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wdc390(iw) Kleine Übung zur Sinnesschärfung und zur Vorbereitung des anstehenden Artikels über „Wind Driven Conditions“, also Zimmerbrände in höheren Gebäuden bei starkem Wind.

Hier die Lage bei Ankunft, mehrere Anrufer „Brand im 6. Stock“, starker Wind drückt gegen die Fassade. (click für größeres Bild)

Wer möchte, kann ja im Kopf den gesamten Einsatz ablaufen lassen, doch mir geht es spezifisch um die Tatsache, dass dieser Brand offen ventiliert, die Scheibe ist also bereits zerborsten. Folgende Fragen gilt es, zu beantworten:

  • Woran erkenne ich, dass ich es hier mit „Wind Driven Conditions“ zu tun habe?
  • Welche konkreten Gefahren ergeben sich für meine Einsatzkräfte?

Blick mit dem selbstverständlich mitgeführten Feldstecher:

wdc5002

Kommentare

12 Kommentare zu “Size-Up: Wind Driven Conditions” (davon )

  1. darthvader am 11. Mai 2009 14:51

    Dann probier‘ ich’s mal. Vorwort: mit WDC habe ich mich bis dato nicht beschäftigt. Ich vermute mal, dass WDC im wesentlichen heisst, dass der Brand durch die Luftzufuhr von außen kontrolliert wird. Das hieße hier eine erhebliche Gefahr, dass ein Trupp, der über das Treppenhaus von innen die Tür öffnet, eine Stichflamme abbekommt. Darüber hinaus natürlich Verrauchung des Treppenhauses mit allen Konsequenzen. Daher wohl eher Angriff von außen über DLK mit C-Rohr.
    Vermutlich kann man das durch eine relativ schwache, aber dunkle und gepulste Rauchentwicklung erkennen. Gepulst deshalb, da der Wind immer etwas ungleichmäßig ist und so mal weniger, mal mehr in den Brandraum drückt.
    Ich würde aber immer zusätzlich einen PA-Trupp mit Wasser am Rohr ins Treppenhaus zum Sichern der Wohnungstür schicken.

  2. MatthiasM am 11. Mai 2009 17:13

    Hmm, das ist kein Hochhaus im Sinne der Bautechnik?

    (folgend Gedanken des Mitlesers und ansonsten recht ehemaligen FA)

    Erstangriff per DL über Balkon einsteigen, mit Wind im Rücken? 6. Stock sollte zum Anleitern noch reichen. Viele weitere DL nachalarmieren, Treppenhaus als Angriffsweg vergessen, als Fluchtweg für 6./7./8. Stock nur sehr eingeschränkt, vergessen, PA-Trupp mit Wasser am Rohr zur Sicherung der Wohnungstür einen Treppenabsatz unterhalb (ich kenne das Gebäude nicht von innen, sind die Wohnungstüren unmittelbar im Treppenhaus oder gibt es mit Rauchschutztüren abgetrennte lange Flure auf den Gängen mit Wohnungen beiderseits, wenn ja, evtl. Durchgänge auf voller Länge des Gebäudes zu anderen Treppenhäusern?

  3. Fries am 11. Mai 2009 18:16

    Hallo,hatte Grimwod in seinem Buch „Handbuch der Brandbekämpfung“ nicht solche Fälle beschrieben ? Er nannte es Hochdruck FO oder BD .

  4. S.F am 11. Mai 2009 18:22

    Hallo,
    wenn diese Wohnung im 6.OG im Vollbrand steht, werde ich die Tür zum Treppenraum geschlossen lassen, 1 Trupp sichert diese Tür über eine Schlauchleitung, desweiteren wird das Treppenhaus unter ÜD gesetzt. Angriff erfolgt über Aussen und ja wir sind uns sicher alle einig, zu retten gibt es in der Wohnung nichts mehr, nein auch kein Menschenleben.
    Und falls nur 1 Zimmer in Vollbrand steht und der EL bzw. Fzg-F entscheidet einen Angriff über den Treppenraum, dann kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen, das uns diese „böse“ Feuerwalze sofort überrennt.

    Grüße

  5. Irakli West am 11. Mai 2009 18:35

    @S.F.

