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3. Böblinger Fachseminar für Feuerwehren

27. November 2009 von  

Guido Zum dritten Mal fand in Böblingen ein Fortbildungsseminar für die Feuerwehr statt.
Die ersten beiden Seminare widmeten sich der Brandbekämpfung, während diesmal spezielle Aspekte der technischen Hilfeleistung genauer beleuchtet wurden.
Zur Begrüßung warnte der neue Kreisbrandmeister des Landkreis Böblingen Guido Plischek vor einem Kulturschock: Er als Berliner sei den Dialekt, aber auch das hohe Engagement der freiwilligen Feuerwehren im Ländle nicht gewohnt, jedoch sehr erfreut darüber. Fast 300 Teilnehmer fanden ihren Weg nach Böblingen aus ganz Deutschland und auch aus dem benachbarten Ausland. Die hohe Teilnehmerzahl ist sicher nicht nur dem guten Ruf der bisherigen Seminare zu danken, sondern auch dem vielversprechenden Programm.
Der Part technische Rettung nach Verkehrsunfällen wurde größtenteils durch Referenten aus dem Ausbilderteam der bekannten Rescue-Days vorgetragen, weitere Referenten boten zusätzliche Informationen zu den Bereichen der technischen Rettung aus Zwangslagen, bei Gebäudeeinstürzen und Bahnunfällen.
Den Ersten Vortrag hielt Frank Bohm von der Berufsfeuerwehr Ludwigshafen. Er als Pfälzer sorgte für den nächsten Kulturschock. Sein einführend gezeigter Werbefilm eines Polnischen Versicherers sorgte für gute Stimmung um dann sofort tief in das Fachthema Patientengerechte Umfallrettung aus LKW einzusteigen. In diesem Fachgebiet kennt sich Frank Bohm bestens aus, er ist Mitautor des Roten Heftes „LKW Rettung“.
Ebenso wie bei jedem anderen Rettungseinsatz nach Verkehrsunfall sollte die technische Rettung sicher, schonend und schnell sein. Bei der Rettung von Verkehrsunfallopfern aus dem Fahrerhaus eines LKW muss sich die Feuerwehr jedoch besonderen Problemen stellen, vor allem der große Höhenunterschied, gefahren durch das Ladegut und oftmals wenig Erfahrungen mit solchen Einsätzen.
Für eine schnelle und fachgerechte Rettung zählt jeder Vorteil den sich die Retter schaffen, hier gab der Referent hilfreiche Tipps.
Dr. Tim Heyne, der sich selbst als Ausbilder für technische Hilfeleistung für Feuerwehren und „nebenbei“ Arzt an der Universitätsklinik Göttingen vorstellte, hielt einen Vortrag über die Zusammenarbeit von Feuerwehr und Rettungsdienst im Einsatz.
Anhand des Begriffs „Team-Resource-Management“ erläuterte er aus einem, für die Fortbildungsteilnehmer neun Ansatz, der nicht aus dem Feuerwehrbereich kommt, die Intensionen des Führungsvorgangs und der Einsatztaktik nach den Vorgaben der Feuerwehrdienstvorschriften.
Außerdem erläutete er, aus Sicht eines Arztes, die medizinischen Ziele bei der Rettung, welche die perfekte Zusammenarbeit aller Rettungskräfte erfordern.
Ziel eines Rettungseinsatzes ist es einen Patienten dem Verletzungsmuster angepasst möglichst schnell zu befreien und in den Schockraum einer Klinik zu verbringen.
Bei der Befreiung von Patienten aus verunfallten Fahrzeugen ist die Kommunikation zwischen den Akteuren der technische Rettung und der medizinische Rettung entscheidend. Entscheidend sind folgende Fragen:
Wo brauche ich Platz?
Wo soll der Patient Raus?
Wie lange darf es dauern?
Dr. Rainer Zinser, Oberarzt in der Oberschwabenklinik in Ravensburg, knüpfte in seinem Vortrag direkt an die Moderne Fahrzeugtechnologie an. Er widmete sich im Speziellen den Unfällen mit Kleintransporterfahrzeugen. Auch diese Fahrzeugklasse ist inzwischen, wie die Pkw, so komplex, dass hier besonderes Wissen und Vorsicht in Einsatz geboten ist.
