist was völlig anders wie zu versuchen einen Rollover oder ggf. eine Rauchschichtexplosion zu „blocken“. Sollte man unterscheiden können. Eines von beiden schon mal gemacht?

    d) Was effektiv ist, darüber streiten sich eben die Geister. Mit dem wie ich die Abläufe und die Gegenmaßnahmen definiere komme ih ganz gut klar. Bis mir das einer besser erklärt und vormacht. Konnte bis jetzt aber noch keiner.

  9. tr am 2. Mai 2009 09:06

    „… das in die Rauchschicht eingebrachter Sprühnebel die Raumtemperatur massiv  senkt…“

    Eben nur so viel, wie durch eine Umsetzung der  eingebrachten Wassermenge möglich ist. Alles andere spricht gegen den Kreisprozess.  Massiv Temperatur senken ist bei geringen Wassermengen ein Wunschtraum. Zudem werden die punktuell abgekühlten Rauchgase direkt durch neues ersetzt. Das ganze ist spätestens beim Einsetzen des Innenangriffs ein offenes System (wenn man die Wärmeleitung durch die Umgrenzung mal vernachlässigt, sonst schon davor).   
    Man muss vorsichtig sein, wenn es um das interpretieren von eigenen Erlebnissen geht. Äußere Einflüsse sind nicht immer unmittelbar erkennbar. Ein schönes Beispiel ist das Flash von oben. Bei der Grundkonstruktion wird der Brandraum weit vor Entwicklung zum vollen Zimmerbrand nennenswerte Leckagen nach oben haben. Damit dürfte sich ganz andere Randbedingungen einstellen. 

    Ach ja. Das mit dem Abgreifen von Temperaturen ist so eine Sache. Kennwerte brauchbar zu messen bekommt man selbst im Brandlabor nur leidlich hin, spreche da (leider) aus eigene Erfahrung. Aber ich will nicht abschweifen…

    „…Das ist was völlig anders wie zu versuchen einen Rollover oder ggf. eine Rauchschichtexplosion zu “blocken”

    Nahezu alle Maßnahmen der Feuerwehr beschränken sich auf Wassereintrag. Völlig anderes sieht nun wirklich „anders“ aus….

  10. jansued am 2. Mai 2009 14:10

    Das kontinuierliche Rauchgaskühlung die Temperatur und die Zündfähigkeit nachhaltig senken, ist in Theorie und Praxis nachgewiesen.

    Das die Geschwindigkeiten im Gravity Flow ein Faktor sind, ist klar. Aber Antiventilation als Alternative ist in der Fläche nicht umzusetzen. Und der Direct Attack mit einem Iowa-CFF hier wohl auch nicht.

    Und solange wird wohl ein mehrstufiger Innenangriff unterstützt durch taktische Ventilation noch auf viele Jahre das Mittel der Wahl bleiben. 

  11. diggler am 2. Mai 2009 20:20

    Schoene Diskusion ;-)
    Um diese ganze FO/ Rauchgasdurchzuendung (RGDZ) Diskusion zu umgehen, einfach mal die info, dass viele Departments hier von einem IA gaenzlich absehen und nur einen durchfuehren wuerden wenn Menschenleben in Gefahr sind. Das geht zwar gegen die Philosohpien vieler US Deparments, aber aufgrund der Baumaterialien hier ist es einfach viel zu gefaehrlich sein Leben fuer ein Haus zu riskieren, dass am naechsten Tag abgerissen wird. Und um zurueck zum Wasserthema zu kommen, wir brauchen soviel um die Brandausbreitung auf andere Gebaeude zu verhindern.

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