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vsr(iw) Wenn der Fall eintritt, dass man seine Meinung um 180 Grad dreht: ich frage mich, was schlimmer  ist: die Meinung der anderen („habe ich doch die ganze Zeit gesagt“) oder die Einsicht, dass man eine Zeit auf der verkehrten Spur unterwegs war.

Wie auch immer, ich komme nun dazu, Abschied von meinem Lieblingskonzept zu nehmen: ich hatte es „GW-VU“ genannt, ein Spezialfahrzeug ausschliesslich für Verkehrsunfälle.

Was ist ein GW-VU? Nun, das ist ein Fahrzeug, welches ausschliesslich für Verkehrsunfälle gedacht ist. Links ein Beispiel aus Frankreich, ein so genannter Véhicule de Secours Routier VSR. 7,5-Tonner mit 400Liter Wasser und Hydraulik plus Unterbaumaterial zum abwinken (Bilderstrecke hier zu sehen). In anderen Ländern, beispielsweise Benelux oder Kroatien (recht weit) verbreitet, wenn mich nicht alles täuscht. Vom Prinzip her ähnlich dem VRW, aber viel mehr durchdacht.

Schaut man sich den Einsatzspektrum einer größeren Wehr an, müsste man mit folgenden Fahrzeugen gut aufgestellt sein: TLF für Brandbekämpfung, GW-VU für THL bei VU, KlaF bei kleineren Dingen, dazu Sonderfahrzeuge (DL, RW Schwer, GW-L, AB System etc.), letztere auch überörtlich eingebunden.

Der Haken an der Geschichte hat eigentlich nichts mit Taktik zu tun: nach Gesprächen Richtung Frankreich (oder auch dieser Kommentar von MaxW) zeichnet sich ein Trend hin zu HLF ab, einfach aus wirtschaftlichem Grund: die VSR werden nie gebraucht. Und wenn, kann die Ausrüstung auch in einem HLF mitgeführt werden.

Ob nun HLF oder TLF / LF plus GW, der GW-VU ist ein riesiger Kostenfaktor: Ausserdem propagiere ich (auch Arbeits wegen) Modularität (=Flexibilität), und genau dagegen geht ein Fahrzeug, welches ausschliesslich für einen eng gestecken Einsatzzweck konzipiert ist.

Von der ganzen Diskussion bleiben Wehren ausgenommen, die extrem viele THL-VU-Einsätze fahren, und sich eine Beschaffung „lohnt“. Davon abgesehen bereitet mir die Patentlösung trotzdem einiges an Kopfzerbrechen, denn ich mag’s gerne klein. Wenn man beispielsweise einen HLF-Tank auf 1600 oder gar 1200 beschränkt, bleiben viele Möglichkeiten, um einen Allrounder auf die Beine zu stellen, der sowohl Brand als auch THL fahren kann. Klein-Einsätze wie Insekten, Ölspuren, Wohnungsöffnungen, auslaufende Betriebsstoffe, kleinere Wassereinbrüche lassen sich von einem KlaF bewältigen und sollten nicht einen (H)LF „blockieren“. Gerade in diesem dicht besiedelten Land sollten übergreifende Konzepte Tagesordnung sein, aber das ist wieder ein Thema für sich.

Wie auch immer, ich kann mit einem Meinungsumschwung ganz gut leben :)

Kommentare

10 Kommentare zu “Wenn die Einsicht kommt…” (davon )

  1. Philipp am 1. Dezember 2009 20:25

    Also ich persönlich habe nichts dagegen, wenn jemand seine Meinung ändert, ich finde es immer nur schön, wenn er das dann entsprechend kommuniziert.
     
    Ich finde das immer wieder erheiternd wenn ich irgendwas sage/anrege/vorschlage was dann abgelehnt wird und einige Zeit (Wochen/Monate) kommt genau das von dem anderen als hätte es vorher nie eine andere Aussage gegeben.

  2. GFzbV am 1. Dezember 2009 20:48

    Sorry aber die vorgestellte Idee halte ich für zu einfach gedacht. Ist ja prima, wenn ich 7,5 Tonnen Technik vor Ort habe aber kein Personal welches dies bedienen kann. Mit dem Fahrzeug aus dem Bild kann ich max. 3 Leute mitnehmen, in jedem Fall zu wenig für einen VU.
    Mit einem TLF sieht es ähnlich aus, wenn es nicht gerade ein 16/25 ist, dann habe ich ebenfalls nur 3 Mann vor Ort. Diese können allein schon wegen SiTr keine Brandbekämpfung unter PA durchführen.
    Es hat schon seinen Sinn, dass bei immer mehr Feuerwehren der RW nicht mehr der Erstangreifer bei VU ist sondern erst als zweites oder sogar drittes Fahrzeug fährt.
    Gleiches gilt für die BBK, wo früher der Wasserlaster zu erst fuhr, rollt nun das LF als erstes vom Hof. Und warum, weil man gemerkt hat das Wasser allein kein Feuer löscht.
    Ein gut konzipierter Erstangreifer unterstützt durch ensprechende Spezialfahrzeuge, da kann ich mit leben, aber nicht mit einer absoluten Spezialisierung wie sie hier vorgestellt wird.

  3. Irakli West am 1. Dezember 2009 20:57

    @GFzbV der GW-VU 1/1 oder 1/2 würde zusammen mit dem TLF 1/4 oder 1/5 fahren, was aus meiner Sicht für einen standard-VU absolut ausreichend ist. In F iirc nur mit einem RTW, was fragwürdig ist.

