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(sc). Das Löschgruppenfahrzeug LF 16 war bis zur Normänderung 1991 das Rückgrat der großen deutschen Feuerwehren – und der Nachfolger ist es immer noch. Klaus Fischer betrachtet in seinem Buch Löschgruppenfahrzeuge LF 16 die Geschichte des LF 16 von der Entwicklung des SLG bzw. der FlKS im Jahre 1939 über das LF 15 bis hin zum LF 16. Die Betrachtung endet mit dem Jahr 1991.

Das Buch hat elf Hauptkapitel und lässt sich in fünf Schwerpunkte einteilen. Zunächst betrachtet Fischer die genormeten Vorläufer des LF 16, das SLG und die FlKS 15, sowie die Voraussetzungen die zur Entwicklung dieses Fahrzeugtyps in der Zeit des Nationalsozialismus führten. Es folgen zwei Kapitel die auf der einen Seite die Aufbauhersteller des LF 16 vorstellen, auf der anderen Seite die für das LF 16 benutzten Fahrgestelle beschreiben. Hier liegt auch der eigentliche Schwerpunkt des Buches. Zum Schluss geht Fischer auch auf die LF 16 der DDR-Produktion, auf die LF 16 der Deutschen Bundesbahn und in einem kurzen Kapitel auch auf die Feuerlöschkreiselpumpe ein.

Das Buch enthält viele Schwarzweiss- und Farbfotos, auch von Sonderanfertigungen und Unikaten mit informativen Texten und Hinweisen zur Geschichte des jeweils abgebildeten Fahrzeugs.

Der Leser erfährt, dass es ohne den Zwang zur Vereinheitlichung und die Entwicklung einer einheitlichen Ausbildungsvorschrift wohl nicht zur Entwicklung eines Löschgruppenfahrzeugs gekommen wäre. Denn erst die Festlegung auf die Gruppe als taktische Einheit und der Schell-Plan zur Typenreduzierung Ende der 1930er Jahre schufen die eigentlichen Voraussetzungen.

Fischer erfasst in seinem Buch nahezu alle Aufbauhersteller, auch solche, die nur regional oder lokal Aufbauten fertigten. Er stellt die Besonderheiten des jeweiligen Aufbaus und auch die Gründe dar, weshalb Feuerwehren mancherorts regionale Aufbauten bevorzugten. In Berlin gab es z.B. bis in die 1970er Jahre hinein viele Aufbauten von Gaubschat und Glasenapp. Zur regionalen Wirtschaftsförderung ließ man bei örtlichen Karosseriebetrieben die Fahrzeuge aufbauen.

Fischer zeigt, dass kleinere Aufbauhersteller nicht weniger innovativ waren als die großen und oft sogar eine spätere Entwicklung vorwegnahmen. Fischer zeigt aber auch, dass viele heute selbstverständliche Entwicklungen wie die Rolladen am Aufbau lange brauchten um sich durchzusetzen. Grundlegende Wandlungen wie der Übergang von der Holz-Blech-Konstruktion über die Ganzstahlbausweise bis hin zu Aluminimumaufbauten sind ebenfalls erwähnt.

Ebenso nennt Fischer alle Fahrgestelle (Fahrgestellhersteller), auf denen Feuerwehren LF 16 aufbauen ließen. Auch hier geht Fischer auf regionale Besonderheiten ein. So beschaffte z.B. Essen lange Zeit nur Fahrzeuge auf Fahrgesellen von Krupp, während in Kassel eher Fahrzeuge von Henschel anzutreffen waren.

Die Vorstellung der Fahrgestelle ist ein Streifzug durch Produktgeschichte deutscher Nutzfahrzeughersteller. Fischer stellt dar, dass es anfänglich spezielle Versionen eines Nutzfahrzeuges extra für die Feuerwehren gab. Erkennbar war dies bei Daimler und MAN an der Bezeichnung „LF“ und bei Magirus beim zusätzlichen „F“ in der Fahrgestellbezeichnung. Gründe für diese Feuerwehrversionen waren andere Belastungen, wie Standbetrieb, Standzeiten und das Gewicht.

Während Frontlenker heutzutage der Normalfall sind, hatten sie es zu Beginn laut Fischer bei den Feuerwehren schwer. Nur Hamburg setzte von Anfang an auf Frontlenker. Zwar sind die Frontlenker schon früh entwickelt worden, z.B. das so genanntes Pulmann-Chassis von Daimler-Benz, aber die Zeit war damals noch nicht reif, weshalb Daimler den Kurzhauber als „erfolgreiche“ Mitte konzipierte.

Fischer erklärt auch, warum es auf dem Feuerwehrmarkt lange nur Daimler-Benz und Magirus/Iveco gab. Während viel andere Hersteller pleite gingen oder die LKW-Produktion eisntellten, z.B. Opel, hatte MAN lange Zeit keine bedeutenden Marktanteile im Feuerwehrbereich. Dies lag u.a. an politischen Entscheidungen der 1930er Jahre.