Auch er erläuterte aus sicht eines Notarztes, dass Vorgehen bei der Rettung von Patienten in Zusammenarbeit mit der Feuerwehr. Die so genannten First Hits, also die Verletzungen die beim Unfall selbst entstehen sind durch die Einsatzkräfte nicht vermeidbar. Die Second-Hits, also Folgeverletzungen oder Verschlechterungen der Situation des Patienten gilt es durch das richtige taktische und technische Vorgehen und eine Abstimmung von Feuerwehr und Rettungsdienst zu vermeiden oder zumindest auf ein Minimum zu verringern.
Jörg Heck, der bei der Freiwilligen Feuerwehr in Mainz als Ausbilder aktiv ist, referierte über neue Fahrzeugtechnologien. Je komplexer der Aufbau eines Pkw umso wichtiger wird es Informationen zum Fahrzeug zu bekommen. Jeder Fahrzeugtyp  birgt andere Probleme und Gefahren bei der technischen Rettung. Wo sind Zugangsmöglichkeiten ins Fahrzeug? Wo kann man Spreizer oder Schneidgerät ansetzen? wo sind Airbags? Mit welchem Kraftstoff  wird das Fahrzeug angetrieben? Informationen über diese Gefahren und die Rettungsmöglichkeiten müssen für die Feuerwehr schnell greifbar sein.
Hierfür gibt es inzwischen, ähnlich wie bei den Informationssystemen bei Gefahrgutunfällen, Computersysteme, Datenbanken, Rettungsleitfäden, Rettungsdatenblätter, und die erst kürzlich publizierte Rettungskarte des ADAC.
Bevor jedoch auf Informationssysteme zurückgegriffen wird muss erst klar sein, um welchen Fahrzeugtyp es sich handelt. Zur Fahrzeugidentifikation könnte in Zukunft Kennzeichenabfrage ein Lösungsansatz sein.
Informationssysteme werden einen Vorteil bei der technischen Rettung bringen, wichtig bleibt bei aber weiterhin die Virtuosität des Geräteführers, der mit seiner Technik vorankommen muss.
Schneidgeräte kommen bei modernen Fahrzeugen am ehesten an ihre Leistungsgrenzen. Hier stellte Jörg Heck einige grundlegende Tricks für Geräteführer vor, die zwar Komplikationen am Fahrzeug nicht immer entgegenwirken, aber die vermeiden, dass neben der komplizierten Fahrzugtechnik noch mehr Probleme beim Vorgehen entstehen.
Jan Südmersen von der Berufsfeuerwehr Osnabrück gilt in Böblingen bereits als Bekanntes Gesicht, da er schon an den beiden zuvor stattgefundenen Seminaren vorgetragen hatte.
Er fand in seinem Vortrag zum Thema „Heavy Rescue“ eine perfekte Überleitung von der technischen Hilfeleistung bei Verkehrsunfällen zu besonderen Einsatzlagen. Beginnend von Situationen bei denen verunfallte Fahrzeuge nur durch schwere Maßnahmen mit Hilfe eines Kranes gesichert werden müssen um Rettungsmaßnahmen durchführen zu können, bis hin zu Spezialrettung bei Bauunfällen und Gebäudeeinstürzen.
Jan Südmersen brachte in seinem Vortrag folgende Fragen vor: „Sind wir auf alles Vorbereitet? Und sind wir auf genügend Situationen vorbereitet um beim Rest improvisieren zu können?“
Spezialisierung oder Improvisation? – Für bestimmte besondere Lagen ist neben dem Improvisationstalent der Feuerwehren unbedingt spezielles Fachwissen und auch Spezialausrüstung erforderlich.  Neben den Rüstzügen der Feuerwehr ist daher zu hinterfragen, ob für besondere Situationen Spezialkräfte vorhanden sind. Diese können beispielsweise auch vom THW vorgehalten werden, wichtig ist es aber, zu wissen wo diese Spezialkräfte vorgehalten werden und wann sie zum Einsatz kommen sollen.
Michael Markus von der Universität Karlsruhe (TH) stellte in seinem Vortrag den Baufachberater und die vfdb-Richtlinie zu Einsätzen bei Gebäudeeinstürzen vor.