  4. Cimolino am 1. Dezember 2009 21:18

    Hallo,

    schöne Einsicht. Du bist dann da gelandet, wo ORBIT, Basis-Fz 1 – 3 und die 1. Typenred. vor ca. 20 – 30 Jahren auch schon war – und bist damit immer noch weit (!) vor vielen dt. Feuerwehren, die immer noch meinen, ganz was anderes wäre viel besser… ;-)
    Welcome to the club… (derer, die versuchen, effizient zu arbeiten – und da sind HLF nun mal weit vorn)

  5. Lurge am 1. Dezember 2009 21:19

    bei der Feuerwehr Langen im Landkreis Offenbach / Hessen steht eine interessante Fahrzeugkombination. Die Mischung aus GW-Logistik und RW hat eine Standart TH-Beladung die durch Gitterboxen dann erweitert werden kann. Hier der Link:
    http://www.feuerwehr-langen.de/cms/htdocs/ffl.php/einsatz_fahrzeuge/44/920/
    Meines Wissens nach wurde das Fahrzeug sogar vom Land Hessen bezuschusst, da es als Baurichtlinie Hessen dauerhaft erscheinen soll.

  6. firebuff911 am 2. Dezember 2009 00:00

    Ein paar Fragen kommen mir da schon, ggfs. bitte widersprechen:

    Sind das in Frankreich ungefähr die gleichen Gründe, aus denen man in Deutschland den RW1 abgeschafft hat?

    In Frankreich sind die Wehren dünner gesät als in Deutschland – warum ist gerade da ein solches Fahrzeug nicht sinnvoll, wo man ggfs. besonders lange auf einen schweren Rüstwagen warten muss? Das verlinkte Beispiel Nantes ist immerhin eine Stadt mit knapp 300.000 Einwohnern – wo steht der nächste schwere RW?

    Was heisst in diesem Zusammenhang „modular“? Ist es „modular“, bei einem schweren VU mit einem vielseitigen Erstangreifer LHF und einem leichten Rüstwagen anzurücken, samt geübter Bedienungsmanschaft? Oder ist es „modular“, mehrere LHF zusammenzuziehen, deren Besatzung nicht durchgängig große THL-Erfahrung haben kann, dabei viel nicht gebrauchtes (Lösch-)Gerät auf die Straße zu bringen; um dann ggfs. doch auf den schweren RW warten zu müssen, weil nur der die „richtigen“ Werkzeuge für die moderne Tungsten-Karosse an Bord hat, weil man die auf dem LHF aus Astadt und Bdorf nicht angeschafft hat, weil man sie zu selten braucht?

  7. Gonzo am 2. Dezember 2009 15:41

    Ich denke der VSR ist vergleichbar mit dem RW 1 in Deutschland. Es fehlt natürlich der Brennschneider etc. Deswegen brauchst du deine Meinung nicht ändern. Ich denke solche Fahrtzeuge sind keine Erstangreifer. Es gibt vielmehr als Ünterstützungsfahrzeuge.
     

  8. Tch am 2. Dezember 2009 21:51

    Warum wurden die RW1 eigentlich abgeschafft in Deutschland ? Auf jedem Fall sollen die VSR in Frankreich überhaupt nicht abgeschafft werden.

    Auf einen schweren RW zu warten ? Welches schweres RW ? Solche sind in Frankreich (unabhängig von der Anzahl der Feuerwehrleute und Gerätehäuser) selten anzutreffen. Hier und da mal ein AB mit etwas schere Gerätschaften. Manchmal auch ein FSRL (Fourgon de Secours Routier Lourd)… Zu sagen dass, es eins pro Departement gibt, wäre schon übertrieben.

    Die VSR haben in den meisten Fällen nur leichte Gerätschaften. In meinem Departement gibt es 41 VSR verteilt auf 4700Km^2 und eine Million Einwohner. Alle sind jedoch mit den gleichen Rüstsätze bestückt : 300b, kleine Schneid- bzw. Spreizkräften…
    Dazu sind diese 8-tonner Leer. Es hat mehr VLK wie die anderen Fahrzeugen…

    Parallel zum VSR muss immer ein TLF 20/30 mitalarmiert werden. Also 10 Mann-Besatzung, zwei LKW-führerscheine, zwei Fahrzeuge, …

    All das nur um so viel zu schaffen wie ein HLF mit 6 Mann Besatzung schaffen würde…

  9. martien am 3. Dezember 2009 12:50

    @Irakli: Niederlaender fahren nur mit HLFs (bis auf die sehr kleinen Wehren). Groessere Wehren (BFs) halten dann eine Kombination „Schwere Hilfeleistung und Tauchen“ bereit

  10. Tch am 3. Dezember 2009 20:41

    @ Irakli : In Frankreich ist die Regel RTW + GW-VU meistens nur für VU ohne eingeklemmte Person.
     
    Bei mir z.B. kommt bei der Meldung eingeklemmte Person immer ein TLF mit. So besteht der Rüstzug aus KdoW 1/0, RTW 1/2 (n-fach), GW-VU 1/1, TLF 20/30 1/7 und VGW/KLAF 1/2.
    Bei kleineren Lagemeldungen fährt nur ein KdoW mit RTW und GW-VU und/oder VGW/KLAF.
    In viele Departement wird ein TLF mitalarmiert bei eingeklemmte Person. Ansonsten dient der GW-VU zur Ausleuchtung und zur Absicherung der Einsatzstelle.

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