Fischer legt leider nicht dar, welchen Unterschied (außer dem Namen) ihn dazu bewogen, die Betrachtung nicht auch das LF 16/12 auszudehnen. „Optisch erkenntlich ist dieser Wandel nicht an den Fahrzeugen. Wie sein Nachfolger verfügte das LF 16 der späten achtziger Jahre über einen Wassertank von 1.200 Liter Fassungsvermögen und eine Beladung für die technische Hilfeleistung.“ (S. 7)

Neben der detailreichen Darstellung der Aufbau- und Chassisvielfalt, problematisiert Fischer auch die Diskussionen um Wassertankgröße und Gewicht des LF 16 ab den 1950er Jahren. Er macht deutlich, dass das LF 16 innerhalb weniger Jahre von drei Tonnen Gewicht (SLG) auf elf Tonnen anwuchs. An dieser Stelle hätte Fischer die Diskussion ausführlicher darstellen und die teilweise überzogenen Wünsche so mancher Feuerwehr noch mehr problematisieren können, insbesondere die parallele Konzeption von HLF, LF-H oder LHF hätte das Buch um einige Aspekte bereichert.

Ein Manko ist auch, dass Fischer zwar Sekundärliteratur auflistet, jedoch nicht sagt, aus welcher Publikation er welche Information hat. Fußnoten, die Querverweise oder Zusatzinformationen enthalten, sind nicht vorhanden.

Schade ist auch, dass Fischer die Verbindung zwischen den Firmen Bachert und der Firma Carl Metz nicht ganz auflöst. Alfred und Karl Bachert übernahmen 1905 Metz, während Ihre Brüder die in Bad Friedrichshall ansässige Feuerwehrgerätefabrik fortführten. Später traten Bachert-Metz und Bachert als Konkurrenten auf.

Ebenfalls hätte Fischer mehr über das so genannte Korea-LF schreiben können. Der Leser erfährt lediglich, dass diese Magirus-Fahrzeuge aus einem nicht abgerufenen Exportauftrag stammten. Gleiches gilt für die Daimler-Benz-Kurzhauber, die der Bund noch zu Beginn der 1990er als LF 16-TS in Deutschland in Dienst stellte.

Dennoch machen sehr viele kleine Details das Buch zu einem Muss für Fahrzeuginteressierte. So erklärt Fischer, warum Daimler-Benz unter Zwang den Opel Blitz bauen musste, dass der Markename und das Kühlersymbol Magirus eigentlich nur auf Wunsch der Feuerwehren gerettet werden konnte.

Sehr interessant ist auch, dass Fischer die Gründe darlegt, weshalb es auch Aufbauhersteller gab, die auf einem Magirus aufbauten, obwohl Magirus dies ob seiner Firmenphilosophie eigentlich nicht machte. Der Leser erfährt ebenfalls, warum es lange Zeit überwiegend nur Daimler-Benz-Fahrgestelle mit einem Metz-Aufbau gab.

Insgesamt besticht das Buch durch sehr viele und detailreiche Informationen, die so in dieser Form nicht in anderen Büchern zu finden sind. Wer sich für Feuerwehrfahrzeugeschichte interessiert, kommt um dieses Buch nicht herum. (Autor: Stefan Cimander, www.fwnetz.de)

Fischer, Klaus: Löschgruppenfahrzeuge LF 16. In: Feuerwehr-Archiv, 1. Aufl., Berlin : Huss-Medien, 1995.

Kommentare

5 Kommentare zu “Rezension: K. Fischer „Löschgruppenfahrzeuge LF 16“” (davon )

  1. Cimolino am 26. Juli 2009 14:47

    Hallo,

    an dem Beitrag können mehrere Dinge nicht stimmen bzw. wurden falsch interpretiert!

    „Die Vorstellung der Fahrgestelle ist ein Streifzug durch Produktgeschichte deutscher Nutzfahrzeughersteller. Fischer stellt dar, dass es anfänglich spezielle Versionen eines Nutzfahrzeuges extra für die Feuerwehren gab. Erkennbar war dies bei Daimler und MAN an der Bezeichnung „LF“ und bei Magirus beim zusätzlichen „F“ in der Fahrgestellbezeichnung.“

    Nicht nur „anfänglich“, das ist heute noch so z.B. für MB-Atego-Fahrgestelle und m.W. auch Iveco. MAN hat dies aufgegeben.

    „Gründe für diese Feuerwehrversionen waren andere Belastungen, wie Standbetrieb, Standzeiten und das Gewicht.“

    Hauptsächliche Gründe liegen in der Verlagerung von Aggregaten oder Anbauteilen (Luftkessel, Batterien usw.) ab Werksfertigung, was sonst entweder die Aufbauten einschränkt oder vom Aufbauer verändert werden muss!