    „dann kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen, das uns diese “böse” Feuerwalze sofort überrennt.“

    Oh, doch, und das werde ich mit den NIST-Videos aufzeigen, das Dollhouse-Experiment hat es auch aufgezeigt :)

  6. S.F am 11. Mai 2009 19:49

    ..gibt es Fälle in Deutschland/Europa die davon berichten?
    Oder gibt die Bauweise auch noch seinen Teil dazu?
    Vergleich Holzbau (USA) = Bauweise (Europa)
    zu deinem Experiement…einen Lüfter vor eine „Kiste“ zu stellen und dann mit zick Liter Luftleistung reinzublasen sagt jetzt nichts über die „reale-welt“ aus…

    Grüße

  7. Jens Fischer am 11. Mai 2009 20:05

    Die Luftmenge die durch entsprechend geborstene Fensterflächen schon bei mäßigem Wind auf eben selbige Gebäudeseite in einen Brandraum gedrückt werden sind allerdings nicht zu unterschätzen.

    Da täuscht man sich teilweise recht gewaltig wenn man auf GRundniveau steht in bebautem Gebiet. Hier empfiehlt es sich mal einen größeren Turm zu besteigen und die Windverhältnisse auf verschiedenen Seiten zu erleben. Auf der einen Seite kann es völlig windstill sein, geht man auf eine gegenüberliegende Seite ist man plötzlich verwundert welcher Winddruck dort herrscht.

    Sicherlich hängt die Sache dann auch vom bisherigen Brandverlauf in der Wohnung ab, aber gegenebenfalls ist die natürliche Ventilation durch Wind der eigentlich gewünschten Ventilation durch Lüfter (besonders bei größeren Objekten) zu unseren Ungunsten überlegen.

  8. jansued am 11. Mai 2009 22:40

    Mein erster Vorschlag, wäre das Ding anständig u benennen: Meine Idee dazu war Winddruck-Stichflamme, m.E. besser als High Pressure BD und viel gehaltvoller wir WDC (wenn dann WDFC).

    Grüße, Jan

  9. Irakli West am 11. Mai 2009 23:26

    @jansued die Flamme ist nur eine Begleiterscheinung, wenn auch die wichtigste. Auch mit geschlossener Tür zum Gang, also mit keiner Flamme, habe ich trotzdem „Wind Driven“-Begleitumstände, beispielsweise pulsierende Abgabe. Wichtiger ist jedoch die geänderte Taktik bei entsprechendem Stichwort.

    Wir bräuchten einen Sammelbegriff wie „Windbedingte Situation“ oder ähnlich.

    Was da die FA im Gang grillt ist dann tatsächlich die Winddruck-Stichflamme, vorausgesetzt eine Stichflamme kann per Definition eine Stunde lang brennen?

  10. jansued am 12. Mai 2009 10:20

    @iw: Die Stichflamme ist nicht nur die wichtigste, sondern eben die Hauptgefahr und alles andere dafür „nur“ die Anzeichen (pressurized smoke). Gäbe es die Stichflamme nicht, wäre das ganze Phänomen doch feuerwehrmäßig eher uninteressant…

    Wir reden ja auch von RD und RE und nicht von thermisch-pyrolytischbedingter Situation..

  11. Irakli West am 12. Mai 2009 10:32

    @jansued ich kann gut mit der Bezeichnung Winddruck-Stichflamme leben, nur bin ich skeptisch, ob dadurch die eindeutige Ursache in den Köpfen so präsent ist?

    Zugegeben, eine Alternative fällt mir nicht ein und „Wind Driven Conditions“ ist  unzufriedenstellend.

  12. cpwrede am 12. Mai 2009 10:57

    Moin,
    neben der Stichflamme ist zu bedenken, dass ich mit taktischer Ventilation durch Lüfter kaum etwas erreichen werde. Durch Querlüften kann ich die Situation je nach Grundriss evtl. entschärfen oder verbessern, die Durchführung ist allerdings komplex und nicht ungefährlich.
    Das Öffnen von Rauchabzugsöffnungen kann im Treppenhaus einen Kamineffekt verursachen, wenn die Tür zur Brandwohnung offen ist.
    Der Blick auf die Lage ist allerdings nicht eindeutig (ein kleines Feuer kann den wenigen Rauch auch erklären und das er stoßweise austritt mag an Brandlast und Sauerstoffsättigung liegen). Wichtig ist deswegen das Betrachten der Baumwipfel, der Eindruck des Trupps im Korb auf dem Weg nach oben, sowie ein Überblick über Himmelsrichtung und Wettergeschehen.
    Grüße Carl Philipp

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