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PSA Handschuhe

Von Carlo Schepers

Dieser Artikel befasst sich mit dem Thema Handschuhe als Teil der PSA jedes Feuerwehrangehörigen (FA). Grundsätzlich lässt sich sagen das eigentlich jeder FA mit drei verschiedenen Handschuhpaaren ausgerüstet sein sollte, wobei es sie hierbei natürlich um eine Kostenfrage handelt. Die drei Handschuharten die empfehlenswert sind lassen sich in Handschuhe für Brandeinsätze, für TH-Einsätze und Einweghandschuhe für Medizinische Notfälle aufteilen.

Bevor wir uns in die verschiedenen Handschuharten und Normen stürzen möchte ich das Thema Kosten in den Fokus rücken. Jeder FA sollte Handschuhe speziell für die Brandbekämpfung besitzen. Ein guter Handschuh der sich für den Innenangriff eignet ist recht teuer und daher oft das einzige Handschuhpaar das von der Feuerwehr gestellt wird. Allerdings zwingt dieses Tatsache den FA dazu das gestellte Handschuhpaar für jeden Einsatz in dem er seine Hände schützen möchte auch zu verwenden. Durch das verwenden dieser Handschuhe bei jedem Einsatz verlieren diese schneller ihre Schutzfunktion für Brandeinsätzen, zusätzlich verschleißen sie schneller. Wenn nun ein günstigeres Handschuhpaar zusätzlich für TH-Einsätze beschafft wird verringern sich die Gesamtkosten die durch den hohen Verschleiß der teureren Handschuhe für die Brandbekämpfung entstehen würden. Somit lässt sich sagen das zwar die Anschaffungskosten einmalig höher sind, aber auf Dauer die Gesamtkosten durch geringeren Verschleiß bei den teureren Handschuhen sinken.

Nach diesem kurzen Abschnitt zum Thema Kosten befassen wir uns nun wieder mit den verschiedenen Handschuharten. Beginnen möchte ich mit der Handschuhart die am günstigsten ist und zugleich im regulären Feuerwehreinsatz am seltensten zur Anwendung kommt.

Einweghandschuhe dienen dem Schutz unseres Körpers vor Infektionen oder Vergiftungen sowie Verletzungen durch Chemikalien. Die bekannten weißen Einweghandschuhe bestehen in den meisten fällen aus Latex oder Vinyl, neu sind Einweghandschuhe aus Nitril oder Chemiefaser die allergiefrei und wesentlich beständiger gegen Chemikalien sind aber dafür teurer. Einweghandschuhe müssen die DIN EN 455 erfüllen.

TH-Handschuhe dienen ausschließlich dem Schutz gegen mechanische Beanspruchung und Schnittverletzungen in Bereichen ohne erhöhte thermische Belastung. Es gibt mittlerweile eine große Auswahl an Handschuhen für TH-Einsätze die von vielen verschiedenen Herstellern produziert werden, preislich liegen die diversen Produkte teilweise weit auseinander. Die TH-Handschuhe der verschiednen Firmen suchen alle die bestmögliche Kombination aus maximalen Schutz und bestmöglichem Empfindungsvermögen. Die Hersteller verwenden viele verschiedene Gewebetypen, meistens kommt KEVLAR zum Einsatz. Oft haben Hersteller auch hauseigene Gewebe mit sehr klangvollen Namen die allerdings kein Zeichen für besonders gute Qualität sind. Wenn TH-Handschuhe beschafft werden sollen ist darauf zu achten das die DIN EN 388 erfüllt wurde. Es wird von der FUK Niedersachsen gefordert das TH-Handschuhe die nach DIN EN 388 zertifiziert wurden mindestens eine Einstufung von 3-2-3-3 erreicht haben.

