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(sc). Das Unwetter vom vergangenen Dienstag hat im Bodenseekreis (Baden-Württemberg) ein Nachspiel. Ein Nachspiel, das ein wenig an Kindergarten erinnert, man verzeihe mir den Ausdruck. Da zog also ein Unwetter über Süddeutschland, überall Land unter, Bäume blockieren die Straßen und Dächer sind beschädigt, die örtlichen Feuerwehren rücken aus, nur das THW OV Überlingen bleibt Gewehr bei Fuß in der Unterkunft stehen. Aus eigenem Antrieb geschah dies nicht, so der Ortsbeauftragte, vielmehr sei die Feuerwehr Schuld, hier speziell der Kreisbrandmeister, der das THW nicht angefordert habe – nicht habe anfordern wollen, weil er was gegen das THW habe.

So in etwas lesen sich zwei Artikel in großen einer Lokalzeitung am Bodensee. Klar ist erstmal eines: Die Berichterstattung dieser Zeitung ist unter vielen Lesern umstritten. Die Zeitung ist für ihren reißerischen Stil und schlechte Recherche bekannt. Unklar ist mir, was da genau zwischen THW und Feuerwehr ablief. Das was aber beschrieben wird, erinnert ein wenig an Kindergarten:  Einer mault, der andere bockt und keiner redet miteinander, stattdessen prügelt man sich in der Öffentlichkeit. Aber macht euch selbst ein Bild:  THW stinksauer: Hilfe unerwünscht und Rot und Blau auf Konfrontationskurs.

Grundsätzlich erinnert dieser Vorfall an die Frage, wann denn das THW angefordert werden kann und wann es angefordert werden muss? In obigem Fall wird dem Leser suggeriert, dass das THW immer angefordert werden muss! Man möge mich bitte nicht falsch verstehen: Das THW ist eine Zivilschutzorganisation des Bundes und kann (!) von örtlichen Behörden im Rahmen der Amtshilfe angefordert werden. Wann das geschieht, liegt im Ermessen der anfordernden Behörde.

Diese Anforderung erfolgt in der Regel dann, wenn klar ist, dass das eigene Personal oder, was eher der Fall, die feuerwehreigene Ausrüstung nicht den Anforderungen einer Unglücksstelle, aufgrund deren Komplexität gewachsen ist.

Rechtlich geregelt ist die Anforderung im Landeskatastrophenschutzgesetz bzw. auf Gemeinde-/Kreisebene. Und in den vielen Fällen funktioniert das relativ problemlos.

Und damit ist auch klar, dass die Feuerwehr dem THW nicht die Einsätze wegnimmt, weil beide Organisationen auf unterschiedlichen Ebenen agieren. Aber genau diese Ebenen werden nun verwischt – und sind im öffentlichen Denken gar nicht bekannt. Das THW fühlt sich übergangen, die Feuerwehr sieht im THW eine Konkurrenz.

Wenn es anders wäre, also, dass das THW immer angefordert werden muss, dann hätten beide Organisationen Legitimationsschwierigkeiten, weil dann teilweise Doppelstrukturen vorhanden wären. Anders formuliert: Wozu eine Feuerwehr unterhalten, wenn es das THW gibt? Et vice versa.

An der Stelle möchte ich auch auf meinen Überblicksartikel zum THW hinweisen, der eigentlich eine Sache vermitteln will: Sich mit dem THW zu beschäftigen und zu schauen, welche Kompetenzen vorhanden sind und nutzbar gemacht werden können, dabei aber die Organisation nicht zu verteufeln, sondern als Ergänzung zu sehen: Rot und Blau – gemeinsam stark.

Mir bleibt nur eins zu sagen: Leute redet miteinander! Wer nicht kommunziert, braucht sich über einen „PR-Super-GAU“ nicht wundern. Und diese Bitte richtet sich an die Führungskräfte, deren Aufgabe es ist, sich über die Kompetenzen anderer HiOrgs zu informieren – unabhängig von persönlichen Animositäten!

P.S.: Lest euch bitte auch die Leserkommentare, insbesondere zum Artikel „THW stinksauer“ durch. Die meisten Kommentare zeigen das Wissen des Otto-Normal-Bürgers, der sich fragt, wozu seine Steuergelder verwendet werden. Interessant ist auch, dass in der Diskussion dort der Anschein erweckt wird, dass die Feuerwehrleute Geld für ihren Einsatz bekommen, obwohl das gar nicht der Fall ist. Insgesamt zeigt die ganze Sache (THW hin oder her) wie schlecht es um die ÖfKa der Feuerwehr und das Bilder Feuerwehr in der Öffentlichkeit bestellt ist.

