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Lindau (by), (sc). Das FWNetz berichtete vor einigen Tagen unter dem Titel „Protest gegen Downgrade„, über die Gründung einer Interessensgemeinschaft in Lindau (Bayern). 21 Lindauer Feuerwehrleute protestieren auf diesem Weg gegen die Pläne der Stadt und des Kommandanten, die bisherige Hauptwache auf der Insel deutlich zu verkleinern und dementsprechend auch Fahrzeuge abzuziehen. Dazu gehört unter anderem die neu beschaffte Gelenkdrehleiter. Die Stadt Lindau hatte vor einiger Zeit beschlossen bis 2012 eine neue Hauptwache auf dem Festland im Heuriedweg zu bauen. (Das FWNetz bzw. das FWB berichtete: hier und hier). Dort werden die fünf hauptamtlichen Kräfte in Zukunft auch ihren Dienst verrichten. Der Neubau ist aufgrund von Platzmangel auf der Insel notwendig geworden und wird in der Diskussion nicht in Frage gestellt. Robert Kainz, Kommandant der FF Lindau, gabe dem FWNetz ein Telefoninterview.


Ebenfalls stand ein Feuerwehrstandort auf der Insel an sich niemals in Frage, wie Kommandant Robert Kainz im Telefongespräch mit FWNetz.de klar stellte. „Die Stadt ließ hier der Feuerwehr freie Hand.“ Mit dem Bezug der neuen Wache im Heuriedweg, wird diese automatisch zur Hauptwache. Dabei inkorporiert der Neubau den bisherigen Wachbereich Ost zusätzlich. Auf der Insel selbst sollen zwei Fahrzeuge verbleiben, ein Mannschaftswagen und ein Löschfahrzeug, um schnell eine Einheit vor Ort zu haben. Dieses Konzept ist in dieser Form von Kreisbrandmeister und der Regierung von Schwaben für in Ordnung befunden worden – auch ohne Drehleiter auf der Insel.

Neben dem psychologischen Moment (Verlust der Hauptwache, Abzug von Fahrzeugen) entzündet sich der Streit nun an der 1999 beschafften zweiten Gelenkdrehleiter. Die Interessengemeinschaft  führt an, dass diese extra für die Insel angeschafft wurde. Dem widerspricht Kainz im Telefongespräch. In der Tat gibt es im Bereich der gewerblich genutzten und auch genehmigungspflichtigen Betriebe Gebäude, die die Sicherstellung eines zweiten, durch die Feuerwehr sicherzustellenden Rettungsweg erforderlich machen, aber allein wegen dieser Gebäude wurde die Drehleiter nicht beschafft, sagt Kainz.

Bis 1999 gab es in Lindau nämlich nur eine Drehleiter, die immer im Wachbereich West auf der Insel stand, dann aber in den Wachbereich West umgesetzt wurde. Auf der Insel stand bis dato keine Drehleiter. Grund für die Beschaffung waren zwei Dachstuhlbrände, die die Notwendigkeit einer weiteren Drehleiter deutlich machten. Die Leiter dient außerdem als Ausfallsicherheit. Zudem hat Lindau den Status einer Stützpunktfeuerwehr inne, sodass der Kreis sich bei der Beschaffung beteiligte.

Kainz stellte im Gespräch klar, dass die Entscheidung für eine Gelenkleiter weniger wegen der Gebäude auf der Insel, als vielmehr aus den tatsächlichen Erfordernissen in der Praxis entstand. Er führt z.B. die Amtshilfe für den Rettungsdienst bei der Rettung von Personen aus höheren Stockwerken an, aber auch die Notwendigkeit am Bodenseeufer im Unterflurbereich arbeiten zu können. Grundsätzlich, so Kainz, gibt es auf dem Festland auch genügend Objekte, die eine zweite Drehleiter notwendig machen.

Die Stationierung der neuen Leiter auf der Inselwache ergab sich dabei allein aus dem Charakter der Hauptwache und der dort Dienst verrichtenden hauptamtlichen Feuerwehrleute. „Die hauptamtlichen Kräfte sollen bei kleineren Einsätzen mit der Drehleiter auch ausrücken“, erklärt Kainz. Aus diesem Grund zieht die Drehleiter auch mit der hauptamtlichen Wache um.

Sollte die Drehleiter von der neuen Hauptwache aus auf die Insel ausrücken müssen, werde die Hilfsfrist von zehn Minuten eingehalten, so Kainz. Dem widersprechen jedoch die Kritiker, die zusätzlich die schwierige Verkehrssituation in den Sommermonaten, auf der bei Touristen beliebten Insel als Argument anführen. Auf die Insel selbst führen nämlich nur ein Bahndamm und eine Verkehrsbrücke, die bei starkem Verkehrsaufkommen außerdem zum Nadelöhr wird.

Die Verkehrssituation insgesamt, also unabhängig von Tages- und Jahreszeit, „habe in der Vergangenheit nie Probleme bereitet“, so Kainz, „wenn dann gibt es eher Probleme von der Insel auf das Festland zu kommen“.