Handschuhe für die Brandbekämpfung dienen dem Schutz vor starker thermischer Belastung, mechanischer Beanspruchung und müssen trotzdem ausreichend Empfindungsvermögen vorweisen. Diese Handschuhe müssen die FA vor den meisten Gefahren schützen die zudem noch in Kombination auftreten können. Genau wie bei TH-Handschuhen verwenden die meisten Firmen bekannte Gewebetypen wie NOMEX oder GORE-TEX aber auch hier kommen hauseigene Gewebe zum Einsatz. Die Tatsache das diese Handschuhe sehr viel Entwicklungszeit beanspruchen und die Materialkosten recht hoch sind führt dazu das der Endpreis eines guten Handschuhs meist weit über 50€ liegen. Wichtig ist das eine möglichst gute Nässesperre in den Handschuhen zur Anwendung kommt da speziell Wasser in unserer Schutzkleidung eine besondere Gefahr für uns jeden FA im Innenangriff darstellt. Handschuhe für den Einsatz im Bereich der Brandbekämpfung speziell für den Innenangriff müssen die DIN EN 659 erfüllen.

Abschließend möchte ich noch daran erinnern das jeder Gewinn an Sicherheit und Empfindungsvermögen für FA speziell bei TH-Einsätzen auch ein Gewinn für die Menschen ist denen wir helfen wollen. Dieser Artikel ist auch ein kleiner Wink mit dem Zaun für alle Entscheidungsberechtigten die nach einer Rechtfertigung für höhere Anschaffungskosten gesucht haben.

Dieser Artikel erhebt nicht den Anspruch auf Vollständigkeit, daher bin ich für jede Form von Feedback offen.

Kommentare

13 Kommentare zu “PSA: Handschuhe” (davon )

  1. B.Tschirley am 28. Juni 2009 14:39

    Sehr gute Artikel, dankeschön. Kann man sehr gut der Wehrführung vorlegen, damit Sie sich mal Gedanken dazu machen.

    Gibt es inzwischen mal eine Liste welche TH -Handschuhe die 3233 erfüllen?
    Das wäre mal gut zu wissen. Die meisten „bekannten“ Modelle erfüllen die Werte ja anscheinend nicht.

    Mfg Benny

  2. Carlo Schepers am 28. Juni 2009 14:49

    Als Ergänzung bleibt vielleicht noch zu sagen das es besser ist einen TH-Handschuh zu kaufen der ein besseres Tastgefühl aufweist, aber dafür keine Nässesperre oder Chemikaliensperre besitzt. Die fehlenden Sperren lassen sich dann besser durch untergezogene Einweghandschuhe ausgleichen, so kann bei einer plötzlich nötigen Patientenversorgung einfach der TH-Handschuh ausgezogen werden und es wird Zeit gesparrt.

    Die Kosten für TH-Handschuhe mit den genannten Sperren liegen meist mehr als 15€ höher und weißen ein schlechteres Tastgefühl auf als Handschuhe ohne besagte Sperren.

  3. Andre Schild am 28. Juni 2009 15:55

    Wobei zum Chemikalienschutz durch einfache Nitrilhandschuhe sehr vorsitig sein muss.
    Ich kenne nur einen Einmalhandschuh der auch eine Prüfung als Chemikalienschutzhandschuh hat und im Vergleich zu normalen Chemikalienschutzhandschuhen hat das Produkt doch geringe Standzeiten.

    Man sollte also immer noch Chemkalienschutzhandschuhe auch auf einem „Erstangreifer“ und Fahrzeug für TH-Einsätze verfügbar haben.

  4. maos am 28. Juni 2009 17:06

    Über dieses Thema lässt sich natürlich schön streiten. Braucht es wirklich spezielle TH-Handschuhe?
    Kommt drauf an. Ich brauche KEINE, da wir standartmäßig billige (ääääh günstige natürlich) Rindslederhandschuhe tragen (bei VU Latex darunter). Die Handschuhe für den IA sind auf den Fahrzeugen und werden dann auch wirklich nur bei IA getragen.
    Wer das ganze Jahr seine teuren IA-Handschuhe trägt, kann ich da nur sagen: Selber Schuld! Die Anforderung, für welche diese Handschuhe geschaffen wurden, werden in so einem Fall wahrscheinlich nur bei 10% der Einsätze gebraucht.
    Günstige, und damit auch einfache Lederhandschuhe haben für mich alles andere als nur Nachteile. Wenn die Dinger sich mal voll Öl gesogen haben oder einfach durchgewetzt sind, werden sie einfach in den Müll geworfen und keinen juckt’s. Weil hier einfach auch kaum Geld vernichtet wird.

