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Am 12. September fand in diesem Jahr das „Wipfelfeuer 2009“ in Götz (Brandenburg) statt.
Das Fachsymposium zum Thema Waldbrandbekämpfung wurde dieses Jahr schon zum dritten Mal von dem Verein „@fire Internationaler Katastrophenschutz Deutschland e.V.“ organisiert und durchgeführt. Der aus Deutschland stammende Verein hat sich die Waldbrandbekämpfung und die Übernahme spezieller Feuerwehrtätigkeiten im Ausland zur Aufgabe gemacht. Die Mitglieder verteilen sich über ganz Deutschland und sind in regionale Teams gruppiert.
Neben Teilnehmern aus dem Bereich Brandschutz und Forst aus Deutschland und Österreich konnten auch Referenten aus dem Ausland zu einem nationalen und internationalen Austausch bei dem Symposium beitragen. Insgesamt nahmen 200 Teilnehmer, sechs Referenten und 16 Organisationen und Aussteller an der im Zentrum für Gewerbeförderung in Götz stattfindenden Veranstaltungen teil.
Der gewählte Veranstaltungsort mit seinen vielen Räumlichkeiten, Stellflächen und die für praktische Beispiele geeignete Umgebung, stellten sich als besonders geeignet heraus. Auch die Entscheidung für das vegetationsbrandgeplagte Bundesland Brandenburg mit seinen 1.09 Mio. Hektar Wald mit 75% Kiefernanteil und den noch vielen munitionsverseuchten Gebieten war für die Veranstaltung gut gewählt.
Der Veranstaltungsablauf gliederte sich in drei Phasen: Fachvorträge, Ausstellung und Produktpräsentation sowie Workshops.

Begrüßt wurden alle Besucher durch das @fire Organisationsteam und den Moderator Nicolas Neumann, der die Teilnehmer durch die Veranstaltung führte. Begrüßung Wipfelfeuer 2009Die offizielle Begrüßung fand durch Herrn Manfred Gerdes vom Landesfeuerwehrverband Brandenburg statt. In der Zeit von 9.00 bis 13.00 Uhr wurde durch hochkarätige Referenten ein Einblick in die unterschiedlichen Aspekte der Waldbrandbekämpfung gegeben.
Den Anfang bei den Fachvorträgen machte der Abteilungsleiter Technik der Berufsfeuerwehr Düsseldorf und Fachbuchautor Ulrich Cimolino. Der Dipl. Ing. berichtete über bittere Erfahrungen, die in der Vergangenheit in dem Bereich der Vegetationsbrände in ganz Deutschland gemacht wurden. Im Laufe der vielen dargestellten Beispiele wurden, von dem Mitglied des Arbeitskreises Waldbrand, viele Lösungsansätze für eine Optimierung der Effektivität bei Wald- und Flächenbrandeinsätzen und dem Einsatz von Fahrzeugen gegeben.

Im Anschluss referierte der Dipl.-Ing. Henry Merz. Als Landesbranddirektor des Landes Brandenburg schilderte er umfangreich die Einsatzmöglichkeiten der Feuerwehren in Brandenburg bei ihren zahlreichen Waldbrandeinsätzen und vermittelte einen Einblick in die Problematik der Kampfmittelbelastung. Sein Resümee zu diesem Thema lautet wie folgt: Vorbeugen, Waldpflege, Ausbildung, bessere Technik, Zusammenarbeit üben und Probleme besprechen.

Neben dem fachlichen blieb auch der Spaß bei den Vorträgen nicht auf der Strecke. So konnte unter anderem Dr. Holger de Vries mit seiner humorvollen Art bei Darstellungen über den Einsatz von Schaum bei Waldbränden, das Fachpublikum oft zum schmunzeln bringen.
Er wies, wie seine Vorredner, darauf hin, dass die Ausbildung in diesem Bereich verstärkt werden müsse und dass zu oft auch die Erfahrungen im Umgang mit größeren Feuern fehlen. Dieses sei aber ein generelles Problem.

