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Leserbeitrag von Florian Körblein

Prag, Landeshauptstadt von Tschechien, historisch und kulturell eine der sehenswertesten Städte Ostereuopas und mit 1,2 Millionen Einwohner die größte Stadt des Landes. Die goldene Stadt an der Moldau war dieses Jahr das Ziel des Vereinsausfluges der Feuerwehr Schweinfurt. Eine Splittergruppe der Reisegesellschaft hatte bereits im Vorfeld des verlängerten Wochenendes via Internet zur Prager Berufsfeuerwehr Kontakt aufgenommen und die Besichtigung der Innenstadtwache 1 vereinbart. Die Kollegen vor Ort waren sehr aufgeschlossen und haben ohne zu Zögern mehrere Vorschläge und umfangreiche Wegbeschreibungen unterbreitet.
Samstag Nachmittag begrüßte Daniel Jirousek die Schweinfurter Delegation im Hof der Feuerwache 1, einer typischen Innenstadtwache, die vom Aussehen her an die Zeit um die vorletzte Jahrhundertwende erinnert.

Wache

Sie ist eine von zehn Wachen der Prager Feuerwehr und mit jährlich ca. 1.500 Einsätzen einer der höher frequentierten in Prag. Daniel und seine 30 Kollegen versehen ihren Dienst im 24-Stunden-Rhythmus (7 – 7), einer Schicht folgen zwei freie Tage am Stück. Im Gebäudekomplex sind neben dem Löschzug, noch die Einsatzzentrale, die Verwaltung samt Branddirektion sowie die Presseabteilung und die Brandermittler untergebracht. Interessant, dass in Tschechien dieses Aufgabengebiet ähnlich wie in den USA bei der Feuerwehr angesiedelt ist. Ein Führungsbeamte hat zusätzlich sein Büro und Bereitschaftsraum auf der Feuerwache 1, er ist für die 250 Funktionen die ständig besetzt sein müssen, verantwortlich, vergleichbar mit dem Direktionsdienst einer deutschen Berufsfeuerwehr, der bei größeren Einsätzen mit ausrückt um die Einsatzführung zu übernehmen.
Der Rundgang durch die Wache begann in der Fahrzeughalle. Erwartete man hier Fahrzeuge aus Osteuropäischer Produktion wie zum Beispiel Liaz, oder Tatra wurde man enttäuscht.

Drehleiter

Hinter den Toren, kamen durchweg Fahrzeuge mit Mercedes- oder IVECO Fahrgestellen zum Vorschein. Allerdings sind die Aufbauten der neueren Fahrzeuge aus tschechischer Produktion, was jedoch nur an den Typenschildern auffällt.

Loeschafhrzeug

Die Beladung der drei Löschfahrzeuge ist jeweils identisch. Neben 2000l Wasser, einer Hoch- und Normalduckpumpe findet man die „üblichen“ Werkzeuge und Armaturen wie in Deutschland. Die Staffelkabine ist mit vier Pressluftatmern von Scott bestückt, darüber hinaus führen die Fahrzeuge ein Notfallset für den Sicherheitstrupp, bestehend aus einer Tasche mit einer Atemluftflasche und Maske mit. Die Feuerwehrsicherheitsgurte sehen dort auch anders aus und erinnern an die Sitzgurte aus dem Absturzsicherungssatz. Höhenrettungsmaterial ist ebenfalls auf dem Fahrzeug untergebracht, auf jeder Schicht befindet sich mindestens ein ausgebildeter Höhenretter.
Was man vergeblich sucht ist ein Rettungssatz für technische Hilfeleistung. Es ist nur ein kleiner handbetriebener Spreizer für Türöffnungen auf den Löschfahrzeugen verlastet.

Vorausruestwagen

Schere und Spreizer sind auf einem Vorausrüstwagen untergebracht, da man damit bessere Erfahrungen gemacht hat und die Fahrzeuge wendiger als die großen Löschfahrzeuge sind, sagt Daniel.
Dafür findet man ein besonderes Löschsystem auf den Fahrzeugen,. eine Art Schaumrohr in das eine Patrone eingelegt wird zur Erzeugung von Wasser-Schaum-Gemisch. Dieses System aus der Schiffsbrandbekämpfung wird hauptsächlich bei PKW- oder Mülltonnenbränden eingesetzt und ist sehr beliebt. Eine feste Schaumzumischung haben die Fahrzeuge nicht.
Zu Brandeinsätzen rückt ab einem Zimmerbrand immer der komplette Zug, bestehend aus drei Löschfahrzeugen und Drehleiter aus, so stehen für den Erstangriff theoretisch sechs (!) Atemschutztrupps zur Verfügung.
Als einzigstes Sonderfahrzeug ist auf der Wache 1 ein Geländewagen mit einem COBRA Kaltschneide- und Hochdrucklöschgerät stationiert. Damit kann zum einen mit dem Wasserstrahl und einem Druck von bis zu 300 bar Zugangsöffnungen bei Bränden geschaffen und mit dem Wassernebel gelöscht werden. Alternativ lässt sich das System auch durch die Beimischung von Abrasivstoffen zum Trennen einer Vielzahl von Materialien einsetzen.

Cobra

Damit schloss die Führung durch die Wache ab, die Kollegen von Daniel warteten schon ungeduldig auf ihren Mitspieler für das Hofhockey. Die Einladung zum Länderspiel haben wir jedoch im Hinblick auf unseren engen Zeitplan in Prag leider dankend ablehnen müssen. Abschließend bleibt zu sagen, dass sich die Ausrüstung der tschechischen Kollegen nur unwesentlich zur deutschen unterscheidet, auffällig jedoch die verhältnismäßig hohe Sollstärke der Schicht mit ca. 30 Mann, wenn man bedenkt, das in Prag der Rettungsdienst nicht bei der Feuerwehr angesiedelt ist.
Unten angefügt noch eine besonderheit wenn man die Rutschstangen betrachtet: der Durchmesser ist etwa dreimal so groß wie hier bei uns, die Kollegen finden das allerdings überaus praktisch und haben gefragt wie wir überhaupt an so dünnen Stangen rutschen können. Andere Länder, andere Sitten….

Stange

Kommentare

2 Kommentare zu “Besuchsbericht Berufsfeuerwehr Prag” (davon )

  1. Bretti am 7. Mai 2009 13:19

    Interessanter Artikel…sehr schön:)

  2. Robert Sims am 7. Mai 2009 17:14

    Und Spaß gemacht hat der Trip auch! *g*

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