  5. B.Tschirley am 28. Juni 2009 17:18

    Hey maos
    Ich bin der Meinung das IA-Handschuhe als Pool-Lösung auf dem Auto nicht so die perfekte Lösung darstellen.
    Oder kannst du garantieren das 20 AGT die gleiche Handschuhgröße haben? Also bei uns variert das von (9 bis 12).
    Ab man jetzt wirklich spezielle TH-Handschuhe braucht? Naja das ist halt Ansichtssache. Ich habe sie getestet in unsere Wehr und sie für sehr sinnvoll und gut befunden. Lederhandschuhe sind sicherlich auch immer noch für viele Arbeiten sehr gut geeignet. Allerdings macht das Preislich nicht so einen Riesenunterschied zum günstigen TH-Handschuh.

  6. B.Tschirley am 28. Juni 2009 17:20

    Außerdem gebe ich ehrlich zu, das ich meine Handschuhe auch nicht so gerne mit anderen Leuten durchtausche. Hygienegründe etc.

  7. markus_ger86 am 28. Juni 2009 20:05

    Bei uns wird ähnlich dem Beitrag verfahren. Persönliche Zuteilung TH Handschuhe und Brand, Infektionsschutzhandschuh Pool Lösung auf jedem Fahrzeug.

    Möchte TH Handschuhe nicht mehr missen auch gerade im Vergleich zu maos Rindslederhandschuhen. Tragekomfort ist um ein vielfaches höher, ich kann Geräte mit gutem Gewissen bedienen und gerade auch im Bereich Absturzsicherung (Knoten) erleichtert es einem die Sache ungemein.

    Auch das Verstauen ist einfach. Dadurch, dass die Handschuhe rel. klein und weich sind, lassen sie sich in Bein- oder Jackentasche verstauen.

    Und das Lustige ist, sie sind kaum teurer als die beschriebenen „guten“ alten Rindslederhandschuhe. ; )

  8. Sebastian Stenzel am 28. Juni 2009 20:14

    Lederhandschuhe gehören bei uns in Wiesbaden standardmäßig zur PSA.
    Handschuhe für die Brandbekämpfung bekommen bei uns die, die auch eine Brandschutzüberbekleidung haben.
    Und zu TH-VU-Einsätzen fahren wir sowieso, wenn dann nur zweitrangig (Unterstützung BF/Absicherung).

  9. Carlo Schepers am 28. Juni 2009 20:56

    Ich habe mich mal etwas im Internet umgeschaut und ein paar Infos eines RDA Ausbilders gefunden. Er hat diverse Handschuhe verschiedener Hersteller unter Realbedingungen getestet. Und in seiner Bewertung stehen Echtleder Handschuhe ganz weit vorn.

    sein Favorit:
    http://www.oceanlite.de/shop/P_9241.htm

    Präsentation dazu:
    http://www.atemschutztraining.de/download/20050414Handout.pdf (Seite 17)

  10. Christian am 28. Juni 2009 21:54

    Auch wenn der Grundintention (= mehrere Handschuhe sind sinnvoll) des Artikels grundsätzlich zustimme, so halte ich den Artikel insgesamt für wenig hilfreich. Mal abgesehen davon, dass irgendwelche Begrigffe wild durcheinander gewürfelt werden. Weder NOMEX(R) noch KEVLAR(R) sind „Gewebetypen“, beides sind FASERN aus welchen man ein Garn spinnt und anschließend ein Gewebe webt, letzteres ist fast immer eine Mischung aus beiden plus ggf. weiteren Materialien. GORE-TEX(R) ist eine ebenfalls kein Gewebetyp, sondern eine Membrane, welche auf ein Fleece aufgebracht wird, es wird also rein gar nichts gewebt). Was soll der Satz „Oft haben Hersteller auch hauseigene Gewebe mit sehr klangvollen Namen die allerdings kein Zeichen für besonders gute Qualität sind.“? Nur weil du das Material nicht kennst ist es automatisch schlecht? Warum ist deiner Meinung nach beispielsweise ein Technora(R) oder Twaron(R) schlechter als KEVLAR(R), warum wird letzteres trotzdem zu 60% in PBI Gold(R) verarbeitet? Was sind die Qualitätsunterschiede zwischen Dyneema(R) und KEVLAR(R) und warum wird Dyneema(R) trotzdem im EN388-Bereich gerne genutzt (übrigens sind weder Technora(R), noch Twaron(R), noch Dyneema(R) „sehr klangvolle Namen“ der Handschuhhersteller, sondern schlichtweg die Markennamen der Fasern. Mit dem Unterschied, dass die genannten drei halt nicht aus dem Hause DuPont kommen)?