Über Waldbrandtaktiken für kommunale Feuerwehren berichtete der Ausbildungsleiter der Berufsfeuerwehr Osnabrück und Vorsitzender von @fire Jan Südmersen.
Hierbei wurden das richtige Herangehen an Flächenbrände sowie wichtige Einsatzgrundsätze dargestellt.

Einen Einblick über Waldbrandbekämpfungstaktiken in den USA konnte der Amerikaner Alan Sinclair vermitteln. Sinclair ist beim „Bureau of Indian Affairs“ tätig und hat vorher 19 Jahre für den „United States Forest Service“ gearbeitet. Er schilderte eindrucksvoll seine Erfahrungen von einem 2.600 Hektar großen Waldbrand und den Besonderheiten bei Einsätzen in Indianerreservaten. In seinem Bericht, der synchron ins Deutsche übersetzt wurde, erklärte er, dass die Gebiete vor dem Einsatz durch Vertreter des Indianerstammes freigegeben werden müssen, da die betreffenden Gebiete als indianisches Kulturgut gehandelt werden. Humorvoll merkte er an, dass seine Kollegen von den fire departments Respekt vor ihm hätten, da man der Meinung wäre, er würde einen Wohnzimmerbrand mittels Gegenfeuer in der Küche bekämpfen.

Im Anschluss der Fachvorträge wurde von Ulrich Cimolono eine Laudatio für den Forstdirektor a.D. Peter Lex und Dr. rer. Silv. Hans König für Ihr Lebenswerk im Bereich der Waldbrandbekämpfung gehalten. Sie erhielten den zum ersten Mal verliehenen Ehrenpreis “Silvanus – Hüter des Waldes”. Die beiden Preisträger, die sich in Deutschland um die Ausbildung und die Aufklärung verdient gemacht haben, berichteten in ihrer Dankesrede von ihren Lebenserfahrungen und Wegen.

Nach einer Mittagspause wurden in der Zeit von 14.00 bis 15.00 Uhr viele einsatzrelevante Produkte durch die Hersteller und Organisationen auf dem Vorplatz anschaulich vorgestellt. Namenhafte Hersteller präsentierten ihre Fahrzeugkonzepte, Spezialschäume, PSA, Handwerkszeug, Konzepte zur wassergestützten Brandbekämpfung am Boden oder aus der Luft sowie Softwarelösungen.
Gegen 15.00 Uhr startete dann die Workshopphase. Jeder Teilnehmer hatte im Vorfeld die Möglichkeit Wünsche zu äußern und wurde unter Berücksichtigung dieser den Workshops zugeordnet.
In den Workshops hatte jeder die Gelegenheit praktisch mitzuarbeiten und die vorgestellten Einsatzmittel oder Handlungsweisen auszuprobieren.

Angeboten wurden folgende sechs Praxisworkshops:
– Effizienter Wassereinsatz bei der Waldbrandbekämpfung
– Sicherheit im Waldbrandeinsatz
– Brandbekämpfung mit Handwerkzeugen
– GeoNet NRW
– Umgang mit munitionsverseuchten Flächen
– Einsatz von Löschgel

Ich konnte an den ersten drei Workshops teilnehmen. Effizienter Wassereinsatz und Brandbekämpfung mit Handwerkzeug fanden neben dem Veranstaltungsort auf einer Acker- bzw. Wildwuchsfläche statt. Hier hatte man die Möglichkeit kontrollierte Feuer selbst zu bekämpfen und Produkte, wie ein Strahlrohr mit Schaumpatrone, zu testen, parallel wurde der Einsatz mit D-Rohren und Wasserrucksäcken vorgeführt.
Wipfelfeuer 1Ein Stück weiter konnte man auf einer Ackerfläche, auf der ein Strohwall brannte, den Einsatz von Feuerpatschen üben. Weiter wurde vermittelt wie man mittels Schaufel Sand zur Brandbekämpfung einsetzen kann. Hier wurden die in kommunalen Feuerwehren weniger anzutreffenden Handwerkzeuge vorgestellt und deren Umgang gelehrt. Unter anderem wurden die Pulaski Waldbrand-Axt, der Waldbrandrechen, Hacken wie die Mc Leod und Kultursicheln, sog. Brush Hooks, zum Testen bereitgestellt.