    „Fischer erklärt auch, warum es auf dem Feuerwehrmarkt lange nur Daimler-Benz und Magirus/Iveco gab. Während viel andere Hersteller pleite gingen oder die LKW-Produktion eisntellten, z.B. Opel, hatte MAN lange Zeit keine bedeutenden Marktanteile im Feuerwehrbereich. Dies lag u.a. an politischen Entscheidungen der 1930er Jahre.“

    Ein Grund dafür war, dass nur ein kleiner Teil der Hersteller tatsächlich geeignete Fahrgestelle für die LKW in der notwendigen Größe hatte!
    Feuerwehrbeschaffer der dreissiger dürften auch ihre Vorlieben gehabt haben – bis im Zuge der Kriegsvorbereitungen bzw. Durchführung der kriegsbedingten Rationalisierung nur noch Vorgaben umzusetzen waren.

    „Er macht deutlich, dass das LF 16 innerhalb weniger Jahre von drei Tonnen Gewicht (SLG) auf elf Tonnen anwuchs.“

    Die früheren Gewichtsbezeichnungen bezogen sich auf die NUTZLAST, nicht auf das zGG/zGM!
    Es gab daher nie ein LF 15 o.ä. mit 3 t zGG.
    Trotzdem waren die Gewichte viel niedriger als heute, vgl.:
    http://www.klugjosef.homepage.t-online.de/seite15.htm
    http://www.feuerwehrmuseum-nuernberg.de/upload/Fahrzeugbilder/Bilder_LF_15_Herzo/KFZ15_LF15_Herzogenaurach_Datenblatt.pdf

    Das wiederum hat verschiedene Gründe und liegen fürs Fahrgestell z.B. bei:
    – mehr Umweltschutz (weniger Abgase, auch früher schon!)
    – höhere Leistung
    – bessere Bremsen
    – bessere Heizung/Isolierung
    – Servolenkung/Bremskraftverstärker
    – usw.

    Natürlich werd ich mir das Buch besorgen… ;-)

  2. Stefan Cimander am 26. Juli 2009 15:39

    @UC … da es sich um eine Rezension handelt, musste ich viele Aspekte sehr stark verkürzen. Das betrifft die „angemeckerten“ Stellen in besonderem Maße. Aufgabe einer Rezension ist es daher auch nicht den Inhalt vollstsändig wiederzugeben, denn dazu gibt es ja das Buch zum Nachlesen. ;-)

  3. Cimolino am 27. Juli 2009 09:49

    Hallo Stefan,

    ich weiß schon, was eine Rezension ist… ;-) (Ich bin ja oft genug davon betroffen und ärgere mich dann, wenn Inhalte anders wiedergegeben werden, bzw. man denken könnte, man hätte das tatsächlich so geschrieben.)

    Steht das mit den Gewichten wirklich so im Buch?

  4. Stefan Cimander am 27. Juli 2009 11:05

    @UC … Du kennst Dich mit Fahrzeugen (und alles was dazu gehört) wesentlich besser aus, als ich, von daher gibt es eine gewisse Unschärfe.

    Was das mit den Gewichten angeht, schaue ich gerne noch mal nach. Kann passiert sein, dass ich im Eifer des schnellen-fertig-schreiben-wollens was durcheinander gebracht habe.

    Grundsätzlich sagt Fischer an dieser Stelle, dass die Fahrgestelle größer wurden, für die Feuerwehr aber dennoch nicht mehr Nutzlast vorhanden war, eben weil das fürs Fahrgestell drauf ging.

    Ja, Rezensionen sind immer so eine Sache. Ich hatte zuerst überlegt einige Stellen ausführlicher zu schreiben, aber dann wäre ich zu schnell in einer ausführlichen Inhaltszusammenfassung gelandet, die sicherlich auch nicht im Sinne des Rechteinhabers gewesen wäre (Vgl. aktuelle von H. Burda angestoßene Diskussion über „Informationen“ im Netz). Außerdem wäre die Rezension dann zu lang geworden.

    Ich hätte noch mehr Wünsche/Kritikpunkte aufführen können, z.B. die Konzeption der einheitlichen Löschfahrzeugtypen Ende der 30er Jahre vor dem Hintergrund des geplanten Krieges, hätte er ausführlicher darstellen können (siehe dazu: Linhardt: Feuerwehr im Luftschutz). Wollte es aber nicht überteiben, weil das Buch der Konzeption nach ein reines Aufbauher-/Fahrgestellsteller-Buch ist.

    Trotz aller Kritik, das Buch gehört m.E. zu den besseren Fahrzeugbüchern, weil hier eben nicht nur Fahrzeugbilder präsentiert werden, sondern auch historische Infos zu finden sind.

  5. Cimolino am 27. Juli 2009 14:49

    Hallo Stefan,

    Fischer hat da nicht ganz recht. Die Nutzlast hat schon zugenommen, allerdings nicht in dem Verhältnis wie die Gesamtgewichte. (Sieht man schon an der weitaus größeren Menge an Ausrüstung im TH-Bereich bei weit größeren LW-Tanks als früher beim LF 16.

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