Bei Gebäudeeinstürzen handelt es sich genau um eine solche Situation in der Fachwissen und Spezialkräfte erforderlich sind. Gebäudeeinstürze oder Teileinstürze, einzeln nach einer Explosion sind in Deutschland durchaus eintreffende Unglücksfälle, aber auch Erdbebenszenarien können in einigen Regionen Deutschlands nicht auszuschließen.
Bei der technischen Rettung gilt hier das Mikadoprinzip: Gezieltes Vordringen von zuvor georteten Verschütteten ohne weitere Verschlechterung der Lage. Da diese Einsätze nicht alltäglich sind und hierfür auch sehr wenig Ausbildung betrieben wird ist es hier sinnvoll einen speziellen Baufachberater zu Rate zu ziehen, der sowohl Fachwissen über Vorgehensweise der Rettungskräfte als auch Spezialwissen aus dem Baubereich hat.
Der Baufachberater dienst als Berater an für die Einsatzleitung und vorgehende Kräfte. Die Universität Karlsruhe bildet in einem Lehargang Baufachberater aus, Feuerwehrleute mit entsprechender baulicher Vorbildung und Mitarbeiter von Baubehörden können an diesem Lehrgang teilnehmen. Das THW bildet an der THW-Bundesschule ebenfalls Baufachberater aus. Der Baufachberater kann an der Einsatzstelle folgende Beurteilungen und Empfehlungen machen:
- Gefährdung aus Trümmerstrukturen
- Gefährdung im weiteren Verlauf aufgrund der Rettungsarbeiten
- Mögliche Lage von Verschütteten
- Sicherungsmaßnahmen
- Zugangsmöglichkeiten
- Rettungsmaßnahmen
Für Gebäudeeinstürze empfiehlt es sich, so Michael Markus eine entsprechende Alarm-Ausrückeordnung aufzustellen in der gemäß der vfdb-Richtlinie die benötigten  Spezialkräfte benannt sind.
Im Anschluss an diesen Vortrag Referierte Manfred Fiss von der Berufsfeuerwehr Köln über einen Gebäudeeinsturz der als Medienwirksames Ereignis jedem geläufig sein wird: Der Einsturz des Historischen Stadtarchivs in Köln, welcher in Zusammenhang mit einer U-Bahnbaustelle, die sich direkt vor dem Archiv befindet, steht.
Ursprünglich war als Referent der Leiter der Kölner Feuerwehr Stephan Neuhoff vorgesehen, der sich leider entschuldigen lies.
Manfred Fiss schilderte ausführlich den Einsatzablauf und den vermutlichen Unglückshergang, bei dem glücklicherweise nur zwei Personen ums Leben kamen. Alle übrigen Bewohner und Passanten konnten offenbar, nachdem Bauarbeiter die Anzeichen eines bevorstehenden Einsturzes erkannten, von diesen innerhalb von zwei Minuten gewarnt werden, bevor es zum Einsturz kam.
Der Einsatz nach dem Gebäudeeinsturz dauert auch jetzt, acht Monate nach dem Ereignis, unter der Einsatzleitung der Feuerwehr Köln an, da immer noch Archivalien aus den Trümmern geborgen werden müssen. Die Feuerwehr gilt hier als kompetenter Ansprechpartner, für alle an der Bergung Beteiligten.
Einsatzmaßnahmen bei Bahnunfällen waren ein weiterer Aspekt der von Uwe Walter, Notfallmanager der DB, referiert wurde.
Das Allgemeine Eisenbahngesetz verpflichtet den Infrastrukturunternehmer, sprich den Betreiber des Bahnstreckennetzes, aber auch den Eisenbahnverkehrsunternehmer, der Züge betreibt, zur Vorbeugung und Mitwirkung bei Brandschutz und Rettungseinsätzen im Bahnbereich. Hierfür Hält die DB, aber auch andere Eisenbahnunternehmen, Fachberater (z.B. Notfallmanager) und spezielle Ausrüstung bereit oder stellt sie der Feuerwehr zur Verfügung. Dieses Repertoire wurde vorgestellt und insbesondere die Gefahren bei Bahneinsätzen erläutert, die vor allem von der Geschwindigkeit herannahender Züge und die Oberleitungen ausgehen, aber auch durch Gefahrgut im Güterverkehr.
Die Vorträge der Veranstaltung sowie ein Bericht über die Veranstaltung und Bilder stehen unter www.feuerwehr-boeblingen.de zur Verfügung.