In dem von Jan Südmersen durchgeführten Workshop wurden erst in der Theorie Taktiken zur Waldbrandbekämpfung vermittelt und im Anschluss an ein Planspiel die Brandbekämpfung an einer Hanglage nachgestellt. Besonderes Augenmerk hatte hierbei das sichere Vorgehen der eigenen Mannschaft sowie die Wahl des richtigen und noch zu schützenden, sinnvollen Einsatzzieles. Während des Planspiels wurde insbesondere auch auf die Berücksichtigung von Temperatur, Wind, Hanglage und Brandlast eingegangen.
Abschließend bleibt nur noch zu erwähnen, dass sich der Besuch des Fachsymposiums als interessante, grundlagenvermittelnde und praxisnahe (Lehr-)Veranstaltung sehr lohnend dargestellt hat. Diesen positiven Eindruck bestätigten mir auch weitere Besucher der Veranstaltung.

Am Ende der Veranstaltung konnte ein Interview mit dem Abschnittsleiter Vertreter Karsten Egler aus dem Landkreis Harburg in Niedersachsen geführt werden.

Fwnetz.de: Herr Egler, wie hat Ihnen die Veranstaltung „Wipfelfeuer 2009“ gefallen?
Egler: Mir hat die Veranstaltung sehr gut gefallen. Besonders haben mir die gewählten Fachreferenten gefallen und die Organisation am Veranstaltungsort.

Fwnetz.de: Sie sind im Landkreis Harburg unter anderem auch für die Katastrophenschutzzüge der Kreisfeuerwehr im Bereich Brandbekämpfung und technische Hilfeleistung zuständig. Was haben Sie aus dieser Veranstaltung mitgenommen bzw. welche Anregungen haben Sie für Ihre dortigen Aufgaben erhalten?
Egler: Wir werden in naher Zukunft wieder eine Veranstaltung zu diesem Thema für unsere Zugführer der Kreisbereitschaftszüge durchführen, um das Wissen über die Besonderheiten der Waldbrandbekämpfung weiter voranzutreiben. Eine ähnliche Veranstaltung haben wir vor einigen Jahren schon einmal durchgeführt. Die heute gesammelten Anregungen zeigen mir, dass es kaum Lehrgänge zum Thema Taktik und Technik in der Waldbrandbekämpfung gibt und dass wir das Thema auf lokaler Ebene angehen müssen. Niedersachsen hat schließlich die nötigen Züge für Wald- und Flächenbrände in seinen Kreisbereitschaften, die sind gut aufgestellt und sollen auch gut ausgebildet sein. Hierfür werden wir die heute gesammelten Informationen und Kontakte nutzen.

Fwnetz.de: Werden die auf der „Wipfelfeuer 2009“ gesammelten Erkenntnisse auch Einfluss auf ihr Verhalten in der Einsatzleitung haben?
Egler: Auf jeden Fall! In der Taktik und der Kommunikation sowie auch in der Art der Brandbekämpfung. Insbesondere der Einsatz von Boden- bzw. Fußpersonal wird eine Rolle spielen. Wir halten für die Deichverteidigung und Großlagen mehrere Züge „Personalreserve“ bereit, die sollten in Zukunft bei diesen Lagen mit eingebunden werden.

Bilderserie

@fire

Wipfelfeuer 2009

Bericht Sebastian Jacobsen

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