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metz(iw) Zwar ist ein einziger Artikel als Bezugsquelle etwas wenig, aber es spricht einiges dafür, dass in naher Zukunft den Kommunen tatsächlich die Einnahmen durch die Gewerbesteuer wegbrechen könnten. Aus der Sicht eines Lieferanten im Feuerwehrbereich läuft dieser Wirtschaftszweig interessanterweise asynchron oder fast schon antizyklisch: der Wirtschaft geht es längst schlecht, doch die Auftragsbücher sind noch voll, die Bestellungen müssen abgearbeitet werden.

An sich eine „gute“ Situation, wäre es nicht so, dass beispielsweise im Fahrzeugbau die Lieferanten der Hersteller gerade jetzt wegfallen – weil diese von der Krise schon voll erfasst sind. Das Resultat? Mögliche Lieferschwierigkeiten.

Doch kommen wir nun zum oben verlinkten Artikel zurück: ab sofort ist zu erwarten, dass die Budgets teilweise radikal gekürzt werden. Geht es nach der Rasenmähermethode, hat eine Kommune für ihre Feuerwehr mitunter plötzlich 40% weniger Finanzmittel zu verteilen. Es ist nicht auszuschliessen, dass dieser Zustand etwas länger anhält, sicher einige Jahre. Für die nahe Zukunft werden nur magere Wachstumsprognosen abgegeben.

Jetzt überlegt Euch: wo würdet ihr sparen?

Vielleicht beschleunigt die aktuelle Wirtschaftskrise den oft zitierten Strukturwandel, und das in einer Weise, die nichts mit fehlendem Personal zu tun hat. Eimer-Analogie: Eimer voll Wasser hat viele Löcher. Die bisherige Lösung? Oben noch mehr Wasser reintun. Löcher stopfen ist auch eine Alternative aber wie wär’s mit einem neuen, kleineren und besseren Eimer?

Anders ausgedrückt: wir werden uns überlegen müssen, den gleichen Schutz mit „optimierten“ Mitteln sicherzustellen. Kleiner Tipp: auch die Nachbarwehr hat Pumpen. Wirklich.

Vielleicht zwingt uns das endlich dazu, über die eigene Grenzen zu gucken, und das, was bereits bei den Spezialeinheiten (Ölabwehr, Drehleiter, Höhenrettung uvm) schon immer praktiziert wurde, auch in den Basics zu leben.

Eine weitere Möglichkeit, den Schutz zu erhöhen ist mit weniger, dafür besser ausgebildetem Personal zu schaffen. Schließlich gibt es noch die Variante, den selbst auferlegten Schutz-Level zu lockern. Beispiel Frankreich: hier bestimmten die Kommunen, welchen Schutz sie haben wollen, und was sie dafür bezahlen wollen.

Das ist allerdings bei uns noch ein riesiger weiter Schritt, der psychologisch mit dem Gesundheitswesen zu tun hat: man gibt sich die Ziele vor, und versucht sie mit aller Macht zu halten, bis man gegen die Wand fährt.

Schwarzmalerei? Jein. Ein plötzlich um 40% gekürztes Budget ist schon eine Katastrophe. Mittelfristig jedoch steht uns womöglich der oben und auch sonst oft und viel zitierte Wandel bevor, ob wir wollen oder nicht.

Interessant wird übrigens die Diskussion um die flächendeckende Vorhaltung großer Zahlen von Einsatzkräften, beispielsweise für den Katastrophenschutz. Die Frage ist nur, ob es für Sandsäcke und Schneeschaufeln zwingend voll ausgebildete Feuerwehrleute braucht.

Vielleicht sollte man sich doch mal genauer angucken, wie es in anderen Ländern abläuft. Jedes System hat massive Macken, aber wenn man schon umbauen muss, kann man sich bestimmt das eine oder andere sinnvolle herauspicken.

Ein guter Anfang wäre, wie oben erwähnt, die Schaffung von zentralen Strukturen, angefangen von der Beschaffung bis hin zur Kooperation in der Gefahrenabwehr.

Interessanterweise lässt sich trotz eines um 40% gekürztes Budget immer noch ein HLF beschaffen – wenn man sich mit anderen zusammenlegt und auf „örtliche Gegebenheiten“ verzichtet.

Mal sehen.