Links:

THW OV Überlingen

Landeskatastrophneschutzgestz BW

Landratsamt Bodenseekreis

Südkurier: Rot und Blau auf Konfrontationskurs

Südkurier: THW stinksauer: Hilfe unerwünscht

Kommentare

13 Kommentare zu “THW Überlingen ist stinksauer” (davon )

  1. One-trick-pony am 3. Juni 2009 10:51

    Nur damit jetzt keine schlechte Laune aufkommt: Sicherlich kann man am Wissen über die Feuerwehr in der Öffentlichkeit noch viel verbessern, aber das Geschimpfe in Internetforen ist wirklich kein Maßstab für irgendwas.

  2. jansued am 3. Juni 2009 11:02

    Da werden wohl zwei Betonköpfe aufeinander getroffen sein: Der eine will zu Einsätzen, verkennt allerdings seine Grundlagen und versucht es mit der Brechstange und der andere will  dasTHW nicht integrieren. Beide liegen falsch. Verlieren werden beide, das THW mehr als die Feuerwehr.

  3. Geza am 3. Juni 2009 11:39

    Ich muss gestehen, dass ich auch als Feuerwehrführungskraft nicht sicher sagen kann, was das THW drauf hat.
    …aber wir haben auf unserer Leitstelle kompetente Disponenten und Disponentinnen

  4. Stefan Cimander am 3. Juni 2009 12:01

    @Geza deshalb würde ich mich unabhängig von der LST über das THW informieren, um es dann ggf. auf eigene Veranlassung über die LST anfordern zu lassen

    @One-trick-pony mit den Foren hast du Recht, dennoch sind die Forenbeiträge in besagter Online-Ausgabe oft besser als der kommentierte Artikel.

  5. ffsto1 am 3. Juni 2009 14:54

    @Stefan
    Wer öfters mal in diesen Nachbarkreis guckt oder auch bekannte von dort befragt wird bald zum Schluss kommen das da noch mehr „brennt“.
    Querdenker gibt es leider in beide Richtungen und meiner bescheidenen Meinung nach werden gerade alte Rechnungen beglichen, oder eben auch nicht.
    Sowas gibt es leider überall.
    So zumindest meine leidvoller Erfahrung die vermutlich noch nicht komplett ausgestanden ist …

  6. R.T.B. am 3. Juni 2009 17:43

    Interessante Disskusion.
    Auffallend ist aber, wie polemisch das ganze geführt wird, vorallem von Seiten des THW-Oberen. Wurde beispielsweise am Anfang noch behauptet, der KBM hätte verfügt, er müsse bei einer THW-Alarmierung erst um Erlaubnis gefragt werden, heißt es in einem zweiten Artikel nun doch nur, er wolle darüber informiert werden. Die Argumente des THW beziehen sich irgendwie auch nur auf „hat gehört“, „irgendwer hat gesagt“, „irgendwer glaubt“. Was da nun wirklich war, also ob das THW benötigt wurde oder nicht bzw. angefordert aber nicht alarmiert wurde , kann keiner der nicht unmittelbar Beteiligten beurteilen, deswegen finde ich es absolut falsch, so eine Sache auf diese Art und Weise über den Bildkurier Südkurier öffentlich auszudiskutieren und so Druck machen zu wollen. Denn auf diesem Wege erreicht man eigentlich sämtliche Personen, die von der Thematik keine Ahnung haben und nichts zur Lösung beitragen können. Ob das das THW dem Ziel, solche Einsätze zukünftig gemeinsam zu erledigen und eine konstruktive Zusammenarbeit mit der Feuerwehr zu erreichen, näher bringt, möchte ich mal stark bezweifeln.

  7. Llama am 3. Juni 2009 18:42

    Der „beste“ Kommentar von Suedukurier.de:

    „Da nach so vielen Pannen bei der Feuerwehrleitung offensichtlich nichts geschieht, müssen sich die Steuerzahler und Bürger eben wehren.

    Bitte reichen Sie alle bei Frau Reiser gegen Herrn Nöh – und bei Frau Becker gegen Herrn Löhle jeweils eine Fachaufsichtsbeschwerde ein.
    Dann muss geprüft werden, ob das Vorgehen der besagten Herrn ok war oder nicht.

    Ich sehe im Moment keine andere Möglichkeit sich zu wehren.
    So kann und darf es nicht weitergehen.

