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(sc). Jeden Tag das gleiche. Einheitsbrötchen. Immer und immer wieder. Irgendwann hängt einem das sprichwörtlich zum Hals raus. Aber ich will hier weniger von Brötchen schreiben, als vielmehr über das Publizieren von Feuerwehr-Nachrichten. Und nein, diesmal geht es nicht um Paste & Copy, Urheberrecht, und Co. Es soll vielmehr um die Vielfalt der Nachrichten selbst gehen. Und das kann man dabei durchaus mit guten Brötchen vergleichen.

So wie man die Brötchen vom Backwarenverkäufer um die Ecke geschmacklich immer weniger unterscheiden kann, verhält es sich auch mit den Nachrichten im Netz. Ich beobachte seit längerem, dass immer weniger eigenständige und damit sich unterscheidende Nachrichten, Blog-Beiträge etc. im Feuerwehr-Bereich erscheinen, und das trotz der Zunahme entsprechender Backwarenfilialen bzw. Portale, wie Weblogs und Co. Warum betreibt man also ein eigenes Portal – egal ob Blog oder dergleichen – wenn dort sowieso nur Meldungen von anderen erscheinen, das eigene Portal also nur als Aggregator dient? Hält man seine Kundschaft, wenn man immer nur das gleiche verkauft?

Ich habe in meiner Nähe fünf Bäcker, aber alle bieten das gleiche an. Überall schmeckt es gleich. Ich sehe die gleichen Pressemeldungen von Feuerwehren, vom DFV, vom BBK oder der Landesfeuerwehrverbände, Landesfeuerwehrschulen oder sogar von verlegerischen Nachrichtenseiten auf vielen Seiten re-publiziert. Die gleichen Brötchen an jeder Ecke. Die gleiche Nachricht auf jeder Seite. Wer, wie ich, gerne Brötchen isst, respektive viele News-Feeds abonniert hat, ärgert sich, wenn er die gleiche Mitteilung zigmal zu lesen bekommt, dabei aber kein Mehrwert zum Tragen kommt. Natürlich will ich auch mal ein anderes Brötchen essen, aber erstmal den entsprechenden Bäcker finden!

Zunächst ist das erst mal nicht so schlimm, dann gibt es halt jeden Morgen die gleichen Brötchen. Aber irgendwann denkt man sich doch, es muss auch was Anderes, was Besseres oder wenigstens etwas Neues geben, bevor der Geschmacksinn vollends vor den Konservierungsstoffen kapituliert. Irgendwann suche ich dann vielleicht einen anderen Bäcker. Doch wo verstecken sich diese Bäcker, die noch etwas Eigenes backen? Wo sind die Informationsseiten, die noch etwas Eigenes veröffentlichen und nicht das Einheitsbrötchen aus der großen Backwarenfabrik am Rande der Stadt verticken? Doch diese Einheitsbrötchen, diese Informationsangebote machen den wesentlichen Teil der Meldungen im Bereich Feuerwehr aus. Keiner sucht nach einem neuen Bäcker, setzt sich kritisch mit einem lancierten Thema auseinander. Irgendwann verliert man also den Geschmacksinn, es bleibt die Kritikfähigkeit auf der Strecke und man will auch gar nichts anderes mehr ein Einheitsbrötchen, respektive Vielfalt.

Manchmal ist es eben doch wichtig, etwas Neues zu probieren, etwas zu hinterfragen. Nur so kann man das langsame Absterben des Geschmacksinns verhindern, Veränderungen erreichen oder seine Wünsche zumindest einbringen. Aber genau das geschieht oft nur zögerlich und dann nur in sehr wenigen Foren und Blogs (mit immer den gleichen Beteiligten). Es ist einfach zu anstrengend fünf Straßen weiter zum unverwechselbaren Bäcker zu laufen.

Die Lust irgendein Brötchen zu verspeisen, ist größer als sich unter Anstrengungen die gut schmeckenden Brötchen zu besorgen. Der Drang irgendetwas zu veröffentlichen scheint meiner Meinung nach größer, als die Bereitschaft sich mit einem Aspekt in kritischer Weise auseinanderzusetzen. Letzteres hängt aber auch mit mangelndem Wissen zusammen. Der nächste unverwechselbare Bäcker ist zu weit weg, aber er bleibt erreichbar. Konstruktive Kritik setzt Kompetenz (und damit auch Wissen) voraus. Klar, man kann Gemeinplätze formulieren, mit Feuerwehrmythen um sich schlagen oder tradiertes Feuerwehwissen sakralisieren. Schließlich kauft meine Familie seit Generationen beim gleichen Bäcker. Aber das hat nichts mit Kritik im eigentlichen Sinne zu tun. Ich möchte mich von diesem Vorwurf keineswegs ausnehmen!

Wer also mal etwas Anderes essen möchte, als ein Einheitsbrötchen, der muss halt seine Beine in die Hand nehmen und den unverwechselbaren Bäcker suchen. Wer im Internet publiziert, kommt also nicht umhin zu Offline-Quellen wie einem Buch oder einer Fachzeitschrift zu greifen. Wenn das nicht möglich ist, reicht es manchmal ja auch schon aus, wenn der eigene Artikel in irgendeiner Form einen Mehrwert bietet, z.B. durch Hintergrundinformationen, Fotos etc.

Beim Schreiben der eigenen Publikation sollte man meiner Meinung dann aber stets darauf achten Nachricht und Wertung der Nachricht nicht zu vermischen – was gerade in Foren und Blogs per se – bedingt durch das Medium – passiert. Wenn ich die Wertung in einer als Nachricht getarnten subjektiven Meinungsäußerung präsentiert bekomme, wie soll ich mir dann noch ein Urteil bilden können? Ich bin durch das Lesen der Nachricht ja schon bereits in eine bestimmte Meinungsrichtung gedrückt worden.

Kurzum, meine Erwartungen an Feuerwehr-Fach-Informationen im Internet (und auch in manchen Zeitschriften) sind, dass ich weniger Einheitsbrötchen serviert bekomme, sondern das ein oder andere Sahnestück fachjournalistischer Information kredenzt bekomme. Und wenn es schon kein Sahnestück ist, dann aber bitte das Einheitsbrötchen gut würzen, damit man auch mal einen Unterschied schmeckt. (Autor: Stefan Cimander, www.fwnetz.de)

Kommentare

2 Kommentare zu “Nachrichten sind wie gute Brötchen – rar” (davon )

  1. B.Tschirley am 15. September 2009 17:51

    Hallo Stefan,
    super geschrieben und die Sache auf den Punkt gebracht. Ein leckeres Brötchen ;)
    Mfg Benny

  2. R.T.B. am 15. September 2009 18:29

    Sehe ich ähnlich – außerhalb des von dir angesprochenen Feuerwehr-Bereichs fallen mir vorallem die in letzter Zeit ganz massiv aus dem Boden sprießenden Internetportale lokaler Zeitungen auf, auf denen es eigentlich ausschließlich die automatisch übernommenen Presseagenturmeldungen gibt, ohne jegliche Eigenrecherche oder eigene Artikel zu einem Thema. (Und wenn die Meldung dann mal falsch sein sollte, ist sie in ganz D trotzdem rasend schnell verbreitet)

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