Sollten Feuerwehrkräfte vom Festland auf die Insel fahren müssen, sehe er keine Probleme, weil bei Planung der Brücke die Notwendigkeiten der Feuerwehr berücksichtigt wurden. Insgesamt hat die Brücke zwei Fahrstreifen mit einer Breite von 5, 50 Meter und zwei Bürgersteige mit einer Breite von einem Meter. Zusätzlich gibt es einen zum Fahrbahnwechsel geeigneten Fahrbahntrenner, sozusagen ein speziell markierter Mittelfahrsteifen, der jedoch nicht durchgängig ist  der von der Feuerwehr als Notfahrstreifen genutzt wird. Flankiert werde diese Maßnahme durch Sperrflächen und Feuerwehrzufahrtsschilder auf der Insel. Damit sei ein Durchkommen gewährleistet.

Eine alternative Zugangsmöglichkeit zur Insel besteht über den Bahndamm, der jederzeit befahren werden kann. Die Zeitverzögerung im Vergleich zur Verkehrsbrücke, sei, je nach Objekt, minimal und liege bei etwa 30 Sekunden, so Kainz weiter. Ein neuralgischer Punkt besteht jedoch in der Bahnlinie, die Lindau auf dem Festland in zwei Hälften schneidet und die nur über einen Bahnübergang befahrbar ist.

Kainz führt unter Bezug auf die Hilfsfristen an, dass die neue Heuriedwache tagsüber sogar schneller vor Ort sein könne, weil viele Feuerwehrmänner der Inselwache in unmittelbarer Nähe der neuen Wache ihren Arbeitsplatz hätten. In der Feuerwehr Lindau rücken Feuerwehrangehörige in der Regel mit der Wache aus, in dessen Wachbezirk Sie arbeiten.

Die Feuerwehr Lindau ist in fünf Wachbereiche eingeteilt. Insgesamt gibt es etwa 180 Freiwillige Feuerwehrleute. Die hauptamtliche Wache der Feuerwehr Lindau umfasst fünf Angestellte, davon befinden sich vier im Einsatzdienst. Einer der hauptamtlichen ist außerdem immer im Schichtdienst, weitere im Tagdienst.

Von den 38 aktiven Feuerwehrleuten auf der Insel, wohnen 14 direkt auf der Insel, der Rest auf dem Festland, davon vier innerhalb der Bahnlinie. Weiterhin wohnen drei Angehörige der Wache Ost auf der Insel. Somit sind nachts auf der Insel 17 Feuerwehrleute verfügbar. Fünf Inselfeuerwehrleute arbeiten direkt auf der Insel, zuzüglich eines Feuerwehrangehörigen der Wache Ost und drei FA die sich noch innerhalb der Bahnlinie befinden. Damit ergibt sich im Idealfall die Verfügbarkeit von 11 Feuerwehrleuten (inklusive drei hauptamtliche Kräfte) am Tag. Alle anderen Kräfte müssen bei Tag und Nacht vom Festland auf die Insel fahren und ggf. den Bahnübergang queren.

Die Alarm- und Ausrückeordnung sieht bei einem gemeldeten Feuer vor, dass die hauptamtlichen Kräfte warten bis genügend Freiwillige das Fahrzeug mitbesetzen. Automatisch rückt auch die Wache West mit der alten Drehleiter aus. Handelt es sich um ein bestätigtes oder größeres Feuer kommt die Wache Ost hinzu.

Ein Blick auf die Einsatzverteilung zeigt zudem, dass der Einsatzschwerpunkt der Inselwache auf dem Festland liege, so Kainz. Zwei Drittel aller Einsätze führten die Feuerwehrleute aufs Lindauer Festland. In den letzten fünf Jahren habe es zudem im Durchschnitt auf der Insel selbst etwa acht echte Brandalarme pro Jahr gegeben, wie zum Beispiel ein brennendes Auto oder angebranntes Essen. Zudem sei bei drei Zimmerbränden in den letzten Jahren diesem Zeitraum eine Drehleiter gar nicht zum Einsatz gekommen, da diese nicht eingesetzt werden konnte. Im einen Fall war es taktisch nicht notwendig, im anderen Fall befand sich die Einsatzstelle in einem Hinterhof, den die Drehleiter nicht befahren konnte. (Autor: Stefan Cimander, www.fwnetz.de)

Links

Presseartikel

Weitere Quellen

  • Telefoninterview mit Robert Kainz, Kommandant FF Lindau
  • Diskussion im Feuerwehr Forum

Update 17.10.2009: Korrekturen

  • 3 inhaltliche Korrekturen nach Hinweis durch FF Lindau:
    a) alte DL stand vorher auf der Insel,
    b) Spezieller Mittelfahrstreifen auf der Brücke ist nicht durchgängig und auch zum Überholen der fahrenden PKW gedacht,
    c) Anzahl Brandeinsätze auf Insel bezogen sich auf Jahresdurchschnitt
  • 3 Links hinzugefügt

Kommentare

2 Kommentare zu “Lindau: Protest gegen Downgrade – Hintergrund [update]” (davon )

  1. Stefan Cimander am 26. Oktober 2009 10:01

    Der Info-Abend der Oberbürgermeisterin und des Kommandanetn endete, so die Schwäbisceh Zeitung, in einem Eklat: http://www.szon.de/lokales/lindau/stadt/200909230448.html

  2. Stefan Cimander am 23. März 2010 10:02

    Über den Twitter-Account http://twitter.com/dlkstreit soll heute Abend (23.03.10) ab ca. 18:00 über die Stadtratssitzung “Drehleiterstreit in Lindau amBodensee” getweetet werden.

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