    Übrigens – nicht nur das THW wurde nicht alarmiert, sondern auch die Teilortwehr Bonndorf wurde aussen vorgelassen.“

    Einfach nur noch lächerlich, falls dieser User selbst ein ‚einfacher‘ Bürger ist und sich auf die Informationen aus der Zeitung beruft. Schließlich sind die Informationen auf Zeitungen häufig unvollständig.

  8. Sakka am 3. Juni 2009 22:05

    Ich möchte zu dieser – wie ich finde sehr schwachen – Aktion des THW (im Bezug auf den Umgang mit Medien) nicht sagen. Aber mich intressiert da etwas anderes:

    Zitat aus dem Pressebericht:

    „In vielen Gemeinden herrschten zeitweise Engpässe an Motorsägen, Seilwinden oder Schmutzwasserpumpen“, erinnere sich Zugführer Robert Johannsen, der in der THW-Unterkunft das Einsatzgeschehen am Funk mitverfolgte.

    Aufgrund welcher rechtlichen Grundlage darf der Herr THW-Zugführer denn den Funk der Feuerwehr hören? – Und selbst wenn er das darf, darf er doch diese Informationen, Engpässen an technischem Gerät etc., nicht der Presse mitteilen…

    Bitte nicht sofort erschlagen, aber das fiel mir so direkt ins Auge, kann auch gut sein, dass ich falsch liege!?

  9. HLFMaschinist am 3. Juni 2009 22:23

    Also bei uns ist das so, dass das THW nur kommt wenn es angfordert wird!! Der Anforderer(Polizei oder Feuerwehr) muß dann die Kosten vom THW übernehmen!!!! Da bei unserem THW aber die Rechnung schneller da ist als die THW-Helfer selbst brauchen sie sich nicht zu wundern das sie nicht ausücken dürfen!!
    Ich selbst bin „verplichteter“ THW-Helfer und eingefleischter Feuerwehrler! Unser THW OV hat nur eine FGr Bel. Wenn man aber dann sieht für was das Material der Beleuchtung benutzt wird hat das mit Katastrophenschutz nichts zu tun!!!

  10. HLFMaschinist am 3. Juni 2009 22:24

    Unsere Steuergelder finanzieren den Verein!!!

  11. ka1k am 4. Juni 2009 00:39

    „Unsere Steuergelder finanzieren den Verein!!!“

    Sind die Trolle jetzt schon bis zum fwnetz vorgedrungen?

  12. Der Lars am 4. Juni 2009 02:52

    @HLFMaschinist: Gibt es schon Internetzugänge im Kindergarten?

  13. Stefan Cimander am 4. Juni 2009 08:22

    Es ist interessant, wie hier, im FW-Forum und auf besagter Medienseite immer wieder kolportziert wird, dass das THW Geld kostet. Gegenfrage: Kostet die FW kein Geld? I.d.R stellt auch die FW eine Rechnung (siehe entsprechende Regelungen in den FWGen)! Zum Thema THW und Kosten, kann keine einheitliche Aussage getroffen werden, da dies tw. wohl im Ermessen des OV liegt. Jedenfalls ist das THW nicht teurer als die Rechnung, die eine Gemeinde für eine FF (!) stellt.

    und noch auf einen anderen Absatz möchte ich hinweisen:

    Den nächstgelegenen Ortsverband erreichen die Führungsverantwortlichen zunächst über die zuständige Leitstelle. In weniger eiligen Fällen, ist es zweckdienlicher mit dem örtlichen Ortsverband bzw. der Geschäftsstelle über die Einsatzoptionen zu sprechen, denn formell ist der THW-Ortsbeauftragte der Behördenvertreter auf örtlicher Ebene. Eine Vorabbesprechung ist gerade dann sinnvoll, wenn es um die Spezialfähigkeiten des THW geht. Oft muss nämlich nicht ein ganzer Zug alarmiert, sondern nur wenige Spezialisten hinzugezogen werden.

    Es gilt: Wer sich vorausschauend vorbereitet, ist im Vorteil, denn er kann gezielt anfordern und muss sich nicht mit dem Ortsverband beraten. Das THW selbst bietet in einigen Ortsverbänden Fachberater an, die bei Einsatzoptionen beraten, denn sie wissen, was der eigene Ortsverband an Spezialwissen, Material und Personal aufbieten kann. Die Alarmierung über Geschäftsführer-Bereiche hinweg stellt kein Problem dar, anders als bei den Feuerwehren, wenn es um die Kreis- und Stadtgrenzen geht.“

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