bbVon Stefan Hermann

Zum dritten Mal fand in Böblingen ein Fortbildungsseminar für die Feuerwehr statt. Die ersten beiden Seminare widmeten sich der Brandbekämpfung, während diesmal spezielle Aspekte der technischen Hilfeleistung genauer beleuchtet wurden.

Zur Begrüßung warnte der neue Kreisbrandmeister des Landkreis Böblingen Guido Plischek vor einem Kulturschock: Er als Berliner sei den Dialekt, aber auch das hohe Engagement der freiwilligen Feuerwehren im Ländle nicht gewohnt, jedoch sehr erfreut darüber. Fast 300 Teilnehmer fanden ihren Weg nach Böblingen aus ganz Deutschland und auch aus dem benachbarten Ausland. Die hohe Teilnehmerzahl ist sicher nicht nur dem guten Ruf der bisherigen Seminare zu danken, sondern auch dem vielversprechenden Programm.

Der Part technische Rettung nach Verkehrsunfällen wurde größtenteils durch Referenten aus dem Ausbilderteam der bekannten Rescue-Days vorgetragen, weitere Referenten boten zusätzliche Informationen zu den Bereichen der technischen Rettung aus Zwangslagen, bei Gebäudeeinstürzen und Bahnunfällen.

Den ersten Vortrag hielt Frank Bohm von der Berufsfeuerwehr Ludwigshafen. Er als Pfälzer sorgte für den nächsten Kulturschock. Sein einführend gezeigter Werbefilm eines Polnischen Versicherers sorgte für gute Stimmung um dann sofort tief in das Fachthema Patientengerechte Unfallrettung aus LKW einzusteigen. In diesem Fachgebiet kennt sich Frank Bohm bestens aus, er ist Mitautor des Roten Heftes „LKW Rettung“.

Ebenso wie bei jedem anderen Rettungseinsatz nach Verkehrsunfall sollte die technische Rettung sicher, schonend und schnell sein. Bei der Rettung von Verkehrsunfallopfern aus dem Fahrerhaus eines LKW muss sich die Feuerwehr jedoch besonderen Problemen stellen, vor allem der große Höhenunterschied, Gefahren durch das Ladegut und oftmals wenig Erfahrungen mit solchen Einsätzen.

Für eine schnelle und fachgerechte Rettung zählt jeder Vorteil den sich die Retter schaffen, hier gab der Referent hilfreiche Tipps.

Dr. Tim Heyne, der sich selbst als “Ausbilder für technische Hilfeleistung für Feuerwehren” und „nebenbei“ Arzt an der Universitätsklinik Göttingen vorstellte, hielt einen Vortrag über die Zusammenarbeit von Feuerwehr und Rettungsdienst im Einsatz.

Anhand des Begriffs „Team-Resource-Management“ erläuterte er aus einem, für die Fortbildungsteilnehmer neuen Ansatz, der nicht aus dem Feuerwehrbereich kommt, die Intentionen des Führungsvorgangs und der Einsatztaktik nach den Vorgaben der Feuerwehrdienstvorschriften.

Außerdem erläutete er, aus Sicht eines Arztes, die medizinischen Ziele bei der Rettung, welche die perfekte Zusammenarbeit aller Rettungskräfte erfordern.

Ziel eines Rettungseinsatzes ist es, einen Patienten dem Verletzungsmuster angepasst, möglichst schnell zu befreien und in den Schockraum einer Klinik zu verbringen.

Bei der Befreiung von Patienten aus verunfallten Fahrzeugen ist die Kommunikation zwischen den Akteuren der technischen Rettung und der medizinischen Rettung entscheidend. Entscheidend sind folgende Fragen:

  • Wo brauche ich Platz?
  • Wo soll der Patient Raus?
  • Wie lange darf es dauern?

Dr. Rainer Zinser, Oberarzt in der Oberschwabenklinik in Ravensburg, knüpfte in seinem Vortrag direkt an die Moderne Fahrzeugtechnologie an. Er widmete sich im Speziellen den Unfällen mit Kleintransporterfahrzeugen. Auch diese Fahrzeugklasse ist inzwischen, wie die Pkw, so komplex, dass hier besonderes Wissen und Vorsicht in Einsatz geboten ist.