Kommentare

16 Kommentare zu “2011: Gürtel enger schnallen. Und umdenken.” (davon )

  1. Florian Körblein am 19. Juli 2009 11:15

    Interessantes Thema, gerade der Aspekt „Schaffung von zentralen Strukturen“. Hat man bei uns im Unternehmen auf Grund der Wirtschaftslage jetzt auch erkannt, nur bis man in der öffentlichen Verwaltung soweit geht vergehen wohl noch Jahre.
    Man schafft es bei uns nicht mal, die Beschaffung von Wechselladerfahrzeugen mit dem Bauhof zu bündeln. Wenigstens hat man daran gedacht die Abrollsysteme vom gleichen Hersteller zu beziehen. Was aber eventuelle Bündelungseffekte bezogen auf Preis, Lieferzeiten, etc. betrifft wird zum größten Teil noch wie anno Tobak beschafft. Vertragsstrafen bei Terminüberschreitung kennt man offenbar auch nicht.
    Ebenso ist eine vernünftige Investitionsplanung, die wir vor Jahren dem Stadtrat vorgelegt haben nicht abgesegnet oder abgelehnt worden, sondern nur „für gut durchdacht“ kommentiert worden.

    Würde mich mal interessieren wie andere Kommunen beschaffen. Jetzt weniger die richtig großen, sondern eher die KuM (30.000 – 100.000 Einwohner).

    Sehe ich die Sache zu sehr durch die Einkaufsbrille? Kann man evtl gar nicht so agieren wenn man für die öffentliche Hand beschafft wie für ein Industrieunternehmen?

  2. Stefan Cimander am 19. Juli 2009 11:39

    Deine Ausführungen passen zu einem Artikel, den ich im Regionalteil der Zeitschrift econo gelesen habe. Der Artikel befasst sich mit dem IVECO-Magirus-Werk im badischen Weisweil und die vollen Auftragsbücher dort. Erwähnt wird auch, dass der Vertriebsleiter davon ausgeht, dass 2010 weniger Aufträger hereinkommen, eben weil die Kommunen weniger Geld haben werden.

    Letztlich wird das eintreffen, was U.C. bereits im letzten Jahr hier und in einem privat betriebenen FW-Forum geschrieben hat!

  3. Bretti am 19. Juli 2009 13:32

    „Ein guter Anfang wäre, wie oben erwähnt, die Schaffung von zentralen Strukturen, angefangen von der Beschaffung bis hin zur Kooperation in der Gefahrenabwehr.“

    …leider setzt sich diese Denkweise sehr schleppend durch. Ein schönes Beispiel ist und bleibt schwerpunktmäßig die „Fahrzeugpolitik“ der Wehren. Jede größere Kommune ist immer der Meinung, dies und jenes zu gebrauchen. Keiner will Abstriche machen und letztlich stehen sich viele Fahrzeuge kaputt. Mit einer Zentralisierung von Spezialtechnik in den Kreisen und Ländern könnte man zum einen Kosten sparen und diese Technik nebenbei auch noch wirkungsvoller und effizienter einsetzten.

    An dieser Stelle kann man den Technischen Dienst der Berliner Feuerwehr erwähnen. Von zwei Standorten aus (einmal West, einmal Ost) werden alle umfangreichen technischen Dienste innerhalb der Stadt abgearbeitet. Ob Kran, RW, Wasserrettung, Höhenrettung oder div. Materialien auf Abrollbehältern, angeforderte Spezialtechnik wird effizient eingesetzt. Gute Einsatzauslastung und fachkundiges Personal bietet eine ökonomisch sinnvolle Komponente. Wohl gemerkt bei einer Stadt mit 3,5 Mio. Einwohnern.

    Ein weiterer Punkt zur Einsparung findet sich in der Kleiderordnung der Feuerwehren. Die „1.Gaderobe“ oder auch Ausgehuniform könnte man meiner Meinung nach durchaus komplett wegfallen lassen. Der Nutzen ist recht gering und eine ordentliche Diensthose in Verbindung macht’s auch.