  11. Carlo Schepers am 28. Juni 2009 22:28

    @Christian: Wie ich bereits erwähnte erhebt mein Artikel keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Ich bin froh das sich jemand zu meinem Artikel äußert der sich scheinbar sehr gut mit diesem Theme auskennt. Mit den Fasern und Materiellen habe ich mich in diesem Maße vorher nicht beschäftigt was auch der Grund ist warum ich darauf nicht weiter eingehe.

    Ich muss ehrlich zugeben das meine Formulierung bezüglich der hauseigenen Materialien auf den ersten Blick negativ klingt, es war allerdings nicht so beabsichtigt. Ich wollte nur zum Ausdruck bringen das die vielen verschiedene Materialien sich nicht groß unterscheiden. Und das wenn dort nicht KEVLAR o.Ä. sondern ein anderer eindrucksvoller Name steht dieses Produkt weder deutlich besser noch schlechter ist.

    Der Hauptgrund warum ich diesen Artikel geschrieben habe ist die Idee der drei Handschuhpaare unters die FA zu bringen. Die Restlichen von mir untergebrachten Informationen sollten lediglich dazu dienen einen kleinen Hintergrund zu liefern, mehr nicht!

    Es würde mich freuen wenn du vielleicht einen Artikel zu den Materialien verfassen könntest, dieses Thema würde mich durchaus auch im Detail interessieren.

  12. Irakli West am 28. Juni 2009 23:30

    @christian danke für Dein Kommentar. Jetzt bräuchten wir das Ganze nur noch in einer hilfreichen Version.

    Ich finde den Artikel von Carlo gut, und das solltest Du auch: denn er spiegelt das Wissen wieder, das sich eine Feuerwehr aneignet, wenn sie Recherche (in welcher Qualität auch) betreibt.

    Aus Deiner Sicht als Fachmann vielleicht zum Haare raufen, aber in der Sicht vieler – und auch aus meiner Sicht – schlüssig, oder zumindest nachvollziehbar argumentiert.

    Was dieses aufzeigt: die Bekleidungshersteller haben, was die „Erziehung“ ihrer zielgruppe betrifft, aus *ihrer* sicht versagt, nicht mehr und nicht weniger.

    Was jetzt nicht hilft, ist ein auseinanderpflücken, sondern ein ganz konkreter und hilfreicher Hinweis darauf, worauf denn nun zu achten ist, und das bitteschön auf eine pragmatische Art und Weise. Wie die Gewebe (oder was auch immer) letztendlich heissen ist mir Wurst, hauptsache das Zeug ist a) sicher und b) wirtschaftlich sinnvoll.

  13. ka1k am 29. Juni 2009 01:58

    Genauso, wie es einer eingeklemmten Person egal ist, ob er jetzt mit einem Rettungszylinder oder einem Spreizer gerettet wurde, ist es mir egal, ob ein Markenname eine Faser, ein Gewebe oder eine Membrane bezeichnet, Hauptsache, sie verrichtet ihren Dienst. Deshalb würde ich es als übertrieben empfinden, wenn in einem Artikel, in dem es um die „3-Handschuh-Philosophie“ geht, auf die Unterschiede zwischen Faser und Gewebe eingegangen wird. Gerne mal in einem extra Artikel die verschiedenen Membranen und Fasern erklären, aber hier würde es zu weit gehen.

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