Auch er erläuterte aus sicht eines Notarztes das Vorgehen bei der Rettung von Patienten in Zusammenarbeit mit der Feuerwehr. Die so genannten “First Hits”, also die Verletzungen die beim Unfall selbst entstehen, sind durch die Einsatzkräfte nicht vermeidbar. Die “Second-Hits”, also Folgeverletzungen oder Verschlechterungen der Situation des Patienten gilt es, durch das richtige taktische und technische Vorgehen und eine Abstimmung von Feuerwehr und Rettungsdienst, zu vermeiden oder zumindest auf ein Minimum zu verringern.

Jörg Heck, der bei der Freiwilligen Feuerwehr in Mainz als Ausbilder aktiv ist, referierte über neue Fahrzeugtechnologien. Je komplexer der Aufbau eines Pkw umso wichtiger wird es, Informationen zum Fahrzeug zu bekommen. Jeder Fahrzeugtyp  birgt andere Probleme und Gefahren bei der technischen Rettung. Wo sind Zugangsmöglichkeiten ins Fahrzeug? Wo kann man Spreizer oder Schneidgerät ansetzen? Wo sind Airbags? Mit welchem Kraftstoff  wird das Fahrzeug angetrieben? Informationen über diese Gefahren und die Rettungsmöglichkeiten müssen für die Feuerwehr schnell greifbar sein.

Hierfür gibt es inzwischen, ähnlich wie bei den Informationssystemen bei Gefahrgutunfällen, Computersysteme, Datenbanken, Rettungsleitfäden, Rettungsdatenblätter, und die erst kürzlich publizierte Rettungskarte des ADAC.

Bevor jedoch auf Informationssysteme zurückgegriffen wird muss erst klar sein, um welchen Fahrzeugtyp es sich handelt. Zur Fahrzeugidentifikation könnte in Zukunft Kennzeichenabfrage ein Lösungsansatz sein.

Informationssysteme werden einen Vorteil bei der technischen Rettung bringen, wichtig bleibt bei aber weiterhin die Virtuosität des Geräteführers, der mit seiner Technik vorankommen muss.

Schneidgeräte kommen bei modernen Fahrzeugen am ehesten an ihre Leistungsgrenzen. Hier stellte Jörg Heck einige grundlegende Tricks für Geräteführer vor, die zwar Komplikationen am Fahrzeug nicht immer entgegenwirken, aber die vermeiden, dass neben der komplizierten Fahrzugtechnik noch mehr Probleme beim Vorgehen entstehen.

Jan Südmersen von der Berufsfeuerwehr Osnabrück gilt in Böblingen bereits als bekanntes Gesicht, da er schon an den beiden zuvor stattgefundenen Seminaren vorgetragen hatte.

Er fand in seinem Vortrag zum Thema „Heavy Rescue“ eine perfekte Überleitung von der technischen Hilfeleistung bei Verkehrsunfällen zu besonderen Einsatzlagen. Beginnend von Situationen, bei denen verunfallte Fahrzeuge nur durch schwere Maßnahmen mit Hilfe eines Kranes gesichert werden müssen um Rettungsmaßnahmen durchführen zu können, bis hin zu Spezialrettung bei Bauunfällen und Gebäudeeinstürzen.

Jan Südmersen brachte in seinem Vortrag folgende Fragen vor: „Sind wir auf alles Vorbereitet? Und sind wir auf genügend Situationen vorbereitet um beim Rest improvisieren zu können?“

Spezialisierung oder Improvisation? – Für bestimmte besondere Lagen ist neben dem Improvisationstalent der Feuerwehren unbedingt spezielles Fachwissen und auch Spezialausrüstung erforderlich.  Neben den Rüstzügen der Feuerwehr ist daher zu hinterfragen, ob für besondere Situationen Spezialkräfte vorhanden sind. Diese können beispielsweise auch vom THW vorgehalten werden, wichtig ist es aber, zu wissen wo diese Spezialkräfte vorgehalten werden und wann sie zum Einsatz kommen sollen.

Michael Markus von der Universität Karlsruhe (TH) stellte in seinem Vortrag den Baufachberater und die vfdb-Richtlinie zu Einsätzen bei Gebäudeeinstürzen vor.