    Grüße
    Paul

  4. Stefan Cimander am 20. Juli 2009 07:53

    @Bretti das mit der 1. Gaderobe wurde schon oft vorgeschlagen. Aber versuche dies mal „dörflichen“ Feuerwehren oder einigen Feuerwehren grpßer flächenländer in Dtsl. zu vermitteln. Viele Wehren definieren sich leider über ihre 1. Gaderobe – und je mehr Lametta und so dranhängt, desto besser! :-(

    Zum Thema TD: Siehe auch mein Artikel über den RW3/TD: http://www.fwnetz.de/2008/01/20/der-rettungswagen-des-technischen-dienstes/ (PS: Beim Import von FWNetz 1.0 auf FWNetz 2.0 sind alle Kommas und Sonderzeichen hopps gegangen :-( )

  5. Christian Lewalter am 20. Juli 2009 08:43

    @Bretti Mit Reflexstreifen auf ner Beerdigung sieht auch nicht so prickelnd aus….

  6. Stefan Cimander am 20. Juli 2009 09:31

    @Christian Lewalter ich kann auf diese sch***** 1. Gaderobe auch verzichten. In BaWü ist die nicht nur hässlich, sondern auch unbequem! Na ja, Beerdigungen sind schon ein Sonderfall, aber diese kommen zum Glück auch nicht so oft vor!

  7. Christian Lewalter am 20. Juli 2009 10:03

    @Stefan Ich könnte auch drauf verzichten. Ich denke aber auch, dass sich die Kosten für diese Garderobe im Vergleich zu anderen „Baustellen“ bei Feuerwehrs in einem überschaubaren Rahmen halten. Ich meine, das dann am falschen Ende gespart würde. (Analog zur Energiesparlampen-Thematik)
    Die von Irakli angesprochenen Einsparmöglichkeiten bei zentraler oder zumindest zwischen mehreren Kommunen koordinierter Fahrzeugbeschaffung sind weitaus größer.
    Ach ja und in Hessen finde ich sie recht schick, und unbequem ist größenabhängig ;-)

  8. Stefan Cimander am 20. Juli 2009 10:14

    @Christian Lewalter ja, zentrale Beschaffungen machen Sinn, insbesondere wenn es um überörtliche EST geht und benachbarte LST wissen müssen, was welches Fahrzeug kann. Es gab schon mal einheitliche Zentralbeschaffungen, aber dummerweise unter einem illegitimen und menschenverachtenden Regime. Dummerweise gibt es Feuerwehren, die dieses Regime dann mit Zentralbeschaffungen gleichsetzen und zu dem Ergebnis kommen, Zentralbeschaffungen seien undemokratisch. In kaum einem anderen land der Welt sperrt man sich so gegen zentrale Beschaffungen, wie in D. Dem Föderalismus sei Dank! :-(

    Disclaimer: Ich betone hiermit, dass ich mich in keiner Weise mit Ideologie und/oder Orgainsation des NS-Staates identifiziere und auch die menschenverachtenden Maßnahmen nicht gutheiße, noch relativiere. Der NS-Staat war illegitim. Mein Verweiß auf zentrale Beschaffungen ist als Beispiel aufzufassen, das es prinzipiell funktioniert.

    Nur fand das Beispiel unter den falschen Rahmenbedingungen statt, nämlich mit dem Ziel der Schaffung einer schlagkräftigen (paramilitärischen) Löschtruppe, die im geplanten Krieg die Verluste an der „Heimatfront“ vermeiden sollte. Zentralbeschaffungen waren somit in dieser Zeit nur Mittel zum Zweck der Kriegführung. Das bedeutet nicht, dass in heutiger Zeit in einer quasie-freien (und demokratischen) Gesellschaft zentrale Beschaffungen nicht möglich sein sollten!
    Disclaimer Ende!

  9. nawerwohl am 20. Juli 2009 10:35

    Meiner Meinung nach muss man ein Thema immer von mehreren Seiten betrachten: Selbstverständlich machen Zentralbeschaffungen Sinn und wären zu begrüßen. Klar kann man den Gürtel änger schnallen – da wird man in Zukunft nicht drumrumkommen ! Jedoch darf nicht am falschen Ende gespart werden.
    Wenn mir jetzt mit „Geiz ist Geil“ beim Thema Sicherheit anfangen muss halt der Bürger dafür die Zeche zahlen.
    Ich bin der Meinung dass das freiwillige Feuerwehrsystem so wie es jetzt besteht wenig / keine Zukunftschancen hat.