Bei Gebäudeeinstürzen handelt es sich genau um eine solche Situation, in der Fachwissen und Spezialkräfte erforderlich sind. Gebäudeeinstürze oder Teileinstürze, einzeln nach einer Explosion sind in Deutschland durchaus eintreffende Unglücksfälle, aber auch Erdbebenszenarien können in einigen Regionen Deutschlands nicht ausgeschlossen werden.

Bei der technischen Rettung gilt hier das Mikadoprinzip: Gezieltes Vordringen von zuvor georteten Verschütteten ohne weitere Verschlechterung der Lage. Da diese Einsätze nicht alltäglich sind und hierfür auch sehr wenig Ausbildung betrieben wird ist es hier sinnvoll, einen speziellen Baufachberater zu Rate zu ziehen, der sowohl Fachwissen über Vorgehensweise der Rettungskräfte als auch Spezialwissen aus dem Baubereich hat.

Der Baufachberater dient als Berater für die Einsatzleitung und die vorgehenden Kräfte. Die Universität Karlsruhe bildet in einem Lehrgang Baufachberater aus, Feuerwehrleute mit entsprechender baulicher Vorbildung und Mitarbeiter von Baubehörden können an diesem Lehrgang teilnehmen. Das THW bildet an der THW-Bundesschule ebenfalls Baufachberater aus. Der Baufachberater kann an der Einsatzstelle folgende Beurteilungen und Empfehlungen machen:

  • Gefährdung aus Trümmerstrukturen
  • Gefährdung im weiteren Verlauf aufgrund der Rettungsarbeiten
  • Mögliche Lage von Verschütteten
  • Sicherungsmaßnahmen
  • Zugangsmöglichkeiten
  • Rettungsmaßnahmen

Für Gebäudeeinstürze empfiehlt es sich, so Michael Markus, eine entsprechende Alarm-Ausrückeordnung aufzustellen in der gemäß der vfdb-Richtlinie die benötigten  Spezialkräfte benannt sind.

Im Anschluss an diesen Vortrag Referierte Manfred Fiss von der Berufsfeuerwehr Köln über einen Gebäudeeinsturz der als Medienwirksames Ereignis jedem geläufig sein wird: Der Einsturz des Historischen Stadtarchivs in Köln, welcher in Zusammenhang mit einer U-Bahnbaustelle, die sich direkt vor dem Archiv befindet, steht.

Ursprünglich war als Referent der Leiter der Kölner Feuerwehr Stephan Neuhoff vorgesehen, der sich entschuldigen ließ.

Manfred Fiss schilderte ausführlich den Einsatzablauf und den vermutlichen Unglückshergang, bei dem glücklicherweise “nur” zwei Personen ums Leben kamen. Alle übrigen Bewohner und Passanten konnten offenbar, nachdem Bauarbeiter die Anzeichen eines bevorstehenden Einsturzes erkannten, von diesen innerhalb von zwei Minuten gewarnt werden, bevor es zum Einsturz kam.

Der Einsatz nach dem Gebäudeeinsturz dauert auch jetzt, acht Monate nach dem Ereignis, unter der Einsatzleitung der Feuerwehr Köln an, da immer noch Archivalien aus den Trümmern geborgen werden müssen. Die Feuerwehr gilt hier als kompetenter Ansprechpartner für alle an der Bergung Beteiligten.

Einsatzmaßnahmen bei Bahnunfällen waren ein weiterer Aspekt, der von Uwe Walter, Notfallmanager der DB, referiert wurde.

Das Allgemeine Eisenbahngesetz verpflichtet den Infrastrukturunternehmer, sprich den Betreiber des Bahnstreckennetzes, aber auch den Eisenbahnverkehrsunternehmer, der Züge betreibt, zur Vorbeugung und Mitwirkung bei Brandschutz und Rettungseinsätzen im Bahnbereich. Hierfür Hält die DB, aber auch andere Eisenbahnunternehmen, Fachberater (z.B. Notfallmanager) und spezielle Ausrüstung bereit oder stellt sie der Feuerwehr zur Verfügung. Dieses Repertoire wurde vorgestellt und insbesondere die Gefahren bei Bahneinsätzen erläutert, die vor allem von der Geschwindigkeit herannahender Züge und die Oberleitungen ausgehen, aber auch durch Gefahrgut im Güterverkehr.

Die Vorträge der Veranstaltung sowie ein Bericht über die Veranstaltung und Bilder stehen unter www.feuerwehr-boeblingen.de zur Verfügung.

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