  10. Stefan Cimander am 20. Juli 2009 10:46

    @nawerwohl richtig! Nur kosten die Alternativen einfach zu viel Geld! Grundsätzlich kommen wir um eine deutliche Steigerung von hauptamtlichen Kräften Schutzzielaufweichungen, Feuerwehrfusionen, private Feuerwehren, und Spezialisierungen (von Feuerwehren und Feuerwehrleuten) nicht herum. Nur will das ein Teil der aktiven FA nicht wahrhaben

  11. nawerwohl am 20. Juli 2009 11:06

    @Stefan. Das wollte ich eigentlich mit meinem Text auch sagen. Kam wohl falsch rüber :-(
    Ulrich Cimolino hat gute Ideen für die Zukunft – man müsste sie nur umsetzen !
    Solange dem Bürger nix passiert, sieht er auch nicht ein, warum er für SEINE eigene Sicherheit zahlen soll. Ist aber im Gesundheitswesen auch ähnlich.
    Gruß Eric

  12. simon02 am 20. Juli 2009 11:55

    Hallo,

    was kostet den ein Berufsfeuerwehrmann eine Stadt im Jahr ?
    Und wie finanzieren andere Länder ihre Berufsfeuerwehren bzw. Feuerwehrsysteme ?

    Gruß
    Simon

  13. Cimolino am 20. Juli 2009 22:45

    Hallo,

    ich hab sowohl zum Problem der öffentlichen Haushalte wie auch zu den Konsequenzen für die Fw bereits seit letztem Jahr mehrfach hingewiesen.

    Langsam setzt sich die Erkenntnis bei den Firmen durch, dass die (über-)vollen Auftragsbücher nur ein (Konjunkturpaket-)Strohfeuer sein könnten, die noch dazu mit daran liegen, dass die aktuellen Aufträge aus einer mittelfristigen Finanzplanung von 2004 und einer aktuellen von 2007/2008 (für 2009!) basieren – und auf entsprechend anderen Schätzungen basieren…

    Vgl. hier meinen Beitrag vom 11.11.08 in Forum von http://www.feuerwehr.de:
    http://www.feuerwehr-forum.de/f.php?m=520675 (derzeit scheint der Link nicht zu funktionieren)

  14. Hubert Schmid am 22. Juli 2009 17:45

    Hallo,

    man kann diese Angelegenheit von zwei Seiten betrachten:

    1. Durch die deutsche Fahrzeugvielfalt fließen enorme Innovationen in den Fahrzeugbau. Diese machen deutsche Produkte auf dem Brandschutzsektor zum Exportschlager.

    2. Die Vielfalt verursacht hohe Beschaffungskosten, welche aber z.T. über direkte und indirekte Steuern in den Staatshaushalt zurückfließen. Auch die Arbeitsplätze kommen letztlich der Allgemeinheit zu gute.

    Dies ist die volkswirtschaftliche Seite der Sache.

  15. Cimolino am 22. Juli 2009 18:34

    Hallo HS,

    da in den USA noch eine viel größere Fahrzeugvielfalt herrscht, warte ich dann mal bei uns auch noch auf vergoldete Stoßstangen um sich noch vom Rest zu unterscheiden…
    Obs den USA mehr Exporterfolg bringt? Ich glaube nicht…

    Die Steuern fließen aber zum geringsten Teil den Gemeinden zu.

    Und wenn Du schon so toll rechnest, mach mal die Gegenrechnung auf, was die öffentliche Hand bei sinnvollerer Verwendung sparen könnte – oder eben in Qualifizierungsmaßnahmen stecken könnte. Aber da viel zu viele eher viel zu viel Geld für tolle „moderne“ Technik und im Verhältnis recht wenig in PSA, Ausbildung usw. stecken, hab ich da recht wenig Hoffnung.

  16. Hubert Schmid am 23. Juli 2009 16:43

    Hallo;

    Du hast ja auch nicht unrecht. Nur denke ich dass es bessere Möglichkeiten gäbe:
    Bsp. Warum bezuschusst man noch bestimmte Ausrüstungsgegenstände wie ein Mehrzweckstrahlrohr oder einen Z – Zumischer. Würde man somanche Beladungslisten überdenken könnte man einiges an Geld sparen und ggf. Platz für örtlich notwendige Ausrüstung schaffen.
    Durch die Modulbauweise der meisten Hersteller gleichen die Fahrzeuge i.d.R. ohnehin einem Schranksystem.
    Kritischer sehe ich die zunehmede „Computerisierung“ unserer Fahrzeuge. Wer sagt dass es CAN BUS und Co in 15 jahren noch Ersatzteile gibt ? Kosten Löschfahrzeuge zukünftig im Unterhalt genausoviel wie eine DLK ?

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